Samstag, 19. Dezember 2015

Die Romantisierung der Erbsünde

Ich muss ehrlich zugeben, dies wird ein sehr langer, sehr subjektiver Post, ein sehr angriffslustiger Post, denn ich habe mich über ein Thema ziemlich geärgert. Es soll darum gehen, wie 2 Hebammen im Netz die Stärke der Frau bei der Geburt darstellen.

Konkret, ich las den absolut ideologisierten Beitrag von Anja von Guten Eltern und einen Beitrag von Jana vom Hebammenblog und muss mich mal ganz und gar von diesen Darstellungen distanzieren. 

Wer jetzt denkt: Oh, jetzt fängt sie aber auch noch an, gegen Hebammen zu hetzen, dem möchte ich sagen: ganz und gar nicht! Ich betone immer wieder in meinen Posts, dass ich eine hervorragende Hebammenbetreuung während der Geburten erfahren habe und davon ausgehe, dass das bei Nr.3 ebenfalls so sein wird. 

Wogegen ich mich aber sehr deutlich wehren möchte ist die allgemeine Romantisierung der allein durch Hebammen betreuten Geburt (v.a. in Geburtshäusern und bei Hausgeburten) und dem ständigen Ausspielen der Medizin, medizinischer Intervention, Klinikgeburten etc. gegen eben diese ach so gemütlichen Geburten im kleinen Kreis. Hebammen, die Geburtssituationen so gegeneinander ausspielen brauchen sich nicht zu wundern, wenn man sie irgendwann für überflüssig erklärt. Als ich das in einem Kommentar bei den guten Eltern auch so niederschrieb, wurde prompt eben dieser Kommentar, so wie vorangegangene Kommentare und ein sehr zustimmender Kommentar einer anderen Leserin in kürzester Zeit gelöscht. 

Aber fangen wir von vorne an.
Beide Hebammenposts thematisieren zum einen die absolut prekäre Personalsituation in Krankenhäusern. Das unterschreibe ich kritiklos, denn ich glaube den beiden, dass die Hebammen, aber auch das restliche Krankenhauspersonal bis zum Anschlag am Rotieren und Springen ist, dass die Angst vor Fehlern beim Personal sehr hoch ist, dass die Hilflosigkeit diese Situation einfach aussitzen zu müssen noch viel größer, und dass Besserung nicht in Sicht ist. Ich glaube auch, dass die Zeit für Betreuung und Beratung durch Fachpersonal nicht ausreichend ist und dass dadurch kritische Situationen entstehen können, die vermeidbar wären. 
Darüber müssen wir nicht diskutieren. Dinge können ganz blöd laufen und dann leiden alle darunter und das will eigentlich kein Mensch.

Aber nehmen wir doch die weiteren Aspekte mal unter die Lupe, die diese Posts ansprechen. Zum einen wird der Geburtsbericht auf dem Hebammenblog damit begonnen, dass die Mutter selbst eigentlich ihre Geburt als schön und in Ordnung beschreibt. In den lilafarbenen Kommentaren wird dann aber doch krampfhaft nach Aspekten gesucht, die noch viel besser hätten laufen können, wo eine noch bessere Hebammenbetreuung das Geburtserlebnis noch mehr verbessert hätte. Das wirkt auf mich nicht nur nach der krampfhaften Suche nach Rechtfertigungsgründen für eine Aufwertung der Hebammenarbeit, es stören mich 2 Dinge daran: 
1. Warum kann eine Hebamme die Aussage einer Mutter, die eigentlich zufrieden ist, nicht einfach mal so stehen lassen? Schaut her, auch eine Standard-Klinikgeburt kann zufriedene Mütter und Kinder zum Ergebnis haben. Ist doch schön, auch mal davon zu hören. Weshalb muss die Aussage der Mutter auch noch abgewertet werden, damit man die eigene Rolle aufwertet? Und warum macht gerade eine Hebamme mit relativ großem Publikum so etwas?

2. Wie finden wohl die Klinikhebammen eine solche Abwertung? Diese Frauen reißen sich den A*sch auf, um es allen so schön wie möglich zu machen, geben ihr Bestes und dann kommt ausgerechnet eine Kollegin und erklärt ihnen, dass es ja noch viel besser geworden wäre, wenn nur mehr Personal da wäre! Das finde ich ziemlich unangebracht, denn ich nehme schwer an, jede Klinikhebamme weiß, dass mehr Personal immer besser wäre - für alle Beteiligten. Dennoch kann man diesen Frauen auch einfach mal öffentlich sagen: Liebe Klinikhebammen, ihr macht unter schlechten Umständen einen wirklich hervorragenden Job! Das verbessert eure Situation nicht, aber WIR ALLE sehen, wie ihr euch anstrengt und wir sind euch sehr dankbar für euer unermüdliches Engagement, eure Freude und eure Begleitung während dieser aussergewöhnlichen Situation einer Geburt!

Ich denke, gerade solch ein Geburtsbericht mit positiver Bilanz hätte sich hervorragend dazu geeignet nicht nur alles Schlechte einmal ausführlich darzustellen, sondern auch mal die außergewöhnlichen Leistungen zu würdigen, die da von allen Seiten erbracht werden. Und ich frage mich, weshalb man denn davon so selten liest? Damit nicht der Eindruck entsteht, alles laufe super? Ist das wirklich ein hinreichender Grund Klinikgeburten IMMER in negativem Licht darzustellen und immer auch noch auf dem kleinsten Fehler dabei herumzureiten?

Punkt Nr.1 der Posts auf diesen Hebammenblogs, der mich enorm stört, ist zusammengefasst die überwiegend negativ gefärbten Darstellung von Klinikgeburten.

Dem gegenüber steht logischerweise die romantisierte Darstellung außerklinischer Geburten. Leider. Nicht, weil die gar nicht so doll superschön sind, sondern weil diese Art der Darstellung gezielt das Eine gegen das Andere ausspielen soll. Ich halte das für total fehl am Platz.

Ich möchte hier nicht beschönigen, dass durch die Situationen in den Kliniken Frauen schlechte Erfahrungen machen, die Verarbeitung der Geburten erheblich verlängert werden kann und diesen Frauen echtes Leid zufügt. Ja, das kommt vor und das tut mir für jede einzelne dieser Frauen ehrlich leid. Allerdings ist es schlicht falsch, diese Situation als den Normalfall darzulegen. 

Man liest viele unschöne Geburtsberichte. Das mag mehrere Gründe haben. Aber dass der Eindruck entsteht, Klinikgeburten wären halt irgendwie nicht so super, das muss echt nicht sein, denn so ist es einfach nicht. Ich habe überwiegend Positives von Klinikgeburten gehört und es eben auch so erlebt. Spricht man mit den Frauen, so hört man oft 'Meine Geburt war eigentlich ganz schön, anstrengend, aber gut. Mach ich beim nächsten Mal wieder so.' Das allerdings ist nur ein Satz, keine ganze Leidensgeschichte, die wesentlich mehr Aufmerksamkeit und Empörungspotential erzeugt. Die Aussage dieses einen Satzes ist jedoch nicht weniger wert, auch wenn sie medial weniger Verwurstungsmöglichkeiten hergibt. Aus irgendeinem Grund entscheiden sich ja 98% der Schwangeren für eine Klinikgeburt. Die (vermeintliche/gefühlte) medizinische Sicherheit ist dabei ja nur ein Aspekt. 

Aber es ist doch so, wenn mich eine Schwangere fragt, wie ich entbunden habe und ob ich das empfehlen könne, kann ich tatsächlich nur antworten: meine Klinikgeburten waren tiptop betreut, liefen zwar nicht glatt, aber das ist nunmal Pech. 'Meine' Kliniken kann ich aber weiterempfehlen. Daran gab es nix auszusetzen. Das ist übrigens auch die Aussage des Trüffels, der explizit keine Situation erkennen kann, in der eine umfangreichere Betreuung das Ergebnis, Erleben oder Fazit der Geburt verbessert hätte. Bei uns wurde stets so wenig wie möglich, dann aber absolut korrekt eingegriffen und dann auch ohne große Diskussion. Für die Komplikationen oder die Schmerzen, die mir persönlich zu schaffen machten, kann keine Klinik und überhaupt kein Mensch etwas, wohl aber konnten sie in der Klinik etwas dagegen machen.

Ein weiterer Punkt ist vor allem die stets misstrauische Betrachtung von Schmerzmitteln. Hebamme Anja sagt wohl konkret, dass eine PDA auch ihre Berechtigung haben kann. Jaja, nur wie diese Aussage im Text verpackt ist, ist doch unzulässig. Schon der Titel ihres Posts sagt ganz klar aus: PDA schlecht - Hebamme gut. Dann wird im Text erst lang die innere Stärke der Frau und die intensive Hebammenbetreuung beschworen, danach kommt ein Abschnitt über PDA und das das manchmal schon helfen kann, dann kommt eine zulässige kritische Auseinandersetzung der PDA als Massenphänomen in Klinikgeburten und dann wieder ein ausführlicher Abschnitt über weitere intensive Betreuungsmöglichkeiten während der Geburt als Ersatz für die PDA.

Warum ich das für unzulässig halte? Weil dabei gleich mehrere Undifferenziertheiten eingebaut werden und einem diese auch noch als 'wohlwollende Sorge um die Frauen' verkauft wird. Aber so einfach ist es nicht.

Erstmal disqualifizieren sich Fachpersonen mit undifferenzierten Aussagen, die auch noch, zumindest idealistisch manchmal auch ideologisch eingefärbt sind, selbst. Je differenzierter ein wissenschaftliches/medizinisches Thema dargestellt wird, desto weniger kann man hineininterpretieren und desto nachvollziehbarer ist die Argumentation.
Des Weiteren wird damit die ursprüngliche Aussage 'wir brauchen bei Geburten eine möglichst hohe Betreuungsrate, dann brauchen wir auch weniger Medikamente, erheblich ideologisiert. Das ist niemals gut und ich erkläre auch gerne, was ich damit meine. Studien belegen in der Tat, dass eine ausführliche Beratung und eine gute Betreuung die Verwendung von Schmerzmitteln und die allgemeine Interventionsrate senken kann. Fraglich in diesen Studien bleibt für mich aber, ob die Frauen weniger PDAs wollen, weil sie durch ausführlichere Beratung und Aufklärung differenziertere Entscheidungen treffen können, oder ob sie nicht doch etwas anderes dazu bewegt. Eine Hebamme z.B. die aus Überzeugung von einer PDA abrät oder eine übermäßige Betonung der Nachteile. Diesen Punkt möchte ich noch ausführlicher behandeln. 

Denn gerade Schmerzen sind so ein Thema. Sind wir ehrlich, wir sind heute eher selten mit erheblichen Schmerzen konfrontiert. Menschen mögen Schmerzen nicht so gerne. Wir sehen es als 'human' an, Schmerzen zu lindern. Einem Verletzten, einem Sterbenden, einem Kind mit Mittelohrentzündung - denen geben wir unbedingt Schmerzmittel. In Dosis und Wirkstoff angepasst, aber wir würden diesen Menschen niemals sagen: 'An Schmerzen kann man ja nicht physiologisch sterben, also da musst du halt durch…' Wir dürfen Wirbeltiere nicht ohne vorherige Betäubung töten und müssen selbst unsere Haustiere mit Schmerzmitteln versorgen, da gilt: 'Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.'

Bekommt nun aber eine Frau ein Kind, so wird auf einmal die innere Stärke hochgehalten. Chakka, du schaffst das! Ein bisschen Badewanne, ein bisschen Hybnobithing, ein bisschen mehr Betreuung und jemand, der einen motiviert und dann kannst du das - auch ohne Schmerzmittel. Dann entdeckst du deine innere Stärke und darfst hinterher stolz sein, dass du das geschafft (oder vielleicht auch notgedrungen durchgestanden) hast. 
Mir persönlich klingt das doch sehr nach Genesis 3, 16: 'Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen wirst du deine Kinder gebären.' Auf englisch klingt das sogar noch matialischer: I will multiply your pains in childbirth. You shall give birth to your children in pain. 

Da sind wir also wieder - zurück im finsteren Mittelalter, als die Erbsünde doch tatsächlich einen erheblichen Beitrag an der gesellschaftlichen Einstufung der Frau hatte. Ach Eva, was hast du uns da nur eingebrockt? 

Mal ehrlich, natürlich glaube ich nicht an Erbsünde. Ich bin Biologin. Evolutionär ist ein gewisser Geburtschmerz von Nöten, denn allein die Gebärmutterkontraktion aktiviert nunmal die Nociceptoren. Ich bin Neurobiologin. Das beeindruckt mich nicht. Dennoch gibt es derart starken Geburtsschmerz im Tierreich eigentlich nicht. Wäre auch ganz kontraproduktiv auch noch Fressfeinde anzulocken, während man grad den Nachwuchs rauspresst. Wir Menschen haben da aber dieses Feature der wirklich schmerzhaften Geburt. Ok, nicht alle Frauen erfahren unerträglich starke Schmerzen, aber doch ein erheblicher Teil der Gebärenden. Das hat zum einen mit der Kindes- und Kopfgröße zu tun. Alles gewachsen im Laufe der Menschwerdung. So ein Affenbaby ist winzig im Vergleich zu einem Säugling. Aber es gab bei uns eben auch keine Notwendigkeit nach Geburtsschmerz zu selektieren. Wenn eine Antilope in der Savanne stundenlang vor Schmerzen schreit wird sie gefressen und der Nachwuchs auch. Da hat sich sinniger Weise 'schnell und leise' durchgesetzt. Wenn Homo erectus 24h in höllischen Wehen liegt, beschützt vom Familienclan mit Waffen, kommt niemand und frisst diese unvorteilhaften Gene auf. 

Pech für uns.

Und so bringen wir unsere Kinder eben unter Schmerzen auf die Welt. Aber wir wären ja nicht Menschen, wenn wir nicht alles daran gegeben hätten, der Natur da nachzuhelfen. Wir haben heute - GOTT SEI DANK! - Schmerzmittel. Ein unfassbares Glück, dass noch vor 200 Jahren so gar nicht existierte. 

Jetzt ist es natürlich so, dass auch und gerade Schmerzmittel, Nebenwirkungen haben. Zum Teil massive. Darum darf man diese Medikamente niemals einfach so einsetzten, um Leute ruhig zu stellen, damit sie keine Zeit kosten, oder weil ökonomische Gründe höher gewichtet werden als medizinische oder gar persönliche. Beides geschieht heute in Kliniken und beides ist grundlegend falsch. 

Die positive Wirkung eines Medikamentes muss immer im individuellen Fall die Nebenwirkungen (mehr als) aufwiegen. Bei Schmerzen ist das genau dann der Fall, wenn beim Patienten die absolut individuelle Grenze von 'erträglich' zu 'Leid' überschritten wird. Ja, es gibt Frauen, die kommen mit ihren Schmerzen so klar, unterstütz von Meditation und/oder intensiver Betreuung. Aber viele tun das nicht. Und viele wollen das gar nicht ausprobieren. Wenn ich denn einen Zahn gezogen bekomme und mein Arzt fragt 'Mit Betäubung oder ohne?' Ja also, ich persönlich würde nie antworten 'Ach, probieren wir's doch erstmal ohne, ich bin da innerlich stark genug.' Das geb ich hier ganz unumwunden zu.

Und ich hatte ja nun eine lange komplizierte Geburt mit PDA und eine schnelle ohne jegliche Betäubung. Falls einer der geneigten Leserinnen fragt: Ich persönlich würde niemals freiwillig diese viel zitierte Urgewalt so auskosten wollen. Ich würde es keinem empfehlen und ich werde auch direkt beim ersten Schritt in die Klinik bei T3 nach Schmerzmitteln verlangen. Meine innere Stärke wurde von bestialischen Schmerzen dahingerafft und auch wenn 5 Hebammen neben mir stünden und mir Mut zusprächen - Geburtsschmerz törnt mich nicht an! Wird es niemals. Ich nehme es in Kauf, aber das löst leider nicht ein Fünkchen Stolz oder positive Gefühle in mir aus. Ich hab da jetzt keine Wahl mehr, aber wollen will ich das bestimmt nicht! Und an der Betreuung lag's sicher nicht, dass ich bei Wehenschmerzen eher abgeneigt bin. 

Diese Schmerzgeschichte ist eine ganz Heikle, denn ist das Kind einmal drin, muss es nunmal auch wieder raus. Wahlmöglichkeiten hat man da ja nur begrenzt. Wir machen das, weil wir es ab einem bestimmten Punkt müssen. Das mit dieser ominösen inneren Stärke zu verknüpfen führt meiner Meinung nach zu einem: Die Einteilung in Frauen, die der Urgewalt getrotzt haben - und den Weicheiern. 

Und auf den Blogs geistern ja immer wieder diese Themen herum: Bin ich eine echte Mutter, obwohl ich eine PDA hatte, mich dem Ideal der natürlichen Geburt entzogen habe? Nicht nur KS-Mütter hadern mit medizinischer Intervention. 
Nur am Rande: niemand will jemals dem Baby irgendwie schaden. Aber es geht nunmal nicht immer nur um's Baby. Es geht auch um das reale Leid der Frau, die da vor sich hinweht. Die Abwägung, ob und wie dieses Leid gelindert wird hängt von vielen Faktoren ab, nicht nur von der Hebammensituation. Und es darf niemals einfach so leichtfertig massiv eingegriffen werden. Eine PDA ist eine intensive Maßnahme. Aber wenn eine Frau sagt, sie will Schmerzmittel und nicht Chakka, dann ist das ihr gutes Recht und ihre freie Wahl. Ja, das kann den Geburtsvorgang negativ beeinflussen, weitere Maßnahmen nach sich ziehen oder einfach die Geburt verlängern (was irgendwie auch nicht ganz so tragisch ist, da ja schmerzfrei und solange es keine größeren Probleme für Mutter und Kind macht). Dass die Geburt mit PDA vom Idealfall der interventionsfreien natürlichen Geburt abweicht ist kein Nachteil, sondern Sinn und Zweck der Sache!

Fazit: Ja, Frauen sollten nicht unaufgeklärt und aus Spaß Schmerzmittel bekommen. Nein, Frauen müssen da aber nicht durch, weil es eben so ist, oder die Überwindung der Schmerzen sie zu Superheldinnen macht. 

Punkt Nr.2: Die Romantisierung der Geburt als etwas Erhebendes macht Frauen zu Heldinnen und Weicheiern und das ist komplett unangebracht. Gleiches gilt für die Romantisierung der Schwangerschaft als sinnstiftende weibliche Erfahrung und für Geburt und Mutterschaft insgesamt. Die etwas realistischere Darstellung der gesamten Mutterschaft würde all die vielen Frauen unterstützen, die sich selbst unter Druck setzen alles ideal machen zu wollen, und ihnen wahrscheinlich das Leben erleichtern.

Mich persönlich störte neben der dem Titel 'PDA statt Hebamme' auch noch das Titelbild. Es suggeriert, eine nette Atmosphäre, ein paar Rescue-Tropfen und Globuli, noch ein Kerzchen dazu und schon hat man sich ne gemütliche, entspannte Geburt gebastelt, durch die man ohne Probleme, dafür mit viel Chakka so durchrutscht. Man hätte auch ein Bild einer entspannten Mutter in einem Klinikbett zeigen können. Das allerdings passt ja auch nicht ganz zum Inhalt des Posts.

Man darf sich auch fragen, weshalb außerklinische Geburten, bei denen eigentlich keine Schmerzmittelgabe erfolgen kann, die aber eine 1:1 Hebammenbetreuung aufweisen, so anders laufen. Sie sind nicht besser und nicht schlechter in meinen Augen. Aber die Frauen wissen nunmal vorher, dass sie durch die Schmerzen durchmüssen - ob sie wollen oder nicht. Das ist schon eine ganz andere Einstellung. Ich z.B. wäre das eingegangen, weil ich damit rechne, da sowieso durchzumüssen, weil die Geburt wahrscheinlich ähnlich schnell wird, wie beim letzten Mal. Und eine weitere Frage ist auch, ob die Frau das durchhält, weil die Hebamme daneben sitzt, oder die Hebamme daneben sitzt, weil die Frau das durchhalten muss und Zuspruchsbedarf hat. Wir trösten ja grundsätzlich jeden, der starke Schmerzen hat und lachen ihn nicht einfach aus.

Wenn ich zusammenfassen darf: 
Medikamente sind keine Lutschbonbons. Und Frauen sind keine Indianer.

Mir persönlich wäre es doch sehr recht, wenn Medizin als probates Mittel zum Zweck dargestellt würde und nicht als Entgegner der idealen Mutterschaft. Fachpersonal, dass diese zwei Faktoren gegeneinander im Wettbewerb antreten lässt ist mir suspekt. Die großen Verlierer dabei sind die Frauen, die sich dadurch instrumentalisieren lassen und Angst haben auf der Verliererseite zu stehen.
Keine Frau ist ein Verlierer, weil sie ihr Kind mit Schmerzmitteln oder per KS zur Welt gebracht hat und keine Frau ist ein Gewinner, weil sie darauf verzichtet hat. Das sind schlicht die komplett falschen Denkkategorien.







Mittwoch, 16. Dezember 2015

Der böse Schwiegervater hat Schuld - Teil 2

Um die Geschichte abzurunden möchte ich noch ein wenig Hintergrund berichten. Wie komme ich eigentlich zu meinen Gedanken?
Und es soll dabei um den Schwiegervater gehen, aber nicht meinen. Vielmehr ist es der Schwiegervater meines Papas, also mein Opa mütterlicherseits. 

Wie schon öfter angedeutet, war und ist das keine gut bürgerliche Familie und mit erheblichen Problemen behaftet. Die Lösung dieser Probleme allerdings ermöglichte mir tatsächlich das, was sich alle Eltern für ihre Kinder wünschen: Sie sollen's mal besser haben. 
Um es deutlich zu sagen: aus der Schei*e, die meine Großeltern und meine Eltern gebaut haben, konnte ich ne Menge lernen und erspar mir so eine riesige Menge ernsthafter Probleme. Das wiederum ist ja Sinn und Zeck so eines Familienlebens und darum fällt meine Familienbilanz, trotz sehr unschöner Geschehnisse, sehr deutlich positiv aus.
Das finde ich auch wichtig zu betonen, denn wenn Eltern echte Fehler machen, heißt das nicht automatisch, dass die Kinder tödlich traumarisiert durchs Leben torkeln. Bei Vielen mag das Leben dadurch negativ beeinflusst werden, bei Vielen ist es aber nicht der Fall. Das ist was Gutes und muss auch betont werden!

Und los. Kapitel 1: Die verlorene Generation

Mein Opa ist Anfang der 30iger Jahre geboren, in Schlesien. Der Vater fiel im Krieg, die Mutter floh mit den 3 Kindern. Das jüngste starb auf der Flucht als Baby. Das 2. war sowieso recht krank, Multiple Sklerose im Anfangsstadium, und mein Opa war der Große, gerade Teenager und der einzig verbliebene Mann im Haus. Schulbildung fiel dem Krieg und nachkrieglicher Aufbauarbeiten zum Opfer. Die Mutter brachte die Kinder allein durch. Kurz und gut - die Kindheit meines Opas war einfach kacke, die Familie traumarisiert, alle total überfordert, bettelarm und krank. 

Nichts desto Trotz, mein Opa überlebte, machte mit 14 eine gute Ausbildung, arbeitete mit 18 in der Firma, die ihn bis zur Rente beherbergen sollte, lernte mit 20 eine junge Dame kennen, heiratete sie Ende der 50iger Jahre, als er finanziell ganz gut dastand, bekam Anfang/Mitte der 60iger 2 Kinder - erst einen Jungen, dann noch ein Töchterchen. Anfang der 60iger baute er der Familie mit eigenen Händen ein Haus, das er brav abbezahlte bis er 1 Jahr vor der Rente stand. Von außen betrachtet ein gutes, anständiges Leben, voller harter Arbeit, aber auch voller selbst erarbeiteter Errungenschaften. Ein guter Bürger, ein gutes Gemeindemitglied, ein guter Arbeiter, ein guter Mann. 

Doch innen tobte der Krieg. Nicht laut und schreiend, sondern leise und qualvoll. Und mein Opa wählte eine relativ anerkannte Alternative: Betäubung. Bier, Schnaps, Wein. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann stand nur leider nicht die Lösung vor der Tür, sondern alles, was Alkoholismus so an Nettigkeiten mit sich bringt. Aggression, Totalausfälle in Familie und am Arbeitsplatz, Gewalt gegen Frau und Kinder, noch mehr Alkohol, kognitive Schäden, Leberschaden und was es sonst noch so gibt.

Meine Mutter - inzwischen 16 Jahre alt - suchte sich erst einen Beruf, der sie da rausholte, dann einen Typen, der sie beschützte. Ja gut, sie wurde dann schwanger und die beiden zackig verheiratet, aber das war auch irgendwie ein Glücksfall. Wie bereits erwähnt, mein Vater war damals Offizier bei den Fallschirmjägern und Bodybuilder. Diplomatisch gesagt: wenn mein Vater auf den Tisch haut und sagt 'Jetzt reicht's!', dann ist jegliche Diskussion damit beendet. Und genau das tat er irgendwann.

Kapitel 2: Die Flucht nach vorn

Ich war damals 5 Jahre alt und es ist eine meiner ersten Erinnerungen. Ich spiele im Garten meiner Großeltern und höre meinen Opa an der Garage fuhrwerken. Natürlich bin ich neugierig und gehe hin. Mein Opa steht am Kofferraum seines roten Seat und fädelt ein langes dickes Seil auf. Er hat mich nicht bemerkt. Am Ende des Seils ist eine große Schlaufe. Ich weiß wofür die ist. Vielleicht habe ich derartiges einmal in einem Film gesehen - keine Ahnung woher ich das weiß. Ich frage laut: 'Opa? Wo gehst du denn hin?' Mein Opa sieht mich lange an, mit Tränen in den Augen, steigt ein und fährt davon. Ich bin nicht wirklich beunruhigt, weiß aber, dass etwas nicht stimmt. Also gehe ich zu meinen Eltern auf die Terrasse und erzähle, was ich gesehen habe. 

An diesem Punkt hat mein Vater die Sache in die Hand genommen. Er war einen ganzen Tag weg, hat meinen Opa aufgespürt und ihn direkt in eine Entzugsklinik gebracht. Er muss sehr klar und deutlich gewesen sein, denn mein Opa blieb dort ganze 3 Monate. Er kaufte mir dort eine große Puppe, die ich immernoch habe. Das einzige Geschenk, das er je persönlich für mich ausgesucht hat. 

Die Bedingungen waren klar: Entweder Therapie oder er sieht seine Tochter und mich nie wieder. Also Therapie. Bei Rückfällen stationär, ansonsten ambulant - nunmehr 30 Jahre lang. Therapie nicht nur für ihn. Paartherapie, Familientherapie - immer und immer wieder. Erst mir zuliebe, dann zuliebe seiner Familie, zuletzt für sich selbst. 

Zusätzlich eine massive Einbindung in die Kirchengemeinde. Ich erinnre mich sehr genau an den Pfarrer von damals. Statur und Auftreten wie Helmut Kohl - groß, dick und irgendwie eklig, aufdringlich, sehr autoritär. Ich hab den nie gemocht. Aber er hat meine Großeltern unter Kontrolle gehalten. Später dann, suchten sie sich eine freikirchliche Gemeinde. Ich würde es eher eine Sekte nennen, der Guru - Entschuldigung Prediger - ebenfalls groß, sehr dick, laut und eklig. Ich mag solche Männer nicht. Aber meinen Großeltern hat's geholfen. Sie sind sehr religiös geworden. Eine komische Mischung, denn sie sind keineswegs verbohrt, fanatisch, missionarisch oder irgendwie aufdringlich. Nur sie für sich brauchen die strengen Regeln und Hierarchien ihrer Gemeinde. Gegen alle anderen haben sie keinerlei Vorbehalte und sind frei und offen im Umgang mit allen anderen Menschen. 

Sie haben 2 entscheidende Dinge gelernt durch diese Geschehnisse:
1. Lerne dir selbst und anderen wirklich zu verzeihen - und wenn es das Letzte ist, was du tust.
2. Grenze niemals jemanden aufgrund seiner Herkunft, Erscheinung, Geschichte oder Taten aus, sondern setze dich mit ihm auseinander. 

Ich muss zugeben, die religiöse Gemeinschaft hat gute Arbeit an ihnen geleistet. Man hat ihnen dort einen Weg gezeigt, mit sich und ihrem Leben klar zu kommen. Denn natürlich war nachdem offiziellen Outing als Alkoholiker der Ort in Aufruhr. Meine Großeltern erlebten massive soziale Ächtung und Spott, auch wenn wir alle wissen, dass in ihrer Generation mein Großvater ganz und gar keine Ausnahmeerscheinung darstellt. Aber sie haben in der Gemeinde eine Heimat, Freunde und Anerkennung gefunden. Das ist unbezahlbar.

Die Aufarbeitung der Geschehnisse in meiner Familie dauert bis heute an. Mein Opa ist nun über 80, seine Leberwerte sind nicht gar so schlecht. Er ist trocken - mit ein paar schwachen Momenten. Manchmal gibt es deswegen Streit mit meiner Oma. Aber alles in allem - alle haben inzwischen ihren Frieden miteinander gemacht. Es war ein extrem steiniger und harter Weg. Aber irgendwie blieb diese Sache mit der Vergebung keine hohle Phrase, sondern ein jeder von uns hat das tatsächlich früher oder später hinbekommen. Es macht nichts ungeschehen, aber es hat den Weg frei gemacht für eine sinnvolle Zukunft. 

Anstatt sich umzubringen, hat mein Opa erst mich und nun meine Kinder aufwachsen sehen. Und so, wie er mir früher Gummibärchen zusteckte, verteilt er sie heute an meine Kinder. Ganz ehrlich, mich macht das sehr glücklich. Und meine Eltern sind nicht verbittert, nicht selbst Alkoholiker oder von sonstwas abhängig, sie sind nicht nachtragend, nicht wütend, nicht (mehr) traumarisiert. Sie blicken voller Zuversicht in die Zukunft und sind glücklich über die kleinen blonden Engel, die nun ihr Leben bereichern.

Und darum lässt es mich auch nicht los, meinen Mann zu sehen und meine Schwiegereltern. Diesen ständigen Kampf. Meine Schwiegereltern gehören eher der Generation meiner Großeltern an, auch wenn sie beide direkt nach dem Krieg geboren wurden. Doch sicherlich war ihre Kindheit bei kriegstraumatisierten Eltern auch nicht allzu lustig. Meine Schwiegermutter ist nur noch verbittert und mein Schwiegervater ist seit 30 Jahren Alkoholiker. Das würde niemand offen zugeben, es ist ihnen sogar vor mir peinlich. Es mag mehrere traumarisierende Ereignisse in ihrem Leben gegeben haben, die sie an diesen Endpunkt gebracht haben. 

Aber auch wenn alles nicht ganz so akut ist, wie bei meiner Familie damals: Meine Schwiegermutter hat ein Problem. Mit mir, meinen Kindern, mit der ganzen Familiensache. Wenn ich das so anmerken darf, ich halte auch meine Schwägerin, ihre Tochter, für nicht allzu psychisch stabil. Die Probleme ihrer Mutter haben sie bis ins Mark geprägt und ich sehe da ne Menge Komplikationen auf diese Frau zukommen. Sie hat nun geheiratet und ein Haus gebaut, das sie völlig überfordert. Sie machen sich nun an die Familienplanung. Dass sie das alles krank gemacht hat, darf man nicht offen sagen oder fragen, aber sie wiegt bei 173cm ganze 43kg, wird - oh Wunder - seit 2 Jahren einfach nicht schwanger und nimmt nun den professionellen Familienplanungsmarathon in Angriff. 

Ich persönlich stehe in dieser Familie stets zwischen 'geht mich nix an' und 'um himmels Willen!' Der Trüffel leidet, meine Kinder bleiben bisher, bis auf einige wirre Ansichten der Schwiegermutter, relativ unbehelligt. Doch was, wenn sich das ändert? Rutsche ich dann in diese Position zu sagen 'Bis hierher und nicht weiter?' Bisher ist es nur für uns Erwachsenen sehr schwer einander zu ertragen. Und Aufarbeitung, Auseinandersetzung wäre so dringend nötig, damit wir alle eine gute Zukunft haben. Doch ich kann nichts erzwingen. 

Stattdessen intensiviert sich mein Gefühl dieser Frau die Leviten lesen zu wollen. Die Große war zu Nikolaus bei Oma in Ferien und die hatte nichts besseres zu tun, als all meinen globalen Erziehungsansätzen zuwiderzuhandeln und nicht nur alles 'viel besser zu machen, als ich, sondern mir das natürlich auch so darzulegen. Vielleicht sucht sie ein Ventil, ist überfordert, vielleicht habe ich nicht die nötige Distanz. Es ist nervig und ich hab diese Weihnachten Hormone...

Quarks & Co. - Ranga erklärt das Projekt Schwangerschaft

Gestern Abend strahlte der WDR die Quarks & Co. Sendung zum Thema Schwangerschaft aus. Ich möchte das absolut jedem ans Herz legen - egal ob schwanger oder nicht. Denn es ist die bisher beste Sendung zum Thema Pränataldiagnostik, Statistik vorgeburtlicher Vorsorgeuntersuchungen, Druck und Ängste der Schwangeren und der Bedeutung von Diagnosen. Es ist eine extrem gute, seriöse, ausgewogene und nicht urteilende Sendung! Mein großes Kompliment an die Redaktion, das habe ihr wirklich wunderbar gemacht!!!

Mein Kompliment auch an Dr. Lütje und Dr. Ulrich Sanken, die sich in sehr reflektierter Weise mit den Frauen auseinandersetzen, ihre Ängste anerkennen und großartige Aufklärungsarbeit leisten!

Ein echter Beitrag zur seriösen Aufklärung von Schwangeren, der auch unschöne Zahlen nennt und die Statistik hinter dem ganzen Untersuchungsmarathon erklärt. Vollkommen unideologisch und wissenschaftlich korrekt. Und vor allem nicht mit dem Fokus aufs Kind, den Ärzten, den Hebammen oder sonstwem, sondern mit dem klaren Fokus auf die schwangere Frau. DAS ist so bitternötig.

Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke! Danke!

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Baby einmal so und einmal so

Das wird eine Buchrezesion, obwohl das auf meinem Blog ja sonst nicht üblich ist. Ich möchte zwar etwas über ein Buch schreiben, von dem ich begeistert bin, aber nicht nur. Ich möchte vor allem diskutieren, wie unterschiedlich man die Kommunikation über Familienzuwachs gestalten kann.

Im Klartext: Es geht um Kinderbücher für werdende große Geschwister.

In der Schwangerschaft mit T2 war ich auf der Suche nach netten Büchern, die T1 ein wenig vorbereiten sollten auf die Familienerweiterung. 
Ich fand zunächst das Übliche:
Wir sind jetzt vier! von Ministeps und Unser Baby aus der Wieso?Weshalb?Warum?-Reihe. Ich schaute mir natürlich auch noch weitere an aus dieser Kategorie. Und eigentlich fand ich die nicht schlecht. Es sind zwar einfach eine Art kindgerechte Sachbücher - aber warum denn auch nicht?
T1 war damals gerade um die 2 Jahre und es war schon noch sehr früh, ihr diese Geschwistersache näherzubringen.

Im Grunde gibt es eine Menge Bücher, die mit mehr oder weniger ausführlichen Geschichten das Kinderkriegen schildern - manchmal eher erklärend, manchmal als nette Geschichte mit Herz.
Ich würde auch nicht sagen, dass diese Bücher nicht gut oder nicht gut genug sind. 

Aber sie offenbaren eine sehr deutsche Sicht auf Geschwisterkinder. Das Fazit der üblichen Geschwisterbücher ist leider ein negatives: zuerst kann die Mama nicht mehr richtig spielen, weil sie so dick und rund ist und alles so anstrengend und das wird direkt abgelöst von der Zurücksetzung, die große Geschwister dann zwangsläufig erleben müssen. 
Da mag auch faktisch einiges dran sein, aber der Ton ist negativ. Geschwisterchen zu bekommen ist nichts Schönes, Erfreuliches, sondern wirkt sich immer negativ auf das bereits vorhandene Kind aus.

Nun, wenn das der Forschungsansatz von Entwicklungspsychologen sein sollte, ist das eine Sache. Das jedoch als Fakt einem 2jährigen Kind zu vermitteln ist, gelinde gesagt, fragwürdig und unnötig. 
Schön, wenn zwar mögliche Wut oder Ängste der Kinder thematisiert werden, aber fehlt zwischen dem dicken Bauch und der Zurückweisung nicht ein Schritt?

So jedenfalls fand ich und ich suchte nach einem Buch, dass einen anderen Grundtenor hat.
Mein großer Favorit ist:
Was macht das Baby in Mamas Bauch? des Schweden: Thomas Svensson.
Ich möchte gleich betonen, dass es auch in dieser Kategorie herzlicher Geschwistergeschichten mehr als eines gibt. Aber dieses hier hat mir doch ausnehmend gut gefallen und meinen Kinder eben auch. Der Grund? Es macht richtig Lust auf Babys! Es überwiegt in dieser Geschichte die Neugier auf das kleine Geschwisterlichen in Mamas Bauch - unabhängig vom Geschlecht. Und es ermöglicht den Großen bereits zum Kugelbauch eine positive Beziehung aufzubauen.

So hat der große Bruder Jakob im Buch auch allerlei Fragen und natürlich gleich die Antworten parat: Warum nur das Baby anfängt im Bauch herumzuhüpfen, wenn die Mama gerade schlafen gehen will? Was das Baby wohl gerne isst und ob es auch so gern Limonade trinkt? Und ob das nicht anstrengend für das Baby ist immer im Kopfstand zu stehen, wenn die Mama sich bückt? Wie sich das Baby wohl vorstellt, wie alle aussehen?

Eine typische Frage, die ja eigentlich fragt: Wie stellst du dir denn das Baby vor? Das allein ermöglicht eine Identifikation und so ist nach der Geburt auch nicht die fehlende Zeit der Eltern das Thema, sondern ein großes Herz, dass gemeinsames Spielen verheißt, wenn das Baby erst groß genug dafür ist.

Ich mag dieses Buch so, weil es wirklich witzig ist und kein bisschen negativ. Und das ist gut so. Mamas Rückenschmerzen sind nämlich nicht das Problem der Kinder und sollen es auch nicht sein. 

Und für meine Damen ist dieses Buch auch sehr einleuchtend, denn die beiden haben eine so innige Beziehung miteinander, dass völlig klar ist, je mehr Kinder - desto besser. Auch Eifersuchtsdramen gab es bei uns keine, denn einerseits habe ich nur selten dem Baby mehr Aufmerksamkeit gewidmet, aber andererseits hab ich T2 auch immer als etwas Schönes dargestellt. Wir haben uns darauf gefreut.
Eifersüchteleien gibt es natürlich dennoch, aber nur situationsbedingt, nicht als grundlegend negatives Gefühl dem anderen Kind gegenüber. 

Und so wird es wohl auch bei T3, denn die 3 Damen spielen bereits jetzt miteinander. Die Großen kitzeln meinen Bauch und bringen dem Baby bei, wie es mich genauso auch von innen kitzeln soll. Außerdem wird dem Baby bereits erklärt, dass man beim Essen den Mund schließen soll und dass man T2 besser nicht ihren Parasaurolophus wegnimmt, sonst haut sie nämlich. 

Ich muss aber zugeben, dass dieses Buch wahrscheinlich erst für Kinder ab ca. 3 Jahren seinen ganzen Witz entfaltet, denn die Gedankengänge sind durchaus eher die eines Kindergartenkindes. Jedenfalls würde ich mich immer wieder für ein Buch entscheiden, dass positive Gefühle dem Baby gegenüber in den Mittelpunkt stellt. Probleme kann man immernoch thematisieren, wenn sie dann auftauchen.