Mittwoch, 25. März 2015

Über Kurz oder Weit

Wie schon mal erwähnt, haben mich 2 Schwangerschaften kurzsichtig zurück gelassen. 

Nun, nach dem Abstillen habe ich mich dann doch mal wieder zum Optiker getraut und was spricht der so? Es ist schlimmer geworden. 

Mir war das schon klar, da ich schon gar nimmer auf den Gedanken käme unbebrillt Auto zu fahren. Da könnte ich die Schilder erst lesen, wenn ich direkt vor ihnen stehe.
Nun bin ich aber langsam kurzsichtig genug, um permanent meine Scharfsicht zu pimpen. Das irritiert mich irgendwie, war ich doch immer die mit den super guten Augen. Die Brille geht mir einfach nicht runter. Und meine niegelnagel neuen Kontaktlinsen sind zwar fein, aber was stelle ich nun fest?
Ich benutze sie gar nicht. Keine Brille, keine Linsen. Oder eher nur selten.

Weshalb? Nun, wie formulierte es der Optiker? 'Sie haben ja nicht so hohe Ansprüche ans Sehen.'

Ich würde es anders formulieren: Ich bin weitsichtig genug, nur auf kurze Distanzen scharf sehen zu wollen. In der Kürze liegt die Würze!

Das sind momentan um die vier Meter. Darüber hinaus bin ich ja aber nicht blind, sondern neige zur Konturlosigkeit. Es gibt Menschen, die für verschwommene Bilder viel Geld zahlen, weil das Kunst ist. Ich aber kann das auch ohne Kunst. Ätschibätsch.

So sehe ich auch gerade (nicht) wie meine Jüngste im Kinderzimmer gegenüber auf dem Boden liegt, spuckt und dann den Sabber vom ungeputzten Laminat schleckt. Jedenfalls schließe ich das aus den Sauggeräuschen. Meine Ohren sind nämlich noch tiptop. Ein Glück muss ich mir das nicht genauer anschauen...

Montag, 23. März 2015

Radikal mit Ente

Man soll ja die Kinder nicht vergleichen. Tu ich aber trotzdem - so wie jeder andere auch. Und das Ergebnis erstaunt niemanden: Die Kinder sind vollkommen unterschiedlich! Tadaaa!

Also nicht in jeder Hinsicht. In einem Menschenmemorie würde jeder sofort die beiden als Pärchen erkennen, denn sie sehen schlicht aus wie klein Rosalie damals und sind beide eher nach dem Geschmack von groß Rosalie gekleidet. Jedenfalls sind sie spontan als Geschwisterkinder zu identifizieren. Der Rest jedoch - ist nicht ganz konkruent.

Nr.1 war schon immer sehr besonnen, nachdenklich, macht nichts ohne genauestens darüber nachzudenken. Das war schon vor der Geburt so. Sie entschied sich zwar irgendwann aus mir herauszukommen, aber nicht unbedingt voller Elan. Eher zögerlich. Und auch danach war sie nie ein Draufgänger. Wir haben die Wohnung überhaupt nicht Kindersicher gemacht mit ihr, weil sie nie etwas anfasst, was verboten ist. War schon immer so. Wenn sie etwas interessiert, schaut sie es an, behält aber ihre Hände bei sich. Sie ist also der Beobachtertyp, denkt nach und stellt viele Fragen.

Nr.2 ist, sagen wir es mal diplomatisch, radikal. Und willensstark. Und kräftig. Also nicht dick, sondern vielmehr recht zierlich, aber eben kräftig. Eine Mukki-Radikale. 
Man nennt sowas auch Alphamännchen. Sie ist keinesfalls ein typisches Alphamädchen, denn die Dame neigt zur physischen Auseinandersetzung und verteilt gerne Veilchen. Also nicht die Blumen.

Auch das war sie schon vor Geburt. Bei 13+4 spürte ich keine Schmetterlinge, nein, einen kräftigen Tritt in die linke Niere und einen gegen die Wirbelsäule gleich hinterher. Hallo Mama. Ja, ich weiß, das glaubt mir keiner. Aber ich weiß es besser.
Bei beiden großen Ultraschalls beschloss die Dame auf Diskretion zu setzen und verkroch sich unter meinen Rippen. Ich schwör's. Die Ärztin hat stundenlang nur ein leeres Becken und herumrudernde Hände und Füße geschallt. Ich kann das aber nicht empfehlen, denn Babys haben keinen Platz unter Mamas Rippen. Da sind eigentlich Mamas Organe.
Sie blieb dann ewig in meinem Bauch, wollte einfach nicht heraus kommen - egal was ich tat und flehte, aber als sie dann wollte, dann jetzt sofort. Von unreifem Muttermund bis vollständig Eröffnet und Presswehen in weniger als 1 Stunde. Kann ich auch nicht empfehlen.
Nach der Geburt dann: Kind konnte perfekt das Köpfchen halten und stehen. Ernsthaft. Von Geburt an konnte man sie einfach an einen Tisch hinstellen und sie stand dann da. Klar, Laufen lernte sie erst ab der Entwicklung des Gleichgewichtssinns, aber sie ist halt ungeheuer muskulös. Wir haben ein Video, da stemmt sie sich vom Bauch in den Vierfüssler - mit fünf Wochen! Glaubt mir keiner. Total das kleine Baby, zierlich, kaum Babyspeck, aber Mukkis. 

Auch den eigenen Willen, also der ist irgendwie nicht vergleichbar mit anderen Kindern. Nr.2 ist kein Mensch, mit dem man viel diskutieren kann. Von der ersten Nacht an schlief sie zwischen Mama und Papa. Nicht auf meiner Seite, nicht sonstwo, nein, z w i s c h e n uns. Beim Essen hat sie auch ihren eigenen Kopf. Mit 3 Monaten klaute sie der Großen die Banane. Seither isst sie feste Nahrung. Mit 3 Monaten. Sie davon zu überzeugen, dass sie ein Baby ist und Milch trinken soll - zwecklos. Ruft nur Gewaltorgien hervor. Und zerbissene Brustwarzen. Dabei stillte sie gerne. Sowieso beschloss sie von mir ausschließlich Mumi zu akzeptieren. Diskussion keine. Für Fläschchen durfte ich nicht in der Nähe sein, dann ging das problemlos. Aber sobald sie mich sah: ran an die Brust. Zum Nachtisch. Vorher gab's Spaghetti Bolo. Bis ich nach 14 Monaten so die Nase voll hatte, dass ich die Gewaltorgie beim Abstillen in Kauf nahm.

Es gibt viele solche Geschichten. Die große Schwester z.B. lernte das Sprinten, als sie um Nr.2 zu ärgern, Spielsachen wegnahm. Eigentlich eine normale Geschwisterzankerei. Aber Nr.2 ist kein Kind, das sich dann hinsetzt und nach Mama weint. Nr.2 greift an und schlägt zurück. Also sie beisst eher. Sie beisst gerne, wenn man ihr die wild schlagenden Ärmchen festhält. Sie greift grundsätzlich an. Kein Kind, mit dem man Fange spielen kann, es sei denn, sie ist der Fänger. 
Nun, und da sie ja so kräftig ist, sind die Verluste dementsprechend. Für Nr.1, die niemals auf die Idee käme, irgendwen anzugreifen, eine gewöhnungsbedürftige Situation. Aber wie gesagt, Nr.1 lernte schnell, dass weglaufen eine gute Methode ist, um der Rambo-Schwester zu entkommen, solange sie schneller ist jedenfalls.

Und Nr.2 ist verliebt. In die Ente. 
Sie war ca. 6 Monate alt, da liefen wir im Spielzeuggeschäft unseres Vertrauens am Regal mit den Kuscheltieren vorbei. Nr.2 sah mich an, steckte die Hand aus, zeigte und sprach: DA!
Seither begleiten uns gelbe Enten in allen Größen, aber vor allem, die gelbe Kuschelente, überall hin. Ohne Ente geht gar nix, weswegen wir gleich mal das Lager besagten Ladens leerkauften. Denn wehe, die Ente ist nicht immer augenblicklich zur Stelle. Ihr ahnt es: Gewaltorgie. 
Tendenziell alles kein Problem. Was in der Kita passiert, wenn ein anderes Kind die Ente auch nur ansieht… lassen wir das. Das Kind neigt eben ein klein wenig zu Übertreibungen.

Ich fasse zusammen: Nr.2 sieht zart aus wie ein Engelchen, ist aber im Herzen ein Daniel Greig und etwa so kompromissbereit wie ein Tea-Party-Anhänger. Ich werde dereinst viele blaue Briefe von Schulleitungen erhalten und vielen Kindern Trostpflasterschokolade kaufen müssen, weil sie von meiner bezaubernden Tochter vermöbelt wurden. 
Mit Erziehung hat das recht wenig zu tun. Das Kind war schon immer ein Rambo, das Kind wird ein Rambo bleiben. Auch wenn ich es schaffen sollte, sie gesellschaftskonform zu erziehen. Aussenminister wird aus der bestimmt keiner. Diktator vielleicht. Oder Verteidigungsminister - wenn's gut läuft…

Warum ich darüber schreibe? Nun, wir haben so eben die letzte Eskapade überstanden. Das Kind hat Backenzähne bekommen. Also nicht nur. Also naja, sie hat ein wenig übertrieben. Es waren 12 Zähne. Durchgebrochen innerhalb einer Woche. Was hatte ich auch erwartet, nachdem 8 Schneidezähne auf einmal kamen. Warum nicht mit 2x je eine Woche lang Zahnen ein vollständiges Gebiss betriebsbereit installieren? Ja ok, man hätte das sanfter angehen können, etwas weniger geballt schmerzhaft. Etwas liebevoller. Sicher. Ist aber nicht die Art meiner Tochter und so ist das Thema nun also auch durch. Mein Fazit, wie so oft: Ich kann es nicht empfehlen, weder für Mutter noch für Kind. Da hilft auch kein Benuron mehr…

Jedenfalls, Kinder haben ist schön und es ist total erstaunlich, wie unterschiedlich die doch sein können und ich find das voll super! Hatte ich eigentlich erwähnt, dass Nr.2 gerade eine ausgeprägte Trotzphase entwickelt? Nein? Ist voll ihr Ding. Ihr wisst schon - Gewaltorgien und so...

Montag, 2. März 2015

Geschlechterkampf - the next generation

Im Jahre 1995 ging klein Rosalie in die 6c. Sie sollte an einem viel zu schönen Frühlingstag eine Klassenarbeit in Deutsch bei Herrn H. schreiben. Herr H. gab 10 Worte vor, wie etwa 'Stuhl' oder 'Brunnen'. Die Kinder sollten nun eine 4-seitige Geschichte schreiben, die all diese Wörter enthielt. Und klein Rosalie schrieb. Nach 2 Wochen bekamen die Kinder die Aufsätze zurück und als klein Rosalie die Seite aufschlug, schluchtste sie auf: eine glatte 6. Unter dem Aufsatz standen nur 2 Worte: Zu Phantasievoll!

Es ist bis heute die einzige 6, die ich je in meinem Leben kassiert habe. Und ja, Herr H. verfolgte mich geschlagene 9 Schuljahre lang durchs Gymnasium und war und blieb ein A***. Manche Menschen ahnen nicht, dass ihre Urteile über andere, weniger über den Beurteilten, dafür umso mehr über den Beurteiler aussagen. 

An Fantasie mangelte es mir noch nie. Dennoch schreibt das Leben manchmal Geschichten, die man sich beim besten Willen nicht hätte ausdenken können. Es sind diese Geschichten, die man später den Enkeln erzählt und über die man doch selbst am meisten lacht. Man muss eben dabei gewesen sein…

Ich versuch's trotzdem:

Im Jahre 2015 gingen Herr Trüffel und Frau Rosalie mit ihren bezaubernden Kindern ins Schwimmbad. Sie verbrachten dort einen wunderschönen Tag und waren glücklich. Als es gegen Abend ging und die Kinder erste Ermüdungserscheinungen zeigten, wurde gemütlich zusammen gepackt und die Familie wanderte gen Duschen. Frau Rosalie sprach: 'Schatz, ich muss noch auf die Toilette. Nimm du doch bitte die Kinder mit in die Dusche, wir treffen uns dann in der Umkleide.' Da der Trüffel dies öfter tat, schnappte er sich Kind 1 und Kind 2 und das Shampoo und betrat die Dusche mit dem kleinen Männchen drauf.

Frau Rosalie tat wie angekündigt und duschte dann ebenfalls. Sodann geschahen unerwartete und seltsame Dinge. Folgenden Dialog, der sich in der Männerdusche zutrug, klaubte der Trüffel aus seinem Gedächtnis zusammen:

Papa, sind wir hier bei den Mädchen?

Nein mein Schatz, wir sind hier bei den Männern in der Dusche, weil der Papa ein Mann ist. 

Aber ich bin ein Mädchen.

Ja, meine Süße.

Und warum sind wir dann nicht bei den Mädchen in der Dusche?

Weil der Papa ein Mann ist und kein Mädchen.

Warum?

Weil der Papa ein Schwänzchen hat.

Hab ich ein Schwänzchen?

Nein, du hast eine Scheide, weil du ein Mädchen bist. Nur Männer haben ein Schwänzchen.

Das Kind schaut sich um, begutachtet genauestens alle Mitduschenden, nickt verstehend und fragt:

Und kann ich auch ein Schwänzchen haben?

Nein mein Schatz, das geht nicht. Jungen werden schon mit Schwänzchen geboren.

Ich will aber auch ein Schwänzchen haben!

Schatz, das geht aber nicht. Du bist kein Junge und hast darum kein Schwänzchen.

Das Kind fängt an zu weinen. Nein, es heult. Und plärrt so etwas wie 'Ich will aber auch ein Schwänzchen haben!'

Der Trüffel versucht sie zu beruhigen. Das Kind kreischt nun. Jedes Wort des Trüffels macht die Sache nur noch schlimmer. Das Kind flippt aus. Brüllt aus vollem Halse und heult lautstark in der dröhnenden Dusche.
Das Kleinkind daneben beschließt, die Schwester habe sicherlich einen sehr wichtigen Grund so zu schreien und fängt an zu heulen. Dann plärrt es, steigert sich hinein und kreischt nun auch. 

Der Trüffel gerät in Panik. Die Mitduschenden fühlen sich massiv belästigt. Man ist sowas in der Männerdusche offenbar nicht gewohnt. Der Trüffel ist völlig überfordert, weiß nicht mehr, was er tun soll um die Kinder zu beruhigen und tut das, was er in dieser Situation immer tut. Er denkt: Rosalie soll das machen.

Also schnappt sich der Trüffel die nassen, klitschigen, zappelnden Kinder - jedes unter einen Arm - und rennt - nackt wie Gott ihn schuf - über den Flur, direkt hinein in die Damendusche.
Zwei Teenager-Mädels mit Migrationshintergrund nehmen kreischend Reiß aus. 
Das wiederum irritiert den kreischenden Nachwuchs des nackten Mannes derart, dass die Kinder sofort verstummen. Er setzt beide ab, sieht sich zahlreichen musternden Blicken ausgesetzt, läuft knallrot an, macht ohne Erklärung kehrt und verschwindet dorthin, von woher er kam.

Meine Mädchen und ich duschten dann noch gemütlich weiter. Nun weinte niemand mehr, denn ich musste so sehr lachen, dass die Tränen der Kinder schon vergessen waren noch während der nackte Po des Trüffels in der Tür verschwand. 

Ohne Schwänzchen wäre ihm das wohl erspart geblieben...