Mittwoch, 30. März 2016

Wie Mütter im Geschlechterklischee gefangen sind

Diese Gendersache ist bei Kindern ja etwas anders, als bei Erwachsenen, denn die Kinder identifizieren sich ja erstmal nicht über ihr Geschlecht. Somit ist diese Gendersache bei Kindern eigentlich eine Gendersache der Eltern, präziser: der Mütter.

Es gibt da ja die 2 großen Themen 'Kleidung' und 'Spielzeug', die zu Beginn auf der Agenda stehen. Kleidung suchen in 99% der Fälle die Mütter aus. Und so leid mir das jetzt tut es so zu sagen: Mütter kaufen rosa Glitzerzeugs für Babymädchen und hellblau mit Boot für Babyjungs. Das ist so.

Mütter wollen ihre Babys in rosa oder hellblau sehen! Das muss man mal laut aussprechen, denn da fängt es schon an. Wir Erwachsenen werten das Geschlecht von Beginn an als so wichtig, dass wir es sofort jedem mitteilen wollen. 
Wer versucht, seinen Kindern etwas Farbe angedeihen zu lassen, der muss schon länger suchen - ich weiß wovon ich spreche. Kinderkleidung in rot, blau, grün, orange ist kaum gewünscht. Mütter stehen auf Pastell. Wenn's hoch kommt geht pink. 

Je älter die Kinder werden, umso mehr zieht dann auch Merchandising ins Kinderzimmer ein. Billig soll die Kleidung sein, also kauft frau bei C&A Shirts mit geschlechtertypischen Disneyfiguren. Die Kinder bekommen von Verwandtschaft und Bekanntschaft geschlechtertypisches Spielzeug. Auch Omas lieben rosa. Und statt der bunten, kauft die Tante die rosa Knete. 
Dass die Kinder dann irgendwann alles in rosa als normal empfinden und das auch so konsumieren ist gewiss nicht die Schuld der Kinder. Rosa und hellblau sind ja auch schöne Farben. Es sind eben nur nicht die Einzigen. Und geschlechtertypisches Zeug wird nunmal fast ausschließlich von Frauen gekauft.

Die Klischeefarben als Farben finde ich gar nicht problematisch. Schlimm finde ich, dass gerade Frauen ihre Kinder damit ausstaffieren. Oftmals wie Puppen, ungeachtet ob die Kleidung/Spielzeug auch wirklich kindgerecht ist oder dem aktuellen Interessengebiet des Kindes entspricht. Mami meldet die Tochter zum Ballett statt zum Kinderturnen an. Und Papi greift sich oft gezielt den Sohn zum Kicken im Garten heraus, weil ihn das ganz nostalgisch an die eigene Kindheit erinnert.

Und dann kommt irgendwann die geschlechterspeziefische Erziehung hinzu. Meist auch von der Mutter ausgehend, da sie ja zu Hause ist. 

Dieser Widerspruch macht mir durchaus zu schaffen, denn gerade viele Frauen wissen, wie geschlechtertypische Diskriminierung aussieht. Nicht der Mann wird primär damit konfrontiert, sonder die junge Mutter, die von Chefs und Kollegen abgeschrieben wird, die vom eigenen Mann nur noch als Weibchen mit typisch weiblichen Aufgaben gesehen wird. Sie erfährt die gesellschaftlichen Nachteile am eigenen Leib und leidet persönlich unter der mangelnden Wertschätzung. Und doch ist sie die Hauptperson, die ihre Kinder geschlechtertypisch prägt. 

Es wundert mich nun gar nicht, dass wir in der Gleichstellungsdebatte nicht weiter kommen. Und die Diskriminierung beginnt früh - im Sportverein, in der Schule bei den Mathehausaufgaben… Gleichzeitig sagt man aber den Mädchen natürlich auch, dass sie dennoch alles werden könnten, was sie wollen. Den Jungs sagt man das leider nicht. Die sollen schließlich auch richtige Kerle werden. 

Und dann sind die Kinder 16 Jahre alt, die Jungs räumen natürlich brav den Tisch mit ab und die Mädels müssen auch nicht mehr die Bügelwäsche übernehmen. Sonst hat sich nicht viel geändert, denn statt die Kinder gleichberechtigt zu erziehen, hat die Mutter einfach alle Aufgaben übernommen. Sie bügelt und putzt, während die Tochter Shoppen ist und der Sohn beim Hockey. 
Daran ist eigentlich nichts Schlimmes, wenn die Kinder unterwegs sind. Allerdings ist der Satz 'Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.' irrelevant geworden. 
Jeder darf sein Hobby haben, egal wie klischeehaft es ist. Nur ist die Frage, weshalb nicht der Sohn zuerst noch die Wäsche macht - ist ja schließlich auch seine - oder die Tochter nicht noch das Altglas entsorgt?

Mir schein, die Verniedlichung der Kinder, die bei der Geburt einsetzt, wird einfachheitshalber fortgesetzt, bis die Kinder dann mal ausziehen. Durch Vorleben und aktiver Auseinandersetzung der Erwachsenen könnten diese den Kindern beibringen, wie sich die Geschlechter auf Augenhöhe begegnen können. Das ist aber durchaus anstrengend für alle Familienmitglieder. Viel einfacher ist es, aus der Tochter ein nettes Mädchen zu machen und aus dem Sohn nen keinen Rabauken. Und sind sie nicht viel süßer so? 
Der rosa Babybikini und die coole graue Shorts mit Dinos drauf haben auf Mütter eine magische Anziehungskraft. Denn sie können nach der Geburt so wenig gestalten, sind so vielen Zwängen ausgesetzt, da wird man doch seiner kleiner Prinzessin eine rosa Glitzermütze kaufen dürfen! Dann ist die Welt, nur für einen Augenblick, wieder in Ordnung und alles ist wie es sein soll - ganz unkompliziert nämlich. 

Als Mädchenmama macht mir daran nur eines große Sorgen, nämlich, dass meine Töchter sehr wahrscheinlich ebenso all die kleinen und großen Demütigungen erleben werden, wie sie mir aufgrund meins Geschlechts und meiner aufgezwungenen Mutterrolle zuteil wurden. 

Auch wenn ich persönlich meine Töchter anders erziehe, solange die Gesellschaft nicht mitzieht, muss ich sie auf Übergriffe und Diskriminierung vorbereiten. Und das bricht mir das Herz! Denn wir alle wissen, es wird mehr auf sie zukommen, als ein paar blöde sexistische Sprüche.

Kommentare:

  1. Liebe Rosalie, was du da schreibst stimmt aber nur für eine gewisse Gruppe Mütter. Tatsächlich kenne ich in meinem recht großen Bekanntenkreis und im Kindergarten keine Mutter, die den Kindern extra genderspezifische Kleidung in rosa und blau kaufen. Im Gegenteile meisten verzweifeln an diesem Pastellangebot mit hässlichen Disneyfiguren. Und ab einem gewissen Alter wollen manche Kinder leider nichts anderes tragen und dem morgendlichen Kampf entgeht man dann indem man die vom Kind gewünschte Farbe in den Schrank legt. Zähneknirschend. Ich kann zudem sagen: Das mit der Pupoenliebe steckt drin. Meine mittlere Tochter kannte mit 1,5 jahren keine Puppen. Als sie das erste Mal eine sah, flippte sie völlig aus. Als sie vor einem Jahr in einer spielzeugabteilung Barbies sah, flippte sie aus. Und der große Bruder trägt gerne ringelstrumpfhose mit Knickebocker und Schleife im Haar. Aber ineressiert sich von alleine für technische Sachen. Wir und viele andere haben bewusst neutrales Spielzeug gehabt am Anfang und dann erst die Interessen der Kinder aufgegriffen. Also ich muss leider sagen, bei aller Vielfalt, Das Genderding steckt drin.

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  2. Mich nervt es ja sehr, dass schon bei Babys zwischen Mädchen und Jungssachen unterschieden wird. Da muss ich immer an zwei Stellen gucken, ob es was passendes gibt. Meine Tochter hatte auch viele rosa Mädchen Sachen, da wir die aus dem Verwandtenkreis gebraucht geschenkt bekommen haben. Meine Mutter und wir haben ihr dann eher neutrale oder Jungssachen gekauft, damit rosa nicht überhand nimmt. Trotz KiTa ist sie noch nicht in einer rosa Glitzer Phase, aber wenn, dann ist das eben so. Puppen sind nicht so ihrs, ich selber habe auch nie mit Puppen gespielt.

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