Montag, 27. April 2015

Hauptsache die Familie ist gesund.

Man traut sich kaum diesen Satz auszusprechen. Wer gerade mit anderen Problemen beschäftigt ist, will sowas nicht hören. Und Probleme gibt es viele: Rollenverteilung, Vereinbarkeit, Geld, Arbeitsplatz, Kitaplatz und und und. Manchmal wachsen uns diese Probleme so über den Kopf, nehmen so viel Platz ein und verdrängen das Glück, eine gesunde Familie zu haben.

Wir alle wissen aber auch, das dieser Satz 'Unsere Familie ist gesund.' zu den wichtigsten und besten Sätzen gehört, die wir überhaupt aussprechen können, zu den wichtigsten Sätzen, die es für uns überhaupt gibt. Dieser Satz ist keine Plattitüde. Er ist absolut essentiell. 

Ich komme auf dieses Thema, weil wir in letzter Zeit einige Male mit der Nase darauf gestoßen wurde. Ein befreundetes Pärchen erwartet das erste Kind und wollte wissen, was ein Kind am meisten verändert. Ich gebe zu, ich habe sie daraufhin angelogen und etwas von Schlaf und Liebe und alles auf den Kopf stellen geredet. 

Was meine Familiengründung in meinem Leben am meisten verändert hat, meine Hochzeit, meine Kinder? Die Antwort ist so einfach wie unschön: Ich habe so viel gewonnen, dass ich am Verlust zerbrechen würde. Das Undenkbare ist zu einer realen Möglichkeit geworden. Ich weiß nun, was Angst ist. 
Ihr wisst es, es ist nicht einfach Furcht, dass etwas nicht klappt. Es ist die nackte pure, alles auffressende Angst. Angst vor dem einen Anruf. Angst vor dem Unaussprechlichen. Das hat mich am meisten verändert. 

Zuvor lebte ich ein normales Leben. Meine Probleme waren die anstehende Klausur, die Trennung vom Freund, Streit, Sorgen welchen Job ich will oder bekomme. Angst um mein eigenes Leben hatte ich nie. Habe ich heute noch nicht.

Die Angst kam auch nicht in der Schwangerschaft, auch nicht bei der Geburt. Da habe ich das alles gar nicht bewusst registriert. 
Gruselig wurde mir, als wir am Oberarzttelefon des Kispi anriefen und der Arzt fragte: 'Wie lange brauchen sie?' '15 Minuten.' 'Schaffen sie es in 5.'
Übel wurde mir, als wir nach 7 Minuten da waren und eine Schwester vor dem Eingang auf uns wartete und uns direkt hinein durch mehrere Schleusen führte - vorbei an der Notaufnahme.
Angst hatte ich, als ich in der Tür zur Neointensiv stand und mein Körper nur nach davon rennen wollte, Hauptsache nicht durch diese Tür in diesen Raum treten. 

Jeder, der tatsächlich am Bett seines Kindes stand und ernsthaft dachte, das Kind stirbt, der weiß was Angst ist. Wir alle teilen die selbe Angst, ähnliche Gedanken, die selben Wünsche. Und doch spricht kaum einer von unser darüber. Schon gar nicht mit Pärchen, die ihr erstes Kind erwarten.

Das Leben ist ein Risiko. Mehr Leben bedeutet mehr Risiko. Und doch funktioniert die Verdrängung auch bei mir tadellos. Meist regt mich jede Kleinigkeit mehr auf, als das Risiko diese wunderbare perfekte Familie zu verlieren. Würde nur die Sorge im Vordergrund stehen, könnten wir weder glücklich, noch sonstwie damit leben. 

Wie es Menschen aus Krisengebieten wirklich geht, die täglich mit Tod, Hunger, Krankheiten, Krieg und unsäglichem Schmerz kämpfen, kann ich mir gar nicht ausdenken. Wer weiß, dass z.B. in Afghanistan oder Somalia die Kindersterblichkeit bei 25% liegt, dem wird einiges klar. Frauen haben dort im Schnitt 4-5 Kinder, also hat tendenziell schon jede einzelne Frau dort ein Kind verloren. Also ist dort jede einzelne Familie traumarisiert. Wie genau soll denn dort eine funktionierende Gesellschaft mit humanitären Werten entstehen? Make love not war? Klaro. Und bleibt bloß, wo ihr seid, wir haben hier keinen Platz für euch.

Hier bei uns ist das natürlich anders. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Sorge und Risikobewusstsein. Das hätte ich den werdenden Eltern gerne erklärt, hätte ich die richtigen Worte dafür. Habe ich aber nicht. Menschen mit todkranken Kindern jedoch, die haben das. Die leben täglich mit dem Gedanken an Verlust und die lernen damit umzugehen. 
Auch so eine Familie habe ich nun kennen gelernt und ich kann nicht beschreiben, was das in mir auslöst. Keine Ahnung wie die das machen, aber die nehmen tatsächlich jeden Tag so, wie er ist. Die Verzweifeln auch mal, aber die Lachen auch. 
Beeindruckend auch die Geschichte dieser Österreicherin, die irgendwie ins Leben zurück gefunden hat und über die es inzwischen auch mehrere Interviews/Reportagen gibt.
Unvorstellbar für mich. Ich bin mir sicher, ich würde am Tod eines der Kinder zerbrechen. Ich muss auch zugeben, ich würde zwar schrecklich unter dem Verlust des Trüffels leiden, aber darüber würde ich irgendwann hinwegkommen (Sorry Trüffel!).

Ich möchte aber auch betonen, dass der Verlust eines Elternteils für meine Kinder wohl mindestens so schlimm wäre, wie ihr Verlust für mich. Es gibt da keine Reihenfolge, was schlimmer wäre. Diese Kleinfamilie besteht im Moment aus 4 Mitgliedern. Keines davon entbehrlich.

Die Großeltern trifft es da schon härter. Die würden sehr fehlen und es wäre schlimm, aber ich hatte nun durchaus schon Jahrzehnte Zeit mich von ihnen zu lösen und mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass sie irgendwann nicht mehr da sind. 

Zudem setzte ich mich bewusst immer wieder dem schrecklichen Gedanken aus, was wäre, würden meine Kinder sterben. Natürlich kann ich in meiner Vorstellung nicht wirklich ermessen, wie es wäre. Aber ich versuche es nicht vollständig zu verdrängen. Denn ja, die Möglichkeit besteht.

Zum Beispiel am Wochenende auf der Autobahn. Zum Glück fuhr ich und nicht der Trüffel. Zum Glück erkannte ich, dass der SUV hinter uns nicht bremst (Stauende). Zum Glück haben wir einen Sportwagen, dessen Fahrwerk dafür gemacht ist auch beim zackigsten Spurwechsel (von links direkt auf die Standspur) sauber die Spur zu halten. Zum Glück war das Auto rechts von mir schon sehr langsam. Zum Glück. Denn der SUV bremste mit Vollbremsung 2cm vor der Stoßstange unseres eigentlichen Vordermanns. Der Fahrer hielt noch sein Handy in der Hand. 
Das wäre gnadenlos schief gegangen. Aber wir sind hier. Es geht uns gut. Wir sind alle gesund. Das ist die Hauptsache. Und mir ging wieder einmal der Arsch auf Grundeis, aber so richtig.

Nun, ich muss lernen, meine Angst im Zaum zu halten, denn so ist das Leben. Genau das heißt Leben eben auch - Angst zu haben um das Leben. Und mit dieser Angst klar zu kommen. Ich sitze hier von meinem Bildschirm und kann mir gar nicht vorstellen, welche Abscheulichkeiten Menschen erleben. Geschichten von Soldaten, von Hunger, von unendlichem Leid. Ein Glück habe ich nicht den leisesten Schimmer davon. Und so darf es ruhig bleiben.

Und ihr hoffentlich auch nicht.
Ein Prost auf euer Wohl! Und ruft euch das öfter mal ins Gedächtnis: Hauptsache, wir sind alle gesund!

Donnerstag, 16. April 2015

Von der Überhöhung der Kinder

Das war ja klar, #regrettingmotherhood musste eine Gegenbewegung hervorrufen - wir haben nur darauf gewartet #thankfulmotherhood. Auf Twitter schreiben Mütter von ihren Kleinen und wie lieb sie die haben.
Auffällig dabei ist der Tenor. Oft wird das Kind selbst angesprochen und der Ton läßt noch nicht mal Gegenfragen zu. #regrettingmotherhood hat viele Mütter offenbar dazu genötigt, Paroli zu bieten. Allein, es hat sie niemand angegriffen. 

Auffällig ist auch, dass sowohl in den meisten Gegenposts zu #regrettingmotherhood, wie auch bei #thankfulmotherhood das Kind im Mittelpunkt steht. Und hier liegt ganz klar der Fehler. Es ging bei der israelischen Studie nicht um die Kinder, nicht um Erziehung, nicht um Kinderlachen oder nächtliche Heimsuchungen im Elternbett. Es ging um die Frauen. Und darum, wie sie Mutterschaft erleben und dass diese Frauen wohl glücklicher wären mit einem Leben ohne eigene Kinder. 

Es ging schlicht mal wirklich um die Mütter und nicht um die Kinder. Und das finde ich super!

Denn es wird höchste Zeit, dass die Mütter in den Vordergrund rücken. Die Kinder sind nur ein Teil einer Familie, sie sind nicht die Familie. Kinder sind ein Teil der Gesellschaft, nicht die Gesellschaft. Kinder sind ein Teil des Lebens für viele Frauen und Männer, aber für viele sind sie nicht alles. Kinder sind wichtig. Aber Kinder sind nicht wichtiger als Väter, als Mütter, als Großeltern, als Alte, als Junge, als Erfolgreiche, als Erfolglose, als Arbeiter, als Chefs. Kinder sind ein Teil der Menschheit. Nicht mehr und nicht weniger.

Nur weil Kinder zu bestimmten Zeiten und Gelegenheiten eine erhöhte Menge an Zuwendung brauchen, heißt das nicht, dass man sie zu jeder Zeit in den Mittelpunkt stellen muss. Das jedoch wird gerne gesellschaftlich propagiert. Kinder seien unser wichtigstes Gut - als seien sie eierlegende Wolchmilchsäue, die perfekte Produktivität generieren. Kinder seien die Zukunft. Nun, Kinder machen einen bedeutenden Teil der Zukunft aus, das stimmt. Aber wenn ich alt bin und meine Kinder ihre Zeit gekommen sehen, soll ich mich dann verschrotten lassen, weil ich nicht mehr wichtig bin für diese Gesellschaft? Wer braucht schon die Alten, wenn er Kinder hat? 

Ja, Kindern kommt eine wichtige Rolle zu, aber diese Rolle ist nicht wichtiger als die Rolle aller anderen auch. Und nun, als Mutter Anfang 30, muss ich sagen, die Zeit meiner Kinder wird kommen. Ihre große Zeit, in der sie Mitten im Leben stehen. Aber jetzt, hier und heute, ist meine große Zeit. Jetzt bin ich die Generation, die bestimmt wo's hingehen soll. Jetzt mach ich die Regeln und meine Kinder müssen diesen folgen. Jetzt muss ich mich entscheiden, welches Leben ich führen will, nach welchen Grundsätzen ich leben will. Es ist jetzt meine Zeit, auch wenn ich Kinder habe.


Ich habe gute Freunde, die beiden waren schon als Teenager zusammen und wollten immer Kinder. Ihr war auch immer klar, sie wird zu Hause bleiben, will keine Karriere, kein eigenes Geld verdienen. Sie haben inzwischen 3 Kinder und sind sehr glücklich. Weil das ihr Weg ist. Beide gehen voll in diesem Leben auf. Keine großen Extrawünsche, es soll alles so bleiben, wie es ist. Und ich gönne es ihnen von Herzen. Denn sie haben gefunden, was sie gesucht haben. Ihre Familie ist ihr Sinn des Lebens. Das ist nur wenigen so vergönnt und ich find es super.

Ich habe eine gute Freundin, die Karriere gemacht hatte. Eine rasante Karriere in einem schwierigen Gebiet. Sie traf einen Mann, der auch Karriere machen wollte und dies auch tut. Sie haben zwei Kinder zusammen, beides Verhütungsunfälle. Sie würden beide keine Kinder mehr haben wollen, schon gar nicht miteinander, wenn sie noch mal entscheiden könnten. Jeder von ihnen ist unglücklich und überfordert mit der Aufgabe hingebungsvoller Elternteil zu sein, verzichten zu müssen. Dabei sind sie extrem tolle Eltern, die sehr liebevoll mit ihrem Kindern umgehen. Nur ist das eben der falsche Job. Er fordert einen gut Teil Resignation und Zähne zusammen beißen, jeden Tag. Und ich bewundere, wie sie das hinbekommen, ohne offensichtlich durchzudrehen, ohne gewalttätig zu werden, ohne die Koffer zu packen und zu verschwinden, ohne sich selbst zu verlieren. Oder vielleicht tun sie dies ja, und ich seh es nicht.

2 Seiten der gleichen Medaille. Alle lieben ihre Kinder, aber sie hatten unterschiedliche Lebensentwürfe. Alle haben sie nun die gleiche Rolle, die sie alle gleich gut ausfüllen, nämlich so gut sie nur irgendwie können. Und doch sind die einen vollkommen zufrieden und die anderen nicht. Und das ist legitim. Das hat nichts mit den Kindern zu tun. Keines der Kinder ist besonders 'leicht zu haben' oder aufwendig, keines ist krank. Dass diese Familien so unterschiedlich funktionieren, liegt nicht an den Kindern. Es ist auch nicht der Fehler der Eltern. Niemand macht hier einen Fehler.

Und doch gibt es offensichtlich bei der einen Familie ein Problem. Das Problem ist, dass diese Mutter schlicht nicht bereit ist, ihr gesamtes Leben ihren Kindern zu widmen. Sie ist nicht narzisstisch. Kinder sind ihr einfach nur nicht genug. Die Mutterschaft erfüllt sie nicht, sondern fordert im Gegenteil Zugeständnisse.

Warum ist das ein Problem?

Ich persönlich denke, ein Gutteil des Problems wird von der Gesellschaft geschaffen, um die Menschen im Zaum zu halten und zu kontrollieren. Abgesehen von der Überhöhung der Mutterrolle und der Kinder als Zukunft im 3. Reich, sind wir überfordert unser Glück in uns selbst zu suchen. Vielleicht weil da nicht jeder sofort was findet. Keine Ahnung. Wir projizieren unser Glück, unseren Sinn lieber in etwas oder jemand andres. Das ist viel einfacher. Beim einen sind das Kinder, beim anderen die Arbeit, beim dritten die Drogen. Egal. 

Es gibt Menschen, deren Sinn sind ihre Kinder. Kinder machen sie vollkommen (und) glücklich. Wie wunderbar, dass diese Menschen ihr Glück tatsächlich gefunden haben. Da diese Menschen ja aber so glücklich sind, haben sie keinerlei Grund andere, die nicht so glücklich sind anzugreifen. Denn es gibt auch Menschen, die machen Kinder zwar glücklich, aber Kinder sind nicht genug. Ich gehöre dazu. Meine Kinder füllen mich nicht zu 100% aus. Und es gibt Menschen, die lieben zwar ihre Kinder, aber ihr wahres Glück liegt wo anders. Diese Menschen dürfen sich genauso fortpflanzen wie alle anderen auch. Diese Menschen greifen auch meist niemanden an, weil sie damit beschäftigt sind, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Wir sollten sie so akzeptieren, wie sie sind. Denn sie sind genauso wertvoll wie jedes Kind und haben genauso Respekt verdient, wie jeder andere auch.

Ich möchte auch aus der Perspektive eines Kindern, dass nicht geplant, eigentlich nicht gewollt war und das nicht auf der Welt wäre, hätte die Mutter die Zeit zurück drehen können, etwas dazu sagen. Es ist ein Unterschied, ob man kein Wunschkind ist und die eigene Geburt tatsächlich das Leben der Eltern sehr verkompliziert hat, oder ob man nicht geliebt wurde. Meine Eltern haben mich immer geliebt und mir das auch gesagt. Meine Eltern waren fantastische Eltern, auch wenn sie den Start total verhauen haben. Meine Eltern haben für ihre Entscheidung immer die Verantwortung selbst getragen. Ich war nie schuld an ihrem Leben. Aber sie hätten es anders gemacht, wenn sie gekonnt hätten. Meine Mutter hat mich alles gelehrt, was sie über's Muttersein wusste und es stellt sich heraus, das war verdammt viel und gutes Zeugs. Ich bin heute auch so eine gute Mutter, weil sie mir so eine gute Mutter war.
Als betroffenes Kind kann ich unterscheiden. Es verursacht mir kein Leid.

Ich möchte eben auch noch zu der Rolle der Kinder etwas sagen. 
Dass Kinder unser ganzes Glück sein sollen ist verdammt ungerecht, den Kinder gegenüber. Die Verantwortung für unser Glück liegt bei uns selbst. Bei niemandem sonst. 
Kinder können sich gegen diese Rolle nicht wehren. Eine Mutter also, die trotz ihrer Kinder nicht vollkommen glücklich ist, sollte sich hüten, ihr Glück ausschließlich in den Kindern zu sehen. Es wäre schlicht falsch. Und fatal für die Kinder, denn es würde schlicht ein #regrettingchildhood erfordern. Wir alle lieben unsere Kinder und wünschen ihnen dies nicht. 

Diese Gesellschaft muss dringend an ihrer Einstellung arbeiten, Kinder auf ein Podest zu heben. Das beginnt in der Schwangerschaft. Während das Kind keine rechtliche Person ist, wird doch sein Wohl grundsätzlich über das der Mutter gestellt. Dabei ist die Mutter eine Person, mit Rechten und Würde. Ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden, ihre Wünsche sind nicht weniger wichtig, als das Gedeihen des Kindes. Ihre Entscheidungen müssen sich nach ihren Bedürfnissen richten, möglichst ohne dem Kind aktiv zu schaden. Die Verantwortung, die die Mutter gegenüber dem ungeborenen Kind trägt ist nicht der Verantwortung für den eigenen Körper übergeordnet. Die Frau ist IMMER Herrin über den eigenen Körper. Auch mit Kind im Bauch. 
Das heißt nicht, dass Mütter das Kind bewusst schädigen dürfen. Es heißt, dass sie Verantwortung für sich selbst übernehmen. 
Und auch wenn das Kind auf der Welt ist, liegt das Ermessen des Kindeswohl primär in der Verantwortung der Eltern. Sie entscheiden im Sinne des Kindes und sie sollten es informiert und frei tun dürfen, ohne Vorschriften oder Vorgaben des Staates oder einer religiösen Institution.

Mich hat ein Bus gestreift - oder wie ich mal spontan steinalt wurde

Ich bin nun Anfang 30. Meine erste Periode liegt schon ein Weilchen zurück, die Zeit in und mit meinem Körper war durchaus lang genug für so manche Erfahrung und Auseinandersetzung. Ich ging davon aus, meinen Körper halbwegs zu kennen.

Dem ist nicht so. Die Veränderung ist so gravierend, dass ich meine, mich hätte ein Bus gestreift. 

Ich hatte noch nie wirklich Probleme mit meinem Bauch. Zum Glück. 
Noch in sehr jungen Jahren begann ich mit Hormonspirale zu verhüten, was mir in Vielem sehr entgegen kam. Mein Hormonspiegel stabilisierte sich und es bekam mir besser, als die kleinen Pillchen. Nach Studium und sonstigem Umbruch entverhütete ich mich gänzlich, denn ich brauchte eine Pause - von Hormonen und Männern und dem Kram. Ich hatte dann irgendwann mit einem unfruchtbaren Mann eine Beziehung, was irgendwie sehr praktisch war. Kinder wollte ich in all der Zeit eh keine.

Und so hatte ich einen Hormonverhütungsfreien wunderschönen unscheinbaren Zyklus über Jahre hinweg. Nur bei Stress bekam ich ein paar Pickelchen. Damit kann man ja gut leben.

Als der Trüffel kam und es um Kinder ging, klappte es auch direkt im 1. Monat und es ging mir eigentlich gut. Da waren eben die Nebenwirkungen, wie Dauerkotzen, totale Erschöpfung, Rücken blablabla. Ihr kennt das. 
Allerdings ging mir dann doch auf, dass das gar nicht so normal war, dass sich mein Körpergefühl - wie sich mein Körper anfühlt - deutlich verfeinert hatte, nicht nur der Geruchssinn. Meine Wahrnehmung war irgendwie geschärft, intensiver. Alles war auch durchaus schmerzhafter. Allerdings wusste ich ja nicht, wie schmerzhaft sich was anfühlen sollte, also empfand ich das als normal. Hormonelle Veränderung eben.

Die Geburt kam und ging, Stillen und Abstillen, wieder Zyklus - die körperliche Intensität blieb. Ich dachte mir, Schlafmangel, krank sein, Rückenschmerzen vom Stillen und Tragen - das geht schon irgendwann wieder weg. Tat s nicht. Von nun an, spürte ich meinen Körper intensiver. Auch jeden Monat. 

Die 2 Schwangerschaft fing eigentlich recht friedlich an. Weniger Erschöpfung, dafür mehr Essprobleme, weniger Kreislauf und daher mehr Pausen. Als ob mich mein Körper zwingen wollte, mein Leben gänzlich ins Schneckentempo zu verlagern. Das Kind wuchs, lag quer, trat wie blöd. Und der Schmerz war intensiver. Dazu konstant Monat 7-9 30°C und drüber draußen. Mein Körper fühlte sich ziemlich scheiße an. Atemprobleme, Rücken, keine Kondition, Dauerübelkeit. Es kam mir alles wahnsinnig anstrengend und ja, auch schmerzhaft vor. Die Geburt: extreme Schmerzen. Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie das so intensiv sein konnte. Es war weniger Geburt, als Wehe - Kotzen - Wehe - Kotzen… vor Schmerz. 

Danach: auch das Glück kam extrem intensiv und hat mich fast umgehauen. Danach kamen die beruflichen Schwierigkeiten und haben mich auch fast umgehauen. Ich war so gar nicht mehr der Mensch, der ich vorher war. Der etwas aushalten konnte. Sondern ein Hormonmonster.

Und mein Körpergefühl wurde noch intensiver. 2 Schwangerschaften haben alles, vor allem jeden einzelnen Schmerzreiz in meinem Körper potenziert. Nun nach dem Abstillen, da sich mein Zyklus wieder langsam stabilisiert, habe ich das Gefühl, ich sei auf einmal steinalt geworden. 

Eisprung bedeutet, ich bin eine Woche insgesamt nicht in der Lage zu essen, fühle mich, als platzte ich gleich und ein Stechen im Innern lässt mich eine Woche lang mit Buckel durch die Gegend wanken. Dann, 3 Tage vor den Blutungen überfährt mich der Bus komplett. Mit allem, was dazu gehört: Kopfschmerzen, Brustspannen, Übelkeit, völlige Erschöpfung, Schweißausbrüche und natürlich Bauchschmerzen, die mich direkt zum Medikamentenschrank treiben. Dabei sind die Homonwerte und der Rest total im Normbereich. Es ist nur alles so verdammt intensiv. 

Jaja, da wird sich mit der Zeit schon alles einpendeln, aber es irritiert mich doch sehr. Jedes Ziehen, jedes Zwicken fühlt sich gleich an, als wäre es dringend. Ich muss meinen Körper ganz neu kennen lernen und das macht mich irgendwie fertig. Ich hatte damit nicht gerechnet.

Wie ist das bei euch? Ging es irgendwann back to normal? Oder steht ihr auch auf der Straße, statt an der Haltestelle, wenn der Bus angerauscht kommt? Und wie geht ihr mit dem veränderten Körpergefühl um? 

Dienstag, 14. April 2015

Wie ich mal Hilfe von unerwarteter Seite bekam

Heute möchte ich einmal die andere Seite darstellen. Ich kam mal in eine ganz blöde Situation, war richtig verzweifelt und bekam riesige Hilfe von ausgerechnet einer anderen Mutter.

Ich war mal in der Situation in der ich etwas veröffentlichen wollte - also eigentlich musste. Meine eigenen Forschungsergebnisse. Aber durch recht blöde Umstände, kam es, dass mich weder meine ehemalige Chefin, noch sonst ein anderer Prof. dabei unterstützen wollten. Das ist ziemlich blöd, denn es war meine erste Publikation und dann auch noch gegen den ausdrücklichen Willen der Chefin - naja. Wir hatten alle unsere Gründe. Unter anderem war ich eben schon gänzlich abgeschrieben aufgrund meiner Fortpflanzung und meine Chefin kalkulierte, meine Ergebnisse allein zu ihren Gunsten zu verwerten. Jedenfalls, der einzige der mich unterstützte war der Forschungsdekan, der kam aber aus einem anderen Fachgebiet und konnte mir demnach inhaltlich natürlich gar nicht helfen.

Da saß ich nun, vor dieser blöden Aufgabe und wusste überhaupt nicht, wie das geht. Also nicht das Formale. Mich auf den Homepages so zu informieren, damit ich die Formalien erfülle war jetzt nicht das Problem. Aber ich hatte zuvor noch nie eine Publikation geschrieben, nur Vorträge gemacht. Und ich war durchaus etwas panisch. 
Ich fragte also bei ehemaligen Kollegen nach - alle kinderlos - ob sie denn mein Skript mal Korrekturlesen würden, Anmerkungen machen und so… Das Ergebnis war viel Herumgedruckse und schließlich Todstellen. Keiner wollte mir helfen, sich einmischen, sich anlegen, Zeit investieren trotz angebotener Mitautorenschaft. Alle fanden, ich solle es doch lieber sein lassen. Und das, obwohl ich diesen Leuten mehr als nur einen Gefallen getan hatte im Laufe der Zeit. Einer hab ich sogar richtig gehend den Arsch gerettet, arbeitstechnisch. Wir waren über die Jahre doch auch mehr als Arbeitskollegen geworden.

Ich verzweifelte immer mehr und immer in dem Wissen, dass meine Professorin das selbstgerecht beobachtete. Ich hatte da noch eine ehemalige Kollegin. Ihr Vertrag wurde nicht verlängert, nachdem sie ein Kind bekam. Das Kind war nun etwa 2 Jahre, sie hatten ein Haus kaufen wollen, sie suchte einen Job und überhaupt hatte ich seit einem ganzen Jahr nix von ihr gehört und mich auch nicht gemeldet. Ich hatte darum auch ein schlechtes Gewissen, ich hab den Kontakt ja einschlafen lassen.

Dennoch rief ich sie an. Wir telefonierten 3 Stunden und sie weinte doch tatsächlich am Telefon, als ich ihr berichtete, in welch saublöder Situation ich mich befand und dass ich Hilfe bräuchte. Sie war fassungslos, dass mir niemand sonst unter die Arme greifen wollte, fand, ich hätte dennoch recht, das im Alleingang zu machen und sagte sofort zu, mir zu helfen.

Und das tat sie dann auch. Ich schrieb und sie korrigierte - immer und immer wieder. Über 5 Monate lang holte sie ihr Kind 3x die Woche eine Stunde später von der Kita ab oder gab eine Stunde ihrer kostbaren 'Arbeitszeit' (wo sie eigentlich hätte Bewerbungen schreiben müssen), um mir zu helfen. Einfach so. Weil sie es für ganz selbstverständlich hielt. 

Sie hat mir dadurch sehr viel mehr gegeben, als nur ihre Mithilfe. Es war echte Solidarität. Sie hat mir Mut gemacht und Hoffnung, mich nicht unterkriegen zu lassen. Sie hat mir geholfen zu Kämpfen, obwohl ich eigentlich auf verlorenem Posten stand. Sie lies mich nicht allein. Und sie hat an mich geglaubt. Dass ich im Recht bin und das schaffe, mit Kind. Weil sie keinen Grund sah, weshalb ich nicht bekommen sollte, was alle anderen auch bekommen - eine berufliche Chance bei wirklich guter Arbeit, die ich geleistet habe. 

Wir waren damit semi-erfolgreich. Semi, weil wir zwar publiziert haben, aber vor allem die beruflichen Vitamine natürlich flöten gegangen sind. Ich bereue das aber nicht, denn ich weiß nun was ich kann und ich habe eine Freundin gefunden, die mal kurz alles stehen und liegen ließ - aus freien Stücken - obwohl sie einen schwer kranken Mann zu Hause hat und ein Kleinkind. Einfach so. Um einer anderen Mutter zu helfen. Damit wir uns nicht einfach abschreiben lassen von Menschen, die es nötig hatten mich wegen meiner Mutterschaft anzufeinden, nicht wegen eventuell fehlender fachlicher Kompetenz.

Danke Carine, du bist die Beste und ich wünsche dir und deiner Familie alles Glück dieser Welt!

Mittwoch, 8. April 2015

MütterfürMütter

Hm, nun versuche ich mal etwas Neues.
Ich möchte nun auch einmal etwas ins Leben rufen. Eine Blogparade. Ein Aufruf an alle Mütter nicht immer nur die negative Seite zu sehen. 
Klar, ich verstehe den Sinn von #geschichtenvomscheitern und auch den von #momsrock, aber all das betont mir unterschwellig doch zu sehr das Negative im Leben. Situationen sind schwer, ja. Erlebt jeder. Und wenn man etwas daraus lernt, umso besser. Aber wäre es nicht einfach mal schön, zu erfahren, wie sich Mütter gegenseitig das Leben erleichtern, sich helfen, sich unterstützen? Wäre es nicht mal schön, all die positiven Erfahrungen geschildert zu bekommen, als Anregung? Quasi: Tue Gutes und rede darüber! Nicht überheblich, nicht besserwisserisch. Sondern echt. Emotional und authentisch!

Ich würde also gerne von euch wissen, welcher Mami ihr als letztes geholfen habt. Habt ihr der Dame einfach zugehört? Habt ihr konkret ausgeholfen mit Wissen oder sogar Geld oder Kleidern? Habt ihr auf die Kids aufgepasst, oder gebt ihr quasi dem Nachbarskind Nachhilfe in Englisch? Habt ihr an der Kasse im Supermarkt das quengelnde Kind aufgeheitert, so dass die Mutter in Ruhe die Einkäufe bezahlen und einpacken konnte? Oder auf dem Spielplatz der Mami ein paar ruhige Minuten verschafft und kurzerhand ihr Kind in ein Burgbauprojekt verwickelt? 

All das wüsste ich gern, denn es wird Zeit der Welt zu zeigen, dass wir Mütter sehr wohl zusammen halten können! Es braucht nicht immer viel um einer anderen Mutter etwas zu helfen, wenn sie das gerade braucht. Und wann hat euch zum letzten Mal eine andere Mutter gezeigt, dass sie auf eurer Seite steht? 

Macht mit und zeigt der Welt, wie wir Mütter das mit der Solidarität selbst in die Hand nehmen! Es braucht nicht immer Grundsatzentscheidungen, es braucht oft nur ein wenig Verständnis und guten Willen, um einem anderen ein Lächeln auf's Gesicht zu zaubern. Wenn wir wollen, können wir ne ganze Menge, warum also nicht einfach mal nett sein zu unseresgleichen? Man muss ja nicht gleich jeder anderen die Welt zu Füßen legen. Aber wenn uns Staat, Rollenbilder, Gesellschaft, Chefs und Wirtschaft und machmal sogar die eigene Familie das Leben schwer machen, wird es höchste Zeit darauf zu pfeifen, was andere für uns tun können. Ran an den Speck, selbst ist die Frau und einfach mal ehrlich Hilfe anbieten oder einfordern, je nach Situation. Immerhin sind WIR die Gesellschaft, nicht die anderen!

So erhalten wir alle zudem Anregungen, denn wenn ich ehrlich bin, oft merke ich gar nicht, in welchen Situationen ich andere Mütter etwas unterstützen könnte ohne aufdringlich zu sein. Oder ich merke erst hinterher, dass ich da was übersehen habe. 

Es geht mir nicht um Gutmenschentum, sondern das Jammern mal abzuschalten und anderen eine Freude zu machen. Das versüßt nämlich auch mir den Tag und wer weiß, vielleicht stellt sich ja raus, dass die anderen gar nicht böse sind und wir schon längst mit der Alleinerziehenden aus dem 2. Stock befreundet sein könnten, hätten wir ihr nur mal eine Chance gegeben. Einfach so. Ohne Hintergedanken, ohne Gegenleistung. Welch ein Gedanke, dass Mütter doch tatsächlich ähnliche Erfahrungen machen und vielleicht gute Strategien kennen, ein glückliches Leben zu führen! Soll es ja geben!


Darum fang ich auch direkt mit einer kleinen Geschichte an, wie ich mal einer Mutter Hilfe anbot, obwohl ich sie nicht kannte und unsere Kids in die selbe Kita gingen. 
Die Dame war sehr schwanger und erzählte alsbald, es wären Zwillinge. Den Mann hatte ich noch nie gesehen und nahm demnach an, er sei eher zurückhaltend, was das Kinderzeugs anginge. Sie erzählte dann auch bald von ihren Sorgen, denn sie war Physikerin am CERN und, sein wir ehrlich, sie hatte furchtbar Angst um ihren Job, ihre Karriere. Zwei statt ein Baby können einen ganz schön aus der Bahn werfen und da ich ja nun das Uniding kenne, wusste ich, ihre Angst ist berechtigt. 
So wurde auch alsbald ihr Vertrag nicht verlängert - ihr kennt das ja. 
Jedenfalls fing es an, dass ich ihr zuhörte und sie zwar nicht trösten konnte, aber sie doch verstand. Ich konnte ihr auch in der Schwangerschaft zur Hand gehen, den großen Sohn mal einladen, ihr Essen vorbei bringen. Auch nach der Geburt. Es stellte sich heraus, dass kleine Gesten ihr wirklich halfen, denn ihr Kopf hing immernoch an ihrem beruflichen Ende fest. So etwas zu verarbeiten geht manchmal nicht von selbst und schon gar nicht schnell. Und dann sind da natürlich noch die Zwillinge, jetzt 3 Monate alt, die irgendwie alles durcheinander bringen. Da kann ich zwar nicht so wahnsinnig viel helfen, aber immerhin ein Kind so ablenken, dass sie hintereinander stillen kann, oder die anschließende Wickelrunde übernehmen, oder zumindest eines der Kinder tragen. Wir sehen uns nicht jeden Tag, aber ich hoffe doch, ich kann ihr etwas abnehmen, wenn ich sie besuche. Es war mir nie wichtig, mich dabei aufzuspielen. Ich dachte vom ersten Moment an einfach nur, wie froh ich wäre, würde mir irgendwer auch nur bei irgendwas helfen, wenn ich alleinerziehend mit Mann und sehr anspruchsvollem und begeisterndem Beruf Zwillinge bekommen hätte. Da wär mir der A*** ernsthaft auf Grundeis gegangen.

regretting motherhood

Da nun alle darüber bloggen, tu ich das auch gern mal. Besonders eindrücklich fand ich allerdings weder den Ursprungsartikel in der SZ, noch die meisten Blogposts zum Thema. Dass wir alle manchmal die Nase voll haben und mal Ferien von den Kindern wollen, ist irgendwie nicht wirklich etwas Neues. Dass wir alle reflexartig anfügen, wie sehr wir unseren Nachwuchs doch lieben - obwohl wir ständig jammern, spricht zwar Bände, aber leider nur über die Umstände unter denen wir unser Gejammer zum Besten geben.

Einen Text allerdings fand ich doch sehr gut zum Thema: Leben im Käfig.
Ein sehr klarer Text mit deutlichen Worten und wenig Attitüde, von dem ich jedes Wort unterschreiben würde.

Drei Dinge allerdings fallen mir bei dieser Diskussion auf und ich frage mich, ob andere diese Punkte genauso sehen.

1.
Fremdbetreuung ist ja nun seit geraumer Zeit ein Thema und es tut sich auch was, wenn auch langsam. Aber die Anzahl der Kitas und Horde steigt und auch die Qualität wird langsam zum Thema. Das ist doch schön und sollte eigentlich ermöglichen, dass die Frauen neben dem Familienleben durchaus ein Leben unter Erwachsenen, mit eigenem Einkommen und Perspektiven führen können. Klar geht das recht langsam von statten, der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, aber wenn Mütter vehement mehr Perspektiven verlangen, werden Arbeitgeber, Gesellschaft und vor allem die Familien nachziehen. Daran muss man schon glauben, wenn man den Wandel wirklich will. 
Das heißt auch zu gleichen Teilen den Partner einspannen oder eben eine Fremdbetreuung, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Da muss man auch als Mutter all das einfordern. 
Vor allem dass die Mutter immernoch der Hauptbezugspunkt für die Kinder ist, ist zum größten Teil das Werk der Mütter selbst. Ab Geburt kann man sein Kind auch locker mal Papa, Oma oder Tante in die Hand drücken, darauf bestehen, dass Papa 6 Monate Elternzeit nimmt, oder sich einen besser passenden Job sucht oder oder oder. Leider sehe ich da kaum ein Problem, außer dass die Mütter das meist nicht wirklich wollen. Das mag zwar auch etwas mit dem allgemeinen Mutterbild zu tun haben, aber wie soll man denn etwas für jemanden verändern, der das eigentlich gar nicht geändert haben will? Darum stellt sich für mich die Frage: Wollen Mütter eigentlich ein anderes Mutterbild oder geht's ihnen mit dem bestehenden gut? 
Für die Ausnahmen und all die Mütter, die sich Mutterschaft anders vorstellen würden, sollte sich natürlich idealerweise eine Alternative bieten. Ich meine aber dennoch, dass man heutzutage durchaus solche Alternativen leben kann. Mit Angriffen muss man da aber glaub immer rechnen, denn jeder Lebensweg stellt andere Lebenswege in Frage. Menschen werden dies immerzu als Angriff werten, auch wenn die Mütterlager nie aktiv gegeneinander in den Krieg ziehen. Jemand andren ernsthaft so akzeptieren zu können mit seinem Weg und seinen Entscheidungen, ist eher eine Charakterfrage, denn eine gesellschaftliche. Die meisten Menschen scheitern daran. Mit Kinder kann man das aber super üben, wenn man will.

2. 
Die zweite Frage, die sich mir stellt ist: Wer hat hier eigentlich welches Problem?
Ich kann das nur für mich selbst beantworten und da musste ich nunmal feststellen, dass ich so überhaupt kein Problem mit meinen Kindern habe. Noch nie hatte. ABER ganz viele andere haben ein Problem mit meinen Kindern - oder besser - mit mir als Mutter. Für mich persönlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie recht problemlos. Ich hab mir einen Wohn- und Arbeitsort gesucht, wo Kinderbetreuung hervorragend ist und verlange von meinem Mann, dass er nur so viel arbeitet wir wirklich nötig und dafür hier zu Hause auch aktiv mitmacht. Das stresst mich also wenig. Chefs und Kollegen haben damit sehr wohl ein Problem. Die haben ja aber auch andere Interessen. Statt mir ein Problem mit meinen Kindern aufzuschwatzen, kann man den Spieß auch umdrehen. Die anderen haben ein Problem, weil ich eine Gebärmutter habe und diese auch benutze. So wie meisten Männer eben auch ihre Hoden benutzen. 
Jedenfalls ist meine Erfahrung, wenn man ganz offensiv, höflich aber bestimmt, die Gegenfrage stellt, warum denn mein Gegenüber ein Problem mit MEINEN Kindern hat, entwickelt sich daraus ein vernünftiges Gespräch. Denn nur so kann man z.B. dem Arbeitgeber mitteilen, wie man familiär bedingte Arbeitseinschränkungen zu meistern gedenkt. 
Wer aber die Frage nach dem Problem mit den eigenen Kindern zulässt, akzeptiert irgendwie die Sichtweise des anderen und kann somit nur seine eigenen Kinder und nicht die schlechte Kommunikation mit dem Chef als Problem erkennen. 

3. 
Schließlich stellt sich für einen Menschen wie mich durchaus manchmal die Frage, weshalb andere Frauen nicht einfach ihren Willen durchsetzen. Ich gebe zu, ich bin da recht schnell recht deutlich und bestimmt nicht grundsätzlich kompromissgewillt. Mir persönlich fehlt die Angst vor der Konfrontation, so lange es nicht um Leben und Tod geht. 
Ich weiß, dass ein wirklich besch*eidener Chef ein echtes Problem ist. Und ich durfte lernen, zu akzeptieren, dass ich nicht am längeren Heben sitze, und dass ich in den sauren Apfel beissen muss. Und der ist sowas von eklig sauer. Und auch existenzbedrohend. Ich wünsche all das niemanden. Aber wenn ein Job nicht funktioniert, dann tut er eben leider genau das nicht. Für genau diesen Fall haben wir ein Übergangssystem, dass einen zeitweise auffängt, bis man hoffentlich einen besseren Platz gefunden hat. Gleiches gilt für die andere Elternhälfte, obwohl man diese ja nicht einfach auswechseln kann und sollte. Aber auch hier ist: geht gar nicht mehr kann passieren und lässt sich durchaus meistern.
All das ist keines Falls leicht. Aber ein Weg unter mehreren. Das Ziel ist nämlich nicht, die perfekte Arbeitsbiene zu sein - egal ob im Büro oder zu Hause. Das Ziel ist glücklich zu sein! Jeder für sich und wir alle miteinander. Jeden Tag, wenn's geht. 
Also scheißt auf den (vermeintlichen) Druck von außen, steht für das ein, was ihr wollt, FORDERT euer Glück ein und akzeptiert, dass auch Glücklich sein, einen Preis hat!

Es ist ja nicht so, dass Mütter groß eine Wahl hätten. Aber das gilt nicht nur für Mütter. Jeden Menschen macht etwas anderes glücklich. Für manche sind das tatsächlich Kinder. Für mich nicht nur. Ich will mehr. Für das 'mehr' muss ich was tun - mich jeden Tag entscheiden was heute auf meiner Prioritätenliste ganz oben steht. Dort stehen sehr oft nicht meine Kinder. Darum verbringe ich diese Zeit auch nicht mit ihnen. Greift mich jemand deswegen an, kann ich mich zurück ziehen, was ich auch meist tue, ist diese Person ein Fremder. Greift mich deswegen jemand an, von dem ich aber als Mensch mit meinen Entscheidungen anerkannt werden will, so formuliere ich deutlich meine Meinung und streite mich auch gegebenenfalls mit allen Konsequenzen. 

All diese Gedanken sind aber meine Gedanken. Und falls es ein Problem gibt habe ich ein Problem. Die Verbindung zu meinen Kindern allerdings habe ich schlicht noch nie als Problem gesehen. Ich wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen. 
Und ich schätze, so mache Frau sieht auch in den Kindern kein Problem, sondern im Umfeld. Das ist sehr schade, aber das kann man auch ändern. Jeder Mensch entscheidet immer für sich selbst, was er will und was er bereit ist dafür zu tun. Das nimmt einem keiner ab.

Was ich an der Diskussion allenfalls auch vermisse ist der Gedanke, den ich von Anfang an hatte: Dass Kinder Freiheit bedeuten. Vielleicht sieht das ja kein anderer so wie ich, aber für mich sind meine Kinder wirklich die Garanten meiner persönlichen Freiheit, weil sie mich so lieben, wie ich bin und ich sie auch einfach so lieben kann und keiner am anderen rumschnippeln will. 

Jeder will, dass ich eine bestimmte Rolle für ihn spiele. Nur meine Kinder, die wollen einfach nur mich, weil ich ich ihre Mama bin. Für mich ist das der Hauptgrund, durchaus egoistisch, weshalb mich meine Familie glücklich macht. 
Die durchwachten Nächte und das Zeugs - ja die sind scheiße, aber herrje, es gehört halt dazu. Aber das geht vorbei. Von meinen Kindern geliebt zu werden nicht.

Und noch einen Gedanken hatte ich dazu: Was wenn wir Mütter einfach mal das Thema selbst in die Hand nehmen und Starthilfe leisten? Eine Mami auf dem Spielplatz oder im Freundeskreis macht grad nicht den überglücklichen Eindruck? Wie wäre es mit einfach mal ansprechen und Hilfe anbieten ohne vorschnell Ratschläge zu verteilen? Zuhören, Kinder hüten, Mut zusprechen! Egal worum es geht. Ist ja nicht so, dass wir uns selbst nicht auch manchmal Hilfe wünschen würden. Oder falls wir rundum glücklich sind, einfach mal andere von der eigenen Überfülle an Ressourcen teilhaben lassen und Zeit verschenken. Oder Verständnis. Oder beides. 
Und dabei andere Mütter wirklich mal kennen lernen. Dann müssten wir weniger unsere Rollenbilder verteidigen, wenn wir sehen, dass andere auch ihr bestes geben ohne uns selbst anzugreifen.