Montag, 31. März 2014

Selbstgebärend

Nachdem ich mich nun durch so manchen Blogbeitrag gelesen habe, den der Hashtag #selbstgeboren zur Folge hatte, bin ich erschüttert. 
Nicht, weil ich mich ausgeschlossen fühle auf Grund eines Kaiserschnitts. Nicht weil schon wieder zwischen guten und bösen Müttern unterschieden wird. 
Ich bin erschüttert davon wie schnell sich so viele Frauen - offenbar geht es ja nur um Frauen - ideologisch verblendet sein müssen oder wenn nicht, wie viele auf die Ideologie anderer Leute so verbissen reagieren. 

Dass dieses geplante Buch besagter Hebamme und die Bedingungen für die Einreichung von Geburtsberichten unterste Schublade ist, versteht sich für mich von selbst. Es ist auch in meinen Augen völlig wurscht, ob es um Schwangerschaft, Geburt, Stillen, Beikost, Schlafen, Erziehung zum Tyrannen oder sonst irgendwas im Zusammenhang mit Familiengründng und Familienleben geht. Wenn ein Mensch - aus welchem Grund auch immer - einer gewissen Idee so sehr verfällt, dass er sie zur Wahrheit erhebt, dann hat das, unabhängig vom Inhalt dieser Idee, nichts mehr mit Vernunft, Verstand oder Logik zu tun. Eine fixe Idee wird zur Ideologie, wenn sich alle Sinnhaftigkeit nur noch auf diese Idee gründet und zu diesem Zeitpunkt ist die Idee für den betreffenden Menschen bereits zur Realität geworden. Es ist für eine Diskussion, für Argumente oder Rücksichtnahme zu spät. 

Zu Recht beschweren sich Mütter, die den Kriterien ihren Geburtsbericht einzureichen 'nicht genügen'. Und doch lassen sich diese Frauen auf eine Scheindebatte ein. Meine Küchenpsychologie sagt mir, dass sie sich verletzt fühlen. Nur, wie kommt es, dass sich so viele Frauen von einer einzigen Hebamme derart verletzen lassen können? Wie kommt diese Hebamme zu so viel Macht?
Doch nur, weil die Frauen sich schon vorher an die Kandare nehmen liessen. Von ebendieser Ideologie. Das erschüttert mich, denn ich denke, es gibt nur wenige Mütter, die umfassende Unterstützung in Bezug auf ihre Kinder brauchen. Wenige im Vergleich dazu, wie viele Frauen Kinder bekommen. Die meisten sind schwanger, bekommen ein Kind und ziehen es groß. Mit allen Ängsten und Problemen, die diese Frauen meistern, ohne dass dabei jemand zu Schaden kommt. Die meisten machen das gut und brauchen sich darum gar nicht erst zu fragen, ob sie etwas 'falsch' gemacht haben. Sie brauchen sich nicht angesprochen zu fühlen und sich damit auseinanderzusetzen.

Nun mag es sein, dass ich ein sehr ausgeprägtes 'ihr-könnt-mich-alle-mal-Bewusstsein' habe, dass ich sehr arrogant bin oder einfach nur ignorant. Denn schon in der in der 5. Klasse dachte ich mir so manches Mal  bei meinem Klassenlehrer 'der schätzt auch viel Sch*** wenn der Tag lang ist'. Ich hab sehr schnell auf Durchzug geschaltet und dass tu ich heute auch noch, wenn mir jemand irgendwas erklären will, ohne, dass ich eine Frage gestellt hätte. Bei Leuten, in deren Sätze 'man muss', ' man sollte' etc vorkommen, versteh ich nur blablablabla… (besonders viel Freude daran hat meine Schwiegermutter, eine pensionierte Lehrerin).

Mag sein, dass andere Leute da nicht so reagieren. 
Fakt ist, dass ich mich dem ganzen Kinderzeugs auch nicht grundsätzlich entziehe. V. a. in der ersten Schwangerschaft, war ich ebenso empfindlich und unsicher. Ich habe mich jedoch dank meiner Eigenart schnell zurückziehen können, wenn ich bei etwas auch nur ein ungutes Gefühl hatte. Freiwillige Isolation braucht aber leider ein gewisses Maß an Selbstvertrauen. Mein Motto war schon seit der Grundschule: Wenn all die anderen Knalltüten das schaffen, dann kann ich das dreimal. Aber das hat auch Konsequenzen. Die muss man erstmal ertragen können.

Ich würde also allen Frauen, die sich angegriffen fühlen, wünschen, dass sie die Kraft und Zeit, die sie in ideologische Scheindebatten stecken, für etwas nutzen, dass ihnen Freude bereitet.

Nun zum Thema 'selbstbestimmte Geburt'. 
HÄÄÄ? 
1. Woher kommt eigentlich die blöde Idee, eine Geburt sei etwas Schönes, Erstrebenswertes, ein besonderer Moment? Geburten waren schon immer ein Risiko im Leben einer Frau und im Leben des Kindes. Ein echt heikler Moment. Und gar nicht lustig. 
Ein gesundes Kind im Arm zu halten, DAS ist etwas Schönes, Erstrebenswertes und ein besonderer Moment!
2. Trotz moderner Medizin, gibt es seeeeeehr viele Frauen, die etwas unter einem Hashtag #selbstgestorben posten könnten. Um ein Haar, wäre es bei mir auch so weit gewesen. 
3. Bei beiden Geburten wäre ich nicht in der Lage gewesen, auch nur zu entscheiden, ob ich Wasser oder Saft trinken will. Ich war total benebelt und rechne meinem Mann hoch an, dass er in diesen Momenten ganz hervorragend die Führung übernahm.
4. Ärzte. Die machen Fehler, vor allem im Auftreten und Vertreten ihrer Meinung. Genauso, wie ich einer Chefärztin schon um den Hals gefallen bin, bin ich schon aufgestanden und hab einem Oberarzt gesagt, er solle mal den Mund halten und mich mit seinem Geschwätz verschonen und bin dann gegangen. Ich hab auch schon eine Nachsorgehebamme rausgeschmissen mit dem Kommentar, sie sei medizinisch unfähig und solle sich erstmal eine geeignete Ausbildung antun, bevor sie über medizinische Befunde nachdenke. 

Sowas ist nicht nett, aber es geht. Auch wenn diejenigen dann beleidigt sind. Man muss es nur tun. 
Mein Körper, mein Kind, meine Schwangerschaft, mein Leben. 

Sicher hätte man das alles diplomatischer ausdrücken können - was die meisten Menschen Dank vermeintlich guter Kinderstube auch tun. Allerdings wird man umso ernster genommen, je deutlicher man sich ausdrückt. Wer sich durchsetzen will, muss den Mund aufmachen - am besten als erstes, bevor jemand anders mit 'man sollte' anfängt. 

Mediziner und Hebammen machen einen tollen Job, und während der Geburt sind sie die Verantwortlichen, WEIL ich nicht zurechnungsfähig bin. Die wollen einem nix Böses, die wollen, dass hinterher alle gesund und munter sind. Dennoch kann ich etwas ablehnen, warum auch immer. Ich muss es nur tun. Vor allem aber kann ich mich, so es die Situation zulässt mit meinem Partner oder einer anderen Person beraten. Geht das nicht, muss ich vertrauen. Wenn ich das eh nicht tue, gehe ich gar nicht erst dorthin, wo man Ärzte findet. 

Für viele Menschen ist es ein Problem, eine Entscheidung zu fällen. Zumal eine wichtige. Agnostiker haben solche Probleme oft. Es ist der Weg der goldenen Mitte, der im Alltag gut funktionieren mag, aber in Extremsituationen oftmals nicht weiter hilft. Wenn eine Entscheidung her muss, dann muss eine Entscheidung gefällt werden und wenn ich mich nicht traue, dann tut es jemand anders. Bei der Geburt in der Klinik eben das medizinische Personal 'in meinem Sinne'. 
Das Problem ist wie immer: Das Kind steckt in mir drin, also muss ich die Konsequenzen tragen. Ich muss damit leben. Egal welche Entscheidung getroffen wurde. 

ABER, das gilt für jede Frau unter Geburt und für jede, die keine Kinder bekommt und für jeden Mann und überhaupt für alle Entscheidungen. So ist das, wenn man erwachsen ist. Darum unterscheidet man ja auch zwischen Erwachesenen und Kindern. 

Mein Fazit war schon vor der ersten Geburt klar: Ich mag Geburten nicht. Ich bin gern schwanger und ich habe gern Kinder, aber ich mag Geburten nicht. Geburten sind nicht lustig. Geburten sind anstrengend und manchmal gefährlich und höllisch schmerzhaft. Ich habe eine Geburt erlebt ohne Eingriffe, ganz ohne Medikamente. Ich hatte keine Kontrolle, konnte keine Pause machen, sondern nur schreien. So laut, dass man mich 2 Stockwerke drüber noch hörte. Die Wehen kamen einfach und ich war allem vollkommen ausgeliefert. Meine einzigen klaren Gedanken waren, dass sich so ein angeschossenes Tier fühlen muss, oder jemand, der schwerverletzt nach einem Unfall im Strassengraben liegt. 
Ich habe auch eine Geburt erlebt mit erheblichen Komplikationen, einem so genannten Trauma. Allerdings war es nicht traumatisch, denn ich konnte ja gar nicht mehr klar denken. Ich lag da und fragte mich nach 15 Stunden, warum die Oberärztin reinkam und dann wieder raus rannte. Und auf einmal war der Raum voller Menschen und die Chefärztin der Klinik hebelte mit bloßen Händen mein Kind aus mir raus und keiner zeigte mir mein Kind. Ich konnte auch nix sehen, weil 5 Leute sich um mein Kind auf dem Wickeltisch scharrten. Und mein Mann ging auch weg und ich lag da und fragte mich, warum denn jetzt alle weg waren und ich da allein lag und sich keiner um mich kümmerte. Welch ein Glück, hab ich nix kapiert. Welch ein Glück, haben alle anderen kapiert, was los war. 

Ich mag Geburten nicht und ich kann auch gut damit leben, wenn andere für mich entscheiden, wenn's sein muss. Und ich werde noch weitere Kinder gebären, auch wenn ich dabei keinen Spaß habe. Ich habe Spaß am Ergebnis.

Warum geht es anderen Frauen nicht so?

Dienstag, 25. März 2014

Baby 2.0

Baby 2 ist anders. So ganz anders.
In vielerlei Hinsicht hatte ich schon öfter das Gefühl, dass Baby 2 einfach schon 'fertiger' auf die Welt kam. Sie lag ja doch einiges überm Termin und als sie da war, war sie gar kein kleines zerbrechliches Baby, nicht zerknautscht oder zart - obwohl sie 50 cm und 3kg war. Also eigentlich eher zierlich, aber eben nicht so richtig frisch geschlüpft. Die Geburt war auch sehr zackig und völlig problemlos. 
Sie war sofort voll da, wach, anlegen und vom ersten Moment hatte sie das Stillen zu 100% drauf. Sie war aufmerksam und ist seither immer fröhlich und sie schläft vom ersten Tag an extrem super. 
Baby 2 war  - wie soll ich es erklären - von der ersten Minute an: da; angekommen, bereit, eben fertig. 

Baby 1 war auch nicht verknautscht, sondern aufmerksam und hat gut geschlafen - aber doch nicht so wie Baby 2. Baby 1 hatte eine lange sehr anstrengende Geburt 3 Tage vor Termin und hat ihren ersten Tag glatt verpennt. Stillen ging an sich gut, aber sie war müde und musste doch erst noch den letzten Schliff lernen wie man trinkt. Dann kam Baby 1 auf die Neointensiv, weil sie krank wurde und so war sie die ersten 4 Wochen ihres Lebens eher schwach und zerbrechlich und brauchte eben etwas länger bis sie sich von all den Strapazen erholt hatte. Auch wenn sie sich problemlos entwickelte, sie hatte nie Babyspeck und machte nie einen properen Buddha-Eindruck. Sie hatte auch die ersten Wochen eine recht ausgeprägte unregelmäßige Atmung, wie sie viele Babys haben. Baby 2 hatte das gar nicht, was enorm für einen fortgeschrittenen Reifeszustand der Lungen und Nerven bei der Geburt spricht.
Ich hab Baby 1 irgendwas um die 9 Monate gestillt, dann hatte ich keinen Bock mehr. Gleichzeitig hatten wir immer ne Flasche dabei und die Kombi klappte super. 

Dennoch stand ich als Neo-Mutter z.B. in den ersten Wochen nachts auf zum Stillen, damit sie auch richtig trinkt und weil ich mich nicht traute, sie zu mir ins Bett zu holen. Dabei lag sie zwar im Babybay, aber ich hatte irgendwie Angst, dass etwas passieren könnte. 

Nach ca. 3 Monaten wurde mir aber auch das zu blöd. Die Atmung hatte nun einen festen tiefen Rhythmus und Baby 1 war auch nicht mehr so zerbrechlich. Da stillte ich sie einfach im Bett und schlief dabei weiter. 
Baby 2 hatte von Anfang an beschlossen, dass sie nur bei mir im Bett schlafen will. Diskussion völlig überflüssig. So schläft sie also immer an mich gekuschelt und schläft eben auch wie ein Vorzeigebaby. Hat sie Hunger, so schreit sie nicht, sondern robbt vom ersten Tag an zu mir her und streichelt meinen Bauch. Andocken, weiterschlafen. Ohne auch nur eine einzige Nacht echte Probleme. Natürlich bei Schnupfen will sie einmal häufiger andocken und nuckelt dann noch danach. Und bei einem Schub gibt's auch 2 Nächte mit 3 Mal Stillen und Nuckeln, aber das ist ja sowas von Luxus… Das kann man noch nicht mal als unruhige Nacht deklarieren.

Das meinte ich mit 'Baby 2 ist irgendwie fertig auf die Welt gekommen'. Die macht so ihr Ding und ich lass sie eben und dann klappt das.

Baby 2 trinket auch aus der Flasche. Am Anfang hab ich noch bei den Schüben und beim Milcheinschuss zugefüttert, weil ich keinen Lust auf Stress und Gequängel hatte. Aber das hatte sich schnell erledigt, weil das Stillen derart easy ist diesmal, dass ich nur stille. In der Kita nimmt sie aber problemlos die Flasche. Sie trinkt auch fast nie lange, sondern 7-10 Minuten kräftig und fertig. Kein Nuckeln, kein Schnuller, einfach ein zufriedenes Baby.

Ich bin froh, nicht nach dem ersten Baby aufgehört zu haben, obwohl ich auch da eine sehr entspannte Mutter war, wie mir immer wieder gesagt wurde. Trotz Vollzeitarbeit ab der 16. Woche. 
Ich hab damals einfach auf Durchzug gestellt, wenn mir irgendjemand was sagen wollte und mich bei Fragen an meine Mutter gewendet. Reines Bauchgefühl. Obwohl ich mich da schon vergleichsweise gut an die Regeln hielt. Der Kinderarzt gab mit z.B. ein Infoblatt, wie und wann man mit Beikost anfangen sollte. Das machte ich auch so und war völlig frustriert, als Baby meinen Brei ignorierte und statt dessen Stinkekäse in sich reinstopfte. Da hab ich auch das Infoblatt in den Müll geschmissen und dem Baby jeweils in die Hand gedrückt, was man mit einem Zahn eben so vernaschen konnte. 

Bei Baby 2 hab ich das gleich ganz anders gemacht. Mit 3 Monaten stibitze sie ein Stück Banane ihrer Schwester und ass es anstandslos. Seither gibt es vermatsches irgendwas, was es bei uns halt so zu Essen gibt. Und sie frisst, als obs kein Morgen gäbe. Alles. Hätte sie bereits einen Zahn, wäre auch das Schnitzel der großen Schwester in Gefahr. Die begehrlichen Blicke sind nicht zu übersehen…

Um zum Punkt zu kommen: Bei Baby 2 ist bei mir das Moto: Immer der Babynase nach. Die weiß genau, was richtig ist und was sie will.
Nicht nur, dass sich die Kinder stark in Charakter und Vorlieben unterscheiden, nein, mit Baby 2 ist alles so unglaublich einfach und ganz natürlich. Ich mach nur, was das Baby mir sagt und denk weiter nicht drüber nach, wie man was wann und wo machen sollte. 

Alle Unsicherheiten sind verflogen und wir haben eine super Zeit mit Baby. Ich hatte das anstrengender in Erinnerung, obwohl Baby 1 auch ein totales Vorzeigebaby war. Aber es war doch nicht so einfach wie jetzt. 

Ich weiß nicht, ob es an der zusätzlichen Zeit im Bauch liegt, oder daran, dass sie eben nicht die erste Tochter ist, aber die Erfahrung ist dennoch wunderbar und ich wünsche das jedem. Baby 2 ist einfach von Anfang an präsent gewesen und es gab null Unsicherheiten. 
So würde ich noch ein Dutzend Babys nehmen. Rein theoretisch jedenfalls.

Mittwoch, 19. März 2014

Hübsche Babys

Ja, Babys sind süß und hübsch und knuddelig und wie sie lachen und blubbern und diese kleinen Fingerchen und erst die kleinen Zehen und überhaupt. Ja und sowieso ist mein Baby das süsseste und beste von allen.

Aber ich muss jetzt mal was sagen. Was total diskriminierendes. 

Babys ohne Haare sind nicht hübsch.

So, jetzt isses raus. Ich finde glatzköpfige, babyspeckige Babys nicht hübsch. Auch wenn sie große Babykulleraugen haben. 

Das erkannte ich nicht zu ersten Mal im Sportkurs, wo ja die Mamis ihre Babys dabei haben. Und viele haben keine Haare. Und das sieht blöd aus. Dieser riesige Kopf mit Dreifachkinn und abstehenden Ohren - ohne Haare. 

Ich hab natürlich leicht reden. Meine Kinder werden mit einem enormen Haarschopf geboren - zumindest die 2, die schon da sind. So dass ich jedesmal schon nach 4 Wochen die Haare schneiden muss, weil sie ihnen in die Augen fallen. Keine Babyhaare, sondern dicke blonde wellige Haare. Lang, sehr lang. Das haben sie von mir, zum Glück. 

Und meine Kinder hatten auch nie ein Dreifachkinn. Sie stecken die Unmengen Milch und feste Nahrung, die sie zu sich nehmen in die Länge. Das Ferkelchen hatte mit 2,5 Jahren schon ordentliche 98cm und das Babyferkel mit nun genau 5 Monaten 71cm. Das ist schon einiges mehr, als der Durchschnitt. Und führt dazu, dass der Babyspeck sich maximal in Pausbäckchen niederschlägt. 

So lagen mir also jeweils drei haarige eher schlanke und drei mopsige Glätzchen zum Vergleich vor und so leid es mir tut, die haarigen Babys sind süßer. Im Übrigen waren alle drei Mädchen. Und alle drei wunderhübsch. 

Was soll ich sagen? Wahrscheinlich sind die Hormons an allem schuld!

Da sitz ich nun, ich armer Tor

und bin so klug als wie zuvor. 

Nun bin ich also an dem Punkt. Der Punkt, an den die meisten Menschen kommen, an dem jede Mutter (seltsamer Weise betrifft das bei uns nicht den Vater) entscheiden muss, wie es weiter geht. Wie wird meine Zukunft aussehen?

Es ist ja nicht so, dass ich das Rad neu erfinden muss. 
Aber dieser Punkt, diese Zeit im Leben fühlt sich nicht komfortabel an. Ich mag das nicht. 

Dabei ist mein Leben mehr als komfortabel. Alle gesund, eine wunderbare Familie, eine große Wohnung in einer Stadt, die doch sehr vieles zu bieten hat, das Geld ist auch nicht knapp. Eigentlich ideal um sich zurück zu lehnen, den Frühling zu genießen und entspannt alles auf sich zu kommen zu lassen. Genug Zeit für die Kinder etc. 

Tja, nee. 
Ich kann nicht schlafen. Ich bin derart gut ausgebildet, dass es mir schon zu den Ohren rauskommt. Und auf meinem Gebiet so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau - ich kann derart viele Techniken und bin wirklich gut - jedes Labor würde sich um mich reissen. Nur eben nicht mit dem Titel. Damit bin ich zu teuer. Ab E13 aufwärts, da müsste ich vielerorts schon selber Gelder mitbringen.

Und will ich überhaupt ins Labor zurück? Eigentlich nein. Ich will keinen PostDoc machen, ich will nicht Professor werden. Also in die Industrie. Aber dort muss man mit dem PhD auch aktiv Forschung betreiben. Das heisst enormen Konkurrenzkampf und 50 Stunden die Woche. Nein, will ich nicht, schaff ich nicht. Auch wenn das Gehalt stimmt. 
Für jede andere Stelle bin ich offiziell überqualifiziert, also zu teuer. Bekannte in Basel in dieser Situation suchen im Schnitt über ein Jahr, obwohl es dort viel Forschung und Pharmaindustrie hat. Und die haben keine Kinder. 

Um ehrlich zu sein, um etwas zur Ruhe zu kommen wünsche ich mir eigentlich einen 80% Job, bei dem ich meinen Urlaub nehmen darf (ich hab in 4 Jahren PhD 9 Wochen Urlaub nicht genommen - so blöd muss man sein) und am Wochenende frei habe. Nur muss halt das Gehalt auch stimmen, weil wir sonst derart schlecht dastehen steuertechnisch, dass es sich auch nicht auf Dauer lohnt. Ach und am liebsten hätte ich auch einen Chef, der mich nicht krank macht.

So viele Wünsche, so viele Fragen und so viele Ängste. Also so fühlen sich alle die Millionen Menschen, die vor eben diesem Problem standen oder stehen. 

Nun, der erste Schritt ist logisch, ein Coaching, eine Stellenvermittlung für meine Berufssparte. Bietet ja jede Uni an, auch das private Institut, an dem der Trüffel arbeitet. Der bekommt ständig Mails von allen möglich Stellen. Coaching und Jobvermittlung für Partner von Wissenschaftlern. Super! War ja aber klar, dass das nur für Professoren gilt - PostDocs sind niederes Gesocks, die sollen sich selber helfen. Das gilt auch für die meisten Kontingente der Kitaplätze. 

Und so sitze ich da und sollte mir jemanden suchen, der mir kompetent (und nicht, weil er mit seinem eigenen Lebensplan gescheitert ist und sich jetzt Coach nennt, weil das eine ungeschützte Bezeichnung ist) weiterhelfen kann. Also mache ich, was jeder in meiner Situation macht. Ich putze, ich wasche, ich koche und blogge und ärgere mich, dass ich am Ende des Tages nicht das gemacht habe, was ich sollte.  

Tja. Kommt Zeit, kommt Rat. Und hoffentlich auch Tat.

Donnerstag, 6. März 2014

Dein Kampf

Das Ferkelchen wird bald 3. Und sie kämpft. Mit mir, mit ihrem Vater aber am meisten mit sich selbst. Und sie tut mir leid dabei.

Es ist oftmals eher subtil, weniger ein offener Konflikt. Sie weiß nicht, was sie malen will und am Ende gefällt ihr das Bild nicht und sie flippt aus. Solche Sachen eben.
Und sie weint viel. Sie wacht nachts auf und liegt trotz Kuscheln stundenlang wach. Sie kämpft. Sie heult, oft, wegen allem und jedem.

Es ist schwer sie dabei zu begleiten. Ich bin eigentlich recht streng. Wenn jetzt essen auf dem Plan steht, ist Essen dran und nicht spielen… Also geraten wir mit unseren Vorstellungen öfter mal aneinander. 

Eigentlich alles normal, möchte man meinen. Da müssen alle durch, sagt man. 
Aber mein Kind, mein wunderbares, zärtliches, liebes Kind weint oft und lacht nicht mehr ununterbrochen. Und ich darf sie in diesen furchtbaren Augenblicken nicht mal mehr in den Arm nehmen, darf nicht kuscheln, darf nicht küssen. Sie kämpft - allein. 

Und dann ist wieder alles gut.

Oft habe ich das Gefühl, sie nimmt mir übel, dass jetzt alles anders ist. Ein Baby - dass sie heiß und innig liebt und ihm vorliest und kuschelt und es streichelt. Aber sie ist böse auf mich. Auf wen denn sonst? Natürlich ist sie böse auf mich. 

Dabei macht sie das wunderbar, so in kürzester Zeit in die Rolle der Großen zu wachsen. Sie lernt schnell, sie verändert sich. Ich sehe das jeden Tag und bin froh, dass mein Kind das so gut hinbekommt. 
Und ich weine stille Tränen. Mein Baby ist kein Baby mehr, sondern bald ein Kindergartenkind. Masslos sich selbst überschätzend und doch hat sie mehr Ahnung vom Kindsein, als ich. Das Baby ist jetzt mein Baby und weiß genau, wie es einen bezaubert. 

Manchmal, wenn Ferkelchen schreit und tobt und Babyferkel lacht und blubbert, dann denke ich 'Ach Ferkelchen, du warst auch mal so süß', oder '…kannst du nicht einfach auch so sein wie deine Schwester?'
Und dann schäme ich mich, denn Ferkelchen ist immer noch so süß, und nein, sie kann nicht so sein wie ihre kleine Schwester. Sie ist sie selbst, ist kein Baby mehr und kämpft mit anderen Problemen. 

Ich wünschte ich könnte ihre Sorgen einfach wegblasen, könnte sie immerzu zum Lachen bringen, müsste ihr nicht Sachen verbieten. Ich versuche sie zu begleiten und ihr eine Stütze zu sein. Aber manchmal, da geht es nicht. Da geht nur Heulen und Toben und unglücklich sein. Und hinterher Trösten. 

Jede ihrer Tränen schmerzt mich, denn ich liebe sie. Ich liebe sie nicht weniger, als vor dem Babyferkel. Doch ich merke, dass es sie schmerzt, nicht mehr die Prinzessin zu sein, die Mama teilen zu müssen. 

Und gestern Abend brachte ich sie ins Bett und sagte ihr, dass ich sie ganz arg lieb hab. Da sagt sie zu mir: 'Ich weiß das Mama.'

Auch wenn im Grunde alles sehr rosig läuft bei uns, es braucht so viel mehr Zeit als Familie mit Baby wieder neu zusammenzuwachsen, als man vorher meint...