Mittwoch, 28. Mai 2014

Ihr Kinderlein kommet

Alle sagen, schreiben, denken, die deutsche Frau wäre im Gebärstreik. Es werden zu wenige Kinder geboren hierzulande. 1,sonstnochwas - zu wenige jedenfalls - pro Frau im gebärfähigem Alter.

Naja, mag sein, dass ich per Zufall immer in den besonders kinderfreundlichen Städten gelandet bin, aber zu wenige Kinder sind hier glaub nicht zu beklagen. Ausnahmslos ALLE Kinder in 2 Kitas bekommen gerade, oder haben bereits Geschwister. 

Wir waren nun öfter im Freibad. Das ist sicher nix für Leute mit Kinderwunsch. So viele Schwangere habe ich in meinem ganzen Leben noch nie auf einem Haufen gesehen. Noch nicht einmal im Zoo, in der Kita oder in der Schwangerenambulanz. 
Ernsthaft. 

Grundsätzlich scheinen alle Familien mindestens 2 Kinder zu haben oder haben zu wollen. Ist euch das nicht auch schon aufgefallen?

Laut Statistik müssten doch 50% der Kinder Einzelkinder sein. So wie ich eines bin. Vielleicht sind die auch schon alle so alt wie ich, denn ich kenne keine Einzelkinder. Es sei denn, sie sind unter 1 Jahr. Nun ist das natürlich keine repräsentative Beobachtung. Aber zumindest wo sich Menschen mit kleinen Kindern - so wie ich - rumtreiben, da gibt's dicke Bäuche en masse.

Eine neue Generation der Baby-Boomer? Eben nur die städtische Variante? Oder tatsächlich ein erster Erfolg der Familienpolitik? Oder setzt sich der Hormondrang durch? Oder bekommen Kinder einen verbesserten Status? Ziel der Emanzipation? Oder einer Gegenbewegung?

Vielleicht leb ich eben nur in kinderreichen Gegenden. Dafür gibt's schon auch Hinweise. Aber so generell… Babys für alle!!!

Montag, 26. Mai 2014

Mama ist langweilig

Heute muss ich mal meine Beobachtungen niederschreiben.
Es mag sein, dass ich da z.T. etwas interpretiere, was andere Mütter wohl nicht so sehen würden. 

Meine Kinder langweilen sich mit mir.
Also nicht so: Mama ist blöd, wir sitzen nur zu Hause und machen nix. Im Gegenteil. Ich tu was ich kann und die Große weiß sich ja auch immer mit mir oder ohne mich zu beschäftigen.
Aber das Baby… Das findet mich öde. Also natürlich liebt sie mich und wir lachen viel und man kann auch schon mit ihr spielen und Quatsch machen und kitzeln und so. Aber so generell ist Mama öde. 
Zu wenig Action!

Das merkte ich mal wieder, als die Große zwei Tage bei Oma in Ferien war. Das Baby ist jetzt kaum 8 Monate alt, aber als sie merkte, dass der Autositz der großen Schwester weg war, da schaute sie mich an und fing an zu brüllen. Die ganze Heimfahrt durch…

Baby liebt ihre große Schwester heiß und innig. Die Große Schwester ist der tollste Mensch auf der Welt, hat immer so tolle bunte Kleider an denen man ziehen kann, hat so coole Spielsachen, die viel besser sind als das Babygedöns, die hüpft und singt immer und es ist nie langweilig mit ihr. Und der kann man immer sein Essen in den Mund stopfen und bekommt dafür was zurückgestopft.

Im Gegensatz dazu ist die Mama ne alte Fregatte. Total öde.
Mama singt auch, aber sie hüpft dazu nicht auf dem Bett. Mama liest dem Baby Babybücher vor und nicht den Grüffelo. Mama baut zwar Bauklotztürme, aber sie jauchzt dabei nicht und hüpft auch nicht durch die Gegend. Mama ist total langweilig. Eigentlich ist Mama nur beim Stillen oder im Tagebuch zu ertragen. 

Ich meine das ernst. Was hab ich nicht alles pädagogisch Wertvolles probiert. Damit kann ich die Babyaufmerksamkeit etwa 2 Minuten auf mich lenken und wir lachen auch, aber dann ist fertig. Die große Schwester hingegen hat die Babyaufmerksamkeit für eine halbe Stunde, bis Baby müde wird.
Ich kann also den Clown machen so viel ich will, mich verstecken, singen, kitzeln, Türme bauen, Sachen verstecken. Alles öde.

Vielleicht eigene ich mich auch nicht als Animateur. Bei Baby 1 hatte ich bereits das gleiche Problem. Sind die Kinder ca. 3 Monate und bekommen schon richtig was mit von der Umwelt, ist die Mama nur noch Statist. Für die Grundversorgung zuständig. 

Das hat man schon der Großen sehr deutlich angemerkt.

Das erleichtert es mir auch wesentlich, meine Kinder schon mit wenigen Monaten in die Kita zu geben (vorausgesetzt, es ist eine sehr gute Kita mit hohem Betreuungsschlüssel). Da ist Action. Und da sind Babys. Mit denen kann man super kuscheln und mit ihnen gemeinsam an der Rasselkatze rumlutschen.

Wer behauptet, Babys würden nur spärlich mit einander interagieren, dem stelle ich gerne meine Erfahrung mit nunmehr 2 Kitababys zur Verfügung. Babys haben bereits beste Babyfreunde, zu denen sie sofort hinkrabbeln, bei deren Erwähnung sie anfangen breit zu lachen und mit denen sie auf der Matratze kuscheln und einschlafen. Klar, sie spielen keine Rollenspiele, aber sie interagieren sehr wohl. Und sie teilen sich ganz friedlich das Spielzeug. Ich hab mal 3 Babys friedlich zusammen an einem Knistertuch lutschen sehen… Da besteht gar kein Zweifel, dass Babys schon Freunde haben können. Und sie fangen auch mit den Freunden zusammen an zu sitzen, zu krabbeln und zu sprechen.

Jedenfalls liebt das Baby die Kita und ich brauch nur den Namen ihrer Freundin oder der Lieblingsbetreuuerin auszusprechen und sie fängt an zu lachen. Das ist schön. Denn wenn ich sie nach 6 Stunden abhole und die große Schwester ist nicht zu Hause… ÖDE!

Damit das Baby nicht in Depressionen verfällt, haben wir sogleich als die große Schwester wieder da war einen Tag im Spassbad verbracht, wo die beiden zusammen im Wellenbad in der Brandung nach ihren Wassertieren jagten und dabei fröhlich jauchzten. 
Mama kann echt einpacken…

Und ja, ich bin neidisch. Mit mir lacht jedes Kind immer nur ein paar Minuten. Zusammen lachen die stundenlang am Stück. Da komm ich mir schon vor, wie ne Spaßbremse...

Dienstag, 20. Mai 2014

Kinder haben ist schön

Das ist jetzt erstmal so ein Statement, bei dem jeder sagt: Klar, die liebt ja ihre Kinder. 

Aber lassen wir das 'es ist so schön, wenn sie einen zum ersten Mal anlächeln' und 'Kinder geben so viel zurück' weg. Das ist nämlich sehr oberflächlich und so gar nicht das, was ich meine.

Also, von vorne. 
Immer wieder lese ich Artikel von jungen Frauen, die zwar gerne mal Kinder hätten, aber sich nicht trauen und eine lange Liste aufzählen können, warum man eventuell jetzt oder auch gleich noch keine Kinder oder überhaupt keine Kinder bekommen will. Eines der Beispiele ist hier, aber es ist bei Weitem nicht das einzige.
Einerseits wird Mutterschaft oft als 'das Natürlichste' der Welt verklärt. Anderseits bekommen junge Frauen Angst davor. Sehr verwirrend und - wie ich finde - sehr unnötig.

Um das eine mal abzuhandeln. Ja, Kinder kriegen ist für die meisten Menschen keine Kunst. Es ist auch Aufgabe der Frauen ein Kind zu bekommen. Das Kinderaufziehen hingegen ist eine große Kunst und die geht alle was an, vor allem beide Elternteile. Das alles hat aber wenig mit Schicksal, Geschlecht oder Zauberei zu tun. In einer halbwegs aufgeklärten Gesellschaft kann sich wirklich jeder in die Kindererziehung mit einbringen (was viele durch Bücher und Blogs auch tun) und vor allem könnte die Kindererziehung so aufgeteilt werden, dass alle damit glücklich sind. Heute besteht in Deutschland die Möglichkeit, verschiede Familien- und Arbeitsmodelle zu leben. Die fallen zwar nicht vom Himmel, sondern man muss sie sich erarbeiten, aber grundsätzlich ist so einiges möglich.

Nun, woher kommt die Angst? 
Ich sehe viele Gründe. 

Zum einen das Gejammer. Mütter sind immer übermüdet, immer gestresst, immer verplant, immer am Organisieren, immer Schuld, wenn mal was nicht perfekt ist, immer verantwortlich, immer erreichbar. Sie machen immer alles falsch, oder alles richtig und gehen anderen Müttern auf die Nerven, weil sie die eigene Unzulänglichkeit vor Augen führen. Mütter müssen beruflich zurückstecken und streiten oft mit dem Kindsvater.
Genau dieses Bild muss eine junge Frau bekommen, wenn sie Zeitung und viele Blogs liest und evtl. dann noch irgend ne blöde TV Sendung zum Thema sieht. 
Mal ehrlich, nichts davon ist wahr. Jedenfalls nicht so, wie es dargestellt wird.

Um das zu untermauern kommt jetzt ein höchst subjektiver Erfahrungsbericht, der zeigt, es ist alles eine Frage der Einstellung.

1. Ich kenne 5 Leute mit offiziellem Burn-out, die in Therapie sind/waren und Medikamente nehmen: Keiner davon hat Kinder. Alle haben sich ihre Krankheit auf der Arbeit geholt.

2. Ja, man ist manchmal müde, aber nicht so fertig wie mit nem Kater.

3. Ein Chef, dem man's nicht recht machen kann und deshalb Angst hat bei der Arbeit erzeugt Stress. Kinder erzeugen keinen Stress. Man muss keine Angst vor ihnen haben, denn die beißen nicht, bellen aber manchmal. Jedenfalls feuern sie einen garantiert nicht, sondern lieben einen immer.

4. Verplant ist nur, wer verplant sein will. Das schaffen auch Menschen ohne Kinder und Verpflichtungen sehr gut. Man kann auch einfach nichts planen und morgens mal die Kinder fragen: Hey, was machen wir heut? Wer meint, dies und das muss aber noch gemacht werden, oder wer unbedingt jeden Abend mit seinen Freunden ein diesen Grillfest aufziehen will, der kann das machen. Für Stress sind dann aber nicht die Kinder verantwortlich. Die sitzen auch gern mal zu Hause und spielen den ganzen Abend Karten. Generell gibt es relativ wenige Sachen, die wirklich gemacht werden müssen.

5. Organisieren muss man, das stimmt. Je besser, umso einfach wird der Alltag. Allerdings gilt: Es kommt immer anders als man denkt. Also reicht ein 'grober' Plan und ein paar feste Eckdaten.

6. Schuld ist so eine Sache. Man meint ja, es müsse immer jemand an irgendwas Schuld sein. So lange nix gravierend schlimmes passiert, kann man die Schuld getrost untern Tisch fallen lassen. Die braucht man nicht unbedingt zum Leben.

7. Perfektionismus. Wer darunter leidet hat vielleicht noch ganz andere Probleme als seine Kinder… Auch den kann man sich abgewöhnen. Zu Hause schaut's aus wie Sau? Kein Problem, das soll der Mann machen, oder die Kids, wenn sie alt genug sind. Keine saubere Wäsche? Bei Kindern eigentlich egal. Die haben 5 Minuten lang was sauberes an, dann hat sich das eh erledigt.

8. Verantwortung, ja die hat man. 

9. Erreichbarkeit. Einer schreit - Mama springt. Oder auch nicht. 

10. Der Beruf. Ja, es ändert sich schon was. Was und wie viel, bestimmt man aber zu einem guten Teil selber. Streit gibt es, aber man muss mit dem anderen Elternteil die Rahmenbedingungen aushandeln. Das ist so. Man muss seine Bedürfnisse artikulieren und dem anderen genau zuhören. Man muss teilen wollen und können und sich auf einander einlassen. Man muss vertrauen. Und man muss Handeln und Entscheiden und darf das nicht auf die lange Bank schieben. Übrigens, wer Entscheidungen treffen kann und will, der hat's im Leben generell leichter seinen Weg zu finden. Man darf eben nur nicht denken, der Weg würde von selbst mit Gold gepflastert vor einem erscheinen und einem ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Man muss auch mit dem Chef Dinge neu aushandeln. Das ist so. Das kann auch schief gehen. Man sollte es in jedem Fall probieren.

Natürlich sind es nicht die einzelnen Punkte, die Angst machen. Es ist die Angst vor der Überforderung. Denn all das trifft ja auch auf den Job zu. Man bekommt also einen 2. Job dazu. Aber man muss sich mal eines klar machen: Wie frei bin ich denn, auch wenn ich keine Kinder habe? 
Auch hier meine Erfahrung: Ohne Kinder hab ich einfach immer gearbeitet. Ich war genauso fremdbestimmt. Frei war ich nicht sonderlich. Ja, ich konnte Sonntags ausschlafen und den ganzen Tag aufm Sofa lümmeln. Das kann ich jetzt nimmer. 
Wenn ich das aber will, kann ich immer noch abends schön Essen gehen, spontan mittags beschliessen ins Freibad zu gehen, ich kann wohnen wo ich will, ich kann fast jeden Urlaub machen, Freunde treffen. Jedenfalls kann ich das. Und ich mach das auch - mit Kindern und Ehemann. Ich besuche mal kurz Freunde an einem Nachmittag in einer anderen Stadt. Ich muss nur eine zusätzliche Tasche mit Wickelzeug, Lätzchen und Milchpulver mitnehmen. Die ist nicht groß.

All das muss man nur tun - jedenfalls wenn man nicht mit jedem Cent rechnen muss.
Denn Kinder kosten Geld. Aber wenn man ein Kind bekommt, muss man auch nicht schon vor der Geburt Unsummen in Ausstattung investieren. Das mal nur so nebenbei. Die laufenden Kosten für Kinder sind allerdings nicht zu unterschätzen. Wenn man jedoch 2 Elternteile zur Verfügung hat, die beide in der Lage sind, Geld zu verdienen und die staatliche Unterstützung hinzu rechnet, dann kann man schon überleben. Man geht halt eher zur Kindertauschbörse, als in die Stadt shoppen.

Man sieht durchaus, mit Kinder ändert sich einiges. Aber nicht grundsätzlich zum Schlechten. Und Zeit wird zu einem kostbaren Gut, das stimmt. Ist sie aber vorher schon, auch wenn man das mit Anfang 20 noch nicht so aufm Schirm hat.

Ich möchte auch erwähnen, dass der einzige Punkt, den ich 'gegen' Kinder gelten lassen würde gar nicht in der Liste vorkommt. Wer ein Kind bekommt, braucht Mut und einen funktionierenden Verdrängungsmechanismus. Zum Glück weiß man das nicht wirklich, wenn man noch keine wirkliche Beziehung zu seinem Kind hat: Man braucht den Mut so unglaublich viel gewinnen zu können, dass es einen zerbricht, wenn man es verliert. Die Angst vor dem Verlust, wäre wirklich das einzige Argument, das ich gelten lassen würde. 

Und nun möchte ich auch noch hinzu fügen, weshalb ich meine Kinder uneingeschränkt als Bereicherung empfinde und sie mich wirklich glücklich machen.

Natürlich sind meine Kinder die wunderbarsten und süssesten Kinder der Welt. Abgesehen davon habe ich mich noch nie so unglaublich tief und frei auf jemanden eingelassen, wie auf meine Kinder. Noch nicht einmal auf den Trüffel. Meine Kinder lieben mich uneingeschränkt, so wie ich sie liebe. Sie müssen nichts dafür tun, nicht artig sein, nicht hübsch, nicht hochbegabt. Meine Kinder lieben mich, weil ich ihre Mama bin und nicht weil ich attraktiv, smart, erfolgreich, reich oder sonstwas bin. Das unterscheidet die Beziehung zu meinen Kindern von allen anderen. Wir lieben uns, egal wer was 'falsch' macht, wer wie laut schreit. 
Es ist nicht einfach ihr Lächeln, oder das Kuscheln, sondern das tiefe Gefühl in mir: Das ist mein Kind und wir gehören zusammen für immer. Und es ist das Gefühl, dass ich meinen Kindern vermitteln kann: Ich bin deine Mama und ich bin da, für immer, egal was passiert. Ich beschütze dich und helfe dir und liebe dich - immer, bedingungslos.
Diese Nähe habe ich nur mit meinen Kindern. Die Unbedingtheit. Und die Freiheit, sie so zu lassen, wie sie sind. Ihnen zuzuschauen, wie sie ihr Leben beginnen. Wie sie ihr Leben gestalten. Ihnen zuzuhören, was sie brauchen, was sie erleben, wie sie alles erleben. Ich habe diese Freiheit, weil ich weiß, dass meine Kinder mich nicht verlassen, weil irgendwo anders eine bessere Mutter ist, eine tollere Perspektive. Ich kann meine Kinder so lassen und lieben, wie sie sind, weil nur ich ihre Mutter bin. Ich bin nicht austauschbar.

Trotz meines manchmal recht naiven Vertrauens in andere Menschen, habe ich dort diese Freiheit nicht. Wenn ich mich anderen öffne, dann werde ich angreifbar. Es entsteht eine Art einseitige Abhängigkeit, die die meisten Menschen als gefährlich einstufen. Auch wenn mir kaum einer was böses will, würde ich nie derart absolutes Vertrauen und so absolutes Einlassen an andere Menschen einfach so herantragen. Ich würde gewisse Sicherheiten verlangen, Konditionen aushandeln. 
Weil das bei meinen Kindern nicht so ist, achte ich besonders darauf, dass ich meine Liebe nicht an Bedingungen knüpfe. Sie ist nicht verhandelbar, sondern das Fundament unserer Beziehung. Keine Konditionen. Darum kann ich sie in Ruhe lassen, muss sie nicht gängeln, hab genug Geduld, auch wenn's mal laut wird, muss selten 'nein' sagen. Darum kann ich meine Bedürfnisse zurück nehmen und mir ihre anhören. Dann kann man immer noch entscheiden, wer wem auf dem Weg folgt (mit Ausnahmen, wie Verkehr etc.). Ich kann fragen: Was willst du? Ohne das Gefühl zu haben zurückstecken zu müssen. Ich kann erkennen was sie wirklich brauchen, ohne abgelenkt zu werden.

Man verändert sich, wenn man Kinder hat. Man lernt viel dazu. Man wird großzügiger und aufmerksamer, gelassener und fröhlicher. Zufriedener. Ich jedenfalls. Und das sind doch keine schlechten Eigenschaften, oder?

Und noch etwas. Ich habe entdeckt, dass diese Beziehung, die ich zu meinen Kindern habe, sich kaum unterscheidet, von der Beziehung zu meinen Eltern. Speziell zu meiner Mutter. Trotz aller Pubertätskonflikte und 'ich mach später mal alles anders' Argumente. Das ist vergessen, wenn man versteht, weshalb es heißt: Blut ist dicker als Wasser. 


Montag, 19. Mai 2014

Wie ich zur Mama wurde

Also über die genauen biologischen Umstände schreibe ich jetzt mal nicht…

Es geht dabei eher um meine Entwicklung.
Nach dem recht unmotivierten Abi folgte ein wunderbares Studium, das mich echt begeisterte. Mir war schon vor Studienbeginn klar, dass ich auch eine Doktorarbeit machen würde. Weiter ging meine Planung allerdings nie. Jedenfalls gab ich nicht nur nach außen das Bild einer ehrgeizigen oder zumindest Karriere-nicht-abgeneigten jungen Frau. So war es auch. Über Kinder machte ich mir in den 20igern keine Gedanken - erstmal.

Das lief auch alles immer sehr gradlinig. Ich war offenbar recht fleissig, solange ich Spaß an einer Sache hatte. Ich arbeitete viel und machte mir nie Gedanken darüber. Auch nicht, was ich mal werden wollte, wenn denn die Unmenge an Ausbildungszeit vorüber sein sollte.

Dann kam der Mann und gleich danach das Kind. Als ich von der ersten Schwangerschaft erfuhr, war ich überglücklich. Naja, nachdem ich mich von dem überraschend starken morgendlichen Übergeben, dass mich in der Dusche heimsuchte, erholt hatte. Da war mir also gleich klar, was los war. Den Test hab ich dann nur gemacht, damit es ein Beweisfoto fürs Babyalbum gab. Da wurde dann auch prompt der 2. Streifen viel schneller und fetter rot, als die Kontrolle. 

Ein Wunschkind also und wir haben uns riesig gefreut. Und ich hatte ja keine Ahnung, was da auf mich zukam. 14 Wochen ganztägiges Erbrechen, die Umstellung auf Tomaten und Äpfel (das einzige, was nicht zum Brechreiz führte), Müdigkeit (aber wie!) - all das nahm ich vollkommen glücklich hin. Die ersten Tritte, der wachsende Bauch, mein Erlahmen auf dem Fahrrad, die Rückenschmerzen (meine Bänder geben schon nach, wenn ich nur an Schwangerschaften denk), all das hab ich in wolkig verklärter Erinnerung. Ich saß am Schreibtisch und tätschelte meinen Bauch. Wie schön das war!

Dann die Geburt, Kinderklinik, Stress, Angst, zu wenig Schlaf, zu wenig Milch, zu wenig Ruhe… Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir uns erholt hatten. Bei 16 Wochen Mutterschutz (eigentlich hab ich ja nach 6 Wochen wieder gearbeitet) und geplantem Segelurlaub und und und, da brauchte es irgendwie etwas länger, bis sich alles geordnet hatte. Ich hab diese Zeit aber nicht als Stress empfunden. Es war nur alles so ungewohnt. So von 100 auf 0 im Beruf und von 0 auf 100 als Mutter. Das empfand ich schon als recht krass. 

Als Ferkelchen dann ein halbes Jahr alt war, wir und uns eingelebt hatten, die Kita gut lief und meine Chefin die ersten Befehlsverweigerungen geschluckt hatte, lief alles sehr leicht. Ich war gerne Mama. Morgens lachte ich mit dem Baby, bei der Arbeit dachte ich nicht mal an das Baby und abends dachte ich nicht an die Arbeit. Ideal. Das hat Spaß gemacht.

Aber ich hatte doch ein wenig länger gebraucht mich auf das neue Familienleben einzulassen. Und auf das Baby. Babyhandling lief zwar recht gut, und ich verstand auch sehr schnell, was die Kleine wann brauchte und wollte. Aber so ein ganz freies auf das Kind einlassen - das war nicht so einfach für mich. 
Ich war ja eigentlich beruflich gewöhnt unglaublich organisiert und diszipliniert zu sein. Wenn ich im 'Arbeitsmodus' war, dann hat mich nichts so schnell ablenken können. Das ist oft noch heute so, wenn ich z.B. in kurzer Zeit etwas im Haushalt machen will. Dann sollte man mich nicht stören, denn ich bin dann so im zack-zack-Modus, dass ich jede Störung tatsächlich auch als störend empfinde. 
Bin ich mit den Kindern zusammen, vermeide ich diesen Modus sehr erfolgreich. Das heiß aber auch, dass in dieser Zeit nix wirklich erledigt wird. 
Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, dass es ja auch so sein soll. Sind wir zusammen, bekommen die Kinder meine volle Aufmerksamkeit. 

Bei all dem verwundert es nicht, dass ich das Mamasein, bei Kind Nr. 2 schon super drauf hatte. Auf das Babyferkelchen konnte ich sofort ganz und gar eingehen und wir haben uns auch von der ersten Minute an super verstanden. 
Generell führt das aber zu 2 Problemchen, denen ich ständig versuche entgegen zu wirken. 
Baby und ich sind ein Herz und eine Seele, sie hängt sehr an mir und ich sehr an ihr. Also versuche ich ständig die große Schwester nicht zu vernachlässigen. Das gelingt mir ganz gut, die Eifersüchteleien sind bisher nicht nennenswert. Aber das strengt mich doch an. Meine Aufmerksamkeit springt ständig vom einen zum anderen. Dabei komme ich nicht mehr zu Ruhe und meine eigenen Grundbedürfnisse (Hunger, volle Blase) gehen schon mal vergessen.

Das zweite Problem ist, dass ich massive mehr Schwierigkeiten habe das Baby loszulassen. Sie wächst mir zu schnell. An Abstillen ist nichtmal zu denken. Kinderwagen statt Trage? No way! Auch wenn mein Rücken irgendwann mal auseinander bricht. Baby ans Babybay gewöhnen oder ihr überhaupt anzugewöhnen, dass sie ohne meine unmittelbare Nähe schläft? Keine Chance. Ich kann das Kind nicht loslassen. Ich kann sie keine Sekunde weinen lassen, auch wenn ich grad aufm Klo sitz oder unter der Dusche bin. Es geht einfach nicht. 

Das ist total verrückt. Auch wenn ich die Große ebenfalls nie schreien lies, so war es doch einfach für mich. Sie schlief im Bettchen neben mir. Ich hatte meinen Platz. Nach sieben Monaten stillte ich dann nur noch nachts. Das lief super. Beim Baby? Ich würde ihr am liebsten gar keinen Brei geben! Auch wenn sie von anderen die Flasche einwandfrei nimmt, ich würde ihr niemals die Flasche geben. Ich brauche sie ganz nah bei mir. 
Habe ich die Große doch eher mechanisch gewickelt, wenn ich müde war, so knutsche ich auch todmüde das Baby 10 mal ab, bevor ich die Windel überhaupt gewechselt hab. Sowieso knutsche ich das Baby die ganze Zeit oder kitzle sie oder puste oder streichle das Köpfchen. All das habe ich bei der Großen auch gemacht, aber lange nicht so exzessiv. 

Ich bin bei Kind 2 zur Übermama geworden. Der volle Hormonrausch. Und arbeite ständig einer möglichen Eifersucht der großen Schwester entgegen. Das gelingt, wie gesagt, momentan recht gut. Doch ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mal vor diesem Problem stehen würde. 
Wie ich mich doch verändert habe…

Und die Karriere? Ja schon. Ich hab kein Problem damit die Kinder in der Kita abzugeben. Aber ganz oben auf der Liste steht nicht die Karriere. Nach den Kindern stehen da der Trüffel und ich und gleich danach kommt Geld verdienen, nicht Karriere. Dinge ändern sich. Nicht, dass ich nicht mindestens 80% arbeiten will. Aber ich will nun 'nur noch' arbeiten, Geld verdienen und sinnvolle Arbeit tun. Ich will nicht mehr der Welt beweisen, dass ich die tollste Wissenschaftlerin sein kann. 
Wie ich mich doch verändert habe...

Dienstag, 13. Mai 2014

Das Gutmenschentum

Es gibt unter Müttern nur Gutmenschen - und solche, die es werden wollen. Offensichtlich.
Man will alles immer richtig, perfekt und sowieso am besten machen. Und dann gnädig mit allen anderen (natürlich nur auf deren Bitte hin) die eigene Weisheit teilen. 

Jedenfalls kommt es mir oft so vor. Der Kalte Krieg ist zurück, nur dass Putin sich nun Mamas Regiment unterzuordnen hat, wenn er gewinnen will.

Es gibt dabei zwei Arten des Wettrüstens.
1. die Offensive
Man stellt demonstrativ den hippsten Kinderwagen, die ergonimischte Trage, das ökologische T-Shirt mit putzigen Motiven oder auch die biologischen selbstbackenen Hafer-Dinkel-Kekse in Tierform jeder anderen Mutter vor die Nase. Nicht zufällig, sondern ganz aufdringlich. Am schlimmsten wird es, wenn einem die Hafer-Dinkel-Kekse angeboten werden, man aus Höflichkeit einen annimmt und dann noch essen muss und natürlich hinterher bekunden, wie super-lecker die doch sind… Man merkt, ich hab da so ein Trauma… Ich hasse Hafer-Dinkel-Kekse! Ich bin doch kein Paarhufer!

Jedenfalls kann man in diesem Fall der betreffenden Mutter zumindest direkt etwas entgegnen, so man sich traut. Oder man wendet sich einfach ab und spielt mit seinem Kind. 

Schlimmer, weil eher hintenherum ist
2. die Unterschwellige

Mütter, die das Praktizieren, bieten einem keine Kekse an. Nein, sie sagen: 'Ich hab da gestern mit Torben-Jörn ein ganz tolles Rezept ausprobiert mit Pastinake, Rosenkohl und Blabla und dann haben wir beide gemeinsam daraus Couscous gemacht.' Das ganze garniert mit deinen unterschwellig besserwisserischen Ton, während man gerade der eigenen Tochter ein Gläschen Obstbrei 'Allerlei' hineinschaufelt. Tja. Da fühlt sich natürlich nur angesprochen, wer sich angesprochen fühlen will, aber wer sich nicht komplett ganz dumm stellen mag, der kann nicht gänzlich weghören. So dick kann das Fell gar nicht sein.

Groß in Mode ist ja derzeit: Windelfreie Babys. Gibt's anscheinend überall. Fördert die Eltern-Kind-Beziehung (seien wir mal ehrlich, es sind eher die Mütter), ist umweltschonend und auch sonst besonders gut. Keine Nachteile. Nicht einen. Wie das Stillen, BLW, Tragen und noch etliches mehr. Da MUSS man das doch toll finden und es MUSS einen der unbändige Drang überkommen, da sofort mitzumachen! 

Äh nee. Ich seh da schon Nachteile. Nicht, dass ich direkt ablehne, was so an mich heran getragen wird. Es ist eher, dass ich gar keine Lust auf sowas habe. Ich mach das, was für mich am Praktischten ist, womit ich gut leben kann und was für mich nicht übermäßig zeitfressend ist oder immens höheren Aufwand bedeutet. 

Ich muss mich darum jetzt mal outen: Meine Kinder essen Brei, weil ich kein Obst und Gemüse rüsten will für den Ausflug. Wir tragen Windeln - immer. Wir frühstücken Fischli, Brezelchen oder Reiskekse, weil man das auf dem Weg zur Kita besser essen kann als Müsli. Wir haben heißbeliebte Zahnpasta mit Erdbeergeschmack, dennoch lehnt es meine Tochter ab auch nur eine echte Erdbeere zu probieren. Mein Baby isst fest Nahrung seit es drei Monate ist, weil es Bock drauf hat. Meine Tochter darf mit Messern und Scheren hantieren (für Erwachsene wohlgemerkt), seit sie 2 geworden ist. Wir gehen aufs Töpfchen. Wir fahren aufm Rummel Achterbahn und Boxauto, aber nicht Riesenrad. Wir trinken grundsätzlich mit Strohhalm aus dem Becher. Wir putzen nie Fenster, sondern malen lieber mit Fingerfarbe was drüber. Wir basteln vorgefertigte Sachen, die man nur noch bekleben muss. Wir haben den Grüffelo nur digital. Wir gehen in Zoos. Wir trinken Milch immernoch aus der Nuckelflasche. Wir räumen nicht oft auf. Wir backen selten (seit das Baby da ist). Wir kochen meist 'schnelle' Sachen. Wir haben eine reichlich gebrauchte Dauerkarte fürs tropische Spassbad um die Ecke. Wir klettern überall rauf und machen auch sonst vieles, was man als Gutmensch eigentlich nicht tun darf. 

Ob ich neidisch bin, auf all die Gutmenschen, die alles richtig machen? Klar. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. 
Rechtfertigen kann ich das natürlich nicht immer. Ich kann damit Leben. 

Mittwoch, 7. Mai 2014

Bettgeflüster

Dieser Post ist nichts für Eltern, die
…nachts aufstehen müssen.
…ständig weinende Kinder trösten müssen.
…strenge Schlafrituale für unabdingbar halten.

Ich habe mit meinen Kindern unfassbares Glück. Sie sind total einfach in der Haltung. Ich kann nicht mitreden bei Schreikindern, dauernden Erkrankungen (obwohl beide in der Kita sind), durchwachten Nächten, schrecklichen ausdauernden Trotzphasen oder sonstigen Problemen. 

Zum Glück.

Das alles ging bisher völlig an mir vorbei und ich hab ehrlich gesagt auch kein Bedürfnis das zu erleben.

Ich möchte heute aber etwas von dem unfassbaren Glück teilen. Naja, vielleicht will ich auch ein bisschen angeben. Aber das ist ja mein Blog - also warum nicht. 

Es soll um eine kleine Gute-Nacht-Geschichte gehen. Sie ereignete sich gestern. Ich war allein mit den Kindern. 

Doch zuerst muss ich ein wenig die Rahmenbedingungen erläutern. 
Wir haben ein Familienbett. Wir haben einfach unser Bett noch ein 2. Mal gekauft und unsere Schlafordnung lautet: Wand - Ferkelchen - Trüffel - ich - Babyferkel - Babybay.
Baby schläft nicht im Babybay sondern immer an mich gekuschelt. War schon immer so.

Zudem gibt es bei uns keine festen Bettgehzeiten. Obwohl die Kinder und die Eltern schon immer zu einer bestimmten Zeit morgens raus müssen. Meine Kinder werden als Nachteulen geboren, das heißt, sie werden erst ab 19 Uhr so richtig wach. Im Bett sind sie meist so um zehn bis halb elf und schlafen dann bis morgens um acht. Dem Ferkelchen reicht das völlig. Schläft sie früher ein, steht sie auch früher auf. Babyferkel macht das, wie Babies das eben so machen und schläft ca. 2 Stunden am Tag und auch von 22-8 Uhr. Beide Kinder schlafen durch - immer.

Wir haben kein festes Ritual außer Zähne putzen und Schlafanzug anziehen. Manchmal gibt's eine Geschichte, manchmal Singen, manchmal nur Kuscheln. Und meine Kinder schlafen immer an ein Elternteil gekuschelt ein. Wir haben nie ausprobiert, die Große alleine einschlafen zu lassen. Es war uns bisher nie ein Bedürfnis.

Als das Baby kam, war eine der größten Sorgen, wie das wohl mit dem Einschlafen funktionieren würde. Unterschiedliche Rhythmen und Bedürfnisse, das Baby hat's auch nicht gern ganz Dunkel…
Das Baby hatte aber von Geburt einen bezaubernden Schlafrhythmus von 23-7 Uhr, den wir im Nu dem des Ferkelchens angeglichen hatten.

Nun, davon soll meine Geschichte handeln. 
Wir kamen vom Spielplatz heim um 18.30. Ich konnte mich nicht recht entscheiden, wer schmutziger war: groß oder klein. Also steckte ich zuerst das Baby in die Wanne. 

Gegen 19 Uhr war die Kleine dann frisch poliert und ich machte mich ans Abendessen. Das dauert immer sehr lange, denn meine Kinder spielen viel mit ihrem Essen, vor allem das Baby. Danach kam die Große in die Wanne - es war etwa 20 Uhr. 
Sie liebt baden und braucht mindestens ne 3/4 Stunde, bis sie da wieder raus kommt. Inzwischen hab ich das Abendessen abgeräumt und mit dem Baby gespielt. 
Dann die Große abduschen und Bettfertig machen. Da war es 21.30 Uhr.

Und ab ins Bett. Baby auf der einen Seite, Ferkelchen auf der anderen. Gestern gab es zwei kurze Geschichten, dann hab ich das Licht ausgemacht. Noch mal Stillen im Liegen: Ich - Baby - Ferkelchen hinten ans Baby gekuschelt. 
Als Baby fertig war, hab ich mich hinter das Ferkelchen gekuschelt und so lagen wir da, wie die Orgelpfeifen. Das Baby erzählte noch ein bisschen was, Ferkelchen tätschelte ihr den Kopf. Dann war plötzlich Stille und ein leises Schnarchen kam auf. Punkt 22 Uhr.

So läuft das immer bei uns, wenn ich allein mit den Kindern bin. Ist der Trüffel zu Hause, übernimmt er meist die Große und die Küche. Theater am Abend machen die Beiden nicht. Warum? Keine Ahnung.

Meine beiden Kuschelkinder sind einfach traumhaft. Und es ist nicht mein Verdienst. Die kamen so zur Welt. Unfassbar, oder?

Klar, sie werden sich schon streiten und es wird auch oft drunter und drüber gehen, aber grundsätzlich sind die total entspannt. Kein Weinen, keine Ausraster beim Zähne putzen. Ich hatte mir das anders vorgestellt, nach allem, was ich so hörte. 
Ich bin einfach ein riesen Glückspilz mit diesen Kindern!!! Und genieße es...