Freitag, 20. Februar 2015

Warst du das?

Nein!

Es beginnt eine neue Zeitrechnung - das Kind lernt Schwindeln und Flunkern.

Lügen nenne ich es keinesfalls, denn dazu muss man sich wasserdichte Alibis ausdenken können und ganz so weit sind wir dann doch noch nicht. Es ist eher ein gewisses Schummeln im Alltag.

Und ich finde das ganz bezaubernd! Ehrlich. Denn es bedeutet meine kleine Maus, die erst gestern noch ein Baby war, wird richtig richtig groß. Unglaublich sowas.

Ich bekomme nun also öfter Antworten, die nicht so ganz der Wahrheit entsprechen. Komischer Weise bin ich darüber sogar erfreut, bedeutet es doch, die junge Dame traut sich einiges zu. Es ist die nächste große Stufe der Selbstständigkeit, sich mit Alltagslügen das Leben zu erleichtern und sich der elterlichen Kontrolle zu entziehen.

Ich muss auch zugeben, ich bin kein wirklicher Wahrheitsfanatiker. Ich bin da eher pragmatisch und hab gelernt, dass ich im Grunde sehr vieles gar nicht wissen will, weil es mir nur den Tag versauen würde. Es gibt allerdings gewisse wirklich essentielle Dinge, bei denen man nicht lügen darf. 

Zum Beispiel würde ich niemals meinen Gatten kontrollieren, weil mich nicht interessiert, was er so treibt und mit wem, wenn ich nicht anwesend bin. Auf die Frage aber, ob er weiterhin Willens wäre ein aktiver Teil dieser Familie zu sein, dürfte er nicht lügen. Das würde ich ihm nicht verzeihen. 

Man darf nicht lügen, wenn es wirklich für den Belogenen um etwas grundlegendes geht, oder vor Gericht. 

Im Alltag jedoch, kann man sich viele unnütze Diskussionen ersparen, wenn man so Manches gar nicht erst anspricht oder eben auf Nachfrage flunkert. Auch meine Mutter hatte das schnell kapiert. Auf ihre Frage 'Hast du Hausaufgaben auf?' antwortete ich meist 'Nein.' oder 'Hab ich schon gemacht.' Meine Mutter verstand, dass ich der Meinung war, das ginge sie schlicht nichts an und sie solle mich mit ihrem Muttergerede in Ruhe lassen. Und heute, da ich selbst Mutter bin finde ich das immer noch richtig so. Meine Mutter hat das auch sehr schnell kapiert und interessierte sich fortan nicht mehr für meine Hausaufgaben. Natürlich nur vordergründig. Im Hintergrund rief sie meine Klassenlehrerin an, teilte ihr mit, ich wolle mich nun selbst um meine Hausaufgaben kümmern. Die Frauen einigten sich darauf, dass meine Lehrerin gerne geeignete Maßnahmen ergreifen dürfe, sollte ich ihren Anweisungen nicht nachkommen wollen. 

Damit machte es sich meine Mutter keinesfalls leicht. Sondern sie ließ mich selbst ausprobieren, was funktioniert. Manchmal machte ich meine Aufgaben erst spät abends und sie waren dementsprechend schlecht. Machte ich sie gar nicht, bekam ich eine Strafarbeit und sogar einmal eine Standpauke vor der Klasse. Machte ich sie gut, waren alle zufrieden. Lies ich in einem Fach richtig nach, informierte meine Schule meine Mutter, die daraufhin mit mir besprach, was sie für angemessen halte und ob sie sich einschalten solle, oder welche Form der Unterstützung ich wohl bräuchte, um wieder bessere Noten zu bekommen. 

Das ist ein ganz wunderbares Beispiel. Denn ich lernte schnell daraus, dass ich mich durchaus an die Regeln halten muss, aber doch eigenen Ermessensspielraum habe. Und ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie nicht in Kontrollwahn ausbrach, nur weil ich mal meine Hausaufgaben nicht machen wollte. 

Darum finde ich Flunkern eher etwas positives. Es ist eine Form zu sagen 'Lass mich in Ruhe, ich kann das selber.' Meine Große sagt das auch des Öfteren, aber eher bei Sachen, bei denen sie sich sicher ist, das sie das selber kann, wie etwa Reißverschlüsse schließen. Bei Sachen, bei denen sie sich noch etwas unsicher ist, ob sie das wirklich selbst hinbekommt fängt sie nun an zu Flunkern. Es ist ein Rahmen, sich auszuprobieren ohne hinterher Schuld gewesen zu sein, wenn es nicht klappt. 
Und nein, es kann mir keiner vorwerfen, ich würde mein Kind mit Schuldzuweisungen angehen, dass sie Flunkern muss. 
Das Gegenteil ist der Fall. Kinder wollen gerne alles richtig machen und gefallen und meine Große ist eben ein Kind, das in dieser Hinsicht sehr perfektionistisch ist. Sie hasst es einfach etwas nicht so zu machen, wie sich das gehört. Denn sie weiß bereits sehr genau, wie die Dinge im Alltag laufen. 

Ein Thema ist bei uns immer wieder das Essen. Die Große ist kein besonders guter Esser. War sie noch nie. Sie ist grundsätzlich ein Milchkind - schon immer gewesen. Und sie würde heute ausschließlich von 3 Litern Milch leben, so man sie den ließe. Wir haben uns also auf 1L Milch plus feste Nahrung geeinigt. Dennoch isst sie wenig. Und nun fängt sie eben an zu flunkern, wenn sie ihr Gemüse nicht essen mag. Wenn ich dann also frage 'Bist du schon satt?' bejaht sie das (obwohl sie gerade einmal 2 Löffel gegessen hat). Dann allerdings möchte sie Nachtisch. Den bekommt sie auch. 
Natürlich hat sie dennoch Hunger und verlangt nach Milch. Sie bekommt dann, was ihr Milchbudget noch hergibt - meist nicht viel. Und hat immer noch Hunger. Also muss sie sich nach 30 Minuten wieder an den Tisch setzen und Essen, während die Schwester spielt. Das ist nicht so lustig. 
Sie hat somit 2 Möglichkeiten: Hungern und Spielen, oder ausreichend Essen und ertragen, dass sich ihre Schwester in dieser Zeit natürlich an den Spielsachen vergreift, die eigentlich schon für größere Kinder sind. 
Jetzt ist es so, dass ich ja ausschließlich Sachen koche, die das Kind auch mag. Sie muss bei mir keinen Rosenkohl aufessen. Aber essen muss sie nunmal. Und wenn sie selbst der Meinung ist, ich solle mich da nicht weiter einmischen, dann tu ich das auch nicht. 
Das Ergebnis ist meist ein recht gut gesättigtes Kind, auch wenn es länger dauert. Manchmal isst sie aber auch nicht und dann wird sie nach einigen Stunden des Hungerns ungnädig. Dann kann ich mich wieder einmischen und mit ihr besprechen, was passiert ist und ihr wieder etwas zu Essen anbieten. In dem Fall nimmt sie mein Angebot immer an und fühlt sich nicht gegängelt. 

Ich muss zugeben, ich greife auch nicht ein, wenn die Kinder sich streiten. Die Große meint meist, die Kleine habe angefangen, was ja so nicht stimmt. Ich sehe ja, was passiert. Aber die Kleine ist derart wehrhaft und angriffsfreudig, dass sie Große öfter mal den Kürzeren zieht. Und am Ende weiß eh niemand mehr, wer wem was weggenommen hat. Die Große weiß, dass es nicht nett ist, jemandem das Spielzeug abzunehmen. Das muss sie echt nicht mehr lernen und sie signalisiert mir das ja deutlich durch das Flunkern. Ich soll mich also nicht einmischen. Und das tu ich nur, wenn es blutig zu werden droht. 

Das Flunkern bereichert also unseren Alltag und ermöglicht meiner Tochter das Großwerden und das finde ich schön. Soll sie sich im geschützten Rahmen ruhig ausprobieren. Denn wirklich bösartig ist keines meiner Kinder und selbst wenn die eine mal der anderen (oder jemandem anderen) wirklich weh tut, dann müssen beiden lernen, was passiert und wie sich das Verhältnis verändert. Momentan ist das kein Problem, denn die Bindungen der Großen sind so eng und fest und gnadenlos belastbar, dass ich mir keine Sorgen mache.

Für mich ist dieser Entwicklungsschritt ein gutes Zeichen. Mein Mädchen hat Selbstvertrauen und kann immer mehr alleine und ich bekomme Freiraum. Das Kind wird groß und das ist ja das Ziel der Sache. Wehmütig bin ich nicht. Vielleicht kommt das noch - später. Aber eben, momentan ist unsere Bindung so fest, dass ich mir keine Sorgen machen müsste, sie würde mich aus ihrem Leben ausschließen wollen. Darüber kann ich mir in 15 Jahren noch Gedanken machen. Bis dahin bin ich stolz, dass meine Große nun ihr Leben selbst in die Hand nimmt. So weit man das mit 3,5 Jahren kann...

Dienstag, 17. Februar 2015

Ich bin eine Prinzessin-Fee!

So schallt es mir entgegen, als wir am Rosenmontag den Kindergarten betreten. Und dass die kleine Lilly eine Prinzessin-Fee in rosa und pink ist wundert mich keineswegs, trägt das Kind doch ausschließlich Kleidung mit Emblem des gleichnamigen Feengeschöpfes.
Schon erstaunter bin ich, als dann eine Prinzessin/Fee (wer kann das schon so genau auseinander halten?) nach der anderen an uns vorbei flaniert in Richtung Badezimmer zum Händewaschen. Meine Tochter ist keine Prinzessin. Und auch keine Fee.
Ich frage sie also, ob sie lieber eine Prinzessin hätte sein wollen. Sie verneint. Beim Abholen wird man mir berichten, dass mein Kind als Einziges sein Kostüm den ganzen Tag voller Stolz trug und noch nicht einmal die Accessoires für eine Minute aus der Hand gelegt hätte und ganz offensichtlich sehr glücklich mit unserer gemeinsamen Kostümwahl war. 
Die Prinzessinnen/Feen jedoch liefen mittlerweile in Strumpfhose, ohne Ketten und Krönchen und ausladende Dornröschenkleider herum. 
Ich gebe zu, ich war äußerst erleichtert über mein Kind und dass mir rosa Tüll vorerst erspart blieb.

Allerdings ist die Bilanz dennoch erwähnenswert, die ich an den 2 Faschingstagen zog. 2 Kiga Gruppen mit insgesamt 30 Kindern, davon gesamt 8 Buben und somit 22 Mädchen, brachten eine Flut von 18 Prinzessinnen hervor. 1 Mädchen war in Ferien und somit abwesend, eines war ein Löwe in wunderbar dilettantisch aber kreativ selbstgestaltetem Kostüm, eines war Polizistin in Vollausstattung (die beste Freundin meiner Tochter - hihi) und meine Dame - eine Ärztin. Von den 8 Jungs waren 4 Ritter, einer ein Drache, 2 abwesend und einer ebenfalls ein Löwe.

Ich finde durchaus, das ist ein Grund sich mal Gedanken zu machen. Nicht einfach über rosa - denn wir haben durchaus auch klar erkennbare Mädchenkleidung, aber über diese allesverschlingende rosa glitzernde Prinzessinnen-Feen-Ausstattung. Man kann mir erzählen, was man will, ich halte es für wahrscheinlich, dass sich von diesen 18 Prinzessinnen durchaus einige auch für andere schöne Kostüme hätten erweichen können, hätte man ihnen diese Idee angetragen.
Ja, ich meine durchaus, das viele Rosa, das ist zu einem guten Teil auf dem Mist der Eltern (seine wir ehrlich - der Mütter) gewachsen. Ich verstehe, dass 4jährige gern rosa tragen und vielleicht auch gern mal Prinzessin spielen. Aber dieser Prinzessinnenandrang hat mich irgendwie verstört. Das war schlicht zu viel des Guten.

Nun ist es nicht so, dass ich mein Kind von Prinzessinnen generell fern halte. Wir haben Kleidung mit rosa drin, Kleidchen aus lila Samt, Puppen (die jedoch allesamt im Puppenbettchen in der hintersten Ecke des Spielzimmers verstauben) und ich selbst habe meinem Kind mit 2 Jahren Schmetterlingsflügel geschenkt, weil Schmetterlinge ihre Lieblingstiere sind. Ok - waren. Im Moment sind wir tief in der Dinosaurierphase und ich habe ersthaft Angst, mir ob der unaussprechlichen Sauriernamen einen Knoten in die Zunge zu machen. Meine 3,5jährige Tochter jedoch spricht all die Namen aus, als wäre es das einfachste auf der Welt. 
Jedenfalls, bei uns zu Hause gibt's auch Mädchenkram. Vielleicht kommt auch noch die Phase, in der sich meine Mädchen für Mädchenkram interessieren werden. Kein Thema. 
Ich vermeide den Mädchenkram nicht generell. Ja gut, ich habe unter wüsten Androhungen bisher durchgesetzt, dass mir keine pinkelnde Puppe ins Haus kommt. Die Schwiegermama war allerdings sehr wohl konsterniert, als ich auf der Weihnachtsgeschenkeliste die Feen-Barbie durch ein riesiges Müllauto ersetzte. Dieses jedoch wird von beiden Kindern jeden Tag mit Liebe durch die ganze Wohnung gefahren und be- und entladen. Vor allem die Kleine ist ein echter Autofreak und unsere Flitzersammlung ist inzwischen durchaus beachtlich. Und das, obwohl ich ihr ständig versucht habe die teuren ungeliebten Walldorfpuppen der großen Schwester anzudrehen. Mich reut das Geld dafür immer noch. Aber was soll's. Spielen sie halt nicht mit Puppen, sondern Lego, Auto und Eisenbahn. 

Ich war da ja auch nicht anders. Auch wenn ich durchaus eine rosa-Phase hatte und auch Barbies. Denen hab ich dann Kleider genäht, Autos gebastelt und Häuser samt Einrichtung gebaut.

Ich muss aber anmerken, dass ich meinen Kindern vieles einfach nicht auf's Auge drücke. Ich kaufe nunmal keine Kleidung mit Barbie vorne drauf, Hello Kitty, Lillifee oder Glitzer. Ich kaufe lila Strickkleidchen oder rosa-bunte Ringelpullis. Wir haben auch keine nennenswerten Sammlungen an rosa Stiften, Knete oder Bettwäsche. Bei uns ist einfach immer alles bunt - so mit richtigen Farben: rot, gelb, grün, blau… Ich persönlich halte das für normal und sollte meine Tochter nicht den ausdrücklichen Wunsch äußern, so würde ich auch nie rosa-glitzer Zeugs kaufen. Rot mit blauen Blumen. Oder ein gelbes Kleidchen mit rosa Punkten - sowas ja.

Meine Tochter hat aber bisher noch nie den Wunsch nach mehr rosa geäußert. Auch als sie von der Kindergartenmafia eindeutig als segregationswürdig eingestuft wurde - denn sie hatte einfach keine Meinung zur Frage, ob Minnie-Maus, Prinzessin Lillifee oder doch Prinzessin Barbie besser sei (ich hab dieses Gespräch selbst mit angehört und staunte echt nicht schlecht, was 4jährige so von sich geben können). Seither spielt sie vorwiegend mit Jungs. Das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor…

…geschadet hat's mir jedoch nicht.

Montag, 9. Februar 2015

Ich bin gar nicht müde!

Es ist der absolute Klassiker:
Das Kind torkelt, die Augen rot vom Reiben und Heulen, denn selbst die kleinste Befindlichkeitsstörung führt zum Zusammenbruch, die Eltern nötigen das Kind zum Anziehen des Schlafanzugs - und dann dieser Satz: Ich bin aber gar nicht müde!

Nee, is klar. 

Ich muss gestehen, diese Situation nötigt mir so gut wie alles ab, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen. Es ist einfach zu süß! Aber natürlich geht das nicht, von wegen Kind ernst nehmen und respektieren und so. Andererseits - selten ist eine Situation so urkomisch und selten liegt das Kind in seiner Einschätzung so weit von der Realität entfernt! Und selten, will es die eigenen Müdigkeit überhaupt wahr haben. Mir fällt es da schwer, mich erwachsen zu benehmen. 

Denn ich kann mich zu gut daran erinnern, wie ich meinen Eltern genau diesen Satz entgegenwarf und wie gemein ich es fand, dass sie mir nicht glaubten. Jedes Mal musste ich dennoch ins Bett und auch wenn ich dort sofort einschlief, doof fand ich meine Eltern trotzdem. 

Wie also soll man reagieren, wenn die Meinung von Mutter und Kind so weit auseinander gehen?

Nun, ich versuche meist, das Spiel der Kinder nicht selbst zu unterbrechen. Ich handle aber kurz entschlossen, wenn sie aus lauter Müdigkeit gerade rumzanken. Ich lass die Damen dann auch nicht selber machen, sondern ich ziehe ruck-zuck um und putze ihnen die Zähne. Ich gebe klare Anweisungen, die keinen Raum für Diskussionen lassen. 
Wenn dieser Satz fällt, dann zumindest wird nicht mehr verhandelt, denn wenn das Kind müde ist, muss es ins Bett. Es nutzt nix, da noch eine halbe Stunde zu diskutieren, zumal das ja dann doch in Tränen endet. 

Ich muss dazu sagen, ich bin eine recht strenge Mutter. Ich geb in sehr vielen Situationen sehr schnell klare persönliche und unmissverständliche Anweisungen. Und das führt in 98% der Fälle zum Erfolg. Zum Beispiel, wenn wir morgens los müssen in den Kindergarten. Oder eben abends, wenn die Damen müde sind. Da wird nicht lang geredet bei mir. Was ein Kind will, was ein Kind braucht und was ein Kind darf, sind oftmals ganz unterschiedliche Paar Stiefel. Mir fällt es da nicht schwer, streng zu sein.

Zudem gibt es bei uns genau 2 Regeln, die überhaupt nicht zur Diskussion stehen: Morgens und abends Zähne putzen, und nach der Toilette die Hände zu waschen. Wenn es aber nur 2 wirklich feste Regeln gibt, sind genau diese der Ansatzpunkt zum Trotzen. Die Kleine versucht das beim Zähneputzen regelmäßig. Abgesehen davon, dass NEIN ihr absolutes Lieblingswort ist, tobt sie beim Zähneputzen schon mal und versucht auch gerne zu beißen. Meine Gegenmaßnahmen bestehen in einfachen Handlungen: Kind so fixieren, dass sie nicht weglaufen kann und los geht's. Eine echte Zwangsmaßnahme. Aber beim Zähneputzen gibt's keinen Verhandlungsspielraum. 
Die Große hat das bereits verstanden und versucht sich ständig aus dem Händewaschen herauszulamentieren. Hier ist meine Gegenmaßnahme, dass sie einfach das Bad so lange nicht verlässt, bis die Hände gewaschen sind. Das kann schon mal in einen Trotzanfall ausufern, aber da es das absolut einzige Reizthema ist, vertragen wir das beide noch recht gut.

Erstaunlich finde ich auch, dass weder Zähneputzen, noch Händewaschen etwas sind, was meine Kinder ungern machen. Im Gegenteil. Die Kleine liebt ihre Zahnbürste und putzt auch mir sehr gern die Zähne. Und die Große liebt den Seifenduft und hat in den meisten Fällen gar kein Problem damit sich in kürzester Zeit die Hände zu waschen. Es ist tatsächlich schlicht die Tatsache, dass dies unsere einzigen 2 festen Regeln sind und ich die in 0% der Fälle diskutiere. Es sind somit die einzigen Situationen, in denen ich meine elterliche Macht immer demonstriere und auch durchsetze. 

Interessanter Weise führt das auch zu einem weiteren Effekt: In einer Situation, in der das Kind müde ist, aber eigentlich nicht ins Bett will, weil es ja irgendwas verpassen könnte und ganz bestimmt noch nicht genug gespielt hat, kann ich beide doch durch gut Zureden sehr leicht dazu bewegen mitzumachen. Ich bekomme sie dann ohne weiteres Geschrei ins Bett, weil sie wissen, ich würde sie nicht zum Schlafengehen nötigen, weil mir das Spaß macht, sondern weil ich für Nötig befinde. Sie vertrauen mir da, dass ich nach ihren Bedürfnissen handle und nicht einfach Befehle gebe, weil ich die Macht dazu habe. Bei der Großen resultiert das Verhalten inzwischen aus Erkenntnis - ich hab ja recht, sie ist ja müde. Bei der Kleinen ist es eher mein bestimmtes Auftreten und dass die Große freiwillig mitmacht, dass ihre Kooperation hervorruft. 

Aber mal ehrlich: Ein todmüdes Kind, dass mich anjammert: Aber ich bin doch gar nicht müde!
Das ist ganz ernsthaft wirklich viel zu süß, um ernst zu bleiben!

Freitag, 6. Februar 2015

Flavoured

Also so grundsätzlich mag ich ja gern mal einen Hauch Vanille in meinem Milchkaffee, eine Note Muskat am Gemüse - ihr wisst schon, so einen feinen Geschmack, der irgendwie die Sinne schärft, aber auch streichelt. So schmeckt nicht alles wie erwartet. Das gefällt mir. 

Heute trug mein Zusatzduft leider eher dazu bei, dass Menschen schlagartig den Aufzug verliesen und mir die Busfahrt äußerst unangenehm war. Was mag da wohl passiert sein, fragt ihr euch? 

Stellt ihr jetzt eine innere Liste zusammen? Pupseritis? Kackwindel in der Handtasche? Kind hat in die Hose gepinkelt? Magen-Darm?

Nein, meine Lieben, wir sind alle gesund und munter und die Große hat eine ausgezeichnete Kontrolle über ihre Körperöffnungen.

Ich packte also morgens meine Kinder ein und ab zum Kindergarten. Die Kleine in die Kitagruppe gebracht, hab mich verabschiedet, als eine Betreuerin mit einem anderen Kind auf dem Arm neben mir stand. Dieses Kind macht den Mund auf uuuund kotzt voll über mich drüber. Ernsthaft. Saure Milch von oben bis unten. Fast hätte ich gleich mitgemacht, denn dieser fiese Geruch ist wirklich keine Geschmacksrichtung, die mein Magen morgens ohne Frühstück goutiert.

Da stand ich nun und eine Betreuerin versuchte entschuldigend mit einem Zewa an mir herumzureiben. 

Nun, ich verabschiedete dann noch die Große in den Kiga - heute ohne kuscheln - und machte mich auf den Weg zur Arbeit nach Hause: mit dem ÖV. So ist das, wenn man mal an einem Tag nicht das Auto nimmt.
Die Mitfahrenden starrten mich irgendwie missbilligend an und raunten und naja, ich stieg 2 Haltestellen früher aus und lief noch ein Stück. Dort im Aufzug starrte mich die kinderlose Psychopatin unserer Hausgemeinschaft aus Schlangenaugen an und fragte mich dann, ob ich mich nicht schämen würde so eklig stinkend herumzulaufen. Vielleicht hätte ich ihr auch direkt über die Kleider kotzen sollen. Das soll ja helfen in so einem Fall.

Zu Hause, Waschmaschine an, ab unter die Dusche, wieder halbwegs herrichten und dann kam ich auch schon irgendwann zum Arbeiten. 

Ich stelle fest: Kinderhaben ist nichts für Weicheier oder Jedermann. Das muss man schon aushalten können. Und irgendwie hab ich immernoch diesen säuerlichen Geruch in der Nase - bäh!