Freitag, 26. Dezember 2014

Momywars – mittendrin statt nur dabei

Weihnachten macht mich ratlos. Dieses Jahr bin ich doch tatsächlich tief in den Strudel der Momywars geraten. Und das kam so:


Wir feiern Weihnachten immer bei den Großeltern. Denn wir sind die einzigen Mitglieder der Familie, die nicht geballt an einem Ort wohnen und so packen wir alljährlich das Auto und fahren los. Da meine Eltern dieses Jahr an Weihnachten arbeiten, ging’s ab zur Schwiegerfamilie.
Ich ignorierte das Bauchgrimmen und dachte: Lass dich überraschen, es ist Weihnachten. Fest der Liebe und so...

Es fing eigentlich recht viel versprechend an, der Trüffel bockte ein wenig, denn schon der Gedanke an seine Familie treibt ihm die Schweißperlen auf die Stirn.

Ihr wisst ja inzwischen, dass meine Schwiegermutter ein Traum von einer Frau ist. Ich ertrug also die ewigen Gängeleien mit Fassung – der Kinder wegen...

Es kam dann doch zu einem Gespräch, denn eigentlich wollte ich mal offen mit ihr reden. Es gibt da bestimmte Dinge, über die wir nicht einer Meinung sind.

Ich hatte ernsthaft auf einen Dialog gehofft. Heraus kam eine Anklage, was ich alles falsch mache und am Ende schimpfte sie mich tatsächlich eine schlechte Mutter. Der Grund: Ich würde nicht meinen Kindern zuerst Essen auftun und sie dann abfüllen, bevor ich mir selber Essen auf den Teller schöpfe. Da schnüre sich ihr der Magen zu und sie fände das unverantwortlich. Zuvor hatte ich mir schon vieles angehört in Punkto Erziehung und Essverhalten, was sie gänzlich ablehnenswert findet.
Und zu Beginn unseres Gespräches erklärte sie mir, dass sie für die finanzielle Unterstützung, die sie geben, weil sie den Trüffel und seine Schwester absolut gleich behandeln wollen, ja überhaupt nichts erwarte, noch nicht einmal, dass wir zu Weihnachten kämen… Vorwürfe und Geld: die Kombination des Jahres!

Da stehen wir also – sie die Märtyrerin und ich die schlechte Mutter.

Und ich weiß nicht wie ich darauf reagieren kann, außer eine Entschuldigung zu verlangen. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich einmal in eine Situation komme, in der ich meine 3,5jährige Tochter davor verteidigen möchte, dass sie mit Blumenkohl von Oma gefüttert wird, bis der Teller leer ist, obwohl Madame gar keinen Blumenkohl mag.

Bei Oma läuft es anders, schon klar. Aber wo ist die Grenze?

Wie macht ihr das? Was ist vertretbar, welches Verhalten der Großeltern veranlasst euch zum Einschreiten? Und wie geht es weiter, wenn die Schwiegeroma weder zu Diskussion noch zur Einsicht bereit ist?

Wir haben dann auch festgestellt, dass wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Erziehung haben und da auch nicht zu einem Kompromiss kommen werden. Tja nun.

Jedenfalls ist Weihnachten versaut und mein guter Wille, trotz des permanenten Gestänkers des Trüffels gegen seine Mutter, mit der Schwiegerfamilie gut auszukommen, schwindet.


Es bleibt zu hoffen, dass ihr nicht in Zynismus verfallt, wenn ich euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch wünsche!

Dienstag, 23. Dezember 2014

15 Dinge die...

dich auf's Kinderhaben vorbereiten:


  1. Bringe alle deine CDs in einer Kiste in den Keller. Deine digitale Musik lädst du auf eine externe Festplatte und legst diese in den Keller zu den CDs. Dann lädst du dir 'die Weihnachtsbäckerei', 'Ich geh mit meiner Laterne' und 'Alle Vögel sind schon da' herunter und sorgst dafür dass jeder CD Player, jedes Radio, einfach alles nur noch diese 3 Lieder spielt. In Endlosschleife. Auch im Auto! Radio ist nur für die Verkehrsdurchsagen erlaubt. Du wirst diese zu schätzen lernen.
  2. Lege dir ein Windelkässchen an. 6x am Tag wirst du ca. 30 Cent hinein werfen. Falls du dir Stoffwindeln anschaffen willst, so kaufe dir für den Anfang mal 10 kleine und ca. 18 der Größe zwei. Investiere ca. 400 Euro und freue dich über das Geld, das du sparen wirst. Kaufe dir einen dazugehörigen Windeleimer. Nehme ein Paar Schuhe und suche auf der Straße nach einem Hundehaufen. Fange den Duft mit den Schuhen ein und stelle diese anschließend in den Windeleimer. Wiederhole diese Prozedur regelmäßig. 
  3. Wasche ab sofort regelmäßig: deine Gardinen, alle im Haus verfügbare Bettwäsche und Kissenbezüge und sämtliche Jacken. Mit 'regelmäßig' meine ich alle 5 Tage. Auch die Gardinen. Zu viel Aufwand? Das meinst auch bloß du…
  4. Nimm alle deine Pullis, Hemden, Blusen und Shirts aus dem Schrank. beschmiere sie wahlweise mit: saurer Milch, Butter, Schokolade, Marmelade oder Rotz. Ein kleiner Fleck auf Brusthöhe genügt. Beschmiere jede deiner Hosen mit ein wenig Schlamm. Die Jacken lassen wir jetzt mal außen vor. Gehe jeden Tag ausschließlich mit beschmierten Klamotten zur Arbeit. Ertrage die Blicke mit Gelassenheit und hänge deine Eitelkeit an den Nagel. Gegebenenfalls trage immer Wechselkleidung mit dir und ziehe dich erst am Arbeitsplatz um.
  5. Suche dir jedes halbe Jahr einen Kinderkleiderflohmarkt in deiner Nähe. Kaufe dort für ca. 300 Euro je nach Witterung und Vorliebe Kinderkleider immer der nächst größeren Größe. Ab ca. Gr. 104 kannst du das auf 1x jährlich beschränken. Lerne dort, den anderen Müttern die besten Sachen wegzuschnappen, sei immer als erster da, überleg dir vorher genau was du brauchst, nimm genügend kleines Bargeld mit und 4 große Taschen. Ärgere dich hinterher über die Sachen, die du nicht hättest kaufen sollen (weil kaputt oder doch nicht so hübsch oder falscher Schnitt und darum unpassend). Kaufe KEINE Hüfthosen für 1jährige, keine Socken oder Strumpfhosen mit ausgeleierten Bündchen, und generell nix mit blöden Knöpfen.
  6. Geh und kaufe dir Nähzeug. Unter den Flohmarktkleidern werden sicherlich einige Kleider sein, die sehr verschlissen sind. Sammle alles auf einem Berg und bessere pro Woche 3 Teile mit Nadel und Faden aus. Überlege dir genau, wie du mit dem einfach Nähzeug, den Patch auf die dicke Jeans aufnähen willst. Lege die dicke Jeans so lange auf den Stapel zurück, bis sie als letzte übrig ist.
  7. Packe einen Sack mit Gewichten. Am Anfang legst du 3 Kilo hinein, dann jeden Monat ein weiteres dazu. Trage diesen Sack IMMER auf deinem Arm. Egal, was du machst. Du darfst ihn jede Stunde für 10 Minuten ablegen. In dieser Zeit darfst du zwar Duschen, aber nicht auf Toilette gehen. Das geht nur mit Sack. Auch mindestens 2 Mahlzeiten solltest du mit Sack einnehmen. Wahlweise kannst du den Sack auch in einen 70cm hohen Rucksack packen und diesen bis 9 Kilo vorne, danach auf dem Rücken tragen. Auch auf der Toilette!
  8. Kaufe 5 Großpackungen Lego Duplo und verteile die Steine in der ganzen Wohnung. Vergiss das Bett, die Waschmaschine und den Platz unter dem Esstisch nicht. Verteile die Steinchen gleichmäßig über den Boden und in jede Ecke und in jede Ritze. Sauge alle 2 Tage deine Wohnung, dazu musst du alle Steine einsammeln und danach wieder gleichmäßig verteilen. Besser du gewöhnst dich jetzt schon daran. Nach 3 Jahren bringe alle Steine in einer großen Kiste in den Keller und kaufe 10 Großpackungen Legosteine. Wiederhole die Prozedur.
  9. Befülle deinen Kühlschrank mit: Eiern, Lyoner, Wiener Würstchen, Fischstäbchen und Erdbeerjoghurt. Alle deine sonstigen Vorräte kannst du durch Spagetti und Buchstabennudeln ersetzten. Suche dir eine Gemüse und eine Obstsorte aus, die du am liebsten magst. Es wird ab sofort nur noch diese Sachen zu Essen geben. Du meinst, du könntest für dich und die Kinder getrennt kochen? Klar. Aber du wirst zuerst anfangen, die Würstchenreste der Kinder aufzuessen und schon bald wirst du aufgeben und der Einfachheit mit den Kindern mitessen. Vergiss ausgewogenen Ernährung.
  10. Packe die Rückbank und den halben Kofferraum deines Autos mit Kisten so zu, dass du sie nicht mehr benutzen kannst. Bedenke dass du den Partner und den Wocheneinkauf zusätzlich im Auto verstauen musst. Buche eine Woche Ferien ca. 200km entfernt von deinem Wohnort auf einem Bauernhof. Bedenke, dass du und dein Partner nur den halben Kofferraum für Gepäck zur Verfügung habt! Genieße das Muhen der Kühe beim Melken um 5 Uhr früh. Fuchtle alle Fliegen von deinem Gewichtesack fern. Den ganzen Tag.
  11. Kaufe Kinderschuhe. Pro Saison für 50-100 Euro, je nach Budget. Solltest du dich für hübsche Sandalen oder Lederschuhe entscheiden, bearbeite diese zu Hause so lange bis sie aussehen, als hättest du sie im Kleiderkontainer gefunden. Die Gummistiefel brauchst du nicht zu bearbeiten, die sind dagegen resistent.
  12. Nehme pro Größe und Saison einen Betrag für schöne neue Kleidung, die du mit Liebe für die Kleinen aussuchst. Mache auf jedes Teil einen Fleck aus: Fett, Mango oder Karotte. Schöne Bodys schmierst du mit… ach lassen wir das. Erfreu dich an den schönes Bodys so lange du kannst.
  13. Biete 1 Mal im Monat in der Kita deiner Wahl an, eine Stunde vorzulesen. Nehme in dieser Stunde möglichst viele Kinder auf den Schoß und lass dich von ihnen bepatschen. Du wirst erkennen, dass kein Geheimlabor für biologische Kriegsführung derart viele miese Infektionen auf die Menschheit loslassen kann.
  14. Lege dir eine Frisur zu, die dir ermöglicht morgens nach 10 Minuten das Badezimmer zu verlassen.
  15. Kaufe dir einen Skianzug. Außer im Hochsommer wirst du diesen von nun an jedes Mal anlegen, wenn du ein Gebäude verlässt. Nimm dir die Zeit, du wirst sie brauchen...
Wenn man Kinder bekommt, reden alle nur von schlaflosen Nächten. Ich habe festgestellt, dass die gar nicht wirklich das Problem sind. Hab ich einen Punkt vergessen?

Freitag, 5. Dezember 2014

Geteiltes Leid...

…ist eben genau das, geteiltes Leid, nicht etwa halbes Leid.
An sich mag es ich es ja, wenn mir jemand etwas mitteilt, weil er meint, ich könne ihn oder sie verstehen und mich adäquat verhalten. Es ist so etwas wie ein Kompliment.

Etwas anderes ist das mit Blogs. Ich bin nicht sicher, ob der Schreiberling da wirklich etwas teilen will, oder ob er nur anonym der Welt irgendetwas mitteilt, weil ihm oder ihr ja sonst keiner wirklich zuhört. Es hat eher etwas von Tagebuch schreiben. Man schreibt für sich selber, aber auch um die Reaktionen der Umwelt darauf zu ergründen. Und so erwartet man auch gewisse Reaktionen der Leser.
Schreibt man z.B. etwas Peinliches, erwartet man Kommentare mit Emoticons, bei etwas Traurigem erwartet man Trost, bei etwas Erfreulichem Glückwünsche etc.

Bei Mamablogs erwartet man grundsätzlich auch noch Solidarität oder zumindest Verständnis. 

Darum gehe ich davon aus, das Kritik am Schreiberling nicht erwünscht ist auf privaten Blogs.

Nun bin ich aber ins Nachdenken gekommen. Mamablogs haben ja ein spezielles Feature: vielfach werden Geburtsberichte veröffentlicht. Und das finde ich krass.
Nicht so krass wie die Mutter zu Beginn der Rückbildung, die schamlos - aber noch unter dem Eindruck des Erlebten - wildfremden Frauen (also mir) von Dammrissen und übermäßigen Wochenbettblutungen erzählen. Jaja, das erzählt man vielleicht seiner besten Freundin, aber ich will eigentlich wirklich nicht wissen, mit wie vielen Stichen die Dame, die da neben mir turnt, zusammen geflickt wurde. Jedenfalls ist die Geschichte mit dem Dammriss geblieben, während ich den Namen der guten Dame nach 5 Sekunden vergessen hatte. Und wenn ich sie nun in der Drogerie treffe und grüße, dann muss ich mir immer vorstellen, wie da eine Assistenzärztin an ihr rumgefummelt hat und… egal. Ihr versteht, was ich meine. Ich will nicht von einer Unbekannten einen ausführlichen Geburtsbericht anhören müssen. Das ist Bäh.

Nun aber zu den Geburtsberichten auf Mamablogs.
Ich selber habe schon mehrere davon gelesen. Es ist da wie mit dem Naschen. Wenn der Kinderriegel da nur lang genug auf dem Tisch herum gelegen hat, dann gibt man entnervt auf und isst ihn halt. So geht es auch mit Geburtsberichten. Irgendwann liest man sie halt. Nicht wegen des Zuckergehaltes, sondern weil man sich an seine eigenen Geburten erinnert und entweder Menschen mit gleichen Erfahrungen sucht, oder einfach neugierig ist.

Zunehmend werden ja auch Geburtsberichte gebloggt, die unter 'war halt schmerzhaft, war halt ne normale Geburt' einsortiert werden können. Aber vor allem schreiben auch Frauen, die nicht mit den Geburten glücklich waren. Diese Frauen machen das ja für sich. Und durch Kommentare von Frauen mit gleichen Erfahrungen fühlen sie sich weniger allein mit ihren Erlebnissen und Gefühlen. 

Aber was macht es mit mir, Geburtsberichte von fremden Frauen zu lesen, zum Teil mit Erfahrungen, die ich gar nicht nachvollziehen kann?

Ich habe damit irgendwie ein Problem. Klar, ich muss das nicht lesen. Und ich kann's ja nach dem Lesen auch einfach wieder vergessen. Aber Geburtsberichte haben eine Eigenheit: sie sind persönlich. Hier geht's an die Substanz. 
Bloggt also eine Mama darüber, dass das Baby den selbst gekochten Karottenbrei nicht mag, denk ich mir noch nicht mal meinen Teil und vergess alles gleich wieder. Aber bei richtig persönlichen Texten geht das nicht so gut. Denn ich bin ja ein emphatischer Mensch. Und vielleicht ist genau das so irritierend für mich. 

Ich bin emphatisch, kann mich eigentlich gut in andere hineinversetzen und wirklich mitfühlend sein. Aber nur bei Sachen, die entweder auch in meinem eigenen Erfahrungsschatz zu finden sind, oder die nicht so komplex sind.
Ich kann mir also vorstellen, wie es ist Wehen zu haben, aber ich kann mir überhaupt gar nicht vorstellen, wie ein Kaiserschnitt ist und welche Auswirkungen der haben kann. Ich kann's einfach nicht. Tut mir leid, liebe KS Mütter. Ich hab keine Ahnung, wovon ihr da sprecht. 

Ich kann mir im Übrigen sehr viele Sachen nicht vorstellen und ich habe da auch kein Bedürfnis danach.

Was also macht so ein Geburtsbericht über KS inklusive Trauma und Versagensgefühlen mit mir? Ganz ehrlich? Der erste Gedanke ist bei mir tatsächlich: Hey, ihr seid beide gesund, steigere dich da nicht so rein. Hätte ja schlimmer kommen können.
Ja, das ist nicht gerade die feine Art. Genau genommen ist es eigentlich nur meine Art, denn ich lege keinen Wert auf eine schöne Geburt und ich bin dafür alles schnell zu vergessen, wenn's dann endlich vorbei ist. Ich bin da ziemlich biologistisch und sehr wenig gefühlsbetont. 

Ich lese also einen Bericht und es kommt erst mal keine tröstende Solidarität auf. Dabei bescheinigte mir die Hebamme nach der ersten Geburt, dass Kind und ich eigentlich traumarisiert sein müssten. Allerdings war ich das nicht, denn ich hab einfach auf Durchzug geschaltet und die Hebamme rausgeworfen. Das ist meine Strategie. Ich habe bisher noch niemanden kennen gelernt, der ähnlich rabiat ist. Ich bin sehr eigen, aber ich denke, seit der ersten Schwangerschaft, hat sich das noch wesentlich gesteigert.

Auch wenn ich diese Geburtsberichte offensichtlich nicht nachvollziehen kann, wie so Vieles was Frauen rund ums Kinder kriegen/haben tun, heißt das für mich in dem Fall, ich gebe meine Meinung zu dem jeweiligen Bericht nicht ab. Ich äußere mich eben nicht. Und in diesem Fall ist es dann auch gut, wenn ich diese Frauen nicht persönlich treffe und ihnen nicht von Angesicht zu Angesicht Solidarität vorspielen muss. Denn die empfinde ich eben nicht. Genauso wenig würde ich je zu einem Bloggertreffen gehen, denn da würde ich Frauen begegnen, von denen ich viel zu viel Persönliches gelesen habe und die von mir viel zu viel Persönliches wissen. Ich wäre die ganze Zeit beschäftigt Themen zu umschiffen, bei denen unsere Meinungen auseinander gehen…

Wie gesagt, ich muss die Geburtsberichte ja nicht lesen. Tu ich aber trotzdem. Und sie lösen in mir noch etwas ganz anderes aus: Verwunderung.

Verwunderung über die Vorstellungen, wie Geburten sein müssten und die zwangsläufige Enttäuschung hinterher. Ich verstehe einfach nicht, wer auf die Idee kam, Geburten als etwas Schönes zu propagieren? Geburten sind IMMER schmerzhaft. Und da Schmerz mich nicht antörnt, sondern mich zum Weinen bringt, kam ich noch nie auf die Idee, etwas Schmerzhaftes könne schön sein. Haltet mich für doof, aber so einfach bin ich gestrickt: 
Schmerz - nicht wünschenswert. Kein Schmerz - wünschenswert. 
Also Geburt nicht wünschenswert, Baby sehr wünschenswert. 

Leider steht vor einem Baby immer erstmal eine Geburt, da muss man halt durch. Und wenn sie rum ist, dann zählt nur noch das Ergebnis. Vielleicht haben mir darum meine Geburten nicht besonders zugesetzt. Sie haben mich sehr beeindruckt, weil ich von vielen Aspekten einer Geburt keine Vorstellung hatte. Selbst die Schmerzintensiät der Wehen hat mich beeindruckt. 
Vielleicht lag's auch einfach daran, dass mein Gehirn direkt bei der ersten Wehe auf Notstrom schaltet und mein Denken nicht an die Notstromversorgung angeschlossen ist. Ernsthaft, ich habe es bei beiden Geburten während der Wehen nicht einmal mehr geschafft, die einfachsten Dinge zu denken, geschweige denn irgendetwas zu entscheiden.

Nun, mein Gehirn hat da offensichtlich einen Not-Aus-Knopf auf den das Kind drücken muss, wenn es raus will. Ich finde das super. Und ich finde es aufrichtig schade, dass andere Frauen das nicht haben. Ich würde das jeder gönnen. Leider hilft das nicht und es hilft auch nichts zu sagen, kleb dir am Tag des positiven Tests Augen, Mund und Ohren zu und ignorier einfach alles was über Geburt und Kinder zu sehen, zu lesen und zu hören ist und mach, was du für richtig hältst. Wenn es doch so einfach wäre… Ich für mich bin froh, dass ich das recht gut beherrsche.

Ich lese also diese Berichte, denke mir meinen Teil und hoffe die Schreiberin kann mit der Anteilnahme anderer etwas anfangen. Ich kann dazu wenig beitragen.

Nur eines vielleicht - da wir uns eh nie begegnen:
Als bei Nr.2 die Presswehen anfingen saß ich gerade auf der Toilette. Mein einziger Gedanke als ich anfing zu pressen war: Nein! Hilfe!!! Ich kann ganz unmöglich mein Baby in die benutzte Toilette plumpsen lassen! Ich muss wenigstens zuerst spülen...

Freitag, 28. November 2014

Things that never happened before

Ich mache ein neues Label auf. Da hinein kommen alle Merkwürdigkeiten und Begebenheiten, die ich so nicht für möglich gehalten hätte, die aber passieren. Und zwar mir. Heute.

Aber von Anfang an: Die Große wird für ein paar Tage zum Schwiegermonster zur Oma in Ferien gehen. Das macht sie gerne und da die Oma ja weiters weg wohnt und sich doch um Kontakt bemüht, finde ich das eigentlich gut. 

Also kommen morgen die Schwiegereltern angefahren und nehmen das Kind dann mit. Der findigen Leserin wird sofort gewahr, welches Problem ich damit habe. PANIK! Die Schwiegermutter kommt und, mal ehrlich, die Wohnung ist ein Saustall. Ich würde noch nicht einmal den Vorwerkvertreter herein bitten wollen, so dreckig ist der Boden. Putzen steht auf meiner ToDo-Liste grundsätzlich an letzter Stelle.

Nun ist es bei mir eben ein Reflex zu putzen, wenn sich die Schwiegermutter ankündigt. Nicht weil ich das Genörgel und die schrägen Blicke fürchte, nein, weil die Dame im Stande ist und selbst Hand anlegt. Und das geht GAR NICHT in MEINER Wohnung. Sie davon abzubringen würde wohl den endgültigen Bruch zur Folge haben. Darum: Wehret den Anfängen!

Ich putze also hier und da, dies und das, bis nur noch Einzelheiten übrig sind - und der Boden. Völlig verdreckte Dinge beschloss ich in der Duschtasse erst einmal einzuweichen. Ich sammelte alles ein, legte es hinein und lies Wasser ein. Wie ich da so stehe und schaue, entdecke ich die ganzen Wollmäuse in den Ecken und ruckzuck zücke ich den Staubsauger.

Man ist das dreckig und so sauge ich geschlagene 20 Minuten die ganze Wohnung, jede Ecke, jeden Winkel. Als ich den Staubsauger ausschalte, höre ich so ein seltsames Geräusch, wie ein Gluckern und Plätschern…

Ja, meine Lieben, das Wasser lief und lief. In die Dusche, von dort ins Bad und auf dem Flur konnte ich es  - flink wie ich bin - auch schon aufhalten. Ja also, was soll ich sagen. Ich kam mir ziemlich blöd vor, als ich eine Stunde lang mit dem Lappen alles aufwischte (merke, ein Nasssauger hätte heute nicht geschadet) und Tropfen für Tropfen in den Abguss auswringen durfte.

Ich betrachte nun meinen Boden als blitzeblank gewischt und den Muskelkater in den Fingern vom Auswringen als gerechte Strafe. Oder wie die Schwiegermutter stets sagt: Wer's nicht im Kopf hat…

Habt ihr auch solche Geschichten, die ihr der Schwiegermutter lieber verschweigt? Und am liebsten allen anderen auch?

Donnerstag, 27. November 2014

Entwöhnung

Ich hab voll die tollen Kinder. Die nehmen mir jegliche Erziehungsaufgaben ab. Super für mich…

Miniferkel verliert das Interesse am Stillen. Sie bekommt mittlerweile abends 1 Flasche. Und tagsüber schüttelt sie nun ständig den Kopf, wenn ich sie nach Milch frage und auf die Brust deute. So bin ich mittlerweile im Absstillmodus. Wenn irgendwann so wenig Milch kommt, dass sie sich dafür nimmer interessiert, gern. Ich rechne jeden Tag damit, denn ich habe noch nicht einmal ein Völlegefühl, wenn sie den ganzen Tag nicht an der Brust trinkt.

Interessanter fand ich da die Entwöhnung, die Madame Kindergartenferkel letzte Woche durchmachte. Kalter Entzug. Vom Schnulli. Auf eigenen Wunsch.

Nun, die Dame hatte ihren Schnulli seit 2 Jahren sowieso nur zum Einschlafen. Da allerdings war er unabdingbar. Nun tat die Mutter aber etwas, was sie zuvor noch nie getan hatte. Wir waren abends unterwegs, sie wollte/sollte im Auto einschlafen und Mama hatte den Schnulli vergessen. Ich fing schon an, mir Vorwürfe zu machen, aber die Dame schniefte nicht, machte gar kein Theater und schlief friedlich ein. Ohne Schnulli.

Am nächsten Tag dann erkannte sie wohl, dass es auch ohne geht, daraufhin packten wir unser Schnullersortiment in eine Tasche und die Dame spendete sie dem Schnullerbaum. Einfach so. 
Auf die Frage, ob sie denn nun traurig sei, antwortete sie: 'Ja, ich bin traurig. Aber ich finde es trotzdem richtig so.' Klingt irgendwie nicht wirklich nach Kleinkind, oder?

Seither sind wir ein gänzlich schnullerfreier Haushalt. Ohne, dass ich das geplant hatte.

Ich war da schon sehr stolz auf mein Kind. Keine Träne, keine Klagen. 

Sauber wurde sie auch so. Ich meinte nur, ob es nicht mal an der Zeit wäre, weil ich genau wusste, physisch wäre eine Windel schon eine Weile nicht mehr nötig gewesen. Aber an einem Tag beschloss sie, jetzt ohne Windel zu leben und hat auch seither nie in die Hose gemacht. Einfach so.

Tja, so geht's eben. 90% aller Probleme lösen sich von selbst. Nicht, dass Windel oder Schnulli ein Problem gewesen wären. Los sind wir sie nun trotzdem.

Und das Kind wird jetzt groß. Kein Kleinkind mehr. War abzusehen. Ist trotzdem gewöhnungsbedürftig.

Montag, 24. November 2014

Bleibt alles anders

Es ist die Nacht vor meinem Geburtstag. Wir haben Freunde eingeladen. Es gibt thailändisches Essen, die Gäste sitzen um den großen Tisch. Viel Lachen, ein paar Geschenke. Gin Tonic und japanischer Wein. Die kleine Studentenbude platzt aus allen Nähten. Wir leben zu zweit in der kleinen Einliegerwohnung im Parterre des Elternhauses meines Freundes. Aber es ist feucht-fröhlich und harmlos ausgelassen, wie es nur in der Studienzeit sein kann. In meinem Studiengang sind wir nur wenige, und die noch unterteilt in kleine Grüppchen. Es sind auch noch Freunde da, die ich über meinen Freund kennen gelernt habe. Alles ist so einfach und so unbeschwert. Ich genieße das. Ich werde morgen 23, schreibe gerade meine Diplomarbeit und genüge mir vollkommen selber. Am nächsten Morgen erwache ich spät, ohne Wecker. Ich schwänze die erste Vorlesung und gehe erstmal unter die Dusche...




Es ist die Nacht vor meinem Geburtstag. Ich habe keine Freunde eingeladen. Ich habe hier auch eigentlich nur eine Freundin. Die hat ebenso 2 kleine Kinder und einen Lebensgefährten, der sich lieber raushält. Sie wird mir beim nächsten gemeinsamen Spielplatzbesuch zur Feier des Tages einen Coffee to go mitbringen. Es ist also spät abends. Das Baby ist schreien aufgewacht. Ich trage die kleine Dame herum. Seit 2 Stunden. Es sind die Backenzähne. Sie hat Beißring und Hand bis zum Anschlag im Mund, Zahngel hilft nicht. Lidocain hilft uns nicht besonders. Meine Oma, meine Mutter und ich haben das gleiche Problem. Es hat mit der Verstoffwechselung von Lidocain zu tun. Sie schreit schmerzerfüllt, ich gönne ihr etwas Paracetamol, dann schläft sie erschöpft ein. Ich habe mich mit der Kleinen ins Gästebett verkrümelt. Sie wird diese Nacht etwa alle 2 Stunden schreien erwachen und Trost brauchen. Der arme Wurm. Morgens klingelt der Wecker. Ich mache ihn aus und döse augenblicklich wieder ein. Dann schrecke ich hoch. Scheiße, heute ist Zootag. Die Kinder müssen um 8 Uhr im Kindergarten sein. Verdammt. Es ist mein 33. Geburtstag. Hektisch ziehen wir Eltern die Kinder an. Reiskeks wird im Auto gemümmelt, während ich mit der CD Weihnachtslieder trällere. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig. Kaum sind die Kinder im Bus verschwunden, habe ich nur ein einziges Bedürfnis: Kaffee! Jetzt! Ich hab ne Menge Arbeit zu erledigen und nichts davon gehört zu meinen Favorits. Vom Trüffel bekomme ich dieses Jahr ein besonderes Geschenk: Der Zahnarzt hat die Rechnung geschickt, die bezahlt diesmal er. Ich denke an den weiteren Zahnarzttermin diese Woche. Verdammt, warum wirkt Lidocain bei mir nicht…




Es ist jetzt nicht alles schlechter als damals, aber damals war mein Leben eben schon ganz anders.

Dienstag, 18. November 2014

Quarkpackung


Ich sollte mir gründlich überlegen, ob es bei uns je wieder Quark gibt. Das ist nicht das erste Mal.



Ich zahl, was es kostet

Das ist so. Und ist vielleicht deshalb zu einem meiner Mottos geworden. 
Zum Glück kann ich mir wesentlich mehr leisten, als ca.70% der Weltbevölkerung. Und ich gebe mein Geld mit vollen Händen aus.

Wie ich darauf komme? Durch den Kindergarten.
Meine Kinder gehen in einen privaten Kiga/Kita. Im Monat macht das für beide Damen 1900 Euro.
Das ist viel Geld, das wir komischerweise auch nicht übrig haben. Eigentlich.
Und so wurde ich gefragt, weshalb ich das mache. Tja, aus eben dem Grund, weshalb ich, bis auf Hausarbeit, alles mache: 
1. Ich will es. 
2. Ich kann es.

Ob es ein fast komplett subventionierter staatlicher Kindergarten nicht auch tun würde? Sicher. Ich bringe meine Kinder nicht jeden Tag in ihre Luxusspielgruppe, weil sie dort auch so toll gefördert werden. Das ist ja heute leider fast schon ein Mythos, dass es mal Kindergärten ohne englische Muttersprachler und irgendwelche Bildungspläne gab. Bei mir hat es mit so einem normalo Kiga ja auch nur zu ner Promotion gereicht…

Nun, ich zahle so viel für's Personal. Und ich mache das, so lange ich nur irgendwie kann.

In unserer Einrichtung bekommen die Mitarbeiter zwar bestimmt nicht zu viel, aber doch im Verhältnis ein außergewöhnlich hohes Gehalt. Es gibt Teambildungtage und Weiterbildungen und Gruppengespräche und sogar Supervisonen wären drin, falls nötig, flexible Arbeitszeiten und sogar Gleitzeit. Kurz, die Leitung tut so manches, damit ihre Mitarbeiter morgens gerne zur Arbeit kommen. Und darauf kommt es an, denn glückliche Kleinkindpädagogen bedeuten glückliche Kleinkinder. Und das kostet. 
Und natürlich ist der Personalschlüssel unschlagbar. 4 Kindergartenkinder pro Betreuer, 2 Babys pro Betreuer. Wichtig ist dabei nicht, dass die Kinder damit super individuell gefördert werden können, sondern, dass immer jemand Zeit hat für mein Kind.
Zeit zu trösten, Zeit vorzulesen, Zeit zum Puzzeln, malen, basteln, Zeit um mit auf die Toilette zu gehen falls nötig, Zeit zum Kuscheln, Zeit zum Karten zocken (unglaublich was 3jährige schon können) und für Brettspiele. 
Und so fühlen wir uns sehr wohl in dieser Kita/Kiga. 

Und um ehrlich zu sein, so kenne ich das von Basel. Kinderbetreuung braucht dieses Niveau und das sollten die Eltern auch einfordern.

Aber kommen wir auf's Geld zurück. 
Klar, das können sich die wenigsten leisten. Es gibt dabei nur 2 Aspekte, die viel zu wenig Beachtung finden.

Erstens, Kinderbetreuung kostet immer ein Gehalt: meines, oder das der Betreuerin. Die Betreuung bezahle ich nur für ein paar Jahre, meine Gehaltseinbußen, wenn ich nun ganz zu Hause bliebe und erst nach ca. 6 Jahren wieder einstiege, wären um ein vielfaches höher. Ich würde für den Rest meines Lebens dafür bezahlen - wortwörtlich, mit echtem Geld - dass ich Kinder bekommen habe, ohne dass ich davon meinen Kindern oder mir später irgendetwas finanzieren könnte. 

Darum halte ich auch ein Vergütung, die über 2 kleine Rentenpunkte hinausgeht, für Erziehende unbedingt für nötig. Gottes Lohn ist zwar nett, bezahlt aber weder Studium/Ausbildungszeit, noch Alterspflege.

Zweitens, müsste man viel mehr die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Unser Kiga hat Verträge mit mehreren großen Arbeitgebern der Stadt, die zumindest die Hälfte der Betreuungskosten bezahlen. Das finde ich sehr sinnvoll. Denn das bezieht auch die Männer mir ein. Bei der Kinderbetreuung gibt es also keinen Unterschied mehr, ob die Firma einen Mann oder eine Frau einstellt. Will sie, dass diese Person morgens zur Arbeit kommt, so muss sie zahlen. Einfache Rechnung.

Das ist in meinen Augen schon ein Schritt in die richtige Richtung. Und durch die hervorragende Situation in der Kita, weiß auch das Fachpersonal die Kinder gut aufgehoben und fängt deutlich früher zumindest in Teilzeit wieder an zu arbeiten. 
Nicht, dass ich nun schreie, Mütter sollten ihre kleinen Babys in die Kita geben, um Steuern zu generieren. Aber doch, ich denke es erleichtert vieles, wenn ein Arbeitgeber nicht für 1-3 Jahre Ersatz suchen und gleichzeitig irgend eine Stelle für Mutti warm halten muss. Es würde ja reichen, wenn Mutti recht schnell für 10, 15 Stunden zumindest mithelfen würde. Das könnte man dann einfacher wieder steigern, als wenn jemand ganz neu angestellt und eingearbeitet werden muss und dann hat man am Ende 2 Leute, die den Job brauchen… Und Mutti wäre weder 'raus' aus dem Business, noch würde sie den Kontakt zum Arbeitgeber verlieren.

Am Ende kann ich sagen, unsere Kita macht das ganz wunderbar und ich finde, das Konzept sollte sich rumsprechen. Jeder ist Übrigen frei, mit seinem Arbeitgeber zu verhandeln nach dem Motto: Ich komm früher zurück bzw. bin berechenbarer und auch anwesend, aber dafür bekomm ich nen Zuschuss für ne echt gute Kita. Und da der Zuschuss eben auch für Väter gilt, die das Geld sicher nicht freiwillig links liegen lassen würden, müssten sich die Firmen genau überlegen, ob das nicht doch eine gute Alternative für alle ist.

Wer nun seine Kinder gerne zu Hause haben möchte, dem sei das gegönnt. Leider fürchte ich, das können sich nur wenige wirklich leisten auf Dauer, gerade auch in Hinblick auf die Altersvorsorge.
Egal, wie viel ich verdiene und wie viel die Kita kostet, das wird wohl bei der großen Mehrheit immer noch weniger sein, als wenn Mutti zu Hause bleibt.

Wem das jetzt zu wirtschaftlich ist, wer meint, die Kindheit der Kinder kann man nicht aufrechnen… dem stimme ich zu. Aber wenn man ehrlich ist geht's eben doch um's Geld. Schön, wenn die Kinder eine schöne Kindheit mit Mami zu Hause hatten. Aber wenn Mami später unter dem Existenzminimum leben muss, sich Medikamente nicht leisten kann, oder schlicht die Heizung, soll sie sich dann wirklich damit trösten, dass das Kind es gut hatte? 

Auf keinen Fall will ich, dass nun alle Frauen Karriere machen. Da bliebe ja kein Platz mehr für mich. Aber kein eigenes Geld zu verdienen, das geht einfach gar nicht. Und nur mal so nebenbei, das ging auch früher nicht. Auch da hatte es klare Nachteile. 
Schritt eins ist ein eigenes Gehalt. Schritt zwei ist so viel Geld, dass man davon leben und sich absichern kann. Aber um Schritt zwei zu machen, muss man den ersten Schritt gegangen sein. Und ein ausreichendes Gehalt ist immer noch für viele Menschen in Deutschland nicht der Normalzustand.

Utopien, wie das bedingungslose Grundeinkommen, oder ein Elterngehalt, werden sich in unserer Gesellschaft nie etablieren können. Aber dass die Skandinavier das hinbekommen, glücklicher zu sein als wir, obwohl sie viel mehr Abgaben, dafür aber auch mehr Umverteilung und individuelle Angebote haben, das zwiebelt mich schon. Warum können die das und wir nicht?

Samstag, 8. November 2014

Wer holt das wieder raus?

In der Toilette schwimmen eine gesamte Packung Tampons, teilweise aufgepackt.

Ach war die Welt noch einfach, als das Kind nicht wusste, wie man den Klodeckel öffnet. War es noch unbeschwert, als das Kind keine Türen öffnen konnte. Das erste Kind.

Nr.2 allerdings gibt nur den Befehl: dadadaaa. Schon sorgt die liebende große Schwester für absolute Barrierefreiheit. 

Und wer holt das jetzt ausm Klo wieder raus?

Freitag, 7. November 2014

Neuer Tag, neues Glück



Das kleine Mädchen auf meinem Schoß
Plaudert und lacht und erzählt atemlos,
Singt und hält inne und spielt mit mir
Mit einem Finger auf dem Klavier.
Und Gedanken und Bilder, Erinn'rungen zieh'n
Durch meinen Sinn mit den holprigen Melodien.
Mir doch grad erst geschenkt, gestern kaum erst ein Jahr
Und heut' Spangen und Schleifen und Bänder im Haar.
Kleines Mädchen auf meinem Schoß
Schmieg dich an, wieg dich, ich lass' dich nicht los.

Die Hand, die da über die Tasten spaziert,
Erlaubt mir heut' noch, dass die meine sie führt.
Heute noch ist der Platz auf meinen Knien
Ein guter Hort, vor allem Kummer zu flieh'n.
Heute seh' ich dich noch fragend zu mir aufschau'n,
Doch voll Ungeduld schon und voller Selbstvertrau'n
Beginnst du dich Schritt für Schritt zu befrei'n,
Und den nächsten, den gehst du dann schon ganz allein.
Bald, kleines Mädchen auf meinem Schoß,
Bald, kleines Mädchen, so bald bist du groß.

Die Jahre vergeh'n, unsre Zeit fliegt dahin.
Wir dreh'n uns im Kreise, und das ist der Sinn:
Alles muss enden und Neues beginnt.
Du bist der Morgen und frei wie der Wind.
Kinder sind uns ja nur für kurze Zeit gelieh'n,
Und sie sind ja gekommen, um weiterzuzieh'n.
Doch sie gehen zu lassen, ist die schwerste Lektion.
Geduld, kleines Mädchen, ich lern' sie ja schon.
Kleines Mädchen auf meinem Schoß
Spring in den Reigen, ich lasse dich los.


Mittwoch, 5. November 2014

Peng!

Heute bin ich explodiert.

Und das kam so:

Die Große war heute nicht gut drauf. Das kommt vor, sie ist ja mitten in der 'Autonomiephase'. Was für ein blödes Wort. Sie trotzt und tobt und vor allem: sie heult. Immer. Wegen jedem und allem. Ein Wasserspritzer auf dem Pulli, der Reiskeks ist an der falschen Stelle auseinander gebrochen, das Baby hat ihre Jacke berührt - egal. Die Reaktion ist jedes mal ein völliger Zusammenbruch.

Das nervt zwar, v.a. die Tonlage (zwischen Schlosshund und Werwolf), aber was soll's.

Jedenfalls heute lief es nicht gut. Alles nein. 

Sie bestand nun heute Abend darauf, statt auf die Toilette auf's Tröpfchen zu gehen. Also stellte ich ihr das Tröpfchen hin und setzt mich wieder an den Tisch, denn wir waren beim Essen. Als ich nach ihr schaue, rührt meine 3 1/2jährige Tochter mit Händen und Füßen in einer Lache aus Pipi und dem Rest vom Durchfall, die sie um das Tröpfchen herum mitten im Badezimmer eigens für diesen Zweck generiert hatte.

Ich schlucke.

'Steh sofort auf und stell dich direkt in die Dusche.' (Der Ton ist noch beherrscht, aber militärisch.)

'Nein.'

'Ich will, dass du sofort aufstehst und dich in die Dusche stellst. Jetzt sofort.' 

'Nein. Blöde Mama. Lass mich in Ruhe.'

Nääääääääggggg. Falsche Antwort. Und definitiv falscher Zeitpunkt um einen Trotzanfall zu bekommen. Sie schreit. Ich schreie.

Kleinstkind kommt angelaufen und will direkt in den Krabbelmodus wechseln. Oh no!

Jeder, der das liest, darf sich gerne selber ausmalen, wie ich mit Baby auf dem Rücken und tobender Erstgeborener in der Dusche das Bad putze.

Falls einer fragt, wo meine persönliche Grenze liegt: genau hier. 

Zu gern hätte ich heute meine Tochter so richtig den Hintern versohlt. Zu gerne hätte ich sie eingesperrt bis sie erschöpft ausgetobt hätte, um sie allein ins Bett zu schicken. Zu gerne hätte ich einen Mann, der jeden Abend zu Hause ist. Zu gerne hätte ich heute keine Kinder gehabt.

Aber bis auf mein Schreien 'Du machst jetzt sofort was ich sage, sonst raucht's!' und mein Transfer der strampelnden Dame aus der Lache in die Dusche ist nichts passiert. 

Der Trotzanfall dauerte geschlagene 1 1/2 Stunden und selbst im Schlaf schniefte sie noch dieses hektische Schniefen, das man hat, wenn man heftig geheult hat. Das tat mir leid. 

Wir haben uns vor dem Einschlafen darauf geeinigt, dass ich nicht schreie und sie nicht ihre Fäkalien im Bad verteilt. Mal sehen, wer den Deal zu erst bricht…

Aber was das Schlimmste heute war? 
Ich stehe vor der Kaffeerösterei meines Vertrauens und lese auf einem bunten Schild 'Wir machen Ferien'. VERDAMMT. Mit der leeren Kaffeedose in der Hand trete ich den Rückweg an.

Nun sitze ich hier und tippe und aus dem Regal starrt mich die immer noch verschlossene Flasche dieses unbeschreiblich leckeren japanischen Pflaumenschnapses an. Den könnt ich jetzt echt vertragen. Aber in 30 Minuten schreit Nr.2 und will stillen. VERDAMMT!!!!!!!!!!!
Manche Tage wollen einfach nicht gelingen…
Gute Nacht.

Montag, 27. Oktober 2014

Überleben

Wir haben überlebt!
Das war zwar abzusehen, aber zeitweise hatte ich den glauben daran verloren…

Menschen mit mehreren Kinder werden nun wissenend nicken. Menschen ohne Kinder werden sich denken: Jetzt übertreibt sie aber gewaltig. Menschen mit einem Kind schwanken zwischen 'oh je' und 'das geht noch schlimmer?', Alleinerziehende werden abwinken und mich für ein Weichei halten.

Dies nun ist die Geschichte eines klitzekleinen Virus, dass eine gesamte Familie auszurotten suchte, indem es Eltern und Kinder an wirklich jeder Körperöffnung undicht werden lies. Aber sowas von!

Magen-Darm-Zeugs ist ja sowieso etwas vom Gemeinsten überhaupt. Ohne Kontrolle übernimmt der Körper, der Geist ist dem hilflos ausgesetzt. Wenn was raus muss, muss es raus und es kommt auch raus, egal wie gut die Kinderstube war.

Ich erinnere mich, als die Große ein Baby war, waren wir alle drei über 3 Tage lang niedergestreckt. Wir konnten uns kaum bewegen, uns ging es richtig dreckig. 
Ich hätte diese entspannte Situation genießen sollen.

Alles begann am letzten Freitag. Der Trüffel hatte frei, wir freuten uns auf ein langes Familienwochenende. Davon gibt es nicht allzu viele. 
Freitag Morgen: Baby kotzt, Mama wäscht. Nr.1 kotzt, Baby kackt, Mama wäscht. Baby kotzt, Nr.1 kackt… ihr könnt es euch vorstellen…
Freitag Nachmittag: Mama fühlt sich etwas flau… ihr könnte es euch vorstellen.
In der Nacht zog der Trüffel dann noch mit.
Es war, gelinde gesagt, ekelig!
Der Höhepunkt war erreicht, als Nr.1 sich übergibt und ich gleich mit dank des Geruchs. Da lohnt das Duschen wenigstens.

Wie so oft, erholen sich die Kleinen rasant. Leider. Denn die Eltern haben diese Fähigkeit bereits eingebüßt. Beide Elternteile k.o. und 2 Kinder munter wie eh und je. Wie schrecklich!!! 
Ernsthaft, es war die Hölle.
Aber immerhin kennen wir jetzt jede verdammte Folge der Biene Maja Sammelbox I auswendig. 
Die Große freute sich, denn bisher gab's immer nur eine Folge am Stück. 
Allerdings ist das Parken der Kleinen vor dem Computer in manchen Fällen der totale Segen.

Puh, das war anstrengend. 
Hätte ich nicht noch Bauchgrummeln, ich würde mich fühlen, als hätte ich eine Himalaya-Gipfel-Tour geschafft. 
Für Außenstehende mag es seltsam klingen, aber doch, ein Magen-Darm-Familien-Virus zu überleben ist eine Heldentat!

Bleibt mir allesamt gesund!

Dienstag, 21. Oktober 2014

Phasenweise


Es gibt ja diese anhängliche Phase, in der ein Kind am liebsten auf Mamas Arm kuschelt und nimmer herunter will.

Ich finde diese Phase gar nicht schlimm. In der 'normalen' Ausprägung.

Nun, nachdem wir seit 2 Monaten zahnen ohne sichtbares Ergebnis, 2 Mal Schnupfen überstanden haben, hatte das Babyferkel einen besonderen Geburtstagswunsch:

Baby will zurück in Mamas Bauch! Subito.

Ich meine das ernst. Körperkontakt ist ja schön und gut. Also trage ich Madame den ganzen Tag. Wir stillen viel. Kuscheln immerzu. 

Es ist mir inzwischen unmöglich aufs Klo zu gehen, ohne dass Madame auf meinem Arm ist. Supi.

Anstrengend wurde es aber erst vor 3 Wochen. Als Madame zurück in den Bauch wollte. Um mir das unmissverständlich klar zu machen, sind wir nun jede Nacht 3 Stunden lang wach, in denen Madame nackt auf meinem Bauch liegen will und gründlich von mir durchgekrault wird. 

Die junge Dame verlegt ihren Schlaf seither auf den Mittag, Mama jedoch kann keine 3 Stunden Mittagsschlaf machen. Da wäre ja noch die Arbeit…

Ich brech nieder. 

Fazit: Mama kaputt gekuschelt, Baby schnarcht zufrieden auf meinem Bauch. Supi.

Manchmal frage ich mich tatsächlich, wieviel Mutter ein Kind wirklich braucht und wieviel Kind eine Mutter gebrauchen kann.

Alles nur eine Phase… ich weiß.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Wo ich her komme gibt's kein Attachment Parenting

Vor Kurzem las ich zum ersten Mal von Attachment Parenting. Das Konzept ansich gefällt mir sehr, weil ich zufällig praktisch alles schon so mache. 
Ich habe das Buch von Sears nicht gelesen und werde es auch nicht tun. Ich kenne niemanden, der speziell AP betreiben würde. Das mag aber auch daran liegen, dass ich Kontakt mit Mitmüttern vermeide, wenn möglich.
Ich las den Blogpost von windelfrei und fand das sehr sympathisch. Ich las den Post vom Blog gewünschtestes Wunschkind, obwohl ich deren Beiträge nur begrenzt ausgewogen finde. Und ich las gestern den Post von den guten Eltern und schüttelte daraufhin nur noch den Kopf. 

Was ist falsch an Attachment Parenting?

Bedürfnisorientierte Elternschaft? Nein, nicht unbedingt. Mach ich ja auch. Das Konzept? Oh ja, grottenfalsch.

Warum? 

Als Antwort reicht eigentlich der zweite Absatz des Posts von Hebamme Anja: 'Es wurde in vielen bewegenden und sehr interessanten Vorträgen (auf dem AP Kongress, Anmerkung der Bloggerin) erklärt, was Kinder wirklich brauchen und weshalb es so wichtig ist, die Kinder darin auch ernst zu nehmen.'
Was Kinder wirklich brauchen. Aha. So liebe Leute, wer's noch nicht gehört hat, wo die Musik spielt, Ohren auf und bitte mitschreiben: Hier wissen die Leute, was Kinder wirklich brauchen!

Wahrscheinlich hab ich da jetzt wieder alles falsch verstanden, aber wer sich so ein bisschen durch die Blogs der AP-Anhänger liest könnte eventuell ein ganz kleines bisschen auf die Idee kommen, dass da wieder mal eine kleine Elite ein Konzept zur einzig wahren Erziehungsmethode erklärt und diese auch immer gern missionarisch und dogmatisch unter die Leute bringen möchte. 

Denn, was ist der Umkehrschluss? 

Wer sich jetzt angegriffen fühlt, dem sei ganz aufrichtig versichert: Ich meine die anderen! Auf gar keinen Fall dich persönlich! So wie du das meinst ist das natürlich was ganz anderes und du machst das total richtig! Du hast ganz wirklich recht!

Und natürlich würde ich auch niemals jemandem widersprechen, der weiß, was mein Kind WIRKLICH braucht. Echt jetzt. Würd ich nie machen! 

So, zurück zum Thema.
Wie schon gesagt, scheine ich selbst die Erziehung meiner Kinder sehr weit bedürfnisorientiert zu gestalten. Sogar mit all den Features, die AP offensichtlich so im Angebot hat: Bonding nach der Geburt, Tragen, Familienbett, Stillen, Beikost, meine Reaktion auf Weinen meiner Kinder
Fand ich jetzt im Rückblick so raus. Ist doch schön. 

Ich greife also nicht die Idee an. Ich greife jeden an, der meint er könne mir sagen, was meine Kinder wirklich brauchen. Das ist weit über's Ziel hinausgeschossen. Und obwohl ich kein Buch über AP gelesen habe unterstelle ich mal, dass das AP Konzept eben gerade NICHT dogmatisch und missionarisch gelebt und verbreitet werden soll! Man wollte nur Verhaltensweisen mal zusammen fassen, die für viele sowieso schon Alltag sind und den meisten von uns einleuchten.

Meine Oma bläute meiner Mutter ein: Was du nicht willst, dass man dir tut, das tu auch keinem andren an. Oder wer's etwas positiver will: Behandle andere so, wie du gerne behandelt werden willst.
In der Welt meiner Oma gibt's kein Attachment Parenting. Aber sie hat von ihrer Oma gelernt, dass man andere behandeln soll, wie man selbst behandelt werden will. Ich nehme an, den meisten Menschen leuchtet diese Erkenntnis seit Jahrtausenden ein.

Wo liegt jetzt eigentlich das Problem? Offensichtlich sind wir uns doch inhaltlich alle einig? Sind wir das? 
Mich würde mal interessieren, was ein überzeugter AP Vertreter alles abkann:
- Tragen im BabyBjörn?
- Baby schläft im eigenen Bettchen im Schlafzimmer?

Geht noch...

- Nach 2 Monaten Abstillen und mit Alete-Fläschchen füttern? Abends noch mit Schmelzflocken drin?

Ja, nein? Wird schon unschön jetzt, oder? 

- Kein Abhalten, sondern Windeln von Aldi?

Zzzzzzzzz, schon schwieriger. 

- Impfungen laut Stiko und zwischendurch noch Menigokokken B zusätzlich?  
  Vielleicht auch noch FSME?

Na? Puls noch normal?

- Fremdbetreuung ab 3 Monaten?
- Brei aus Fertiggläschen? Am besten Alete Abendbrei mit Keks? Gefüttert von   
  der Mami?
- Kleider und batteriebetriebenes Spielzeug von Aldi?
- Kind anschreien, weil es nicht aufhört zu heulen?
- Aus dem Zimmer gehen, weil man das heulende Kind nicht beruhigt bekommt 
  und es nicht mehr aushält?
- Schnell die Geduld verlieren, weil mit Kind doch alles viel anstrengender und 
  komplizierter ist, als gedacht?
- Das Kind zum Mond wünschen, weil man frustriert zu Hause sitzt, die
  einfachsten Sachen nicht gebacken kriegt und alle anderen sagen, man solle  
  sich nicht so anstellen und die Zeit genießen?
-Aus Überforderung einen Klaps auf den Po? Eine Ohrfeige für das trotzende 
 Kind?

Und?
Gehört das zum Attachment Parenting? 
Ja?
Nein?
Vielleicht?

An dieser Stelle wird es sehr kompliziert, nicht wahr? Kommt jetzt das 'ja, aber…'? Ja, aber die Mutter braucht nur die richtige oder wahlweise genug Unterstützung?
Ha, erwischt!
Ok, die Ohrfeige ist gesetzlich verboten. Aber Situationen, in denen man einfach ausrastet, weil man nicht mehr kann, kommen trotzdem vor.

Die einfache Weisheit: 'Was du nicht willst, dass man dir tut, das tu auch keinem andren an.' ist gar nicht so einfach umzusetzen. Und sie gilt nicht nur für Mutter und Kind, sondern auch zwischen den Eltern und von Mutter zu Mutter. Die Antwort auf die Frage: 'Respektierst du mich auch, wenn ich etwas anders mache, als du es für richtig hältst?' gibt Auskunft darüber, wie weit Idee und Ideologie bei jedem auseinander liegen.

Warum ich mich von Menschen bedroht fühle und mit Ablehnung reagiere, mit denen ich eigentlich inhaltlich konform gehe? 
Dafür gibt es 2 Gründe.
1.
AP mag ein schönes Konzept sein, aber ich halte es als Gesamtpaket eher für ein Konzept, dass man sich leisten können muss. Man braucht Zeit, etwas Geld, ein unterstützendes Umfeld, Muse und Zuspruch und genug Energie, das auch umzusetzen. Diese Ressourcen hat nicht jede und Nerven dazu vielleicht auch nicht. Es scheint mir eher ein Konzept für ein gebildetes, gut gestelltes Klientel und somit für eine Elite.
Eine Elite, die weiß, was das Kind wirklich braucht. Sehr sympathisch.

2. 
Danielle von 'gewünschtestes Wunschkind' erwähnt, dass es 2 Sorten Mütter gibt, die AP praktizieren: die Informierten, die das willentlich tun. Und jene, die schon selbst so erzogen wurden und darum AP für normal halten.
Nach dieser Argumentation dürfte es mich gar nicht geben. Das passiert mir häufiger. Ich habe das Buch nicht gelesen und wurde nicht von einer belesen Mami per AP erzogen.

Und jetzt muss ich ausholen. 
Ich komme aus einer echten Problemfamilie, die heutzutage unter Betreuung des Jugendamtes stünde. Gewalttätiger Alkoholiker mit bigotter Frau (beide ungelernt), Suizidversuchen und Teenangerschwangerschaft der Tochter. Diese ging auch nach 6 Wochen Mamisein wieder arbeiten und zur Schule. Der Papa verlor seinen Job, weil er seinen Vorgesetzten Tätlich angegriffen hatte, lungerte fortan mit Baby zu Hause rum, nachdem er mit der Kindesmutter unfreiwillig verheiratet wurde. 
Klingt dramatisch? Sind die Fakten.

Fakt ist aber auch, dass meine Eltern wunderbare Menschen sind, auch wenn sie keine Akademikerkind-Startbedingungen hatten. Kein Geld, kein Job, zerrüttete Familie, viel Streit. Kein Tragen, kaum Stillen, Fremdbetreuung, Aletegläschen, Babybettchen, Schoppen mit Schmelzflocken, Schulmedizin, kein Bonding nach der Geburt, keine Mami als Hausfrau, sondern Schichtdienst und Schlüsselkind. Keine Nachhilfe, kein Engagement im Elternbeirat oder Vokabeln abfragen. 

Und doch bin ich heute Akademikerin mit Kindern und bedürfnisorientierten Erziehungsansätzen. Gut bürgerlich. 

Warum? Weil meine Eltern mir das gaben, was ich wirklich brauchte: unbedingte Liebe und grenzenloses Vertrauen. Es gab nämlich auch kein 'du musst', kein 'wenn du nicht…dann', kein 'das macht man nicht', kein 'das kannst du nicht'. Meine Eltern sind sehr kluge, liebevolle Menschen, die niemals einem AP Konzept hätten folgen können. Aber sie gaben mir alles, was ich brauchte. Sie setzten ihr ganzes Vertrauen in mich, sie lebten mir vor, wie man kämpft, wie man die Hoffnung nicht verliert. Sie zeigten mir wo welche Grenzen sind und wie man sie respektiert, weil sie ihre eigene Situation reflektieren konnten. Sie muteten mir vieles zu, weil sie überzeugt waren, ich zerbreche nicht daran, nicht weil sie mich abhärten oder besser machen wollten. Sie sahen mich, konnten ihren Fokus von sich auf mich lenken und somit meine echten und dringenden Bedürfnisse erkennen und versuchten alles, diese zu erfüllen. Mit ihren eigenen improvisierten Methoden. 

Um ehrlich zu sein bin ich der Meinung, das beste Konzept nützt nix, wenn die Eltern nicht wirklich Vertrauen in sich und in das Kind haben. Dazu müssen sie aber den Fokus weg von sich und dem Konzept und allen Meinung hin zu ihrem Gegenüber wenden. Sich nicht selbst verwirklichen durch das 'best Momy ever'-Emblem oder das beste Konzept. Sondern ernsthaft fragen: Wer bin ich? Wer bist du? Vertraue ich mir? Vertraue ich dir? Liebe ich mich? Liebe ich dich?
Respektiere ich mich? Respektiere ich dich? Was will ich? Was willst du?

Mag sein, dass Attachment Parenting das alles meint. Es ist ohnehin egal. 
Nur, nennt es nicht so. Haltet keine Vorträge darüber wer was wie wirklich braucht. Nehmt den Fokus von euch weg und schaut mal auf die Welt voller Wunder um euch herum! Wir leben in einer Welt voller Mütter, die ihre Kinder so sehr lieben obwohl sie sie nicht tragen oder stillen oder abhalten. Freut euch mit diesen Familien. Vertraut diesen Eltern und diesen Kindern, dass sie das Leben zusammen schon hinbekommen. 
Und wer sich aufrichtig für andere interessiert und im Stande ist sie zu respektieren, der darf gerne seine Hilfe anbieten. Hilfe, keine Konzepte oder Ratschläge, die vielleicht gar nicht ins Leben anderer Menschen passen. Sondern fragen 'Was brauchst du, damit du sorgloser, bedingungsloser Lieben und vertrauen kannst?'

Vielleicht bin ich da nur etwas überempfindlich. Ich reagiere auf diese impliziten Anmerkungen und sie ärgern mich, obwohl mich niemand direkt angegriffen hat. Ich biete ja auch wenig Angriffsfläche, weil ich viele solcher Situationen meide. 
Aber wer eine gute Idee hat, der sollte sich mal überlegen, was aus seiner Idee wird, wenn er den Ton nicht trifft und somit das Zielpublikum verfehlt. Es gibt so viele gute Ideen, die daran scheitern.