Dienstag, 26. August 2014

Mutter Natur und ihr IQ

Ich ärgere mich. Immer häufiger lese ich in Blogs, aber auch in den sonstigen Medien, von irgendwelchen 'natürlichen' Sachen/Fähigkeiten etc, die Mutter Natur da total schlau eingerichtet hat.

Beliebt sind diese Begriffsverdrehungen in Bezug auf Geburt, Stillen, Nicht-Impfen gegen Kinderkrankheiten, Zufüttermethoden, Lernverhalten und am besten: die Mutter-Kind-Beziehung.

Ja, ist das nicht toll, wie super toll die Natur das gemacht hat? Und dass das alles so toll natürlich ist? Sowieso ist natürlich gut und der Rest ist dann ja wohl künstlich und eher skeptisch zu betrachten…

Jaja, das ist der Tenor der naturbelassenen Aufzucht der Jungen.

Wäre Darwin nicht schon seit 100 Jahren tot, er würde spätestens jetzt tot mit einem spontanen Herzanfall zusammen brechen. Denn Darwin war ein sehr kluger und aufmerksamer Mann und hätte es sicher nicht gerne gesehen, wenn seine Theorie derart verdreht würde.

Ich muss nun ein wenig ausholen, denn das Thema ist extrem schwierig. Evolutionstheorie ist ein komplexes Fachgebiet, das viel Genetik und Statistik beinhaltet. Schon allein bei einer dieser 2 Disziplinen braucht man Jahre harter Arbeit am Thema, um ein einigermaßen grundlegendes Verständnis davon zu erlangen.

Nun möchte ich aber dem geneigten Leser keinesfalls die Intelligenz absprechen, sich eine durch Informationen argumentativ logische oder nachvollziehbare Meinung dazu zu bilden.
Nein, ich möchte eigentlich einen Rant schreiben über die viel gepriesene schlaue Mutter Natur, die das doch ach so toll eingerichtet hat - egal was.

Man mag mir nun glauben oder nicht und ich möchte auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass Darwins ursprüngliche Theorie von der Zuchtwahl - das berühmte 'Survival of the fittest' - heute nur einen kleinen, oft korrigierten Teil der Evolutionstheorie ausmacht. Im Übrigen hat nicht Darwin, sondern ein ziemlich menschenverachtender Philosoph diesen Ausdruck geprägt.

Die Natur ist nämlich leider keine Person, schon gar keine Mutter, und hat darum leider weder einen IQ, noch die Möglichkeit sich den Naturgesetzen zu entziehen. Das mal so nebenbei.

1. Die Selektion
Ja, die ist ein Argument. Ein sehr starkes sogar, nur was Selektion genau heißt, das ist schon etwas schwieriger. Selektion heißt Auswahl. Darwin nannte sie in Bezug auf evolutionäre Prozesse Zuchtwahl, denn sie funktioniert letztlich über die Weitergabe und Kombination der Gene von Eltern auf ihre Nachkommen. 
Das beinhaltet, dass sich nur Individuen fortpflanzen und ihre Gene weitergeben können, die überleben. Zum Überleben brauchen die Individuen Eigenschaften, die sie in der jeweils aktuellen Umgebung überleben lassen. Und nicht nur das, statistisch haben die Individuen z.B. besonders viele Nachkommen, die besonders vorteilhafte Eigenschaften haben. 
Ein Beispiel: Ein Tier überlebt so grad, frisst gerade genug, will sich fortpflanzen… Ein Reptil vielleicht. Es paart sich und legt ein Ei. Es bekommt einen Nachkommen und somit ist die Selektion positiv. Ein anderes Tier jedoch, hat viel zu fressen, ist rund und mollig und paart sich und legt 5 Eier, weil es mehr körperliche Ressourcen hat. Auch hier ist die Selektion positiv, aber Tier 2 hat seine Gene statistisch wesentlich effektiver weitergegeben, als Tier1. 
Hier sieht man, dass Selektion keineswegs bedeutet, das nur der Fitteste überlebt. Es gibt einen großen Graubereich. Auch kranke Tiere überleben, missgebildete Tiere, die pflanzen sich evtl. sogar fort. Aber eben nur in geringem Masse und beeinflussen so die Population nur, wenn sie in großer Zahl auftreten. 
So wie bei uns westlichen Menschen. Bei uns kriegen die Leute nur 1,2 Kinder im Schnitt. Da ist keine evolutionär effektive Selektion möglich. Das geschieht eher langsam und wenig differenziert. Bei uns können auch kranke Menschen Kinder bekommen. Da könnte man meinen, die Selektion funktioniere gar nicht.

2. Die gerichtete Selektion
Das ist aber so nicht wahr, denn auch unter den westlichen Menschen findet Selektion statt. Nur nicht als Totschlagargument. Denn für gerichtete Selektion braucht es Selektionsdruck, der von der Umgebung auf das Individuum ausgeübt wird. 
Der ist nur in Ausnahmefällen so hoch, dass wirklich Tiere aussortiert werden, z.B. in Extremlagen. Am Meeresboden, in der Wüste, im Gebirge etc. Bei uns, in Mittellagen, im gemäßigten, warmen oder kalten Klima, ist der Druck eher mild. Daraus ergibt sich, dass Selektion ein verflucht langsamer und langwieriger Prozess ist.
Und es gibt auch noch eine 2. Folge von mildem/geringem Selektionsdruck: Die Richtung der gerichteten Selektion ist offen. Es gibt keineswegs nur eine Lösung für ein Problem (in diesem Fall ist das der Druck). Das darf man nicht vergessen. Ein schönes Beispiel bei vielen Säugern ist die Adoption/Familienbande. Viele Tierarten lassen Kinder nicht verhungern oder sichern von vorne herein die Aufzucht aller Nachkommen einer Herde, in dem diese von mehreren Mitgliedern versorgt werden.

3. Dem Druck ausweichen
Nicht das Individuum versucht also in langen evolutionären Prozessen dem Druck auszuweichen, sondern die Population. Für Individuum ist der Druck nämlich nur ein spürbares Problem, wenn sich die Umweltbedingungen kurzfristig radikal ändern durch (Natur)Katastrophen. Allerdings sind Individuen kaum in der Lage sich an die Veränderungen anzupassen. Manche überleben kurzfristig nur mit Glück und sterben dann langfristig an den Folgen der Veränderung wie ihre Artgenossen. Das hat man gut nach Tschernobyl beobachten können.

4. Individuum vs. Population
Es gibt also zwei Größen, die für Evolution wichtig sind. Das Individuum und die Gesamtheit aller Individuen auf einem bestimmten Gebiet - die Population. Die Population ist eine wichtige Größe und das 2. wichtige Argument. Sie ist definiert durch die Summe aller Gene und deren Varianten in Bezug auf ein begrenztes Gebiet/ eine Region. Nur die Population kann auf Selektionsdruck und Veränderung  langfristig und populationserhaltend (also durch Anpassung) reagieren. Das hat natürlich positive Auswirkungen auf die Individuen der Population. Es bedeutet z.B., dass wir als Deutsche als Population unseren kranken, fortpflanzungsunfähigen, behinderten Mitmenschen ermöglichen, dennoch Nachkommen groß zu ziehen. 
Statistisch sind die Population und das Individuum also Kenngrößen, die differenziert betrachtet werden müssen. Dabei ist die Rolle der Population wichtiger als die des Individuums. 

5. Zufall
Der Zufall spielt als drittes Argument auch eine wichtige Rolle. Wie schon erwähnt, die Richtung der Selektion ist offen. Und zwar grundsätzlich auch, wenn bereits ein bestimmter Weg von der Population eingeschlagen wurde. 
Ein krankes Baby in Deutschland überlebt und ein gesundes Baby im Kongo wird erschossen oder verhungert. Völlig sinnfrei und doch Selektion. Und mitnichten künstliche Selektion, weil von Menschenhand gemacht. Die Natur hat uns ermöglicht durch unser Hirnwachstum so zu handeln, Waffen zu erfinden, freie Märkte und medizinische Versorgung. All das wird langfristig unsere Evolution beeinflussen und ihr eine Richtung geben. Ganz im Sinne der Natur. Vielleicht leben in 5000 Jahren nur noch Nachkommen von Eltern, die besonders skrupellos auf alles geschossen haben, was sich bewegt. Oder nur solche, die zufällig dort geboren wurden, wo es gute medizinische Versorgung gab. Am wahrscheinlichsten ist, dass in 5000 Jahren nur Nachkommen von Menschen überlebt haben, die immer genug zu essen hatten, medizinische Versorgung gewährleisten konnten und auf Bedrohungen mit technischen Lösungen reagieren konnten. Alles im Sinne der Natur. Alles ganz eingebettet in natürliche Selektionsmechanismen.

6. Tod
Der Tod ist das vierte wichtige Argument. Da die Population wichtig ist und nicht das Individuum, ist es egal, ob es jetzt stirbt oder nachher. Hauptsache ausreichend fortpflanzungsfähige Individuen überleben und sichern die Population bis zur nächsten Generation. Ausreichend - ist dabei aber ein weitgefächerter Begriff.
In der Zucht reichen ein dutzend Zuchttiere (2 Männchen und 10 Weibchen) um eine riesige Population zu erstellen und zu erhalten. Im Labor fängt man einen Stammbaum oft mit 2-5 Foundertieren an. Die 1. Zuchtgeneration wird dabei konsequent durch ausgewählte Nachkommen ersetzt. Eine Bienenkönigin, wenige Männchen - riessen Bienenvolk - fertig. 
Je nach Fortpflanzungsstrategie kann die Natur also das Fortbestehen der Tierart, Rasse, Population sichern. 
Oder auch nicht. Denn was juckt es die Natur, ob Dinosaurier aussterben, Menschen den ganzen Erdball überrennen und zerstören, oder der Mischwald von Fichtenmonokulturen ersetzt wird? 
Die Natur rechnet auch nicht in Ressourcen und ob etwas Verschwendung wäre oder Sinn macht. Entstanden ist alles durch zufällige Genkombinationen, die eine mögliche Entwicklungsrichtung begünstigten. 
Die Natur 'verschwendet' sehr viel, denn sie ist nicht auf Effizienz getrimmt, auf Gewinn. Das ist unser menschliches Denken. Wenn etwas in der Natur mal funktioniert, wird es lediglich weiter verfeinert und optimiert durch den Selektionsdruck. Und zwar nicht, bis es perfekt ist, sondern bis es untergeht, ausstirbt, oder sich in etwas Neues verwandelt.

Und hierin liegt der Grund, weshalb ich mich so ärgere, wenn behauptet wird, Mutter Natur hätte das alles so toll eingefädelt.
Mutter Natur ist keine Mutter, keine reale Person. Wir Menschen sind emphatisch, die Natur nicht. Der Natur ist es sogar egal, wenn nichtmal Bakterien überleben würden. Es ist ihr nicht nur egal, es ist schlicht belanglos. Die Natur kann nicht fühlen, nicht denken und darum auch nicht für uns oder sonstwen sorgen.

Entweder etwas überlebt, oder nicht. Eine Tierart kann sich durchsetzen, wenn die Individuen es schaffen unter den gegebenen Umständen Nachkommen zu produzieren. Wie sie das machen ist völlig belanglos für die Natur, aber wichtig für das Individuum.
Und die bereits etablierten Strategien können dabei auch immer wieder verworfen werden.

Dazu 2 Beispiele:

Kaiserschnitt: Die Hauptsache ist, die Nachkommen kommen auf die Welt, überleben und sind fortpflanzungsfähig. Wir Menschen würden wunderbar überleben, wenn wir alle nur durch Kaiserschnitt geboren würden. Die langfristige Selektion würde dadurch vielleicht gar nicht, positiv oder negativ beeinflusst werden. Das kann keiner sagen. Ob das 'natürlich' ist? Völlig wurschtegal! Millionen Jahre hatten die Säuger schlicht nicht die medizinischen Möglichkeiten dazu. Darum hat sich eine andere Geburtsart durchgesetzt. Und das - nur so am Rande - bei vergleichsweise wenigen Arten. Die meisten Tierarten legen Eier in Nester und kommen damit sehr gut zurecht. 

Beispiel Stillen: Wir haben heute technische Möglichkeiten, die durch die menschliche Evolution entstanden sind. Wir können heute Muttermilch durch Kuhmilch ersetzen und die Babys überleben und können sich später fortpflanzen. Zufällig läuft die Ernährung der Nachkommen bei Säugern über Muttermilch. Aber das ist nun nicht mehr zwingend, also weshalb sollte Muttermilch besser sein als Pulvermilch? Nachgewiesene Nachteile, die eine negative Selektion durch Pulvermilch verursachen würden, gibt es nicht. Wir können ab sofort auf Pulvermilch umstellen und in 50 000 Jahren gäbe es vielleicht eine neue Klasse. Menschen würden fortan nicht mehr zu den Säugern gehören. Was wäre daran falsch? Oder schlecht?

Es geht mir nicht darum, die Argumente anderer klein zu reden. Wer wie gebärt und sein Kind ernährt interessiert mich eigentlich gar nicht. Es geht darum, wie das Argument 'Mutter Natur' eingesetzt wird. Wer damit argumentiert will sein Gegenüber mit einem Totschlagargument zu Schweigen bringen. Und das ärgert mich.

Das Bild von der Mutter Natur, erinnert mich sehr an unsere Vorstellung von dem einen Gott, der uns nach seinem Vorbilde geschaffen hat. Er war ja allwissend und hat darum  - wie Mutter Natur - alles sinnvoll und gut gestaltet. Sollen sich alle religiösen Menschen gerne an dieser Vorstellung erfreuen und Gott als Argument anführen. Da widerspreche ich gar nicht, weil die jeweiligen Weltbilder offensichtlich derart weit voneinander entfernt sind, dass eine Diskussion völlig überflüssig wäre. Es sei denn mein Gegenüber will mich missionieren.

Wenn jedoch minimal-religöse Menschen mit der Natur argumentieren, weil sie offensichtlich nicht mit Gott argumentieren wollen oder können - dann werde ich sauer. Denn Mutter Natur ist eine fadenscheinige Ausrede für: Ich finde das so und so und ich hab recht und ich will, dass du das genauso siehst wie ich, sonst hätte ich ja nicht recht! Mutter Natur heranzuziehen um andere von der eigenen Ideologie zu überzeugen, ist menschlich, aber erzeugt bei mir leider keinerlei Verständnis. 

Bei sowas reagiere ich gereizt. Das ist mein natürlicher Beitrag zur ideologischen Diskussion.

Montag, 18. August 2014

Vom Weiter-Stillen

Das Baby ist nun gute 10 Monate alt. 

Mal ganz ehrlich, ich bin müde. Nicht von zu wenig Schlaf, sondern erschöpft. Es ist diese unterschwellige zehrende Erschöpfung. 

Es ist das viele Stillen. Das macht mich fertig. 

Mein Körper sehnt sich nach Rückzug, nach einem Zyklus, nach Erholung. 

Seit Beginn der Schwangerschaft bin ich ständig krank. Das hält bis heute an. Die Viren freut's, die körperliche Belastung ist enorm. 

Je länger frau stillt, desto mehr Resourcen werden verbraucht. 

Alle proklamieren nur, wie gut das Stillen sei. Nur Vorteile. Keine Nachteile. 

Falsch. 
Es hat sogar ganz schwerwiegende Nachteile. Und ich bin nicht die Einzige, die das so sieht.

Es gibt da nur ein Problem mit dem Abstillen: ich kann nicht.

Es liegt nicht am Baby. Sie isst gut und nimmt problemlos die Flasche. 

ICH kann nicht. Ich kann ihr keine Flasche in die Hand drücken. Das ist einfach komplett falsch. Schaff ich nicht. 

Irgendwas ist mit mir passiert. Es hat mich einfach überrollt und nun weiß ich nicht, wie ich mich dagegen wehren soll. 

Bei der Großen war es ganz einfach. Da hat alles gepasst. Aber dieses Baby, das kann ich nicht loslassen. 

Sie ist mit allem viel früher dran als die Schwester - Essen, Krabbeln, Laufen...
Sie ist schon lang nimmer ein kleines hilfloses Baby. Und nun kann ich die einzige Babysache, die wir noch haben, nicht aufgeben. 

Es ist absurd. Mein Körper schreit: aufhören!
Mein Kopf sagt: niemals!

Und ich? Ich bin soo müde. Und schon wieder erkältet...

Dienstag, 12. August 2014

Neulich auf dem Spielplatz

Also mir ist da was passiert… Ich weiß jetzt nicht, ob ich da lachen oder heulen soll.

Aber von vorn:
Neulich auf dem Spielplatz lernte ich eine junge Mutter kennen. Ihre Tochter ist seit 3 Monaten in unserer Kita und ich hatte sie schon mal gesehen. Allerdings selten, da sie andere Bring- und Abholzeiten hat. 

Nun trafen wir uns also nach der Kita auf dem Spielplatz und sie sprach mich auch direkt an. Total nett, etwas jünger als ich, ein 2jähriges süßes Töchterchen. 

Wir haben uns also gut unterhalten, die Kinder auf der Schaukel angeschubst. Ich hab mich schon gefreut jemanden kennen gelernt zu haben. 

Sie erzählte, sie seien erst aus China hergezogen. Also dachte ich, sie suche wohl Anschluss und sah darin kein Problem. Ich fragte sie aus über China, bis…


…ja bis sie fragte: 'Und was arbeitest du so?'

Eigentlich eine ganz normale Frage, die zwangsläufig irgendwann im Gespräch gestellt wird. 
So erzählte ich, dass ich den PhD in Basel gemacht hätte in Neurobiologie und ich eher so der Biochemiker/Genetiker sei… 

Darauf sie: 'Oh bei wem denn? Ich mach auch Neuroentwicklung. Hab in Göttingen promoviert…'

Ja, sie erzählte dann so und war offensichtlich froh mal auf Verständnis zu treffen. Sie erzählte dann auch, wie sie bei ihrer Nobelpreis-Doktormutter mit 25 die Promotion abschloss und dann eben nach China ging, um dort für einen amerikanischen Nobelpreis-Neuro-Guru ein Labor aufzubauen an einer renommierten Uni, dann ein Baby bekam und wie sie dann jetzt zu ihrer Nobelpreis-Doktormutter zurück gekehrt ist um ihren zweiten PostDoc zu machen (übrigens über ein Thema, womit ich auch schon zu tun hatte). Und ihr Mann arbeitet in einer anderen Stadt und sie wuppt ja jetzt mal Kind und Nobelpreis-PostDoc am MPI alleine. Und es gefalle ihr total hier. Und so…

Ja und dann fragte sie noch, in welcher Gruppe ich denn jetzt arbeite?


Tja, liebe Leute. Da war er also, mein Spiegel. Und mein Spiegelbild schreit mir entgegen: VVVVVeeeeerrrrrssssaaaggggeeeerrrr!

Nee ist klar. Sie wird ja dieses Jahr bestimmt auch schon 30. Sie hat nicht die letzten Monate mit Selbstvorwürfen und Bewerbungsschreiben und nicht-wissen-was-man-mal-werden-will-wenn-man-groß-ist verbracht. 

Zu allem Übel ist sie groß, schlank, mit perfekter Haut und so unglaublich sympathischer Ausstrahlung, dass ich allein deshalb vor Neid erstarren könnte. 

Jaja, ich hab 2 wundervolle Kinder, alle sind gesund und ich bin glücklich verheiratet und ich klage auf hohem Niveau. Ich weiß. 

Aber verdammt! Die macht das, was ich immer machen wollte! Ich wollte auch mal Wissenschaftler werden! Als ich noch jung war… Und als ich noch nicht so ein paar schwerwiegende Fehlentscheidungen getroffen hatte, die eindeutig NICHT zu einer derartigen Karriere führen. Und ja, vielleicht bin ich auch einfach nicht gut genug für eine Nobelpreis-Karriere. VERDAMMT!

Tja, und so lag ich gestern Abend im Bett und war neidisch und hab diese Frau leidenschaftlich gehasst. Dann hab ich beschlossen mich mit ihr anzufreunden, denn sie kann ja nix dafür, dass sie's drauf hat und ich nicht. 
Sie sucht Anschluss und kennt nur wenige Leute hier. Und wahrscheinlich sucht sie nur ne nette Mami zum Quatschen auf dem Spielplatz. Und sie ist nett. Und hat vielleicht niemanden, mit dem sie auch mal Kindersachen besprechen kann. Denn in der Regel haben Wissenschaftler kaum Bekannte mit Kindern. Ihr Leben besteht vielleicht aus Arbeiten, abends Heim kommen, Kind ins Bett bringen und dann noch Paper lesen und warten, bis der Mann Heim kommt. Egal.

Sie ist nett. Also los.

Dafür hat meine Große die hübschere Kindergartentasche! Ätsch!

Freitag, 1. August 2014

Momy-Style

Ein neuer Post zu meinen ausgesprochen Lieblingen. 

Heute im Angebot: Stillkleidung


Was? Braucht ihr nicht? Seid ihr auch ohne zurecht gekommen? Habt ihr nie von gehört?
Tja.

Ich sage: Eine stillende Frau braucht Stillkleidung. 

Warum?

Nun, meine Erfahrung sagt mir, sich halb nackig machen und irgendwo stillen ist weder für die Stillende, noch für das Umfeld ein berauschender Anblick. Nicht, weil stillende Mütter anstößig wären, sondern weil sie ein Hingucker sind. Alle schauen immer hin, weil es eben doch eine ungewöhnliche Situation ist, wenn sich Frauen im Café, in der Strassenbahn, im Wartezimmer, auf dem Autobahnparkplatz - einfach egal wo - mal kurz obenrum frei machen. 

Natürlich ist Stillen was Natürliches und hat auch nix Sexuelles wenn man zuguckt. Aber weggucken kann man ja erst, wenn man zuvor mal richtig hingeschaut hat. 

Das ist vielen Frauen (mich eingenommen) unangenehm und hat nichts mit Prüderie zu tun. 
Abgesehen davon, dass man ungern im Winter halb nackig auf einem Parkplatz rumsitzt und friert, weil das Baby grad mal am Verhungern war.

So manche(r) wird nun sagen, das kann man ja abdecken. Klar. Eine einfache Mullwindel genügt schon, die man sich über die Schulter legt. 
Das funktioniert so ungefähr die ersten 4 Wochen, solange das Baby nicht so gut danach greifen kann. Danach wird das Tuch knallhart immer weggezuppelt. 
Diese Tücher gibt's auch mit Gurt, dass man sie sich fest umlegen kann und ähnlich einem Stillschal um den Hals legt. Jaja, dennoch sehe ich vermehrt Mütter mit Tuch oder Stillschal halb nackig rumsitzen und hektisch alles dorthin verpacken, wo niemand ihre Blöße sehen kann. Denn das Konzept ist gut, das Baby macht dennoch immer alles anders, als es im Handbuch steht.
Und man kann dummerweise nicht sehen, was das Baby macht - es ist ja vom Tuch bedeckt. Wenn also das Baby öfter mal an- und abdockt und eigentlich Mamas ruhige Hand zur Hilfe bräuchte…
Nun ja, es ist aufwendig.

Das kann man so machen. Ich empfehle es nicht.

Denn es geht auch einfacher. Mit einem Stilloberteil. So wird der Stress auf ein Minimum reduziert.

So manche Frau mag mit einem kleinem Baby darum auch eher zu Hause oder in der Nähe des Hauses bleiben. Ich zumindest war immer unterwegs. Viel mit dem ÖV, mit dem Auto, oft in Restaurants, beim Einkaufen natürlich… Ich sitz ungern zu Hause, es sei denn es gießt in Strömen.

Tja und da kam ich natürlich sehr oft in den Genuss mein Kind an den unmöglichsten Orten stillen zu dürfen. Ich war darum immer sehr froh um meine Stillkleidung, denn dadurch geht das so diskret, dass nur wenige überhaupt merken, dass ich grad neben ihnen sitze und stille. Und man sieht auch nichts. 

Bei uns geht das super entspannt, Baby rannehmen, Shirt öffnen, andocken, fertig. 
Kein kalter Rücken, keine Riesenmöpse, die aus einer Oberbekleidungskombination gefummelt werden müssen. So geht Stillen auch ganz einfach in der Trage und sogar nuckelnd einschlafen im Tuch ist fürs Baby kein Problem. Und keiner merkt's. Ich kann sogar nebenher die Große auf Toilette begleiten (denn komischerweise müssen die Kinder immer dann Pipi, wenn's irgendwie grad nicht so geschickt ist für Mama).

Nun gibt es verschiede Varianten an Stillshirts und Kleidern, manche mit Vorteilen, manche mit Nachteilen.

Schlecht sind alle Shirts, bei denen man die ganze Brust irgendwo heraus heben muss. Diese Shirts sind aus sehr dehnfähigem Material, so dass man die Brust einfach über den Ausschnitt rüberhebt wie bei Bellybutton üblich. Das ist aber irgendwie nicht Sinn der Sache.

Ok, aber nicht gerade die beste Lösung sind Shirts z.B. von Milker. Die sind an sich ganz hübsch (Kurz- und Langarm), auch wenn man sofort sieht, dass es ein Stillshirt ist (also eher nix für's Büro). Aber leider leiern die Bündchen an der Brust recht schnell aus und beim Waschen verdrehen sie sich auch grundsätzlich nach oben, so dass man diese Shirts eigentlich grundsätzlich bügeln müsste um ordentlich auszusehen. Das hilft also nicht wirklich. Ich habe dennoch 2 davon und trage diese auch regelmäßig. Halt auf dem Spielplatz oder zu Hause. 
Ähnlich ist das Design von Noopies. Da sind die Stoffe besonders angenehm, aber ich würde eher die wunderschöne und sehr geschickte Babykleidung von denen empfehlen. Sehr gute Qualität.

Begeistert bin ich von der Kollektion von Mammacita Linda. Bei diesen Shirts sieht man nicht direkt, dass es Stillshirts sind, der Stoff ist wunderbar weich und angenehm und sie sehen auch nicht ganz so trist aus. Ich liebe diese Dinger. Die Langarmshirts gibt's auch z.R. mit ausgestellten Ärmeln, besonderen Kragen etc. und vor allem gibt's die alle in superschönen Farben.

Das absolut schlauste Design, das ich bisher gefunden habe ist von VIP-Mama. Die haben sowieso ganz wunderbare Stillkleider, aber bei deren Shirts passt einfach alles. Ich hab da gleich mehrere und find die super! Und der Stoff ist wunderbar weich und vor allem kann man diese Shirts 1000 Mal Waschen ohne große Verluste.

Wer etwas ganz Ausgefallenes will, der darf sich mal bei Mania Stillmode umschauen. Wunderschön, toller Stoff, toller Schnitt und durch die seitlichen Öffnungen sehr diskretes Stillen. Bei sowas gerate ich ins Schwärmen!

Für die kältere Jahreszeit hat vor allem AgnesH einiges im Angebot. Die haben klassisches Design und Pullis mit Öffnung an der Seite und sie haben auch eine ganze Palette wunderbarer Stillkleidung in Übergröße. 


Es gibt natürlich auch noch viele andere Firmen, die Stillkleidung herstellen. In Fachgeschäften kann man sich darüber mal ausführlich beraten lassen. Bei Onlinehändlern kann und sollte man immer nachfragen, wenn man unsicher ist mit der Größe. 

Auch bei der Stillmode gilt: Wer 2 Kinder plant und Stillen möchte, der wird diese Sachen mindestens 1 Jahr lang täglich und am Stück tragen. Man braucht dann auch nicht 20 Shirts, aber halt einige, in denen man sich wohl fühlt. 

Ich habe eine recht ausführliche Garderobe mit der Zeit zusammen gestellt. Da ist für jeden Anlass und jedes Wetter etwas dabei. Und die meisten Teile trage ich auch schon 1,5 Jahre - und kein Ende in Sicht...

Ich würde meine Stillshirts nie wieder hergeben!

Ihr ganz großer Vorteil: Beim Stillen haben Mutter und Kind freie Sicht. Ich kann mein Baby anschauen, ihr über die Wange streichen und mich entspannen. Ich mach mich ja nicht vor Fremden nackig...