Montag, 3. Juli 2017

Don't attachment parent me!

T3 ist nun 15 Monate alt. Ein sehr süßes Alter, aaaaber aufwendig. Bis die Restzähne dann endlich da sind. Und das Kind so gut läuft, dass man es mitlaufen lassen kann und es auch rennen kann. Und das Kind halbwegs anständig sprechen kann. 15 Monate sind eine Umbruchzeit. Und das wird ja noch ne ganze Weile so gehen. 15 Monate ist kein Baby mehr, aber auch noch nicht so richtig Kleinkind.

Mal am Rande, T3 ist mit Abstand das süßeste meiner Babys, auch wenn die anderen bildhübsch waren und sind. T3 hat am meisten Babyspeck und ist am witzigsten von meinen Töchtern. Darum hat man permanent das Bedürfnis dieses Kind zu knuffen und kitzeln und anzublubbern. Es überkommt einen einfach. Jeden, der mit der Dame zu tun hat.

Jedenfalls werde ich oft angesprochen, eben weil ich das Kind oft im Tuch dabei hab und auch noch stille und mich die superinformierten Akademikereltern hier damit sofort in bestimmte Kategorien einstufen und mich ansprechen, weil sie meinen in mir eine Gleichgesinnte im Kampf um das bestgebundenste Kind zu treffen.

Das ist dann immer sehr kompliziert, denn iiiirgendwie bin ich ja gar nicht das, was die suchen. Ich bin nicht AP. Und ich mein das vollkommen ernst. Ich selbst rechne mich keinesfalls zur AP-Fraktion und ich will das bitteschön auch gar nicht haben. Ich selbst rechne mich auch keinesfalls zu den Langzeitstillenden.

‚Ja aber warum denn nicht? Du machst doch alles faktisch wie bei AP, warum willst du das denn nicht sein?’

Tja, auch das ist schnell geklärt. Ich kümmer mich bei fast allem, was ich so mache nicht darum, was das Kind will, was für’s Kind das beste wäre, wie man dem Kind den bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht. Darüber denke ich seit vielen Jahren nicht mehr nach weil es mich schlicht nicht interessiert. Ich bin eine dieser blöden Mütter, die sich so sehr sie nur kann nach ihren eigenen Bedürfnissen richtet und macht, was für sie selbst am besten ist. Ich interessieren mich zwar für meine Kinder, aber nicht für Kindergedönse.

Ich identifiziere mich nicht mit AP-Elternschaft. Ich mag wohl bindungsorientiert leben – zum Großteil, aber auch da klebe ich nicht am Kind. Ich hatte noch nie Probleme ein Kind abzugeben. Die Babys mit wenigen Monaten in die Kita, T1 ging mit 1 Jahr allein mit Papa in Ferien, alle Kinder gehen so mit 2 Jahren regelmäßig zu den Omas in Ferien für mindestens 1 Woche – meistens sind es 2 Wochen.

Ich klebe irgendwie nicht an den Kindern. Ich gebe sie ab, sobald sie mich nachts entbehren können. Die Nächte sind der Hauptfaktor. Aber wenn ich den Omas die Nächte zumuten kann, dann sind die Kinder reif für die Ferien – oder ich – je nachdem wie man’s sehen mag.

Und ich freu mich dann, wenn sie wieder heim kommen, aber ich vergess sogar meistens anzurufen und die Kinder vergessen das auch und in 2 Wochen bei Oma kann es locker sein, dass wir so 4 Mal telefonieren. Und keinen stört’s. Klar habe ich mal 2 Minuten, in denen ich ein Kind dann vermisse. Aber 2 Minuten alle paar Tage ist nicht gar so viel.
Und ja, ich stille immer noch. Semifreiwillig. Nach den ersten harten Wochen mit T1 denke ich nimmer über’s Stillen nach. Ich hab’s bei T1 dann einfach getan, bis ich nimmer mochte. Bei T2 hab ich beim ersten Anlegen gar nicht drüber nachgedacht und dann auch gestillt, bis es mir zu blöd wurde. Bei T3 schaut’s ähnlich aus. Ich schmachte beim Stillen das Kind eigentlich nie an. Ich summe zwar meist, aber im Grunde schließe ich fast immer die Augen und mach ne geistige Pause oder zücke das Handy.
Warum ich so lange stille kann ich gar nicht richtig sagen. Bisher kam noch nicht der Punkt, an dem ich aufhören wollte. Das ist glaub der Hauptgrund. Es funktioniert und ist v.a. nachts praktisch. Ich stille aber nach meinen Regeln. Wenn’s mir an nem Tag zu blöd wird, muss das Kind ne Flasche nehmen, oder hungrig bleiben.

Ich hatte ja immer das Problem, dass die Kinder lieber Brust wollen und keine Flasche. Aber wenn ich mich nicht gut fühle, an dem Tag schon öfter gestillt habe oder als Nuggiersatz herhalten soll, dann wird ich irgendwann stur und dann gilt: Flasche oder keine Milch. Gibt zwar meistens erstmal Geschrei, aber das kann ich ab.

Und das Tragen? Ganz ehrlich? Ist das einfachste. Ich bin viel mitm Auto unterwegs oder Fahrrad oder ÖV. Und Wagengedönse finde ich unheimlich nervtötend. Einladen, ausladen, in der Staßenbahn andere zusammenquetschen – alles vollkommen unnötig. 
Also nehm ich meist den Sling. Im Laden, bei den Treppen im KiGa, zum Auto etc... Und wenn ein Kind rumquengelt – zack ab ins Tuch, stört das Kind schon nimmer. Ich brauch meine beiden Hände frei für die anderen Kinder oder für sonstwas. Also ab ins Tuch aufn Rücken oder in den Sling. Ich mach da sehr schnell kurzen Prozess.
T3 hab ich als Baby viel im Wagen gehabt, obwohl sie das oft scheiße fand, aber meine Symphyse hat auch so über ein Jahr gebraucht, um halbwegs zu verheilen. Tragen, weil das Kind das das Beste für’s Kind ist, hab ich noch nie gemacht. Immer nur, damit ich meine Ruhe hab. 
Auch die Neugeborenen. Ja, die wollen immerzu aufn Arm, aber was soll man auch sonst tun, wenn das Kind erst Ruhe gibt, wenn’s aufn Arm kommt und man aber keinen Bock hat den ganzen Tag ein Baby aufm Arm zu haben? Bleibt ja bloß Umschnallen.

Bleibt noch das Familienbett. Das haben wir, weil – ach aus den üblichen Gründen. Die Kinder kommen ja doch ins Bett bis sie 8, 9 Jahre alt sind. Babys wollen ja doch, dass einer da ist und dann haben die auch noch Hunger oder Nuckeln oder sonstwas. Ja und ich bin doch nicht bescheuert und steh 1000 Mal die Nacht auf um in verschiedene Zimmer zu latschen. Das ist mir ernsthaft viel zu blöd. Also haben wir halt ne riesen Liegefläche im Schlafzimmer und da kann jeder neben jedem so schlafen, wie er mag und Ruhe is.

Was ich nie machen würde ist z.B. BLW-Kochen. Babys kriegen bei mir immer irgendwie ein Stück Brezel zum Anlutschen oder Nudeln zum Matschen oder ne Möhre zum Säbeln, aber da extra so ein BLW-Ding zu veranstalten – auf die Idee würd ich im Leben nicht kommen. T3 lebt quasi von Brei (was es für uns gibt püriert), Gläschen und Quetschies. Hauptsache wenig Aufwand, wenig Sauerei und transportabel ohne ewig eintuppern zu müssen. Ich bin keine Apfelschnitzmama. Und ich geb dem Baby auch keine Erdbeere zum rummatschen, weil ich keinen Bock hab das Zeug wieder sauber zu machen. Erdbeere kann’s essen, wenn es richtig essen kann.


Falls mich also nochmal jemand fragen sollte: Nein, ich mach kein AP. Ich bin leidenschaftlicher Anhänger der Methode ‚geschickt und unaufwendig’... Dass da viele Praktiken dabei sind, denen von bindungsorientierten Eltern besondere Bedeutung beigemessen wird, ist echt nicht mein Problem und oftmals einfach Zufall.


Bleibt die Frage, warum ich kein AP-Elter sein möchte, obwohl ich ja schon fast alles so mach?
Die Antwort ist so einfach wie simpel:
Geht's der Mutter gut, ist für alle gesorgt. Im Grunde interessiere ich mich nur bedingt dafür, wie ich die beste Bindung zu meinen Kindern hinkriege. Ich gehe davon aus, dass ich mich am besten und liebevollsten und offensten um die Kindern kümmern mag und kann, wenn ich fit und halbwegs glücklich bin. Das würde ich eben aber nicht spontan als AP bezeichnen. Ich sehe die Bedürfnisse meiner Kinder und wenn ich die Ressourcen frei hab, ihnen das zu geben, dann tu ich das. Und weil's mir gut geht, mach ich das aufrichtig gerne und für's Kind passend. Bedürfnisse befriedigen kann ich aber nicht, wenn ich Stress hab, es mir schlecht geht oder mich alles nervt. Dann will ich nämlich am liebsten nur meine Ruhe vor den Kindern.

Es ist auch nicht im Sinne, ist die Mutter glücklich, sind automatisch alle Kinder immer glücklich, gemeint. Da steigen mir dann wieder die Eltern von Schreikindern auf's Dach, weil man die fälschlicher Weise immer beschuldigt, der Grund für das Schreien zu sein.
Nein, viel eher in dem Sinne: geht's der Mutter gut, dann kann sie für die Kinder gut sorgen. Eine zufriedene Mutter kann den Schlafmangel besser ab, lässt sich vom Schreibaby nicht so leicht aus Konzept bringen, erträgt die Streitereien und Trotzphasen der Kinder viel gelassener - sie kann sich einfach viel eher mit nem Lächeln auf den Lippen um diese nicht endenwollenden Kinderbedürfnisse kümmern und auf die Kinder eingehen. 

Und ja, leider ist der Umkehrschluss, dass sich z.B. Mütter mit Wochenbettdepressionen sehr viel schwerer tun auf ihre Kinder einzugehen. Aber die sind daran nicht Schuld im klassischen Sinn, dass sie sich dafür bewusst entschieden hätten. Dennoch sind diese Situationen sehr viel schwerer, als wenn Mama glücklich und zufrieden ist. 
Darum schau ich zu, dass ich möglichst glücklich und zufrieden bin, dann haben meine Kinder die besten Chancen das auch zu sein. Und das sind sie, ganz ohne bekennende AP-Mutter.