Über Rosalie

Ich selbst komme aus einer recht ungewöhnlichen und nonkonformen Familie, die auf die harte Tour lernen musste, wie essentiell die Freiheit des anderen,  echte Toleranz und Respekt im Familienleben sind. Nur so konnten wir alle bis heute zusammen halten und Krisen überstehen. 

Der Gatte jedoch stammt aus sehr geordneten Verhältnissen mit hohem Leistungsdenken und viel aufpoliertem äußeren Schein.

Weil wir so unterschiedlich sind, treffen da schon mal Welten auf einander, vor allem in der Kindererziehung. Wir haben drei wunderbare Töchter (*2011, *2013, *2016), denen wir vor allem unseren Dickkopf und den Hang zur Unordentlichkeit vererbt zu haben scheinen. Mit den Damen wird es nie langweilig und es läuft garantiert nie so wie geplant. Darum habe ich aufgehört zu planen und angefangen früher aufzustehen, damit der Tag mehr Stunden hat…

Ich bin 'lass die mal machen'-Mutter, überzeugte Nichtvollzeitmutter und gehe gerne den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn die Kids mal so richtig ausflippen, kann ich locker mithalten und flippe auch aus, auch wenn ich mittlerweile von der Großen im laut Schreien übertönt werde.

In meinem Leben war ich schon mit einigen sehr heftigen und deftigen Situationen konfrontiert und habe bisher alles mit viel Zeit und Selbstreflexion hinter mich bringen und akzeptieren können. Ich habe gelernt, dass Mitmenschen meist echte Arschlöcher sind, so bald sie auch nur den leisteten Vorteil für sich wittern. Ich habe gelernt, dass es viel Arbeit und Glück braucht um Erfolg zu haben, aber dass es sehr viel mehr Arbeit und Ressourcen braucht, um so richtig gründlich zu versagen. Ich habe gesehen wie wirklich kluge Leute so richtig schlimme dumme Fehler machen und sich überschätzen. Und ich durfte eine Menge Menschen kennen lernen, die von allen völlig unterschätzt wurden, obwohl sie vieles richtig gemacht haben. Ich habe gelernt, dass Wahrheit Definitionssache ist und oft nicht von nachvollziehbaren Argumenten abhängt. Wahrheit und Lüge, Richtig und Falsch sind Kategorien, die uns das Leben erleichtern sollen und doch machen sie uns das Leben meist schwerer, als es sein müsste. Letztlich bin ich kein Wahrheitsfanatiker, sondern denke jeder hat in jeder Situation einen Grund, der ihn die Welt so sehen lässt, wie er sie sieht.

Gerade das Leben mit Kindern kann einem die Chance geben, sich mit sich selbst und den Mitmenschen noch mal ganz neu auseinanderzusetzen und es besser zu machen. Wenn man es zulässt, dann können Kinder wirklich besseren Menschen aus ihren Mitmenschen machen und das finde ich toll. 

Den Mamablog fing ich an zu schreiben, weil ich bei nur einer überschaubaren Menge an Mamablogs manchmal zustimmend nicken kann. Oft lese ich von Müttern, die ihre eigene Unsicherheit übertünchen wollen mit 'how to handle a child correctly'-Beiträgen. Das ärgert mich, weil der allgemeine Wunsch nach Toleranz (Wahlfreiheit) meist von falsch deklarierter Pseudo-Toleranz aufgefressen wird. Jemanden wirklich so anzunehmen, wie er ist und zu akzeptieren, was er denkt und tut, ist eine verflucht schwere Aufgabe. Ich kenne nur wenige Menschen, die das beherrschen und ich übe jeden Tag, um auch einmal dazu zu gehören. 
Gerade Elternsein hat so viele Aspekte, dass es unmöglich ist, immer und überall sein Bestes zu geben. 

Ich möchte allen meinen Bloglesern sagen: Wer sich in der Regel bemüht und sein Bestes gibt und geben will, der kann sich sicher sein, dass seine Kinder nicht losziehen, um sich an der nächsten Straßenecke bessere Eltern zu suchen. Und wer mit sich selbst gut leben kann, kann auch mit der Familie gut leben.

Ich weiß, dass auch meine kleinen Engelchen harte Zeiten durchmachen werden, dass sie an Menschen und Situationen und Erwartungen scheitern werden, dass sie Schmerz und Demütigung, Angst und vielleicht Hass empfinden werden. Meine Aufgabe als Mutter sehe ich darin, ihnen alles Schöne und Gute auf dieser Welt zu zeigen, damit sie nicht an den dunklen Seiten verzweifeln müssen, sondern voller Mut und Stärke auch die schweren Wege gehen können, voller Selbstvertrauen und Lust auf die eigene Zukunft. Ich wünsche ihnen ein ganz normales Leben voller Glück. 

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