Montag, 7. August 2017

Felsenfest wie 10 Elefanten

Mir kamen ein paar Gedanken nachdem ich diverse Vorstellungsgespräche hatte. 

Ich werde aufgrund meines Lebenslaufes recht häufig eingeladen. Schliesslich bewerbe ich mich auch sehr deutlich unter meiner formalen Qualifikation, weil es auf dieser Stufe schon gar keine Teilzeitjobs gäbe. Also such ich einen 'normalen' Job. 

In 'meiner' Branche finden Vorstellungsgespräche zu 90% bei männlichen Vorgesetzten statt. Präziser, bei echten Superheldenvorgesetzten, die sich selbst für die Allertollsten halten, unterirdische Manieren haben und die gerne möchten, dass man bei ihnen um einen Job bettelt. Mir ist es mehr als einmal passiert, dass das Chefchen bei seiner Sekretärin einen Kaffee bestellt hat, oder sich selbst einen vorbereitet hatte und mir nicht einmal ein Wasser angeboten wird. 

Bei diesen Gesprächen, die auch nicht mal halbwegs der Form eines Bewerbungsgespräches folgen, geht es ausschließlich darum, wieviel ich trotz Kindern arbeiten könne und weshalb ich jetzt überhaupt ne Lücke im CV habe. Meine formale Qualifikation ist gar kein Thema. Allein die Kinder werden thematisiert. 

Mir wird dann auch wirklich jedesmal von den Herren versichert, dass sie ja wüssten wie anstrengend das sei mit Kindern, denn die Herren der Schöpfung haben alle Kinder. Gern breiten sie dann aus, dass sie es ja kennen, das Vereinbarkeitsproblem, die Erschöpfung und die Sorge...

Bereits an diesem Punkt wird mir direkt klar, dass ich das Gespräch besser abbreche, denn ich würde innert 5 Tagen diesen Job bei diesem Chef verlieren, weil ich ihm sehr deutlichen machen würde, dass er leider darüber einen Scheiß weiß und ich ihn für einen Dummschwätzer halte. 

Ich hatte auch bereits 1 Vorstellungsgespräch bei einem Frauenkommittee. Dort waren die Kinder gar kein Thema. Den Job bekam ich nicht, weil sie mich mit meinem Enthusiasmus nicht geeignet hielten, Routinearbeiten zu erledigen. Auch blöd, aber ein richtig stimmiges Gespräch hatte ich zumindest.

Und zudem bin ich im Elternbeirat des Kindergartens und damit Ansprechpartner für die Eltern und als einzige Mutter im Kiga mit drei Kindern merke ich auch, dass Väter anders mit mir reden. Sie wollen, dass ich merke, wie sehr sie sich kümmern. Dann labern sie ewig, statt einen konkreten Punkt anzusprechen und am Ende soll ich ihnen möglichst eine gute Vatereignung bescheinigen. 

Kurzum, ich merke so oft, wie es Männern allein um die Bestätigung ihrer Heldenhaftigkeit geht, selten aber um den Inhalt der Arbeit und schon gar nicht um die Kinder. Selbst bei den Vätern, die zumindest die Kindergartengruppe ihrer Kinder kennen.

Eine Zeit lang habe ich mich darüber aufgeregt. Dann kam mir ein Gedanke:
Liegt es vielleicht nicht nur am männlichen Narzissmus, dass die Herren so aggressiv reagieren? Liegt es etwa tatsächlich auch daran, dass ich mit drei Kinder der Inbegriff von körperlicher und mentaler Stärke bin?

Kann es sein, dass die Fähigkeit Kinder zu kriegen und diese aufzuziehen etwas ist, das als Bedrohung aufgefasst wird von Menschen, die nur durch etwas Können und Förderung und viel Glück in eine gehobene Position gelangt sind?
Ich will Chefs nicht generell absprechen, dass sie nicht wirklich fähige Leute sind. So mancher ist in seinem Fach tatsächlich recht begabt. Aber die Qualifikationen außerhalb des rein sachlichen scheinen mir ein sehr unterbewerteteres Kriterium zu sein.

Mütter jedoch, die zumeist die körperliche Anstrengung ein Kind auszutragen und auf die Welt zu bringen und dann die mentale Stärke der Fels in der Brandung für die Familie zu sein, aufweisen - diese Frauen sind stark wie 10 Elefanten. Vielfach nicht weil sie es wollten, sondern weil es der Lauf der Dinge ist. Mütter sind Menschen, die tatsächlich die körperlichen und geistigen Grenzen zu überschreiten wissen, die bewiesen haben, wie stark sie sind. Etwas, was den meisten Männern einer westlichen Gesellschaft tatsächlich nicht abverlangt wird. Die meisten Männer und Frauen hier haben diese Stärke nicht manifestiert. Das Muttersein als Abzeichen.

Ein diskriminierender Gedanke. Aber für mich durchaus eine Erklärung der Strukturellen Benachteiligung vor allem von Müttern und auch Vätern, die tatsächlich zum Großteil an der Erziehungsarbeit beteiligt sind. 

Der Eindruck entstand bei mir, weil ich von Männern eben so behandelt wurde. Nicht wie eine Aussätzige, vielmehr wie eine Bedrohung. Und leugnen kann ich so vieles nicht. Nicht, dass Kinder und Karriere unvereinbar sind. Aber auch nicht, dass ich eine enorme mentale Ruhe und Stärke entwickelt habe. Meine Ausstrahlung ist von außen wie ein Statement zu verstehen: Es gibt wenig, was mich im Alltag echt umhauen könnte. Gedöns tangiert mich nunmehr nur noch peripher. Aufgeplustertes wird von mir wohlwollend belächelt, denn ich kenne dies aus der Kleinkindphase meine Kinder. 

Menschen, die ihre Erscheinung auf viel heiße Luft aufbauen, müssen mich quasi als Bedrohung ansehen. Alles was nicht Substanz hat wird von meiner Gelassenheit zügig zu den Akten geschoben. Viele scheinen auch verwirrt, dass ich sie respektiere und höflich und freundlich bin - aus Überzeugung - aber mich ihr Rumgepöble und Aufgeplustere nicht beeindruckt.

Vielleicht ist das Muttersein einfach eine alltägliche Möglichkeit mal kurz so ein paar geballte existentielle Erfahrungen zu machen und einige andere Gepflogenheiten dazu in Relation zu setzen.

Klar muss man nicht Mutter sein, um solche Erfahrungen zu machen. Frauen ohne Kinder und Männer generell können das ja auch ohne Kinder am eigenen Leib erleben. Aber Kinder zu bekommen scheint mir ein besonders schöner Weg zu sein, diese Erfahrungen zu sammeln. Man braucht dabei weder Extremsportarten auszuüben, noch tödliche Krankheiten zu überwinden.

Es gibt wohl manche Männer, die Kinder auch als existentielle Erfahrung erleben. Aber das sind eher nicht die, die eine Mutter am Vorstellungsgespräch runtermachen um ihre Position zu behaupten und am Ende versuchen herbeizureden, sie wüssten wie anstrengend das mit Kindern sei - obwohl sie 60h/Woche arbeiten. 

Und je länger ich darüber nachdenke, umso logischer erscheint mir, dass ich für solche Männer eine Bedrohung sein muss. Ich könnte sie aus dem Stehgreif in ziemlich vielen Situationen in die Tasche stecken ohne mich dabei anstrengen zu müssen. Eigentlich alle Mütter, die ich kenne könnten das. Vor allem für Narzissten muss das ein rotes Tuch sein.

1 Kommentar:

  1. 'stark wie 10 Elefanten' �� Ein sehr schönes Bild!
    Danke für diesen Text!

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