Montag, 26. Januar 2015

Die ungeschminkte Wahrheit über das mütterliche Hoheitsgebiet

Ich bin eine emanzipierte Frau, nahm ich an. Ich war schon als Mädchen so. Ich hab andere Mädchen verteidigt dummen Jungssprüchen und Handgreiflichkeiten, aber auch vor Zickenkrieg, auch wenn die das gar nicht wollten. Ich hatte das Prinzip meiner körperlichen und geistigen Freiheit derart verinnerlicht, dass ich niemals auf den Gedanken gekommen wäre, jemand anderes könne mir da Vorschriften machen. Mir war immer klar: Ohne mein Einverständnis fasst mich niemand an. Ich entscheide für mich selbst, mein Körper, mein Leben, meine Entscheidung. Ich habe im Laufe der Zeit darum auch trainiert, klare Ansagen zu machen.

Damals war mir nicht klar, was Hormone vermögen und dass ich ohne mit der Wimper zu zucken, einer feindlichen Übernahme über mein selbstbestimmtes Leben und vor allem über meinen Körper zustimmen würde. Und doch tat ich nichts einfacher als das und werde es wieder tun. 

So gerne ich schwanger bin und war, so gerne ich mein Baby in Armen halte, so belastend ist es auch für mich. 

Ich leide unter relativ schlimmer Schwangerschaftsübelkeit, ca. 36 von 40 Wochen lang, und kann darum in dieser Zeit kaum Essen zu mir nehmen. Ich bekomme sehr früh sehr starke Rückenprobleme und kann schlecht schlafen. Mein Kreislauf ist so belastet, dass mir regelmäßig schwarz vor Augen wird und generell pocht mein Herz bereits nach drei Treppenstufen, als sei ich einen Sprint gelaufen. Ich muss mich zwingen ausreichend zu trinken, nicht nur, wegen der Übelkeit, sondern auch, weil ich ansonsten ein Wenigtrinker bin. Und diese tiefe Erschöpfung, die mich die ersten Wochen plagt, zeigt mir, wie unglaublich anstrengend es für meinen Körper ist, aus dem Nichts einen kompletten Menschen zu erschaffen. Zudem funktioniert mein Immunsystem nicht besondern gut und ich brüte quasi von der Einnistung bis zum Abstillen einen Infekt nach dem anderen aus.
So schön es ist ein Baby im Bauch zu tragen, so schrecklich ist es für mich, all die Nebenwirkungen der Schwangerschaft zu ertragen. Für mich sind das echte Nebenwirkungen, die meine Lebensqualität erheblich einschränken - Wunder des Lebens hin oder her. 

Es sind aber nicht nur diese Nebenwirkungen, die mich beim Kinderkriegen belasten. Es ist die fast katastrophale Einsicht, dass ich die Hoheit über mein Hoheitsgebiet - meinen Körper - aufgeben muss. Ich fühle mich meinen Hormonen komplett ausgeliefert. 
Ich habe einige der 'großen' Philosophen gelesen, oder es zumindest versucht. Ich bin Neurobiologin. Ich weiß um die Problematik in der Argumentation des 'freien Willens'. Ich hätte gerne einen freien Willen, hab mir aber zumindest erarbeitet, in 85% der Fälle willentliche Entscheidungen nach von mir zuvor erwogenen Argumenten zu fällen.

Mit Beginn einer Schwangerschaft wird das hinfällig. Ich bin von jetzt auf gleich ein anderer Mensch. Und ich leide darunter. Ich leide darunter, nicht mehr klar denken zu könne, denn ich bemerke wohl, dass meine Entscheidungsgrundlage einer Veränderung unterworfen ist, ich kann es nur nicht kontrollieren. Ich leide darunter, dass während einer Geburt, mein Körper die absolute Kontrolle übernimmt und mein Denken abschaltet. Das ist für mich keine großartige Erfahrung von Urgewalt. Das ist für mich beängstigend. Der absolute Kontrollverlust. Meine Wünsche versinken in der Bedeutungslosigkeit. 
Um ehrlich zu sein, ich hasse das und ich kann auch überhaupt nicht rational nachvollziehen, weshalb ich mich 'freiwillig' all diesen Nebenwirkungen und Veränderungen aussetze.

Doch es ist nicht nur mein Verstand, der rebelliert. Auch mein Köpergefühl verändert sich. Es ist, als würde ein kleiner Alien in meinem Körper wohnen. Ich muss auf einmal meinen Körper teilen - mit jemandem Anderen, jemandem Fremdes. Allein der Gedanke für eine andere Person als Brutkasten zu dienen widerspricht meiner körperlichen Selbstbestimmtheit zutiefst und kommt mir dementsprechend absurd vor. Würde mein Mann derart uneingeschränkten Zugriff auf meinen Körper beanspruchen wären wir schon längst geschieden. Aber das Baby, das ist in mir drin. Und wenn es raus kommt, dann lässt es mich nicht etwa in Ruhe, nein ich habe ihm weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen. 
Diese Einschränkung meiner persönlichen Freiheit raubt mir oft den letzten Nerv.

So gerne ich mein Baby stille, mit ihm kuschle, es herumtrage und neben ihm einschlafe, so gern möchte ich hinausschreien: Das ist mein Körper! Er gehört mir! Das sind meine Brüste! Lass mich in Ruhe! Fass mich nicht an!!!

Monat für Monat wächst dann in mir der Wiederwillen gegen diesen andauernden Belagerungszustand. Ich fühle mich immer unwohler in meiner Haut, bis jeder Nerv gespannt ist und ich kurz vor dem Explodieren die Notbremse ziehe und abstille. 

All diese Gefühle, dieses Unwohlsein, diese Bedenken über den Belagerungszustand meines Körpers spielen sich jedoch nicht im Vordergrund ab. Mein Hormonhaushalt funktioniert ausgezeichnet und so bin ich natürlich glücklich während der Schwangerschaft. Ich kann gar nicht genug bekommen von meinem Baby sobald es auf der Welt ist und ich kann mir natürlich nicht vorstellen jemals abzustillen oder mein Baby auch nur ein kleines bisschen loszulassen. 
Aber latent unter der Oberfläche brodelt es, fühle ich mich unbehaglich, frage ich mich, wie lange ich das noch ertragen kann. Und jeden Monat graben sich diese Gedanken und Gefühle ein Stückchen weiter in den Vordergrund, fangen an, die hormonell bedingt Glückseligkeit zu unterwandern, schleichen sich in meinen Alltag - ganz langsam, aber stetig. 

Das es so langsam geht ist sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass ich meine Kinder schon früh abgebe. So habe ich wenigstens eine gewissen Zeit am Tag meine Ruhe, meine Freiheit zurück und kann dann entspannter mit meinen Kindern zusammen sein. 

Wie groß der Einfluss meiner Kinder auf meinen Körper ist merke ich mal wieder, seit ich abgestillt habe. Meine plötzliche Verweigerung, auch wenn ich die Dame langsam ans Abstillen herangeführt habe, wurde mit ziemlicher Empörung aufgenommen. Daraufhin war die Dame beleidigt und würdigte mich einen Tag lang keines Blickes, bis sie die Situation akzeptierte. Ich kann sie verstehen, das ist eine harte Lektion. Dennoch habe ich sie nicht um ihre Meinung gefragt und schon gar keinen Kompromiss gesucht.

Seither ist es, als zöge ich stückchenweise wieder in meinen Körper ein, wie in eine Wohnung. Mein Gesundheitszustand und mein Wohlbefinden haben sich dramatisch verbessert, ich entspanne mich, werde ruhiger. Ich habe wieder angefangen zumindest ein leichtes Make-up zu verwenden, morgens die Zeit dafür überhaupt aufzubringen. 2 ganze Jahre lang, ging es mir sonstwo vorbei, wie ich aussah. Ich hatte die Haare immer zum Zopf gebunden, noch nicht einmal Consealer wollte ich verwenden, von Mascara ganz zu schweigen. Make-up ist nur ein kleines Zeichen, ein Schritt hin zu meiner neugewonnenen Eigenwahrnehmung. Ich möchte wieder hübsch sein. Mich im Spiegel schön finden. Hübsche, nicht ausschliesslich praktische Kleidung tragen. Hohe Schuhe, weil ich nun nicht mehr immer einen anderen Menschen herumtragen muss... Und ich möchte, dass der Trüffel mich hübsch findet. Ich entdecke mein Interesse für den Trüffel wieder. Für zwei Jahre war es mir fast unmöglich, den Trüffel überhaupt an mich ran zu lassen, wo doch das Baby schon vollumfänglichen Zugriff auf meinen Körper hatte. Nun kann ich wieder selbst entscheiden und bin froh darüber. 

Trotz allem möchte ich weitere Kinder. Ich nehme all diese Nebenwirkungen in Kauf, wenn auch nicht gerne. Zum Glück helfen die Hormone, machen einen Blöd vor Liebe. Dennoch, könnte man Kinder einfach so im Laden kaufen, ich würde es wohl tun. Es würde mich nicht reuen auf das Wunder des Lebens am eigenen Leib zu verzichten. Ich hab es ja jetzt 2x erlebt.

Der Trüffel versteht meine Schilderungen im Übrigen nicht, auch wenn er es versucht. Für ihn ist die Vorstellung, seinen Körper im wörtlichen Sinne mit jemandem zu teilen, total absurd. Er kann das gar nicht nachvollziehen und zuckt jeweils nur mit den Schultern. Darum war er auch etwas enttäuscht, dass ich mir eine Babypause verordnet habe. Die Planung für das nächste Kind wird etwas aufgeschoben, damit ich mein wiedergewonnenes Körpergefühl genießen kann. Der Trüffel jedoch kann das gar nicht verstehen und auch wenn er es nicht ausspricht, er hält meine Reaktion für sehr egoistisch. 

Da hat er auch recht. Das ist nämlich mein Körper und mein Leben und ich entscheide, wann und ob ich diese Alieninvasion noch einmal zulasse.

Dienstag, 20. Januar 2015

Warum wir ein Familienbett haben

Ich schreibe diesen Post nicht, um Position zu beziehen in vorangegangenen Schalfdebatten, sondern um zu erzählen, dass man sich über dieses Thema auch einfach KEINE Gedanken machen kann und trotzdem glücklich wird. Denn mir scheint es, als müsse man sich als Eltern ständig über irgendwas hochtrabende Gedanken machen, damit das Kind später auch bloß nicht psychisch krank wird. Meiner Meinung nach ist das völliger Quatsch. 

Warum also haben wir ein Familienbett? Nun, das kam so:
Zum Einen habe ich selbst bis wir mit 6 Jahren in eine größere Wohnung gezogen sind, bei meinen Eltern im Beistelltet geschlafen - es gab schlichtweg kein Kinderzimmer.
Zum anderen hatten wir in Basel kein Kinderzimmer, also war es klar, dass Kind kommt ins Beistellbettchen ins Schlafzimmer. Nun, wir hatten zwar ein Kinderzimmer, das aber wurde eigentlich eher als Gästezimmer genutzt und grundsätzlich als Rumpelkammer. Ich kam gar nicht auf die Idee, für ein Baby ein Zimmer herzurichten. Ich nahm naiverweise an, Babys brauchen kein eigenes Zimmer, denn sie wissen nicht was Privatsphäre ist und wollen sich auch nicht zurück ziehen. Also haben wir ein Beistellbettchen mit Rollen gekauft, das ich durch die Wohnung schieben konnte bei Bedarf und fertig. Kann ich übrigens nur empfehlen das Teil!

Beim Umzug nach Heidelberg suchten wir speziell eine Wohnung mit großem Schlafzimmer. Wir kauften einfach unser Bett in etwas schmaler noch einmal und haben jetzt eine 3,5m Liegefläche. Warum wir das Familienbett beibehalten haben? Ganz einfach, so bin ich die Kinder des Nachts los (bis aufs Baby stillen natürlich). Denn ich liege außen. Der Trüffel liegt meist zwischen Kind eins und zwei. Ich habe die Damen darauf trainiert, dass sie sich nachts an den Trüffel ranschmeißen, sollten sie aufwachen, eine Milchflasche brauchen oder kuscheln wollen. Mir ist das wurscht, was die machen. Ich jedenfalls schlafe nachts ganz wunderbar und hab auch genug Platz.
Als ich noch nachts gestillt habe, war das etwas anders, zugegeben. Aber nach dem Stillen hat sich die kleine Dame auch meist zum Papa gerollt. Der Trüffel hatte übrigens dabei nicht viel zu entscheiden, denn wer tagsüber nicht oft daheim ist, der muss halt nachts herhalten. 

Aus meiner Perspektive kann ich ein Familienbett also unter 2 Bedingungen empfehlen: große Liegefläche und jemand anders, der nachts die Kinder übernimmt. 
Wir haben inzwischen ein Spielzimmer, kein richtiges Kinderzimmer. Und mein Plan ist auch, ein großes Bett, 160 cm, zu kaufen, wenn die Große in die Schule kommt. Dann werden die 2 größeren ausgelagert und da wir bis dahin wahrscheinlich weiteren Nachwuchs haben, wird der zum Trüffel verschoben. Über eigene Betten oder gar Kinderzimmer denken wir nach, wenn die Damen ins Teenageralter kommen. 

Es ist nicht so, dass ich mir groß Gedanken über unsere Schlafsituation gemacht hätte. Ich gehe lieber den Weg des geringsten Widerstandes. Und ich denke, den Kindern ist es im Grunde egal, wo sie schlafen. Für sie ist es wichtig, dass alles abläuft, wie gewohnt. Werden sie also an ein eigenes Bettchen im eigenen Zimmer gewöhnt, ist es für sie normal. Schlafen sie im Familienbett, ist es genauso normal. Ich sehe nicht, was davon besser oder schlechter sein soll. Wie geborgen sie sich fühlen hängt ja nicht vom Bett oder Zimmer ab, sondern davon, ob jemand für sie da ist, wenn sie das brauchen. 

Was Kinder aber sicher gar nicht gebrauchen können, sind grantige unausgeschlafene Eltern. Also zählt hierbei der Schlaf der Eltern für mich mehr, als der Schlaf der Kinder. Die können nämlich auch tagsüber schlafen, Eltern meistens nicht.

Montag, 19. Januar 2015

Kleinkindmobilisierung

Nein, ich möchte nicht davon berichten wie viele Pukylinos, Wutsche, Laufräder und Fahrräder sich bei uns tummeln. Ein Geräteschuppen reicht da schon lang nimmer zur Lagerung.

Es geht um den Kinderwagen. 

Ich liebe unseren Kinderwagen! 

Groß, schön, absolut unkaputtar. Passt kaum in den Kofferraum, ist mit 14kg nicht wirklich leicht und hat mit allem drum und dran 850 Euro gekostet. 
Geld, das wir natürlich nie hatten und so ist es unser Geburtsgeschenk von jeglichen Großeltern und Urgroßeltern. Und ich liebe ihn! Hatte ich das schon erwähnt?

Es ist ein Hartan Topline S, nunmehr 4 Jahre alt und ich kann mir keinen besseren Wagen vorstellen.
Warum? Weil die Qualität und Stabilität einfach unschlagbar sind. Nicht das kleinste Plastikteilchen ist bisher abgebrochen, obwohl wir damit nicht gerade pfleglich umgehen und die Kinder wie wild darauf rumturnen. Der Schwenkschieber ist praktisch, wenn man tatsächlich im Wald unterwegs ist. Die Handbremse war für uns ein Muss und hat sich schon oft bewährt. Da wir immer in Städten wohnen, die eine gepflegte Kombination aus Kopfsteinpflaster und Straßenschäden kultivieren, waren mit Räder und Federung ein Anliegen. Und ich bin begeistert. Die Federung ist extrem gut, die Kugellager hakeln nicht ein einziges Mal, die feststellbaren Schwenkräder passen sich wirklich jeder Situation an und selbst die vollbesetzte Fahrt durch einen Scherbenhaufen ist gar kein Problem.

Die Größe ist Vorteil und Nachteil zugleich. Die Kinder haben schön viel Platz und höchsten Komfort, was ich auch so wollte. Der Kofferraum unseres Sportflitzers ist allerdings mit dem Wagen rappelvoll. Für das Auto kann der Kiwa allerdings nix. 

Unserer ist leuchtend blau (der Gatte hofft ja immer noch auf einen Sohn und der sollte nicht in einem Wagen der Farbe 'Pflaume' rumfahren, hätte mir nämlich auch gefallen). Vor Jahren gab es noch richtig tolle farbliche Designs, die heute sind mir etwas zu trist. Ich find aber unser blau richtig schön. 

Wir haben eine feste Kombitasche, den man in den Sportwagen reinschiebt. Bei Nr.1 hat sich die super bewährt, denn da waren wir mit Baby im Segelurlaub und haben sie in dieser Tasche einfach auf Deck mit Spanngurten befestigt. Wir haben die Tsche auch immer in Restaurants oder bei Besuchen dabei gehabt, als Bettchenersatz. Die Kleine schläft und man kann sie überall hin mitnehmen. Bei Freunden, die in schicken Altbauwohnungen im 4. OG leben ein echter Vorteil, oder wenn das Kind eingeschlafen ist um man sie einfach mit der Tasche mit in die Wohnung nehmen kann. Eine Softtasche wollte ich nicht, weil wir eben Segeln gehen wollten. Ich bin sehr zufrieden mit der Tasche und würde sie sofort wieder kaufen. 
Allerdings war die Benutzung bei uns durchaus eingeschränkt. Die Tasche ist zwar länger als viele Wannen, aber Kind 1 wuchs wie blöd und war mit 3 Monaten bereits zu lang dafür. Da hat sich bewährt, dass wir einen Sportwagen haben, den man komplett flach machen kann. Ich denke jedes Mal, wenn ich einen Buggy sehe mit vorgeformten Sitz, dass das total sinnbefreit ist. 
Meine Kids liegen beim Schlafen immer komplett flach und haben so auch die Möglichkeit sich auf die Seite zu drehen. 
Als das Kind zu lang für die Tasche war, hab ich sie einfach flach so in den Wagen gelegt und das hat super geklappt. Der Rahmen ist recht hoch und auch, wenn sich die Dame gedreht hat, war das nie ein Problem. Es lief sogar so gut, dass ich Nr.2 gleich gänzlich ohne Tasche hineingelegt hab. Bei dem Wagen braucht man eigentlich gar kein Geld für eine Tasche oder einen Wannenaufsatz auszugeben.
Ich habe meine Kinder auch noch nie in diesem Wagen angeschnallt. Das T-Stück und der Rahmen machen den Sitz perfekt auch für Sitzanfänger.

Der Korb unten ist wirklich schön groß, so dass auch Einkäufe kein Problem sind. Ich hänge auch öfter schwere Taschen über den Rahmen die der Handbremse. Das verträgt der Wagen locker. Zudem kann man das Verdeck nach unten klappen und hat damit eine Art Korb der schätzungsweise bis 4 kg belastbar ist. Dem Rahmen steckt das Packeseldasein locker weg.

Abnutzungsspuren haben eigentlich nur die Reifen, sonst sieht er aus wie neu, obwohl ich ihn überhaupt gar nicht pflege, außer 1x jährlich Bezug waschen.

Als Nr.2 dann auf der Welt war, haben wir entfach angebaut: einen Buggypod. Wir haben den Smorph2, damals bei Amazon für 120 Euro gekauft. Und mein Urteil lautet: GENIAL!

Bei einem ist direkt beim Aufbau etwas kaputt gegangen, aber der Umtausch lief problemlos und das 2. Exemplar ist bisher auch unverwüstlich. Der Buggypod ist eine Art schmaler Beiwagen. Der Anbau an unseren Harten war kein Problem, sobald man richtig verstanden hat, wie das Ding funktioniert, man braucht auch keinen Zusatzadapter. Der ganze Anbau wird einfach dran und wieder weggeklippt. So passt alles auch noch ins kleinste Auto. Und es kostet sehr viel weniger, als ein Geschwisterwagen. Mit Anbau ist die gesamte Kombi etwas schmaler als ein Doppelwagen. Das macht eigentlich nur in Aufzügen mit schmalen Türen das kleine Problem, dass man ein Kind kurz rausnehmen, Buggypod einklappen und danach wieder ausklappen und das Kind reinsetzen muss.
Ich bin von unzähligen Eltern darauf angesprochen worden, denn das Teil ist die perfekte Lösung. Ein Rollbrett für die Großen finde ich aus vielen Gründen sehr unpraktisch. Man stößt sich beim Gehen daran (ich zumindest), wenn die Großen noch nicht so ganz groß sind, wollen die auch nicht ewig stehen und man kann keine Tasche an den Wagenbügel hängen. Zudem ist so ein Rollbrett für den Harten irgendwie nicht wirklich geeignet, da der Bügel doch sehr nah am Wagen, und somit der Platz für das große Geschwisterkind recht klein ist. 

Der Buggypod sieht erstmal recht klapprig aus, aber man braucht echt keine Bedenken zu haben. Das Ding hält, was es verspricht! Allerdings muss man doch etwas flexibel sein, je nach Kinderkonstellation. Ein leichtes Baby im Wagen und ein schweres Kind im Buggypod erfordern vom Schiebenden doch eine verstärkte Gegenlenkmaßnahme. Da zieht der Wagen schon ganz doll nach rechts. 

Wie haben wir das also gemacht mit dem Wagen? In Basel hab ich den Wagen sehr oft benutzt, denn wir hatten Wohnung, Arbeit und Kita innerhalb von 500m Umkreis. Als die Dame mir beim Tragen öfter zu schwer wurde, hab ich gern in den Wagen gewechselt. Hier in Heidelberg sind wir viel mit Auto und ÖV unterwegs. Seither benutzen wir den Wagen eher selten, denn ich bin weder jemand, der ständig den Wagen ein und ausladen will, noch jemand der Kiwa in öffentlichen Verkehrsmitteln goutiert. Das nervt mich beides. So haben wir den Wagen hauptsächlich als Packesel bei langen Ausflügen oder auf dem Spielplatz dabei, weil wir da eh immer den halben Haushalt rumschleppen. 

Ich hab es also so gemacht mit 2 Kindern: Nr.1 im Wagen, Baby getragen. Als Nr.2 sitzen konnte: Nr.1 im Wagen, Baby auf dem Buggypod. Das harmoniert besser mit Gewicht und Kindergröße. Mittlerweile habe ich nur noch bei längeren Ausflügen den Buggypod dabei, ansonsten kommt ein Kind in den Wagen und eines im Onbuhimo auf den Rücken und fertig. Beide laufen inzwischen auch gerne richtige Strecken. 

Der Buggypod war für uns eine super und preiswerte Zwischenlösung, da wir eh grundsätzlich mit der Kombi aus Tragen und Kinderwagen arbeiten. Gehen wir in die Stadt (Bummeln, Weihnachtsmarkt etc.) oder sind wir mit dem Auto unterwegs, bevorzuge ich die Tragen. Bei Park-, Zooausflügen, Spielplatz oder Kurzeinkäufen nehmen wir den Wagen. Dann muss ich nicht den ganzen Kruscht selber schleppen.

Hat sich also der teuere Wagen gelohnt? Na und ob! Obwohl meine Kinder viel getragen werden und wurden, benutzen wir den Wagen oft. Wenn auch nicht mehr so oft, wie in Basel. Die Kombi gibt uns maximale Freiheit und flexible Anpassung an jedes Kindesalter. Und je schwerer die Damen werden, umso öfter entlaste ich meinen Rücken. Und da wir noch weitere Kinder planen, hat sich die Investition in einen stabilen Wagen allemal gelohnt. Lieber würde ich also einen Sportwagen von Harten kaufen ohne Tasche, statt bei einem billigeren Modell 2 Aufsätze kaufen zu müssen. Und trotz zahlreicher Tragen in unserem Haushalt, würde ich nicht auf einen Kinderwagen verzichten wollen.

Purer Luxus

Ich muss es zugeben, wir schwelgen im Luxus.
Nein, wir haben kein Haus, kein Boot und auch keinen Ferrari – zum Glück. Wir haben keine Putzfrau, kein Tablet pro Familienmitglied und keine USA-Ferien – leider. Wir haben ein normales Einkommen. Eigentlich haben wir ein unverschämt kleines Einkommen, gemessen am Ausbildungsstand des Trüffels und mir. Aber nun, so ist das eben. Es wird vielleicht nicht immer so bleiben.

Dafür haben wir eine 105qm große Mietwohnung mit 4 Zimmern in Heidelberg. Ich darf sagen, das kostet ein kleines Vermögen. Aber es ist ein ganz perfektes Nest und Zuhause für unsere Sippe. Wir haben Platz, der mit allerlei Spielzeug verbaut ist – also im Grunde haben wir keinen Platz. Aber wir haben es hier extrem gemütlich und schön. Das ist echte Lebensqualität.

Wir haben immer genau das Richtige zu Essen im Haus. Kühlschrank und Vorratsschänke sind immer bis zum Platzen voll und die Damen können sich nach Herzenslust aussuchen, wonachihnen der Sinn steht. Das ist Lebensqualität.

Wir haben unzählige Fortbewegungsmittel: Auto, Fahrrad+Anhänger, Kinderwagen und mehrere Tragen und natürlich allerlei ÖV vor der Haustüre. Wenn ich das so sagen darf, alles im Gegenwert eines etwas größeres Vermögens. Und wir können je nach Tageslaune, Vorhaben, Gusto oder Rückenschmerzlevel der Mama, frei wählen, wie wir wann wohin kommen. Das ist Lebensqualität.

Wir haben nicht genug Geld, um ständig irgendwas shoppen zu gehen. Keine Handtaschen, keine neuen Jacken und Schuhe für die Eltern. Aber wir haben immer genug Geld das zu kaufen, was fehlt. Die Große braucht schon wieder neue Schuhe? Kein Problem. Die Strumpfhosen sind durchgewetzt? Kein Problem. Einen Schneeanzug unserer Lieblingswinterausrüstungsfirma? Klar, wenn auch reduziert für 40 Euro. Mal ein schickes Kleidchen? Geht immer. Mama braucht neue Winterschuhe? Ist alles möglich ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist Lebensqualität.

Wir leisten und den Luxus mit der ganzen Familie öfter mal ins recht teure Spaßbad zu gehen. Haben Dauerkarten für allerlei Parks, Zoos, Museen und sonstige Attraktionen. Wir bezahlen Mitgliedsbeiträge für Sportverein und haben immer ordentlich was übrig für dieKlingelkässchen von ehrenamtlich geführten Einrichtungen wir dem Jugendhof Rohrbach, wo wir öfter sind. Das ist Lebensqualität.

Über all diese Dinge müssen wir uns keine Gedanken machen. Klar, es bleibt nicht allzu viel übrig. Aber es reicht, auch für Rücklagen. Und klar, es gibt Wünsche, die nicht so schnell in Erfüllung gehen werden. Ein großes Familienauto mit Schnickschnack? Eher nicht. Eine Putzhilfe? Wenn einer von uns mal einen gut bezahlten Job in der Industrie bekommt, dann vielleicht. Dinge grundsätzlich von Handwerkern reparieren zu lassen? Wär mir manchmal lieber, aber so locker sitzt das Geld echt nicht.

Hätten wir ein wenig mehr, was würde ich ändern? Wenig. Wir sind Stammkunden in sehr gut sortierten Second-Hand-Läden. Dorthin würde ich auch weiterhin gehen. Allerdings würde ich wesentlich mehr hübsche Sachen auf Dawanda bestellen und v.a. alle Hosen für die Kinder nach unseren Wünschen und Bedürfnissen nähen lassen. Ich würde wahrscheinlich gänzlich auf Lebensmittel der umliegenden Höfe umsteigen und so manche Einkäufe im Supermarkt ersetzen. Und der Trüffel wünscht sich nix lieber, als auf 80% zu reduzieren. Das alles steht auf unserer Zukunftsliste unter dem Punkt ‚sobald wir es uns leisten können’.

Ich kann mich also nicht beschweren. Wir schwelgen im Luxus und müssen keine mit Geldsorgen durchwachten Nächte durchleben. Und doch, werde ich immer wieder auf Geld angesprochen, als machten wir den Eindruck, uns fehle etwas. Nur, weil ich kein neues Handy habe, mein MacBook schon 4 Jahre alt ist, wir nicht 3 Wochen Familienurlaub sonstwoverbringen, ich ja immer noch die Winterjacke von 2006 trage (aber eher, weil ich die über alles liebe), ich keine manikürten Hände habe und ich mein Kind nicht zum Klavierunterricht anmelden kann, da wir ja zuhause gar kein Klavier haben. Ja und wir haben auch kein Haus gebaut. Ob wir das alles wollten, das interessiert leider niemanden.

Ich rede ungern über Geld, da wir ja genug haben. Uns geht es gut. Ob Kinder arm machen? Kann ich nicht beurteilen. Ohne Kinder würde ich mein Geld für irgendwas anderes ausgeben. 3x im Jahr in den Urlaub fliegen, vielleicht. Wer weiß. Bisher zahlt sich unsere Ausbildung aus. Und ich bin froh darüber und genieße es solange es dauert. Bisher haben und die Kinder nicht arm gemacht, zum Glück.

Freitag, 16. Januar 2015

Wer stillt denn da?

Ich jedenfalls nicht mehr. Vor Weihnachten hab ich den Hahn abgedreht, endgültig. Natürlich war ich etwas wehmütig, aber es war ja eigentlich nicht mehr Stillen, sondern nur noch nuckeln. Das kann die Dame auch an anderen Dingen. 
Seither gibt's hier Mord und Todschlag um die Flaschen… Denn die Große nimmt, was sie kriegen kann und die Kleine ist erschreckend wehrhaft. 
Ich habe zwar noch nicht den Schrank umgeräumt, aber es irgendwie ein komisches Gefühl, wieder normale Sachen anzuziehen. Ich hab ja jetzt lange meine heißgeliebten Stillsachen angehabt. 

Jedenfalls geht es seither mit mir bergauf. Nachts schlafen wir echt gut, ich hab direkt Periode bekommen, ich bin seit genau 2 Jahren zum ersten Mal 4 Wochen ohne Magen-Darm oder Erkältung, ich trage normale BHs, hab direkt weniger Hunger, esse also weniger und nehme wie von selber ab. Auch schön. Ich bin sogar tatsächlich kuschliger geworden, oder sagen wir mal so: anschmiegsamer an den Trüffel.
Mein Zustand normalisiert sich und ich hoffe doch, das bleibt noch eine Weile so.

Madame kommt damit gut klar. Will sie eine Milch, geht sie an den Schrank, holt eine Flasche heraus und haut sie mir so lange auf den Kopf, bis ich ihr eine Milch auffülle. Einmal hat die Große versucht, ihr beim Trinken die Flasche wegzunehmen und kam darauf hin schreiend mit einer blutigen Bisswunde am Arm angerannt. Wir sollten wohl noch ein wenig an der Geschwisterkommunikation feilen…

Nachdem ich jetzt doch einige Jahre gestillt habe - immer und überall - fällt mir dennoch auf, wie das mit den Brüsten anderer Mütter ist. Vielleicht bin ich auch ein bisschen neidisch, denn jetzt, wo sich alles zurück bildet, muss ich zugeben, die Jahre des Stillens haben aus den Äpfeln doch erkennbare Birnen gemacht. Also nicht tragisch, denn ich hab im Höchstfall Körbchengröße C und im Normalfall B. Das ist jetzt nicht so ein großer Wandel bei mir. Aber ich kann mich dunkel erinnern, dass da alles irgendwie auch schon mal straffer war…

Aus Zufall hab ich in letzter Zeit öfter mal prallere Exemplare zu Gesicht bekommen. Ich hoffe, das wird nicht zum Trend, dass Frau sich komplett auspackt. Aber ich habe es nun häufiger gesehen. Dabei geht es mir gar nicht um's Stillen in der Öffentlichkeit, sondern wirklich um dieses demonstrative Brust über den Ausschnitt vorne rausheben und seelenruhig das Kind auspacken und erst nach einer von mir gefühlten Ewigkeit anlegen. Ich will gar nicht wissen, was jemand dazu sagt, der sich aus anderen Gründen für Brüste interessiert, aber ich guck da immer hin. Ist irgendwie ein Reflex. Ich kann dann zwar auch wieder weggucken, aber Realität ist: Ich schau erst auf die Brust und dann ins Gesicht. 

Und irgendwie scheint mir das Ganze peinlicher zu sein, als der Babymutter. Ich jedenfalls würde gerne betreten wegschauen, stelle aber fest, dass die Mutter mir gegenüber mit festem Blick ins Gesicht schaut. Ein bisschen wie eine Kampfansage. 
Bin ich nun verklemmt? 
Ich persönlich hätte mich einfach nur als diskreter eingestuft. Ich hab selbst im Tram gestillt, aber immer versucht meine Brüste nicht öffentlich zu präsentieren. Das wäre mir selbst unangenehm gewesen. Ich habe offensichtlich ein anderes Schamgefühl, als so mach eine andere. Ich muss aber auch sagen, es sind nur Ausnahmen, die wirklich ihre prallen Brüste auspacken und demonstrativ anderen unter die Nase halten. Die meisten stillenden Frauen machen das doch eher zurückhaltend.
Dennoch irritiert mich dieses Verhalten. Es übertritt meine persönliche Grenze, ich will von fremden Brüsten nix wissen. Und man kann mir wirklich nicht vorwerfen, ich hätte was gegen's Stillen. 
Ich merke zudem, dass der Satz 'Wer das nicht sehen will, der soll doch einfach weggucken.' nicht zieht. Denn es ist nunmal Konvention bei uns nicht mit entblößten Brüsten in der Öffentlichkeit herumzulaufen. Und eine Abweichung von dieser Konvention zieht zwangsläufig alle Blicke auf sich. Ich behaupte einfach mal, jeder schaut erstmal hin und wendet sich dann evtl. ab. In meinem Fall sogar peinlich berührt. 

Ich stelle fest, machmal ist es mit der gegenseitigen Rücksichtnahme nicht weit her. Ich reagiere heftiger als nötig und ärgere mich sogar über diese Zurschaustellung und die Stillende übertreibt auch etwas mit der Offenlegung ihrer Intimität. 

Leider führt das dazu, dass die wenigen so aufdringlichen Mütter wesentlich stärker wahrgenommen werden, als all die Frauen, die sich zum Stillen zurück ziehen und so hört es sich in diesen unleidigen Diskussionen ums Stillen in der Öffentlichkeit auch schnell so an, als würde Stillen immer und bei allen so offensiv ablaufen. Und dann fühlen sich auf einmal auch diskrete Mütter angegriffen. Das ist schade, denn ich nehme schwer an, niemand stört sich an einer auf einer Bank sitzenden stillenden Mutter. Ein schreiendes Baby würde die meisten wahrscheinlich viel mehr stören. 

Es ist schon seltsam, mit dieser extremen Wahrnehmung. Denn auch die Vehemenz von der man liest, wie öffentliches Stillen verteidigt wird, spricht mich nicht an. Als ob es nur schwarz oder weiß gäbe. Entweder du bist für oder gegen das Stillen. So ein Quatsch! Auch wenn ich für's Stillen bin, kann ich dagegen sein, dass mir jemand Fremdes seine blanken Brüste entgegenstreckt. Das Baby würde ja auch trinken, wenn Mama nicht so provokativ blank zieht. Damit kann es also nix zu tun haben. Mit dem Ego der Mutter wohl eher… 

Dieses Thema lässt mich irgendwie ratlos zurück. Was würdet ihr einer Frau sagen, die sich so präsentiert? Gar nichts? Oder ihr eine Liste mit Links zu Stillkleidung in die Hand drücken? Wie soll man denn nun reagieren, wenn man sich vom Verhalten eines anderen peinlich berührt fühlt? Gar nicht? Scheint mir zwar der einfachste und unkonfrontativste Weg zu sein, aber nicht unbedingt der Sinnvollste.

Samstag, 10. Januar 2015

Die Kitadiskussion, Trüffels Bedenken und wie unsere Kinder uns einesBesseren belehrten.

Ab wann darf man sein Kind in die Kita geben? Die U3-Plätze werden ausgebaut. Wobei, das heißt ja gar nix. Der Anspruch auf einen Kitaplatz trägt ab 1 Jahr. Auch das sagt nix. 

Und doch, anscheinend geht es wohl um Weltanschauungen, Momywars und implodierende Universen voller psychisch geschädigter Kinder. Ich verstehe nur nicht, warum…

Wie schon erwähnt, hat meine wunderbare Schwiegermutter eine völlig andere Auffassung vom Kindergroßziehen, als ich. Das gilt - natürlich - auch für die Kitafrage.
Sie arbeitete zwar mit 1 Kleinkind, blieb aber ab dem zweiten zu Hause und somit weiß sie Bescheid. Meint sie. Ich jedoch lasse mich da schon lange nicht mehr auf Diskussionen ein. 

Dennoch ist es die Sache mal wert, zu überdenken, was bei uns zu Hause so läuft. Der Trüffel hatte also eine Mutter, die zu Hause war. Das Argument 'damals gab's ja noch keine Kitas' zieht irgendwie nicht wirklich, denn ich ging schon mit U1 Vollzeit in die Kita. Im Westen. In einer schwäbischen Kleinstadt. Aber zugegeben, es gab nicht so viele Kitaplätze, sonst wäre ja auch ein Ausbau überflüssig. 
Jedenfalls gab es damals auch Frauen, die Geld verdienen mussten trotz Kindern. In meiner Familie zumindest gab es seit 150 Jahren keine einzige Frau, die es sich leisten konnte als Hausfrau nicht zum Familieneinkommen beizutragen. Im Westen. In einem winzigen schwäbischen Dorf. Ja und wenn ich es recht bedenke, die andere Oma hat auch mit 4 Kindern immer gearbeitet, als Lektorin. Obwohl der Mann ein sehr gut laufendes Geschäft hatte. 
Komisch. Irgendwie scheine ich aus einer Familie zu stammen, die das Alleinernährerprinzip nicht praktizierte und das bis heute nicht tut.

Als ich dann schwanger wurde, war mir auf Anhieb klar, das Kind kommt so früh wie möglich in die Kita. Dem Trüffel war klar, dass mir das klar war, aber er war sich unsicher. 
Warum war das so?

Nun, ich bin das Ergebnis einer sehr früh fremdbetreuten Erziehung, auch noch Einzelkind, mit Teenagermutter. Mein Fazit war: Ich bin nicht 'beschädigter' als alle anderen, ich hatte es nicht schwerer, ich bin nicht soziopathisch, unglücklich, gehemmt, dümmer oder sonst wie eingeschränkt durch diese Familiensituation. Im Gegenteil, ich kann von mir behaupten, dass ich ein netter, aufmerksamer, rücksichtsvoller und durchaus erfolgreicher Mensch bin, kein Superhero, aber guter Durchschnitt vielleicht. Jedenfalls hat mir die Fremdbetreuung per se nicht geschadet, weil ich tolle Eltern hatte und nie allein mit meinen Sorgen gelassen wurde. 
Der Trüffel hat eine pädagogisch wertvolle rund-um-die-Uhr Erziehung, sogar mit Geschwisterkind, genossen und ist irgendwie auch nicht besser rausgekommen als ich. Er hatte eine schöne Kindheit, so wie ich auch. 

Da der Trüffel seltsamerweise niemals auf die Idee gekommen wäre, mit Baby zu Hause zu bleiben, war schnell klar, unser Kind kommt in die Kita. Nun hat es in Basel also eigentlich nur ausgezeichnete Kitas mit Betreuungssituationen, die hier in Deutschland eher selten erreicht werden und so war das alles gar kein Problem. Das Baby kam also für 8 Stunden täglich in die Kita. Mit 16 Wochen. Und es lief super. Der Trüffel verlor bald alle Zweifel, als er erkannte, dass unsere Tochter damit offensichtlich kein Problem hatte.

Auch bei Nummer 2 hatten wir bereits vor der Schwangerschaft einen Babyplatz gesucht. Um ehrlich zu sein, haben wir damals den zukünftigen Arbeitsplatz (wir hatten die Wahl zwischen 3 Städten in Europa) nach der Babykitasituation ausgesucht. Göteborg haben wir damals bewusst abgelehnt, denn man versicherte uns, Kinder bekämen erst ab 18 Monaten einen Kitaplatz. Da hab ich direkt den Kopf geschüttelt und für eine Nanny hätte der Verdienst nun echt nicht auch noch gereicht.

Also haben wir in Heidelberg eine wunderbare Kita. Das Baby wurde mit 4 Monaten eingewöhnt und ich bin sehr zufrieden mit den Umständen. Da ich diesmal etwas mehr Spielraum hatte, hab ich die Dame zu beginn ca. 6 Stunden in die Kita gebracht. Mittlerweile sind wir bei 8 Stunden.

Meine Schwiegermutter jedoch versäumt keine Gelegenheit, sobald eine meiner Töchter nur geringfügig nicht so funktioniert, wie sie es für richtig hält, mir vorzuwerfen, dass dieses 'Fehlverhalten' eindeutig an der frühen 'Abschiebung' in die Kita läge. Nicht, dass ihr jetzt denkt, meine Kinder wären kleine Monster. Nein, ich rede von gänzlich normalen kindlichen Reaktionen: Die Große sagt mit 3 Jahren nicht alle 2 Minuten 'Danke oder Bitte', Rumgezapple auf dem Stuhl, nachdem beide aufgegessen haben - nur die Erwachsenen noch nicht. Solche Sachen. Total schlecht erzogen, die Gören! Und die Große hat doch tatsächlich den Aufstand geprobt, als sie Blumenkohl essen sollte! Typisch Kitakinder…

Egal. Jedenfalls schreibe ich diesen Post, um all den Müttern Mut zu sprechen und das latent schlechte Gewissen zu beruhigen, die ihre Kinder deutlich vor dem ersten Geburtstag in die Kita bringen: Also meine Damen sind ganz wunderbar und haben keinerlei offensichtlichen Schaden genommen. Frühe Kitabetreuung ist nicht per se und grundsätzlich schlecht! Es ist für die Kinder ganz normal, so wie es normal wäre, würden sie nicht in die Kita gehen. Klar, der Anspruch an Babykitas ist durchaus ein recht hoher, darum sind wahrscheinlich einige Kitas nicht so gut geeignet für Babybetreuung, als andere. Aber sofern man als Eltern das Gefühl hat 'hier ist mein Kind gut aufgehoben und hat Spaß', sehe ich absolut kein Problem.

Ich möchte dennoch erwähnen, dass ich durchaus schon Kinder erlebt habe, die sich schwer tun mit der Trennung von der Mutter. Das waren eher Kinder, die mit 1 Jahr eingewöhnt wurden. Nicht alle Kinder reagieren gleich. Und als Eltern hat man da nur bedingt Einfluss, denn das mag weniger mit Erziehung oder Prägung auf die Mutter zu tun haben, als mit dem Charakter des Kindes. Manche Kinder tun sich grundsätzlich mit Veränderung schwerer als andere. Darüber zu spekulieren wieso, wäre müßig. 
Ich denke also, unter Berücksichtigung der Reaktion des Kindes, sind Kitas und frühe Fremdbetreuung nicht gesundheitsschädlich. Aus bekannten Gründen kenne ich nun zahlreiche Kitababys - auch jetzt schon über Jahre - und ich kann nicht wirklich feststellen, dass sie unter der Situation leiden. Die entwickeln sich alle prächtig.
Es hat aber eben auch viel mit der Familiensituation zu tun. Alle Kitaelten, die ich bisher kennen gelernt habe, sind informiert und engagiert und keineswegs egoistisch. Alle nehmen die Bedürfnisse ihrer Kinder wahr und genießen die Familienzeit. Und es sind bei weitem nicht nur Topmanagerinnen und Selbstständige, die ihre Kinder als Baby in die Kita bringen. Von der Krankenschwester über die Anwältin bis zur Verkäuferin ist alles in der Elternschaft unserer Kita vertreten. Und da eigentlich viele gerade die 2. Runde Schwangerschaften einleuten, gehe ich mal davon aus, dass nicht alle Alleinerziehend sind. Dafür sind eigentlich alle im Reinen mit der Situation, denn ich bin außerdem überzeugt, fühlt sich die Mutter nicht wohl, fühlt sich auch das Kind nicht wohl mit der Situation. Dieses latent schlechte Gewissen ist somit eher Gift für die Kinder und die Mütter. 

Also liebe Kitamutter, wenn du dich entscheidest dein Kind in die Kita zu geben, steh dazu und mach dir keinen Stress. Lass dir nichts erzählen und schau dir dein Kind genau an. So lange das Kind kein Problem hat, brauchst du nun wirklich auch keines damit zu haben! Sollte dein Kind deiner Meinung nach damit ein Problem bekommen, kannst du immer noch über eine Veränderung nachdenken. Und: jedes Kind ist anders. Nur, weil deine Freundin überzeugt ist, für ihre Familie wäre eine Kitabetreuung mit 6 Monaten nichts, heißt das für deine Familie überhaupt gar nix und schon gar nicht, dass Fremdbetreuung für dein Kind schlecht wäre.

Meine Schwiegermutter hat also schlicht unrecht, wenn sie jedes noch so kleine 'Fehlverhalten' meiner Töchter als Kitaschaden interpretiert. Meine Kinder sind psychisch gesund und glücklich und ganz emphatische tolle kleine Menschen, aus denen wunderbare große Menschen werden. 

Mein Fazit ist : Es gibt sich nix. Ob eine Mutter zu Hause bleibt, die ersten 2 Monate, das erste Jahr, die ersten 3 Jahre oder gleich für immer. Die Kinder wachsen zwar unterschiedlich auf, aber so gut wie alle werden eine recht glückliche Kindheit haben. 

Wenn jemand traumarisiert sein wird, dann sind es die Flüchtlingsfamilien, die vor Krieg, Verfolgung und Unterdrückung auf haarsträubende Weise in unser Land kommen und hier auch noch dafür beschimpft werden, oder Kinder, die sonstiger Gewalt und Missbrauch ausgesetzt waren/sind. Es gibt Opfer, die Hilfe brauchen. Kitababys gehören eher nicht dazu. Darum denke ich durchaus, dass wer sich über Fremdbetreuung aufregt, sonst wahrscheinlich keine Sorgen hat. Meine Mutter würde es etwas direkter formulieren: Wer sich darüber aufregt, dem geht's wohl zu gut oder der hat die Relationen etwas verdreht. Das ist zwar nicht diplomatisch, aber durchaus plausibel. 

Wir sind in der absolut privilegierten und glücklichen Situation, relativ frei entscheiden zu können, ob und wann wir unsere Kinder Fremdbetreuen lassen. Statt daraus ein Problem zu machen, sollten wir das feiern und uns freuen und unser Leben so gestalten, wie wir glücklich damit sind. 

Im Jahr 2015 in Deutschland ist es eigentlich nicht wirklich schwer zufrieden zu sein, auch wenn's nicht perfekt ist.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Ist eine Fehlgeburt ein Tabuthema?

Ich las diesen sehr schön geschriebenen Post von Lareines Fehlgeburt und beschloss mich dazu zu äußern. Könnte man damit nicht mal eine Blogparade starten?

Denn Fehlgeburten sind ja - wie es nicht so schön heißt 'das natürlichste der Welt'. 

Je nach Studienlage werden ca. 75-95% der befruchteten Eizellen nicht ausgetragen und verschwinden: entweder im Klo oder werden in der Klinik entsorgt. Denn machen wir uns nichts vor, auch wenn viele dieser potentiellen Kinder erwünscht wären, nur wenige schaffen es.

Und das ist aus gutem Grund so. Nun mag es an meiner Ausbildung mit Vertiefung in Reproduktionsbiologie, den Semestern voller Genetik und medizinischer Genetik und der Promotion in Embryonalentwicklung liegen, dass ich da einen tieferen Sinn darin sehe, aber für mich macht es tatsächlich Sinn, dass so viele Embryonen absterben oder sich gar nicht erst einnisten. 
Das hat nicht immer mit irgendeiner schlimmen Genmutation zu tun, sondern kann auch an der körperlichen Verfassung der Mutter und dem Zustand ihrer Gebärmutter liegen. Darum soll es mir aber gar nicht gehen.

Für viele Frauen sind Fehlgeburten schlimm. Für mich war es anders. 

Wie LaReine möchte ich jedoch zunächst vom Gefühl reden schwanger zu sein und von der Gewissheit, was passieren würde. 

Bei der Großen klappte es direkt im ersten Zyklus und vom ersten Moment wusste ich, dass ich ein Mädchen bekomme und dass es keine Probleme geben würde. Ebenso wusste ich, dass die Geburt sehr langwierig werden würde. Ich wusste auch, dass ich schwanger war, noch bevor ich einen positiven Test in Händen hielt (es hatte mit gebratenen Schrimps und der Kloschüssel zu tun). Ich bekam leichte Blutungen bei der Einnistung und war über das Blut nicht enttäuscht oder erschreckt, sondern mir war sofort klar: das kommt von der Einnistung.
Nun bin ich wirklich kein Mensch, der an Schicksal, Gott, Übersinnliches oder einen siebten Sinn glaubt. Ich hab nur ein ausgesprochen gutes Körpergefühl und bin auch nicht unbedingt eine ängstliche Natur. Ich hab's einfach gespürt und bin bis heute überzeugt, ich merke einfach, was in meinem Bauch so vor sich geht.

Nach der Großen wollten wir relativ zügig Nr.2 in Angriff nehmen. Das klappte erstmal nicht, weil ich mir mit dem Zyklus schwer tat nach der Geburt. Das Stillen tat ein Übriges. Aber irgendwann war abgestillt und ich konnte sogar einen regelmäßigen Eisprung vermelden. Es klappte auch, aber ich wusste von Anfang an 'das wird nix.' Das war keine sich selbst erfüllende Prophezeiung, denn so funktionieren Schwangerschaften nicht. Es war nur einfach klar, das funktioniert nicht. Positiver Test hin oder her. Ich muss Ende der 8. Woche gewesen sein, als die Blutungen einsetzten. Für mich war das keine Überraschung und auch keine schlimme Erfahrung. Für mich war es ganz natürlich und ich hatte ja Zeit gehabt, mich vorzubereiten. Traurig war ich dennoch, aber nicht sehr. Ich war überzeugt, dass ich noch ein Kind bekäme, nur eben nicht zu diesem Zeitpunkt.

Mir machte es auch die Tatsache sehr leicht, dass ich nicht religiös bin und noch nicht einmal an eine Seele glaube. Ich habe nie das Gefühl gehabt, ein Kind, das eigentlich zu uns wollte, wäre gestorben. Vielleicht, weil ich die biologischen Prozesse im Rahmen einer Fehlgeburt sehr gut verstehe und mir bereits zuvor klar war, dass es Zufall ist, welche Eizelle auf welches Spermium trifft. Ich kann diesen Zufall sehr gut akzeptieren. 

Da ich nicht so der Freund von Arztbesuchen bin und mit dieser Schwangerschaft auch noch nicht beim Arzt war, kam ich gar nicht auf die Idee, dahin zu gehen. Ich dachte, das hätte noch Zeit, wenn die Blutungen gar zu heftig oder lang wären. Ich googelte noch nicht einmal, was bei Fehlgeburten zu machen sei. Es war mir egal, weil ich wieder dieses Körpergefühl hatte, dass mein Körper damit schon zurecht käme und das genügte mir. Ich ertrug die Blutungen und mein Körper hat das ganz erstaunlich gut und schnell und sauber gemeistert.

Bei unserer Kleinen dann, wusste ich noch vor dem Eisprung, das es klappen würde. Haltet mich für verrückt, aber ich hatte es irgendwie im Gefühl, dass das ein Superei war. Und ich kann mit Stolz sagen: Superei macht Superkind. Nein, im Ernst, ich hab irgendwie gespürt, dass ich bereit war und meine Gebärmutter perfekt und ich kann den Tag der Einnistung benennen. Ich wusste einfach, dass es perfekt war und ich hatte keinerlei Angst, dass etwas schief gehen könne. Mein Körper sprach 'alles im grünen Bereich' und das hab ich so geglaubt. 
Darum habe ich mich vielleicht auch immer so über die Ärzte aufgeregt, die immer alles mögliche untersuchen wollten, dabei wollte ich doch nur, dass die Hebamme mir sagte, wir hübsch mein Bauch wächst. Und ich hab jeweils die 2 großen US genossen und mein Baby bewundert (auch wenn Nr.2 sich beide Male beharrlich unter meinen Rippen versteckte und ich im US jeweils nur eine Hand oder einen zappelten Fuß sehen konnte). Ich hab übrigens auch von Beginn der Schwangerschaft an die Vorahnung gehabt, dass ich die Geburt wohl aus Zeitnot ohne PDA oder sonstige Schmerzmittel würde überstehen müssen. Zum Glück hab ich mir auch da 9 Monate lang Mut gemacht. Unvorbereitet wäre ich bestimmt bei diesen Schmerzen in Ohnmacht gefallen.

Ich schreibe das keinesfalls um Frauen zu sagen: Hey, ist doch nicht so tragisch. Passiert eben.
Es geht mir nicht darum, Fehlgeburten einfach abzutun. Ich möchte vielmehr sagen, Fehlgeburten sind tatsächlich viel häufiger als Geburten. Somit ist anzunehmen, dass viele Mütter und auch kinderlose Frauen diese Erfahrung gemacht haben. 
Traurig ist wohl jede Frau, die eine Fehlgeburt hatte, obwohl sie ein Kind will. Und auch Frauen ohne Kinderwunsch sind traurig. Die Hormone leisten da ganze Arbeit. Aber es muss nicht immer tragisch sein. 
Wie 'schlimm' es für die Frau ist, hängt von ihrer Geschichte, ihrer physischen und psychischen Verfassung ab, von ihrem Kinderwunsch, dem Alter, der Anzahl bereits geborener Kinder, der Anzahl bereits erlebter Fehlgeburten und von ihrem Umfeld ab. Eine Fehlgeburt ist so individuell wie ein Kind, wie eine Geburt, wie ein Leben. 
Mir hat diese kurze Schwangerschaft weder etwas von meiner Zuversicht, noch vom Vertrauen in meinen Körper genommen und so habe ich bei beiden erfolgreichen Schwangerschaften auch gleich zu beginn Verwandtschaft und Freunde bedenkenlos informiert. Nur das kleine Intermezzo zwischendrin haben wir für uns behalten, weil ich weder Mitleid, noch unangenehmes Schweigen wollte, wo ich mich doch gar nicht schlecht gefühlt habe.

Und ich wünsche jeder Frau, dass sie dadurch das Vertrauen in ihren Körper nicht verliert. Vielleicht ist nämlich nicht zwingend das verlorene Kind das größte Problem, sondern die Schuldzuweisung hinterher. Eine frühe Fehlgeburt ist mitnichten einfach die Schuld eines versagenden Mutterkörpers. Meist stirbt der Embryo und der Körper der Mutter funktioniert prächtig. 
Außerdem denke ich durchaus, wie Frau mit einer Fehlgeburt umgehen kann ist entscheidend, wie sehr sie darunter leidet. Eine Fehlgeburt jedenfalls ist nur im Ausnahmefall das Ende der Geschichte.

Für mich persönlich wäre es jedoch etwas ganz anderes bei einer späten Fehlgeburt auf normalem Wege ein totes Kind zur Welt zu bringen. Das möchte ich ernsthaft nicht erleben und das würde mich auch ernsthaft psychisch so beeinträchtigen, dass ich auf fremde Hilfe angewiesen wäre. 

Sind Fehlgeburten also ein Tabu? 
Für mich kann ich sagen, für die Fehlgeburten galt bei mir das gleiche wie bei den Geburten: Das Problem hab nicht ich, sondern die anderen. Ich hab es nicht jedem erzählt, weil ich nicht wollte, dass andere sich peinlich berührt fühlen, weil sie nicht wissen was sie sagen sollen. Wer kann schon wissen, wie schlimm oder nicht schlimm das für mich war und ob ich Trost oder einfach nur ein Kopfnicken gebraucht hätte. Bekannte hätten sicher von sich auf mich geschlossen bezüglich der Gefühlslage in der Situation und hätten Angst gehabt, etwas falsch zu machen. Darum: Ja, vielleicht sind Fehlgeburten ein Tabu. Zumindest in einem Umfeld, dass mich nicht gut genug einschätzen kann. 

Meine Mutter und eine Freundin und natürlich der Trüffel wussten davon. Die Freundin hat übrigens sehr von meiner Zuversicht und der eher nüchternen Betrachtungsweise profitiert, hatte sie doch eine Fehlgeburt hinter sich und eine IVF samt PID dank eines Gendefekts ihres Mannes vor sich. Sie war froh, mit mir ihre Erfahrung teilen zu können, ohne dass ich unsicher wurde. Ich konnte ihr etwas von meiner Zuversicht abgeben und ich durfte sie dann sehr eng begleiten bei ihrer Schwangerschaft mit einem gesunden Jungen.

Sonntag, 4. Januar 2015

Sag mal...

Mein nicht-mehr-Baby redet ohne Punkt und Komma. Zwar nicht Deutsch und nicht in mir sonst geläufigen Sprachen, aber das stört niemanden. Man kann sich auch so wunderbar mit ihr unterhalten, denn sie versteht ja alles und seltsamerweise verstehe ich auch immer alles, was sie mir mit ihrem daaadaadumamdadu so erzählt. 

Keinen Käse? Dann lieber Wurst? Nein doch Quark… Kind du kannst nicht nur von Quark leben… Ok, ich hol ja schon den Quark. 
Mein Verhandlungsgeschick lässt noch etwas Spiel für Verbesserungen, aber ansonsten verstehen wir uns prächtig. 

Ein paar Worte kann sie allerdings schon lange und wendet sie auch gerne richtig an:
Ei - Raupe (Die Raupe Nimmersatt ist ihre große Liebe) - Papa - Ente - Biene Maja - Nein - Ja - Nine (bezeichnet ihre große Schwester) - Oma - Opa.

Nur 'Mama' sagt sie nicht. Niemals. 

Sie zeigt nur immer auf mich und dann auf etwas, das sie haben will und sagt 'da!' 

Nun frage ich mich ernsthaft, wie viele Kinder ich bekommen muss, bis mal eines 'Mama' als erstes Wort sagt? Ich meine, ich habe dieses Kind unter üblen Bedingungen ausgetragen, unter Schmerzen auf die Welt gebracht und mit Liebe genährt und umsorgt. Habe ich es da nicht verdient, dass mein Kind 'Mama' zu mir sagt? Hallo? 
Traut sich nicht zu Opa auf den Arm, aber Opa sagen, dass kann die Dame. Ich bin immer nur DA! Los Alte spring! Ich will meinen Quark, aber subito! Nee, is klar.

Und das Schlimmste: Ich frage mich das nicht zum ersten Mal. Nr.1 sagte: Papa - Auto - Nanane und dann brachte ihr der Trüffel 'Dunstabzugshaube' und 'Abenddämmerung' bei. 

Echt jetzt, das ist nicht fair. Nur beim Wickeln, das sie gar nicht mag, schreit sie 'mamamamamam'. Manchmal ist das Leben einfach gemein.