Dienstag, 25. August 2015

Schwanger? Kenn ich...

Das zumindest dachte ich. Ich mein, ich hatte das ja schon mal - das Kotzen und die Müdigkeit und dieses Aliengefühl. Also dachte ich mir nix dabei. Machste das halt noch Mal…

Ja und zack-bumm, ich zerfließe in Demut. Ich gebe hiermit öffentlich zu: Ich hab keine Ahnung von gar nix! Das hier ist nämlich etwas völlig anderes. Leider.

Nun, im Grunde fing es nicht so doll anders an. Aber dann vor 2 Wochen, da hat mich so ein erbsengroßer Embryo einfach so mal umgehauen und aus dem fahrenden Zug geworfen. Und das kam so:


1. Übelkeit ist das Eine - DAS was ich habe, ist was ganz Anderes. 

Man kann nicht sagen, dass ich unter Schwangerschaftsübelkeit leide. Ich kotze mir die nicht vorhandene Seele aus dem Leib! 10x am Tag, gerne auch 20x am Tag. Und das auch nur, wenn ich kotzen kann. Ich nehme inzwischen Medikamente, hab jedes Hebammenhausmittelchen durch. Mir ist dennoch 24/7 hundeelend. Falls einer ne gute Diät sucht - ich hab sie gefunden. 5 Kilos in einer Woche. Trotz Medis. Der nächste Schritt wäre nur noch eine Flasche Paspertin am Tag zu kippen. Zum Glück stand ich vorher gut im Futter. Es ist der Hammer und ich bin völlig fertig. Zu jedem einzelnen Bissen muss ich mich zwingen, zu jedem Schluck Wasser. Ich wache nachts auf, weil mir schlecht ist, ich denke schon den ganzen Tag an fast nichts anderes mehr, weil es so allgegenwärtig ist. Ich kann keinen Supermarkt, Restaurant, Bäcker etc. betreten. Ich kann den Kids kein Essen mehr machen. Es gibt seither Obstbrei ausm Gläschen. Ach und meine Speiseröhre mag sich auch schon nimmer von der Tortur erholen.


2. Embryo schlägt Mutter K.O.

Kennt ihr diese bleierne Müdigkeit? Hattet ihr das auch? 
Ich kenn die auch. Ich bin sogar bei der Großen Mal am Schreibtisch eingeschlafen. Und wieder - Das hier ist was ganz anderes. Ich bin fertig. Einfach total fertig. K.O. Wie erschossen. Es geht nix mehr. Nach 2 Schwangerschaften mit Vollzeitarbeit lieg ich nun zu Hause. Aus die Maus. Das Kind hat mich niedergestreckt. Ich kann's nicht erklären. Totalausfall.


3. Was seh ich denn da?

Ich bin nun fast 10 Kilo leichter, als zu Beginn der Schwangerschaft. Der Bauch ist deutlich geschrumpft, d.h., nicht ganz. Ich seh aus, als wär ich im 5. Monat. Mein Bauch ploppte einfach aus mir raus. Der hat ja nun darin schon etwas Übung. Dennoch, irgendwie krass. Ich bin in der 8. Woche und man erkennt deutlich, dass ich schwanger bin. Wo gibt's denn sowas? 


4. Welche Kondition?

Ich war ja nun doch recht gut trainiert, wenn auch nicht mit BMI von 23. Jedenfalls die Kondition ist futsch. Einfach abgehauen. Treppe steigen ist meine neue Herausforderung. Ich werde von meiner fast 2jährigen Tochter längst überholt. Aber was soll's. Jetzt bin ich ja eh daheim und lieg meist im Bett. Atmen ist mein neuer Sport. Immer weiter atmen.

Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich wär nur am Heulen. Doch, ihr habt Recht, ich bin fast nur noch am Heulen - im übertragenen Sinne. Diese Schwangerschaft hat mich einfach überrollt und mein Körper hat sofort die Segel gestrichen und das weiße Fähnchen geschwenkt. Ich hab ja schon öfter erwähnt, dass mich die Intensität meines körperlichen Empfindens oft genug umhaut, dass nach den Schwangerschaften alles viel intensiver geworden sei. Es ist so. Ich verfluche diese Intensität. 

Und ich möchte mich bei allen Frauen entschuldigen, von denen ich zuvor dachte: Was stellen die sich so an. Ich finde sehr wohl, dass eine Schwangerschaft nicht berechtigt, von jetzt auf gleich nix mehr Heben, Können oder Machen zu wollen. Frauen, die sich zu Beginn einer Schwangerschaft krankschreiben lassen, weil ihr Chef a bissel blöd ist und die dann zu Hause kräftig Handwerkern etc, senden das falsche Signal. Denn ich habe nun gelernt, dass es wirklich Schwangerschaften gibt, bei denen nix mehr geht. Krankschreibungen sind für eben diesen Fall gedacht. Denn weil es eben doch Schwangere gibt, die dann auf arme Schwangere machen, bekommen Frauen mit echten gesundheitlichen Problemen auch echte berufliche Probleme. In meinem Fall beginnt das so: 'Jaja, das kenn ich schon. Sobald eine schwanger ist, tanzt sie mit ner Krankschreibung hier an… Na dann, gehnse mal heim…' Man glaubt mir also nicht. Ganz super. Das dritte Kind wird mich also Schachmatt setzen, egal welchen Einsatz ich zuvor mit Kindern gezeigt hab. Und das war schon nicht so wenig, findet ihr nicht auch? Egal, vorbei. Die Rechnung wird kommen. Wir wissen alle wie das ausgehen wird.

So ist der Stand der Dinge. Leider kam bisher tatsächlich keine Vorfreude auf das Baby, das wir uns tatsächlich wünschen, auf. Zu viel Bäh. Zu wenig gute Aussichten. Und zu viele Hormone. 

Schwanger kenn ich? Schwanger kann ich? Tja, schön wär's gewesen...

Mittwoch, 5. August 2015

Murmeltiertag

Es ist soweit: We proudly present - Rosalie und Trüffel, der Saga 3. Teil.

Ja, meine verehrten LeserInnen, es ist Murmeltierttag - jeden Tag. 

Intensive Träume, Aufwachen, Übelkeit, bleierne Müdigkeit, alles riecht viel zu sehr, noch mehr Übelkeit… und, wie könnte es anders sein, die Welt streicht der geplagten Schwangeren das Leben auf 'Sie müssen' und 'Sie dürfen jetzt nicht mehr' zusammen. Der Test war kaum positiv, da konnte ich spontan nachvollziehen, warum sich schwangere Tiere von der Herde zurückziehen und sich im hintersten Eckchen verkriechen.

Aber der Reihe nach. 
Wir sind ganz am Anfang. Zum früheste möglichen Zeitpunkt, ich brachte gerade die Kleine zu Bett, da dachte ich so bei mir 'Da stimmt doch was nicht. Ich mach mal nen Test.' Das war noch vor Übelkeit und sonstigen Nebenwirkungen. Zaghaft erschien ein zweites Strichlein und ich dachte 'Ha! Hab ich's doch gewusst.' Spontane Eingebung: Das passt, alles gesund und munter und noch ein Mädchen (Mag jemand dagegen halten? Bewiesen ist noch nichts).

Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. 
Trüffel: Ja warten wir mal ab, ob das überhaupt was wird…
Meine persönliche Einschätzung - mein 'Bauchgefühl - zählt beim Gatten leider nix. Ich weiß, das ist eher eine hilflose Reaktion seinerseits, denn er hat weder Zugang, noch Kontrolle über das was da passiert. Dennoch, dass ich bei 2 Schwangerschaften, bei dieser auch und bei 2 Fehlgeburten jeweils sofort wusste, wann wo was passiert und immer 'richtig lag' (obwohl, ich hab ja nicht geraten), macht mich offensichtlich nicht zum Experten. Danke auch.

Ich rief meine Mutter an, die freute sich, gratulierte und fragte: 'Und was sagt dein Gefühl?' 'Alles gut, das passt.' 'Gut, dann passt's.' Meine Oma sagte übrigens das Gleiche. Es dürfte kein Zufall sein, dass die 2 Frauen, die mich am besten kennen und selber wissen, wie es sich anfühlt mir als einzige vertrauen. Der Rest der Welt scheint das nicht zu tun und noch nicht mal zu erwägen, egal wie sehr ich schreie.

Und das plagt mich. Nach 3 Tagen hatte ich bereits den Wunsch die Schwangerschaft in der Einöde Grönlands verbringen zu wollen. Keine Hitze und vor allem keine anderen Menschen um mich herum.

Ich les ja kein Dr. Google, aber ich schaute doch einmal bei der KK nach, welche Vorsorgeuntersuchungen es in Deutschland so im Allgemeinen gibt. Ich las von allerlei möglichen Bluttests und von 3 Ultraschallterminen. Also dachte ich mir, bei meiner Frauenärztin, die ich bisher als verhältnismäßig wenig herrisch und sehr nett empfand, da muss man mind. 5 Wochen im Voraus anrufen für einen Termin. Da ruf ich doch mal an und frag nach einem Termin in der 9.-12. Woche. 

Ihr denkt euch jetzt vermutlich: Boah is die blöd. Das zumindest dachte die medizinische Fachangestellte am anderen Ende ganz sicher:

Hallo, hier Rosalie, ich bin schwanger und würde gern einen US Termin ausmachen für die zwöflzigste Kalenderwoche zum Ersttrimesterscreeening. 

Waren Sie schon bei uns?

Ja.

Also das Organscreening können wir hier nicht machen, da müssen sie zum Herrn Dr. Bsonderstoll. Aber die anderen US können wir hier machen.

Hä? Wie Können Sie nicht machen?

Ja, da braucht man eine extra Zulassung, die hat der Herr Bsonderstoll. Wann haben Sie denn einen Termin zur Vorsorge?

HÄ? Ja also, ich brauch sonst weiter nix. Ich wollte eigentlich nur zum US in der 9.-12. Woche.

Ja, wir können hier alle anderen US machen. Sind Sie denn schwanger?

HÄÄ? Welche anderen US denn? Versteh ich nicht. Die Krankenkasse hat gesagt, es gäbe 3 US, den ersten in der 9.-12. Woche…

Ja den können wir hier nicht machen. Gehen Sie doch zum Herrn Dr. Bsonderstoll. 

Aufgelegt. 
Ich starrte mein Telefon an. HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ? Was war das denn?

Mir ist schon klar, was die wollte. Kaum ist der Test positiv, soll ich dahin, mir allerlei Körperflüssigkeiten abzapfen (lassen) und eine Mini-Fruchtblase beschallen lassen, wo man noch nullkommagarnix sieht. Nur, wozu? Wurde in den ersten beiden SS nicht für nötig befunden, also wozu soll ich das jetzt machen lassen??? 
Wer nun sagt: Aber du weißt doch gar nicht genau, wie weit du bist!
Doch, weiß ich. Ich hatte zwar nach der Fehlgeburt in Frühjahr keinen wirklichen Zyklus, aber ich hab den Eisprung gemerkt, weiß, wann ich Sex hatte und weiß wann der Test zum ersten Mal zaghaft positiv wurde und wie er einige Tage darauf dick positiv wurde. Ich kann das Datum der Befruchtung sehr genau eingrenzen. Allerdings sagt das System auch hier: Das hat nix bedeuten. Du weißt gar nix, bis dir dein Arzt mit zig Untersuchungen und Nachmessungen sagt, was du zu wissen hast. Dass die US Schätzung, v.a. in diesem frühen Stadium der SS, wesentlich ungenauer und grober ist, als meine eigene Berechnung, lassen wir mal außer Acht. Bei den letzten SS haben sich die Ärzte jedenfalls wesentlich stärker 'verschätzt' als ich. 

Ich rief also, als ich mich etwas beruhigt hatte, wieder in der Praxis an und fragte nach einem Beratungstermin. Die nette Dame von zuvor fertigte mich unwirsch ab. Was erträgt man nicht alles…

Dann besorgte ich mir eine Hebammenvorsorge im Geburtshaus, das ich mir insgeheim schon ausgeschaut hatte. Die war auch sehr nett und ich lern sie auch bald kennen. Der Trüffel allerdings tobte und zeterte, er wolle kein Geburtshaus und überhaupt und wir werden alle sterben! Seine Unterstützung ist mir also sicher.

Dann ging ich ins Pilates, wie jede Woche seit 2 Jahren hier in HD. Ich dachte 'Hey biste verantwortungsvoll, sagste deiner Trainerin Bescheid.' Und, ihr ahnt es - Zeter und Mordio!
Die Trainerin rief sofort die Chefin an und zack, ich flog aus dem Kurs und aus dem ganzen Studio. Weil, Schwangere in den ersten 4 Monaten dürfen auf gar keinen Fall gar niemals Pilates machen. Dass es mir gut geht, ich das auf eigene Verantwortung mache und aufhöre, wenn's irgendwo ziept und vor allem, dass ich seit 15 Jahren Pilates mache und in den beiden SS zuvor jeweils bis zum 6. Monat im normalen Pilatestraining war… hat nix zu sagen. WER INTERESSIERT SICH DENN DAFÜR! 
Gut die Besitzerin des Studios möchte Haftungsschäden ausschließen, das ist ihr Recht und das akzeptiere ich, aber, dass sie mir am Telefon eine Viertel Stunde erklärt, dass mein Baby stirbt, wenn ich weiter Pilates mache - ja also… ich glaube nicht, dass ich öffentlich ungestraft sagen darf, was ich davon halte. War wohl das falsche Studio...

Aber offensichtlich nicht das Einzige mit dieser Auffassung. Letztlich hab ich dann doch ein Pilatestraining für Schwangere gefunden. Damit bin ich nicht ganz glücklich, aber ich hab nun keine Wahl. Dabei wollte ich doch andere Schwangere meiden, weil die bisher noch nie so mein Fall waren, aber schau mer mal. Ich soll ja auch meine Vorurteile überwinden.

Was ich nun mit dem Arztbesuch mach ist mir noch unklar. Ich hab irgendwie schiss, dass ich mich wieder zu was überreden lass und dann - schon wieder - das Vertrauen in den Arzt verlier und auch wieder nur am kämpfen bin. Dabei würde ich gerne die 3 US Termine wahrnehmen, denn auch ich mag BabyTV. Nur nicht um den Preis, dass ich mich bei jeder abgelehnten Vorsorgebehandlung rechtfertigen muss. Die Ärztin würde das noch verstehen und sich sagen, sie bräuchte bessere Argumente. Darum mag ich sie eigentlich auch so. Aber mit einer Sprechstundenhilfe rumzuzanken, weil ich selber bestimmen will, das ist mir schon sehr zu blöd. 

Es ist eine Schande. Millionen Frauen wären dankbar für diese Versorgung und bei uns muss man sich rechtfertigen, wenn man sich nicht schon in der 5.Woche zu Tode untersuchen lässt, nur weil es eben alle so machen… 

Den Schwiegereltern haben wir übrigens noch nichts gesagt. Deren Reaktion auf die ersten beiden Kinder war so unter aller Sau, dass ich diese Kommentare jetzt nicht auch noch ertrage.

Jedenfalls finde ich die offene Missachtung der Wünsche und Bedürfnisse einer Schwangeren, die einem von all den ignoranten Menschen entgegenschlägt, beängstigend und verletzend und ich finde, es nimmt mir durchaus den Wind aus den Segeln. Denn eigentlich freue ich mich sehr, fühle mich pudelwohl und hab ein echt gutes Gefühl. Am gesündesten für mich wäre, wenn man mir das lässt. Und leider bin ich wohl echt zu blöd ein Problem zu sehen, wo einfach schlicht weg kein Problem ist! Nur, weil bei irgendwem irgendwann viellicht ein Problem auftauchen könnte. 

Ich sehe auch den Vorteil von Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. Dennoch macht mich dieses Gezeter nervös und erschwert mir, wirklich kompetent und vernünftig darüber nachzudenken, welche Vorsorgeuntersuchung für mich in meiner Situation mit meiner Geschichte sinnvoll sind. Alle schreien immer nur 'Individualität' aber in Wahrheit ist das ein Märchen und wir sollen gefälligst in die Schablone passen. Das merkt man eigentlich nur, wenn man dann mal individuell sein möchte. Diesmal wäre es mir ein echtes Bedürfnis, denn ich habe zu viele negative Vorsorgeerfahrungen gesammelt.