Freitag, 23. Oktober 2015

Der eigene Weg

Wird nicht von Hebammen gerne betont, dass sie Frauen darin unterstützen würden, ihren eigene Weg zu gehen? Ich habe mich für einen Weg entschieden. Auf diesem Weg werde ich erst im Kreißsaal wieder auf eine Hebamme treffen.

Ich habe eine ganze Weile nachgedacht, nach meinem letzten Zusammentreffen mit einer Hebamme und ich habe mich entschieden, das Geburtshaus, die Hebammenbetreuung abzusagen. Zudem habe ich mir einen neuen Gynäkologen gesucht, in der Hoffnung, dass dieser kein Arsch ist.

Mit der Hebammenfrage komme ich aber nun nicht mehr weiter. Ich habe in den letzten Jahren immer für eine umfassende Hebammenbetreuung argumentiert, für Menschen, die nach Hause kommen und Neomütter nicht allein lassen. Für die Wahlfreiheit der Schwangeren.

In nunmehr 3 Schwangerschaften habe ich mit ca. 10 Hebammen geredet, mal am Telefon, mal persönlich, um eine Hebamme für mich zu finden. Und mein Fazit lautet: Ich hab die Schnauze voll von freien Hebammen. 

Ich möchte ganz klar betonen, dass ich mit Klinikhebammen, die meine Geburten begleitet haben, absolut begeistert bin. Diese Frauen habe meine Situation stets einwandfrei korrekt eingeschätzt und mich perfekt betreut. Selbst die meisten der Klinikhebammen der Hebammensprechstunde zur regulären Vorsorge in Basel waren super - jedenfalls die Älteren, Erfahrenen.

Aber alle freien Hebammen für Vorsorge und Nachbetreuung waren entweder medizinisch nicht ausreichend kompetent, wenn ich oder meine Tochter es tatsächlich gebraucht hätten, oder sie haben mir noch nicht einmal ansatzweise zugehört. Zudem waren alle, mit denen ich bisher zu tun hatte voll von alternativen Heilmethoden überzeugt und versuchten mich ebenfalls davon zu überzeugen. Selbst wenn ich klar äußerte, dass ich damit nichts zu tun haben möchte. Ich habe sogar eine Hebamme gefunden, die schulmedizinische Interventionen konkret ablehnt - sofern frau nicht grad im Sterben liegt.

Für mich persönlich liegt daher der Schluss nahe, dass die freien Hebammen sich selbst disqualifiziert haben. Denn statt ihre umfassende medizinische Kompetenz und ihr Kerngeschäft zu betonen und auszubauen, sind sie auf einen Zug aufgesprungen, der direkt in die Bedeutungslosigkeit fährt. 

Es gibt Heilpraktiker und Ärzte, die die gläubige Bevölkerung bereits unter sich aufgeteilt haben. Naturheilkunde in der Geburtshilfe ist ein Mini-Nieschenmarkt, der viel Fachkenntnisse erfordern würde. Hebammen dachten wohl, sie könnten zwei Jobs auf einmal machen. Aber da das natürlich nicht geht, haben die Hebammen offensichtlich lieber Abstriche im Kerngeschäft hingenommen, um sich teilzeitmäßig einem Trend zu widmen, der sowieso nur eine bestimmte Klientel anspricht. 
Das war ziemlich dumm. Für die Hebammen und für die Schwangeren. 

Denn es gibt tatsächlich Schwangere, die Unterstützung über die ärztliche Vor- und Nachsorge hinaus brauchen. Und es gibt sicherlich auch Hebammen, die kompetent diesen Familien Unterstützung geben können. Meine persönliche Suche in 2 Städten hat jedenfalls keine zu Tage gefördert. Wurden die ganzen Hebammen, die wir so dringend bräuchten von den Kräuterfrauen verdrängt? 

So oder so, es ist für mich eine Frage wert, ob sich freie Hebammen nicht selbst aus dem Spiel genommen haben. Dass die Situation der Klinikhebammen auch daran hängt, ist für mich der eigentliche Skandal. Auf dem freien Markt könnte man argumentieren, dass das Angebot die Nachfrage regelt. Wer nen schlechten Job macht, der fliegt. Nur, dass das Gesundheitssystem eben nicht so funktioniert und nicht so funktionieren darf. Kollektivverantwortung und Kostenteilung sind essentiell für unser Gesundheitssystem. Vielleicht hat man so viel zu lange Hebammen mitfinanziert, die weder in der Naturheilkunde, noch im Hebammenkerngeschäft auf nen grünen Zweig kommen. 

Und die Sache mit den Hausgeburten? Ist ein klarer Kollateralschaden. Hausgeburten sind ein absoluter Nieschenmarkt für eine sehr spezielle Klientel. Und die haben jetzt einfach Pech gehabt. Das ist traurig und schade, interessiert aber so gut wie keinen. Selbst wenn man sich in Deutschland diese Nische leisten könnte, wenn man wollte. 

In eigener Sache kann ich berichten: Man kann locker schwanger sein und keine Hebamme haben. Man braucht weder vor, noch nach der Geburt eine Hebamme. Bei Bedarf gibt es ärztliche Betreuung. Die kann man in Anspruch nehmen oder auch nicht. Man kann auch im 4-Wochen-Rhythmus zum Gyn zur Vorsorge gehen, ohne jedesmal einen US machen zu lassen. Das wird zwar das Gesundheitswesen nicht entlasten, aber am Ende ist es offensichtlich egal, worein wir unser Geld stecken. Und auch zur Wochenbettbetreuung muss ich sagen: Man kann da auch ohne Probleme einfach das machen, was man für richtig hält, ohne Hebamme und ohne tägliche ärztliche Kontrolle, sofern die Geburt relativ komplikationslos lief. Man kann auch einfach beschließen, dass man das mit dem Kinderkriegen und Kinderhaben selbst hinbekommt und sich bei gezielten Fragen, gezielte Antworten von Fachpersonen holen. Und Frau muss halt durchaus lernen, mit Baby die absolute Kontrolle mal abzugeben, die Situation so zu nehmen, wie sie ist und das beste für alle draus zu machen. Das nennt sich Leben. Muss man eh lernen, wenn man dann Familie hat und selbst verantwortlich ist. 

Braucht man also eine Hebamme? Nein.
Braucht man manchmal Unterstützung in anstrengenden, heiklen Phasen? Ja. 

Such ich mir die Unterstützung halt wo anders. Mit den Hebammen bin ich nun wirklich durch. Ich hab's ehrlich versucht. Ich kann auf Hebammenbetreuung außerhalb der Klinik verzichten. 50% der Frauen tun das und denen geht's nicht schlechter als den Schwangeren mit Hebamme. 
Vielleicht waren die freien Hebammen einfach zu abgelenkt von all dem Schnickschnack, dass sie vergessen haben sich unentbehrlich zu machen. Schade, aber ob es so tragisch ist, wird sich erst noch herausstellen müssen.

Kommentare:

  1. Hast du mit Absicht den Part ausgespart, in dem es um die ExistenzÄngste der freien Hebammen geht? Nicht, dass das eine Entschuldigung für nicht-Kompetenz wäre, jedoch macht es den Beruf nicht ansprechender für begabte Personen, die dann vielleicht lieber etwas anderes lernen/arbeiten...

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    1. Ich kenne maximal qualifizierte Leute mit massiven Existenzängsten, nicht weil sie irgendeinen Fehler gemacht hätten, sondern weil das System ihnen nur 3-Monats-Verträge gönnt. Nein, eigentlich gönnen ihnen Menschen, die am längeren Hebel sitzen, das nicht. Sollten wirklich nur mäßig kompetente Menschen diesen Beruf ergreifen, weil er für die anderen zu wenig attraktiv ist, dann hätte man wohl den Berufsstand der Hebammen schon lang abschaffen können. Und mit ihm noch so manche andere.
      Ich bin mir nicht sicher, ich hielt diese Hebammensache eigentlich für sinnvoll. Allerdings sprechen meine eigenen Erfahrungen eben dagegen.

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    2. Ja okay, mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetzt führst du ein gutes Argument an. (Da findet übrigens eine Aktionswoche vom 2.11. an statt, mehr Infos und Material gibt's bei der GEW)
      Ich finde es schade, dass du keine sympathische und kompetente Hebamme findest, aber auch, dass du deshalb scheinbar den ganzen Berufsstand verurteilst :(
      Auch von mir aber auf jeden Fall die besten Wünsche für die nahe Zukunft :)

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    3. Gelten solche Bedingungen nicht auch für Leiharbeiter, Saisonarbeiter, Pflegepersonal etc? Heute kann sowas die Fachleute in jeder Branche treffen.

      Danke, ich harre ein wenig der Dinge die da kommen.

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  2. Ich sehe, Du hast meine Henriette nicht kennen gelernt. Die hätte Dir glaubs gefallen - ist aber ein paar hundert Kilometer zu weit links von Dir tätig.
    Alles Gute für den Endspurt und die Geburt!

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    1. Danke, ein Zurück gibt's ja nun eh nimmer...

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  3. Ich hab eine Nachsorgehebamme ergattert (rarer als Gold hier) und bin darüber sehr froh - sie verteilt zwar antroposphische Augentropfen (W.T.F.), aber sie hat wesentlich mehr Erfahrung mit Babies an sich und ich bin froh, dass ich jemanden habe, dem ich Fragen stellen kann und der man vorbeischaut und ansieht, wie sich das Kind in den ersten Wochen entwickelt. Klar "braucht's" das nicht - bei meinem ersten Kind hatte ich keine NAchsorgehebamme, denn die gab es damals und dort nicht - aber es ist mir eine Hilfe. Ich will von ihr auch keinen schulmedizinischen Rat, dafür würde ich zum Kinderarzt gehen.

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    1. Nun, du hast explizit eine Hebamme für nach der Geburt. Ich wollte auch die Vorsorge dort machen und im Geburtshaus entbinden. Da halt ich schulmedzinischen Rat schon für angebracht. Und vor allem wollte ich das, weil ich dachte, eine Hebamme würde mich sicher ernst nehmen, weil es mir wirklich sehr schlecht ging und noch immer nicht gut geht. Jemanden, der nicht auf mich eingeht kann ich eben auch nicht gebrauchen. Darum lass ich's gleich sein. Ob ich nur Pech hatte kann ich nicht beurteilen. Aber irgendwo scheint in der Hebammenfrage ja schon ein ziemlicher Haken zu stecken, meine ich inzwischen. Welcher das genau ist, das wissen die Hebammen vielleicht selbst nicht ganz.

      Und die Geburtshaushebamme machte mir übrigens sehr deutlich klar, dass sie die medizinische Verantwortung für das Kind habe und nach der Geburt auf tägliche medizinische Untersuchungen bestehen würde. Ich hätte also gar nicht wählen können, ob ich nur allgemeine Ratschläge hätte haben wollen. Und sie hat nicht unrecht, zudem will sie natürlich das ganze Paket abrechnen. Es kam aber eher so rüber wie 'friss oder stirb'. Das war nicht unbedingt, was ich gesucht hab.

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  4. Liebe Rosalie,
    ich teile deine Gedanken hinsichtlich der Habammenfrage in gewissen Bereichen. Ich habe aus meinem Umfeld ähnliche Geschichten gehört. Da sind ein paar Frauen garnicht mehr gut auf Hebammen zu sprechen. Und da denke ich auch, was ist schief gelaufen? Das kann ja kein Zufall sein.
    Gleichzeitig bin ich pro Hebammen. Ich habe gute Erfahrungen mit meiner Hebamme gemacht. Ich habe drei Hausgeburten gemacht. Dazu bin ich allerdings gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde.
    Ich würde mich als typische Hausgeburtsfrau bezeichnen. Ich sah das auch eher als eine Räucherstäbchen geprägte Sache an. Dann fand ich die Internetseite meiner Hebamme. ...hab ich nen Blog-Artikel drüber geschrieben...meine Hebamme kam sofort zu einem Beratungsgespräch und war sehr kompetent auch in allen medizinischen Belangen. Ich fühlte mich im Vorfeld, bei der Geburt und auch besonders in der Nachsorge sehr gut und kompetent betreut. Beim Milcheinschuss sah ich nämlich plötzlich aus wie Dollybuster und nix ging. Ich hatte Schmerzen und die Kinder konnten nicht trinken. Schnell und effizient wurde mir geholfen. Ich war solo unendlich froh, dass ich nicht zu einem Arzt fahren musste, sondern einfach die Hebamme anrief und sie kam zu mir nach Hause.
    Allerdings hatte auch diese Hebamme einen leicht alternativen Touch und ging so ganz im Zauber einer Geburt auf. Mein mann und ich sahen das eher pragmatisch. Das Kind muss raus und das möglichst so angenehm wie möglich. Für mich wäre ein Krankenhaus unangenehm gewesen.
    Aber trotzdem, ja, die Hebammen müssen am Image arbeiten. Weniger "Räucherstäbchen" verkaufen und sachlich, pragmatisch, kompetent und mit Fingerspitzengefühl für alle unterschiedlichen Befindlichkeiten der Frauen eingehen können. Die Frau in der Selbstbestimmung unterstützen eben.

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Da ist ein Fehler in meinem ersten Kommentar in einem Satz. Ich bin NICHT die typische Hausgeburtsfrau! Das wollte ich sagen. Ich war da eher....anti, bevor ich mich dazu entschied.

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  5. Danke Beatrice für Deine Einschätzung.
    Auch wenn ich ganz sicher kein Hausgeburtstyp bin (aufgrund der dramatischen Situation mit K1 bin ich doch ein gebranntes Kind) hab ich wie gesagt mit Klinikhebammen nur die besten Erfahrungen gemacht. Und weil ich eben eigentlich auch pro Hebamme bin und war hab ich immer wieder den Versuch gestartet eine zu finden, wie sie Dir offensichtlich über den Weg gelaufen ist. Manche war nett aber erwies sich als Labertasche, manche war kompetent aber erwies sich als zu ideologisch. Ich hätte mich bei dieser Schwangerschaft wirklich wirklich über jemanden gefreut, der sich um mich kümmert oder zumindest auf meiner Seite steht. Diese SS ist der Horror für mich und ich hab bis heute immer nur gehört 'Stellen Sie sich nicht so an.' oder 'Jaja, das vergeht schon wieder.' Auf meine echten medizinischen Probleme will einfach niemand mit echter Medizin antworten. Warum weiß ich nicht. Seit Wochen ist nun die Übelkeit zurück, ich nehme schon wieder ab und mein Arzt sagt schon wieder 'Aber die Leitlinien besagen…'
    Ich wäre so roh gewesen um eine Hebamme, die mich ernst nimmt. Und da ich aufgrund meines Kreislaufs und der Kotzerei nun durchaus schon mehrmals mit den Kreißsaalhebammen meiner Wunschklinik Kontakt hatte, muss ich sagen, die sind einfach super! Die einzigen, die mir echt zuhören, mich ernst nehmen, mir wirklich helfen - auch wenn ich nachts um elf komm und sie alle Kreißsäle belegt haben. Aber Hausbesuche etc. können die mir natürlich nicht bieten. So weiß ich zumindest, dass ich in meiner Klinik gut aufgehoben sein werde.
    Ich denke zudem, dass bei vielen Schwangerschaften die Ängste auch von Fachpersonen viel zu hoch getrieben werden. Je mehr Sorgen die Frauen haben, umso mehr wird von Ärzten versucht mit allerlei Untersuchungen Sicherheit zu geben und von Hebammen mit verstärktem Chakka-du-schaffst-das/Alternativen zur Schulmedizin. Beides scheint mir nicht hilfreich und vermittelt den Frauen auch offensichtlich keine Sicherheit, sondern viele fühlen sich eben nicht wirklich ernst genommen. Letztlich verlieren alle bei dieser Situation.

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  6. Oh neeiiiin. Jetzt hab ich irgendwen Knopf gedrückt. Entweder da kommt bei dir ein unfertiger Kommentar an, oder nicht. keine Ahnung. Mal abwarten. ....grrrr

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  7. Ich versuche es nochmal. :-)
    Was ich schon mal schrieb ging ungefähr so: Mensch, wie gemein. So blöde Sprüche von wegen- Nicht so anstellen und so- die gehen garnicht. Aber gut, dass du jetzt ein Krankenhaus in der Nähe hast, in dem du dich gut aufgehoben fühlst. Das ist ja schon mal gut!
    Als Schwangere wird man aber öfter mal nicht für voll genommen. Ich hatte mir in der 1. SS im 8.Monat bei einer blöden Bewegung im Rücken was verrenkt. Hab ich genau gemerkt. Ich konnte es leider nicht wieder zurecht rücken. Ich bekam übelste Schmerzen. Was folgte war an einem Sonntage eine Odyssee mit dem Rettungswagen von einem Krankenhaus zum anderen. Das erste wollte mich nicht, weil es keine Entbindungsstation hatte (obwohl wir sagten, dass das Kind noch nicht käme) und das Entbindungskrankenhaus ließ mich ewig leiden und legte mich an einen Wehenschreiber, bis ich mich vor Schmerzen erbrach. Dann kam da Schwung in die Sache um an Ende festzustellen, dass die SS tiptop in Ordnung war und ich mir zwei Rippen verrückt hatte. Da kam ich mir ziemlich hilflos und unmündig vor.
    Was lernen wir? Man muss ganz viel Eigenverantwortung übernehmen, ein gutes Körpergefühl haben und sich dann vehement durchsetzen. Furchtbar.
    Da wünsche ich dir mal alles Gute für den weiteren Verlauf :-)

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