Samstag, 30. April 2016

Da haben Sie uns aber ganz schön vorgeführt, Frau Rosalie.

Eben dies sagte die Ärztin zu mir nach der Geburt von T3. 

Aber beginnen wir mal am Ende des letzten Posts…

Ich muss gestehen, ich habe meine lieben Leser etwas an der Nase herum geführt. Denn nur kurz nach dem letzten Posting ging es direkt los mit Blasensprung. Ich kam aus der Dusche und voilà ab ins Krankenhaus.

Ich hatte ja durchaus Angst vor der Geburt - zu Recht. Bis wir im Kreißsaal waren, waren die Schmerzen direkt so unbarmherzig stark wie bei der Geburt von T2. Dank Schmerztropf und 1-2 Zügen Lachgas pro Wehe, wurde aber das Herumgewehe zum veritablen gemütlichen Kaffeekränzchen. Die Kombination bekommt von mir die volle Punktzahl! 

Gut die Presswehen hat man trotzdem in voller Stärke. Muss ja sein. Und die gelten bei mir weiterhin als totaler Romantikkiller. Aber man kommt ja nicht drum rum. 

Jedenfalls, alle gesund und munter, darf ich verkünden. Baby ist kerngesund getestet und übertrifft jegliche Vorstellungen. Ich habe nämlich einen 60cm, 4kg Brocken im Bauch gehabt. Allein der Kopfumfang war 36,5cm. Fragen Sie also nicht, ob's arg weh getan hat…

Und nach der Geburt sagte die Ärztin dann doch tatsächlich diesen Satz und bestätigte mir selbst unter Geburt ein hervorragendes Körpergefühl. Das befriedigte meinen inneren 'Hab-ich-doch-gesagt-Monk' dann schon. Sie meinte aber auch, dass sie schon froh sei, dass dieser Brocken mein drittes Kind sei…

Und so war der ganze Spuk innert 1,5 Stunden vorbei. 

Damit wäre dieses Kapitel nun auch abgeschlossen, was mich ehrlich freut. Geburten sind und bleiben für mich kein Höhepunkt, auch wenn diese Geburt wirklich super lief.

Auch die Familienzusammenführung lief eigentlich recht gut. Die Damen waren eine Woche lang etwas aggressiv mir gegenüber. Der Trüffel war aber zu Hause und konnte das abfangen. Das Baby lieben sie zum Glück und ich muss sagen, auch T3 ist ein echtes Vorzeigemodell. 

Sie schläft viel, vor allem nachts, ist nie quengelig, schreit selten und frisst wie eine Irre. Da ich zufüttere, kein Problem, aber in den 3 Wochen auf dieser Welt hat sie bereits 1kg zugelegt. Ich finde das latent beängstigend.

Inzwischen geht alles wieder seinen geregelten Gang. Die Kids gehen in die Kita, ich fresse Unmengen an Fleisch, der Trüffel arbeitet und wir kommen erstaunlich gut zurecht, wir vier Mädels. Nur zur Bettzeit muss der Trüffel da sein, denn das Baby mag gern herumgetragen werden.

So wie jetzt kann es glatt weiter gehen. Zumindest bis zum ersten Wachstumsschub...

Samstag, 9. April 2016

Manchmal ist es wirklich schwer ein Baby zu bekommen.

Ich schreibe euch heute eine Geschichte auf, so wie ich sie in den letzten 4 Wochen erlebt habe.

Man lernt ja viel von den Kindern, jedenfalls wenn man es zulässt. Von T1 habe ich die Angst gelernt durch die komplizierte Geburt und das Nachspiel im Krankenhaus. Von T2 lernte ich den Schmerz, brutalen körperlichen Schmerz. Von T3 lerne ich bei mir zu bleiben, mich auf mich selbst zu verlassen.

Es fing an in der 36. Woche, wo ich dämlicherweise dachte: Meldeste dich doch in der Klinik offiziell an, dann haben die deine Akte… Ich bin ja brav, ich will ja nix verkehrt machen und mir hinterher anhören 'Wärense mal früher gekommen blablabla…'
Und so ging ich zu dem Termin und der Trüffel kam erstaunlicherweise auch mit, dabei liegen solche Termine eigentlich außerhalb seines Interessengebietes.

So saßen wir dann einer unsäglichen Assistenzärztin gegenüber, die erstens beschloss ich habe jetzt doch Schwangerschaftsdiabetes, das Kind sei auch schon viel zu groß und überhaupt 'wir müssen alle sterben!' weil wir ja auch noch CMV haben.
Um es so zu sagen, ich hab mich mit ihr gestritten, der Trüffel war vollkommen überfordert und beschloss der Dame in Weiß zu glauben. Es endete damit, dass ich einwilligte Glucose-Tagesprofile zu machen - die ergaben, dass ich kein Diabetes habe - dafür aber den größten Streit mit meinem Mann bekam. Ist ja auch was, oder?

Eine Woche später ging ich zum nächsten Termin, der - zwar mit einer anderen Assistenzärztin - wieder ausartete, denn auf einmal hatte ich nicht nur ganz sicher Diabetes und CMV, sondern auch einen leicht erhöhten Blutwert und somit eine Schwangerschaftsgestose und mein Kind würde sterben und sie würden dafür im Krankenhaus keine Verantwortung übernehmen. Ich stritt mich wieder mit der Ärztin und bekam einen Arztbrief, den man eigentlich veröffentlichen müsste. Mit wurde in wenigen Zeilen mehrmals bestätigt, ich habe 'keine compliance' und einmal sogar auf deutsch 'ich würde das Ausmaß meiner Handlung nicht überblicken'. 

Ok, niemand in der Klinik weiß, dass ich nicht ganz unwissend im Bereich Physiologie bin und meine Eltern lachten sich halb Tod über den Brief, aber abgesehen davon war das schon ein starkes Stück.

Unterdessen verschlechterte sich mein Zustand rapide. Da ich schon seit Monaten mit Ischiasbeschwerden rummachte und das aber niemanden interessierte, wollte mir auch keiner mehr Physiotherapie verschreiben und kein Orthopäde wollte mich einfach so betreuen, weil ich ja hoch schwanger bin. Das finde ich den eigentlichen Skandal. Schwanger und Rücken? Ist halt so, muss man eben durch.

Jedenfalls kam der Morgen, an dem ich mich nicht mehr bewegen konnte vor Schmerz. Ich schlief auch schon seit Tagen nicht mehr und war völlig fertig. Aus dem stechenden Schmerz und dem ewigen Kribbeln in den Beinen wurde auf einmal Taubheit und mir knickten die Knie weg. Und da war allen zu Hause klar: jetzt wird's gefährlich.

Also ging ich mit meiner Mutter wieder in die Klinik, bekam ein wunderbares neurologisches Konzil 'Klar liegt das einfach am Kind, aber wenn Sie die ersten Lähmungserscheinungen haben, versprech ich Ihnen, liegen Sie schneller unterm Messer, als Sie 'muh' sagen können.' Das wiederum wurde dann bewusst so auch an die Gynäkologie per Telefon weitergegeben. Ich verlangte eine Einleitung und die diensthabende Ärztin machte sich sogleich auf, einen Einleitungsgrund zu suchen. Nur falls jemand fragt, mütterliche Erschöpfung und massive Rückenprobleme sind nämlich kein Grund. 

Ich bin auch schwer dafür, dass Einleitungen nicht aus Spaß vergeben werden, aber ich sah irgendwie schon einen Grund für meine Aussage 'Das Kind muss da raus!' Ich wurde also wegen des Diabetes und der Gestose eingeleitet bei 39+1. 

Um es kurz zu machen, die Einleitung schlug nicht an. Die Schmerzen waren höllisch, der Befund unverändert, aber etwas anderes tat sich: Das Kind rutschte weiter nach unten, der Ischias war auf einmal frei. Und so tat ich etwas, was man nicht tut, ich brach die Einleitung nach 3 Tagen Prostaglandingabe ab. Die Wehen verschwanden sofort und ich war von einem Punkt auf den anderen schmerzfrei. 

Natürlich waren die Ärzte damit nicht so einverstanden. Allerdings war das Gespräch mit dem Oberarzt echt nett. Der Diabetes war sowieso vom Tisch, weil ich einfach keine entgleisten Werte liefern konnte. Und die Gestose? Nun, Alles super bis auf einen leicht erhöhten Wert, aber keine Diagnose und somit nichts, was weitere massive Eingriffe rechtfertigt, befand ich und ging nach Hause.

Absolut wunderbar fand ich aber die Klinik. Die Schwestern auf Station, die übrigen Assistenzärzte und auch der OA und vor allem die Hebammen. Ganz ehrlich, die Hebammen der Geburtsstation des Uniklinikums HD sind das Beste vom Besten, was mir je unter gekommen ist. Ein wunderbares Team, und diese Frauen haben's zu 100% drauf - medizinisch und menschlich! Die beste Klinik ever! 

Sie haben mich zu jeder Zeit in meinen Wünschen unterstütz, mir geholfen mit den Schmerzen und bei der Argumentation mit den Ärzten. Jede hat sich ganz wunderbar um mich gekümmert, denn so eine Einleitung bringt einen doch auch an unschöne Grenzen und sie haben mich hervorragend begleitet. 

Fast alle Frauen gehen bei Einleitung bis zum bitteren Ende. Häufig beinhaltet das aus gutem Grund PDA, Oxi-Tropf und KS, denn die Frauen kommen unweigerlich an den Punkt, an dem das Kind heraus muss, weil die Frau nimmer kann.
Ich persönlich bereue die 3 Tage Einleitung nicht. Denn nun bin ich zu Hause, schmerzfrei und kann sogar ganz normal essen. Für mich die größte Verbesserung, das Hungern ist endlich vorbei! Und das Baby ist weiter im Bauch und wird schon von selber raus kommen.

Bis auf zwei zickige Ärztinnen kann ich die Klink vollumfänglich nur empfehlen. Die sind dort wirklich auf Seiten der Frauen, haben keine Budgetprobleme, viel Personal und naja, ich geb zu, das Krankenhausessen ist halt so ne Sache…

T3 hat mir in diesen 9 Monaten manches Mal abverlangt zu relativieren und eigene Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin weder leichtsinnig noch unnötig bockig, aber ich passe nunmal nicht ins Schema und ich bin nicht bereit zu leiden, wenn die Grenze bei mir persönlich erreicht ist. 

Meine Blutwerte werden weiterhin kontrolliert, das stört mich nicht. Ich bin auch froh, wenn das Baby endlich draußen ist. Aber jetzt bin auch wieder 'nur schwanger', ohne massive Schmerzen und ich kann ganz normal schlafen und essen. Ein Segen!

Manchmal ist es wirklich schwer ein Baby zu bekommen. Das dachte ich oft, wenn ich mir die Frauen in der Klinik so ansah, mit ihren Erwartungen, ihren Ängsten und den ganzen Prozeduren. Medizinische Eingriffe sind durchaus angebracht und notwendig, ebenso, wie die tägliche Abwägung, welche Behandlung welchen Sinn ergibt, wenn sich der Zustand der Frau im Laufe der Behandlung verändert. Darauf sollte mehr geachtet werden. Ein Programm nur durchzuziehen, weil es einmal angefangen wurde und eben ein bestimmtes Prozedere festgelegt wurde, kann auch falsch sein. 

Und ich? Ich warte gespannt, wann dieses Kind gedenkt auf die Welt zu kommen. Hoffentlich bald, ich bin schon so gespannt auf die Stupsnase!