Samstag, 28. September 2013

Die Ehe

Man liest ja auf anderen Blogs. Ich z.B. gerne bei aufzehenspitzen und fuckermothers. Da ist das Thema Ehe und Geld ein Thema zum Nachdenken gewesen und das hab ich nun auch gemacht.

Eine Ehe an sich bringt verschiede Fragen mit sich:

Warum habe ich geheiratet?
Ganz unromantisch, weil's mit Kind einfacher ist. Als Ausländer in der Schweiz haben wir ein Kind mit ausländischem Pass bekommen und wir werden wahrscheinlich auch irgendwann wieder im Ausland wohnen. Da ist es schlicht rechtlich praktischer verheiratet zu sein. Ich wollte auch irgendwie, dass allen klar ist, dass jetzt gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle gilt. 
Mit der Steuer in der Schweiz hat das recht wenig zu tun, da wird man als Ausländer eh einzeln und mit Quellensteuer veranlagt. Herrlich einfaches System. 
Wir sind auch beide Atheisten und so waren wir einfach auf dem Standesamt. Allerdings haben wir in Deutschland geheiratet, weil ich meinen Namen behalten wollte und das Schweizer Eherecht das damals noch nicht möglich machte. Weder die Namensanerkennung, noch die Namensregelung für die Kinder oder die Tatsache, dass wir unterschiedliche Namen haben hat je zu Konfusionen geführt, oder wurde irgendwo komisch aufgefasst. Das ist heute echt gar kein Problem mehr und das finde ich super.
Für uns beide war die Hochzeit eher eine Art Vertragsunterzeichnung, nicht mit romantischen Vorstellungen aufgeladen und daher eigentlich ein recht nüchternes Erlebnis. Dennoch sehr schön, denn es hat total zu uns gepasst.

Das ist aber nur ein kleiner Teil der Ehe, wie sich mit der Zeit herausstellte. 
Wie wird das Geld in der Ehe verteilt?
Wir sind beide Vollzeit-Berufstätig. Das wird auch so bleiben, auch mit zweitem Kind. Wir haben die gleiche Ausbildung und daher wird das Einkommensgefälle bei uns in nächster Zeit auch nicht groß zum Thema werden. Es ist eher zu Erwarten, dass ich in 5 Jahren besser verdiene als er, weil ich nicht an der Uni bleiben möchte.
Im PhD war es bisher so, dass wir beide ja gleich viel verdient haben. Er hat 9 Monate ohne Gehalt gearbeitet, ich werde in einem halben Jahr auch die 9 Monate haben, sofern ich bis dahin keinen neuen Job habe. Das ist bei Wissenschaftlern auf der untersten Stufe oftmals so und es war nie ein Thema, dass der eine für den anderen einspringt. Darum habe ich kein schlechtes Gewissen oder komische Gefühle. Und das werde ich auch nicht bekommen, denn es ist unvorstellbar für mich, nicht wieder voll zu arbeiten, so wie er sich auch nicht vorstellen kann, das Pensum zu reduzieren. 
Und die beiden teueren Privatkitaplätze gehen eh von seinem Konto ab. Es ist also nix mit der Vorstellung: Die Frau arbeitet für ein 'Zubrot'. 
Das haben wir nicht vorher ausdiskutiert, das war einfach vorher klar, weil wir beide den gleichen Leistungsanspruch an uns haben und auch die berufliche Herausforderung wollen. 
Ich würde auch prinzipiell nicht reduzieren, wenn er das nicht auch tut. 

Er ist sehr viel mehr vermögender in die Ehe gegangen, als ich. Er ist Akademikerkind, ich bin Arbeiterkind. Also hatte er ein Auto und einiges Vermögen angelegt von seinen Eltern bekommen. Ich hab mir von meinen Eltern 2000 Euro geliehen, als ich in die Schweiz kam. Sein Geld ist aber angelegt und hat bisher niemanden interessiert. Ich habe auch rein rechtlich keinen Zugang dazu.
Seine Eltern haben auch Konten für die Kinder angelegt. Das finde ich toll, hat mich bisher aber nicht weiter interessiert. 

Wir haben zwar getrennte Konten, aber die Fixkosten sind 50:50 aufgeteilt. Er kauft Lebensmittel, ich Kinderzeugs... Das hält sich alles ungefähr die Wage. Größere Ausgaben für die Kinder, wie Kindersitz, Bett etc. werden vom Kinderkonto beglichen.

Wir sind zwar durch die ewige Ausbildungszeit lange auf der Studentenstufe stehen geblieben, aber haben zumindest jetzt vernünftige Gehaltsaussichten. Davon kann man in Deutschland gut leben. Steuertechnisch werden wir keine Vorteile haben.

Was hat sich in der Ehe verändert?
Wir streiten schon mal. Dann heißt es durchaus auch mal: Dann lass ich mich halt scheiden... Das Gegenargument ist: Das kannst du dir eh nicht leisten...
Solche Streits kochen bei uns schnell hoch, solche Aussagen sind aber nie ernst gemeint. Ich kenne das von meinen Eltern. Dementsprechend werden sie von uns auch nicht verletzend aufgefasst. Wir haben das besprochen. Es ist eher der Ausdruck der momentanen Wut. Ein fieser Satz um dem Ärger Luft zu machen und gut ist.

Es hat sich aber etwas grundlegendes Verändert über die Jahre. Seit wir verheiratet sind ist uns beiden aufgegangen, dass alles was wir jetzt hier heute und in Zukunft aufbauen für uns gemeinsam ist. Alles was wir an Projekten verwirklichen wollen, alle Träume, gemeinsamen Leben im Ausland - all das wird auf dem rechtlichen Fundament der Ehe aufgebaut. Es gibt immer noch MEINS und DEINS, aber der eine kann und wird nichtmehr ohne den anderen irgendwohin gehen, irgendetwas finanzieren, irgendeinen Job annehmen, ohne dass der andere nicht mit involviert ist. Das ist natürlich auch bei unverheirateten Paaren so. Es steht nur jetzt nicht mehr zur Diskussion. Allen ist immer klar: Entweder zusammen oder gar nicht. 

Ich habe nicht damit gerechnet, aber eigentlich finde ich es sehr schön. Das hat in den 10 Jahren diverser Beziehungen davor gefehlt. Die rechtliche Verbindlichkeit. 
Nun sind wir beide zwei Persönlichkeiten, die sich nichts gegenseitig schenken, oder die Butter vom Brot nehmen lassen in der Beziehung. Er eignet sich nicht für die Rolle des klassischen Ehemannes und ich mich nicht für die der klassischen deutschen Ehefrau. Dass wir verheiratet sind spielt bisher für unsere Beziehung als Liebende eine untergeordnete Rolle. Wir tragen keine Ringe und haben wie erwähnt verschiede Namen.
Auch für unsere Beziehung zu den Kinder ist die Ehe bisher nicht relevant. Dazu muss man nicht heiraten. 

Wenn man in einer gleichberechtigten Beziehung lebt, spielt es meiner Meinung nach weder für die Liebe, noch für die Kinder eine Rolle, ob man verheiratet ist. Es ist tatsächlich eher der geschützte rechtliche Rahmen für die gemeinsame Zukunft. Natürlich muss man auch dafür nicht heiraten, wenn man sich einig ist. Aber es ist bequemer. Darum finde ich, sollten alle Paare mit dem gleichen rechtlichen Rahmen heiraten dürfen, wenn sie wollen.

Abhängigkeitsverhältnisse sehe ich als sehr problematisch an. Sie haben aber weniger mit der Tatsache zu tun, ob man verheiratet ist. Ich würde schätzen, das ist ein klares Beziehungsproblem. Auch die unterschiedlichen Vorstellungen von Gefühlen und Romantik, all das was gerne in eine Ehe hineininterpretiert wird, hat mit Ehe selbst wahrscheinlich recht wenig zu tun. 
Ob eine Beziehung funktioniert und alle darin glücklich sind hat viel mit Respekt zu tun. Alles andere - außer Liebe vielleicht - ist eigentlich nicht nötig, aber manchmal hilfreich. 

Wir sind bisher auch noch nicht allzu lange verheiratet. Gerade einmal 3 Jahre. Aber bisher bin ich es gern.

Dienstag, 24. September 2013

Die Klinik


Das Kind kommt wohl nicht freiwillig da raus. Find ich nicht lustig, aber auf mich hört ja keiner.

Jedenfalls wollt ich dann heut doch mal wissen, wie es denn ausschaut, ob es bald soweit sein könnte. So kam ich in die Schwangerensprechstunde. 

Und ja, ich motze schon wieder über Assistenzärzte. 

Warum ich denn nicht wöchentlich zur Vorsorge ginge?
Äh, mir geht's gut, Kind geht's gut. Was soll ich dann beim Arzt?

Warum ich denn heute käme?
Kind drückt so furchtbar aufs Schambein und Becken. Aua aua aua. Ich will wissen, ob das da bald rauskommt. 

Dann machen wir mal einen Ultraschall, der ist ja schon 2 Monate her bei Ihnen.
Warum?

Weil wir am Ende der Schwangerschaft mal nachschauen.
Was schauen Sie denn nach? 

Warum wollen Sie denn keinen Ultraschall? Da brauchen Sie ja gar nicht zu kommen!
Was wollen Sie denn mit dem Ultraschall sehen? Und ich bin gekommen, damit Sie den Muttermund tasten und mir sagen, wie's ausschaut. 

Also wir machen hier immer einen Ultraschall.
Ja und was wollen Sie jetzt sehen?

Sie können auch nach Hause gehen, wenn Sie gar keine Untersuchung wollen...
Jetzt erklären Sie mir doch bitte einfach was Sie im Ultraschall sehen wollen! Sie haben ja wohl einen Grund das zu machen, oder steht's einfach so bei Ihnen im Handbuch?

Jetzt hören Sie mal...
Nein, was soll denn das. Sagen Sie doch einfach, dass die Größe schätzen und das Fruchtwasser messen wollen, den Herzschlag und v.a. auch die Plazenta anschauen. Das bricht einem doch nix ab, wenn Sie das einfach so sagen.

Sie machte dann den US. Und zog dabei natürlich ein Gesicht, dass das Baby glatt vergrault hätte, hätte die Kleine das sehen können. 

Danach:
Jetzt nehmen wir noch Blut ab.
Warum?
10 Sekunden Stille. Sie wägte wohl ab, ob Sie mich direkt rausschmeissen soll.
Dann: Damit ich Ihre Werte anschauen kann.
Welche Werte erwarten Sie denn, sollen nicht ok sein? 

Gut, kein Blut. Dann machen wir ein CTG.
Warum?

Um die Herztöne zu überprüfen.
Aber sie haben doch gerade 10 Sekunden im Ultraschall gesehen, dass das Herz in der richtigen Frequenz und regelmäßig schlägt.

Ja aber nur in 10 Sekunden.
Und warum dann ein CTG? Was soll denn nicht in Ordnung sein?

Ja also, was weiß ich. Wir machen hier eben ein CTG um zu schauen, wie es dem Kind geht.
Dem Kind geht es gut. Sie haben das doch gerade selber gesehen. Und ich sage das auch. 

Ja aber, wenn sie kein CTG wollen, dann brauchen Sie nicht herzukommmen!
Ich will nur wissen, welche Zusatzinformation Sie sich vom CTG erhoffen. 

Also kein CTG gut. Dann sind wir ja jetzt fertig.
Nein. 

Warum, was wollen Sie denn eigentlich hier?
Dass Sie den Muttermund tasten. Mehr wollte ich von Anfang an nicht haben.

Ja, dann. Machen Sie sich mal frei.

Sie drückte dann ein bisschen: ganz unreif.
Wollen Sie sonst noch etwas?
Nein danke.

Dann die Hebamme an der Anmeldung.
Also dann kommen Sie am Termin und dann machen wir ab da alle 2 Tage ein CTG.
Warum?

Wie warum? Ab Termin machen wir alle 2 Tage ein CTG.
Ja aber warum? Ich merke doch, wenn es dem Kind nicht gut geht, und wenn ich Wehen kriege merke ich das doch auch, oder?

Ja aber ab dem Termin macht man alle 2 Tage ein CTG. Rufen Sie einfach die Zentrale an, die macht den Termin mit Ihnen. Ok.

Jetzt mal ehrlich. Die können ja nicht wissen, dass ich da nicht ganz unvorgebildet bin. Aber dass die einfach immer irgendwelche Sachen machen und sich weigern, einem zu sagen, warum sie diese Untersuchungen machen... Das ist echt unverschämt und ich finde das gar nicht lustig.
Das ist schon die zweite Klinik, in der mir das zur Geburt passiert. Und für jeden, der jetzt sagt, dann geh halt zu deiner Gyn... Da ist es noch viel schlimmer – ehrlich!
Und überhaupt, Vorsorge – regelmäßig – ja, aber warum soll ich jede Woche zum Arzt, wenn alle gesund sind und mir auch keiner sagen kann, was da so spontan passieren soll, wovon ich nicht selber was mitbekommen würde.
Echt jetzt, die halten einen für bescheuert!

Freitag, 13. September 2013

Einmal mit und einmal ohne...

Es trennen uns Welten. Leider. 

Ich bin in meinem Bekanntenkreis tatsächlich immer noch die einzige, die es bisher gewagt hat sich fortzupflanzen. An sich störte mich das nie. Im Gegenteil, ich bin echt keine, die Mamitalk frönt. Ich interessiere mich vor allem nicht für Babydinge anderer Mütter und anderer Babys. Und ich rede auch nicht in einem fort von meinem Kind. 

Also eigentlich alles gut. Ich war auch nie der Typ, der nach der Geburt zu Hause saß. Wir haben das Ferkelchen einfach immer überall hin mitgenommen. Die war auch ne ganz Liebe und es hat nie jemanden gestört. 

Und dennoch lässt es sich nicht ignorieren. Uns trennen Welten - mich und meine Freunde. Nicht thematisch, sondern in Bezug auf die Sichtweisen. Thema Arbeit, Thema Sozialgesetzgebung, Thema Steuern, Thema Freizeitangebote, Thema Rollenverteilung, Thema Emanzipation, Thema Heirat, Thema Beziehung überhaupt, Thema Beziehung zu den eigenen Eltern, Thema Ernährung, Thema medizinische Vorsorge, Thema Krankenkasse allgemein, Thema Migration, Thema Überfremdung, Thema hilfsbedürftige Menschen, Thema Billigmode, Thema Billiglöhne, Thema Träume, Thema Haustiere... Ach, was wurde in den letzten Monaten nicht alles diskutiert bei uns. 

Egal worum es geht, ich scheine immer anderer Meinung zu sein, oder die anderen sind anderer Meinung, oder was auch immer. 
Es fällt mir zunehmend schwerer mich im kinderlosen Freundeskreis zu bewegen. Ich will ja auch nicht immer nur über alles streiten. 

Es geht mir auch nicht darum, andere zwangsläufig zu überzeugen, oder zu belehren. Es ist viel mehr die Argumentationsgrundlage und der Ton, der sich verändert hat. Ich stelle bei meinen kinderlosen Freunden eine zunehmende Radikalisierung fest. Nicht unbedingt in Bezug auf den Inhalt, nein, eher in der Argumentationsweise. Es erinnert mich fatal an die Absolutheit mit der Teenager streiten. Es zählt nur noch eine Sichtweise, es gibt Richtig und Falsch, Gut und Böse, Entweder - Oder! Und dabei bleibt's dann auch. Irgendwas dazwischen wird nicht mehr akzeptiert und die eigene Meinung wird nicht wirklich angezweifelt. Wenngleich auch jeder behauptet, er würde sich ja kritisch hinterfragen...

Es scheint mir, ich habe in den letzten zwei Jahren mit Ferkelchen und Trüffel mehr Geduld und vor allem Gelassenheit bekommen. Ich springe nicht gleich bei jedem Ding entsetzt in die Luft und reg mich auf. Ich hab gelernt, dass andere Menschen eben anders sind und anders reagieren. 
Meine Freunde wissen das wohl auch, die sind ja alle nicht blöd. Und eigentlich auch durchaus zur Reflexion fähig. Nur können sie es dann eben doch nicht ab, wenn jemand anders reagiert oder denkt, als sie selbst.

Klar hab ich in diesen Jahren viel eher lernen müssen mich hintenan zu stellen, mich mal nach den Bedürfnissen anderer zu richten. Aber ich hab bewusst nie mein Kind über alles andere gestellt. Ich bin auch egoistisch und fast alles hat bei mir seine Grenzen. Aber ich hab vor allem gelernt mal alle Fünfe gerade sein zu lassen, nicht immer auf mein Recht zu bestehen, es auch mal gut sein zu lassen, meine Mitmenschen mehr wahrzunehmen. 
Und ich hab gelernt Dinge zu entscheiden, ad hoc, und dazu zu stehen. Ohne aus allem ein Problem zu machen. Erscheine ich darum meinen Freunden eher als ignorant oder desinteressiert? 

Jedenfalls geraten wir öfter an einander, weil mir diese Heftigkeit auf den Keks geht. Beim 2-jährigen Ferkelchen versteh ich das ja sehr gut. Bei ihr ist das sogar angebracht. 
Aber wenn jemand Ende 30 mich fast anschreit, weil sie/er findet, wenn man schon heiratet, dann sollte man auch einen gemeinsamen Familiennamen haben, sonst leiden ja nur die Kinder darunter... Tja also, da kann ich dann auch nur noch mit den Schultern zucken. Eine vernünftige Reaktion fällt mir da eben spontan nicht ein.

Die Sichtweise 'jeder nach seiner Facon' wird mehr und mehr zum Problem. 
Jetzt kann ich natürlich nicht wirklich beurteilen, ob das anders wäre, hätten alle meine Freunde selbst Kinder. Vielleicht würden sie gelassener, vielleicht würden sie noch radikaler. 
Fest steht nur, ich hab mich offensichtlich massiv verändert. Und wie mir scheint, bin ich oftmals liberaler als so mancher Single. 

Uns trennen eben inzwischen Welten, mal ganz abgesehen von meinem inzwischen anderen Erfahrungsschatz in Bezug auf Windelinhalte und Durchschlafen. Wohin das führt? Nun, wahrscheinlich werde ich mir neue Freunde suchen müssen. Welche mit oder ohne Kind, die über ganz normale Themen reden mögen, ohne dabei gleich so wüst zu urteilen...
Wo bitte findet man die?

Mittwoch, 11. September 2013

Von Bienchen und Blümchen

Das verharmlost doch einiges. Manche tun sich schon mit dem Sex schwer, andere mit dem Schwangerwerden. Wer es aber bis dahin geschafft hat - und das hoffentlich mit Freude, der staunt nicht schlecht, wie unglaublich 40 läppische Wochen sein sein können.

Ich möchte heut mal mein großes Erstaunen äußern darüber, dass die Lebewesen sich überhaupt fortpflanzen, denn lustig ist das nicht immer. 

In der Biologie wird ja gerne davon gesprochen, wer wieviel Energie in die Fortpflanzungsarbeit steckt. Gerecht verteilt ist das wohl nur bei Zwittern - darum: Schnecken an die Macht!

Aber ernsthaft, Nachwuchs produzieren ist verdammt harte Arbeit! Ich geh jetzt mal davon aus, dass 100 Eier legen ein genauso hoher Aufwand ist, wie ein lebendes Kind zur Welt zu bringen. Darum mag ich da auch weder nem Fischweibchen, noch ner Elefantenkuh irgendwas absprechen. Wobei, Elefanten sind 2 Jahre Trächtig. Das will ich mir gar nicht vorstellen...

Die Natur hat das also ganz schlau hinbekommen. Weibchen werden mit Hormonen vollgepumpt, damit sie die ganze Prozedur überhaupt mitmachen. Das mit dem Oxitocin fängt nämlich nicht erst beim Stillen an, nein meine Lieben. Es ist der Grund, weshalb wir immer und immer wieder Sex haben. 

Und naja, wenn das Ei nicht schnell genug weglaufen konnte, dann gibt's halt Nachwuchs. Und bei Säugern läuft das seit 45 Millionen Jahren eben nach dem Motto: What goes in, must come out. Yippieeee. Da hilft dann nur noch Augen zu und durch.

Wie ich auf all das komme? 
Ich war seit der Geburt des Ferkelchens gefühlte 1000x im Basler Zoo. Da gibt es ein Mini-Pig Pärchen, das ungelogen 30 Junge pro Jahr bekommt. Die arme Sau ist zwei mal jährlich Schwanger und dann kommen da gleich 12-15 Ferkel raus. Das muss man sich mal vorstellen. Und wenn man die Sau beobachtet, die hat total die Ruhe weg. Echt jetzt, ich hab die noch nie aufgeregt gesehen. 

Ich persönlich hab ja nun 2 Schwangerschaften hinter mir und kann nur bestätigen: jede Schwangerschaft ist anders. 
Die erste ging super von Statten. Gut erst 14 Wochen bei jedem Bissen über der Kloschüssel hängen. Das hatten die beiden Schwangerschaften gemein. Ich gehör ja zu den Frauen, die gar keinen Test zu kaufen brauchen. Ich kotz direkt los.
Jedenfalls danach wurde es besser - klar mal Rückenschmerzen. Aber ansonsten war ich fit bis zum letzten Tag. 
Es war auch alles viel aufregender und hab mich bei jedem Strampeln gefreut. 

Die zweite Schwangerschaft war unendlich viel anstrengender. Körperlich bin ich seither ein Frack, eine Erkältung oder Magen-Darm-Erkrankung nach der anderen. Allerlei Kapriolen des Babys, dazu das große Ferkelchen und Umzug und Abschluss und Abschluss des Trüffels. Herrje, das hat echt keinen Spaß gemacht. 

Es ist unglaublich, was ein Körper da so wegstecken kann. Mir wurde vor Kurzem erklärt, dass Schwangerschaft ja so eine Art natürlicher Zustand für Frauen sei. Nee, ist klar. Also so ein Blödsinn. Normal ist das überhaupt nicht. 

Schwangerschaften sind eine unglaubliche Sache. Dass alle Weibchen der Welt das aushalten und durchhalten ist ein Wunder. Ganz unglaublich und mehr als bewundernswert. Eine Leistung, die ihres Gleichen sucht. 
Das wollte ich einfach mal gesagt haben. Das ist nicht einfach 'normal', die Fähigkeit zur Fortpflanzung ist grandios. Und sollte viel mehr gewürdigt werden!

Montag, 2. September 2013

Das Ende naht

Hoffe ich zumindest. Das Ende des Umzugs, der Schwangerschaft, der Diss... 
Mir reicht's so langsam. Alles sehr anstrengend. Aber nur Jammern will ich nicht. Es war ja vorher klar, dass dies ein verrücktes Jahr wird.

Mich beschäftigen gerade gleich mehrere Dinge:

Das Ferkelchen ist in Ferien. Bei Oma (sie hat die Schwiegermutter 'Oma-Bodenwischen' getauft. Mein wunderbares Kind!) und Opa. 12 Tage schon. Und sie weigert sich, mit den ollen Eltern zu telefonieren. Die Oma behauptet, sie sei ganz lieb und es sei auch nachts kein Problem. 
Tja, jetzt steh ich so a bissel wie der Ochs vorm Berg. Mein Kind geht mit 26 Monaten einfach so 2 Wochen in Ferien, ist zum ersten Mal ganz von den Eltern weg - und vermisst uns offensichtlich nicht allzu sehr. 
Das gibt mir schon so einen Knick. Dabei bin ich eigentlich stolz, wie groß das Töchterchen bereits ist. Trotzdem. Was kommt nächstes Jahr? Steht sie da in der Tür mit ihrem Rucksack und zieht mal los auf Backpackingtour durch Australien? Ich mein ja nur...
Wann ist dieses Kind eigentlich so groß geworden???

Außerdem hat mich das Babyfieber gepackt. Meine Hormone drehen irgendwie durch und das kenne ich von mir gar nicht. Ich bin also dabei alles babyfertig zu machen. Bei jedem Body, den ich den Schrank räume, werde ich sentimental: Ich weiß noch wann und welchen Situationen der Ferkelchen diese Sachen anhatte... Sie war ja so süßßß! Der Trüffel fällt schon fast vom Stuhl ob des Hormonschubs, der mich da gepackt hat. 
Mehr und mehr fühl ich mich, als wär ich fremdgesteuert.

Wir haben also in den letzten Tagen versucht einiges zu regeln, wo wir doch Ferien haben. Unter anderem die Sache mit dem Nabelschnurblut. Eine echte Tortur. Ich sehne mich nach Basel zurück!

Eine öffentliche Nabelschnurblutspende liegt mir sehr am Herzen. Ich möchte das jedem ans Herz legen.
Das Nabelschnurblut enthält kindliche Stammzellen, die man einfrieren kann und bei einigen Krankheiten in der Therapie bereits heute einsetzen kann. Gleich zu Beginn: nein, daraus kann man jetzt nicht einfach neue Organe züchten, auch nicht in Zukunft. Es gibt aber durchaus jetzt schon Therapien, die auf Stammzellen basieren. Etwa bei verschieden Krebsarten, oder Hauttransplantate. 

Nun kommt ein wenig Statistik mit ins Spiel. Super, könnte man denken, frier ich mir doch für mein Kind mein eigenes Nabelschnurblut ein. Kann man machen - sinnvoll ist es allerdings nicht. Es kostet viel Geld und die meisten privaten Anbieter achten zu wenig auf die Qualität der Spende. Wenn man das dann wieder auftaut und im Bedarfsfall verwenden will, sind alle Zellen tot. Das hilft nicht wirklich weiter und zerstört nur Hoffnungen. 
Der statistische Fall, dass man seine eigene Spende braucht und die dann auch gut ist, ist derart unwahrscheinlich, dass man mit einer privaten Spende nur Geld rauswirft.

Es gibt ja nun auch die öffentlichen Banken. Etwa das Deutsche Stammzellzentrum in Mannheim, oder die Uni Erlangen, die anonyme Spenden einfrieren. Man hat bei diesen Stammzellbanken kein Zugriffsrecht mehr auch seine eigene Spende. Im Bedarfsfall werden grundsätzlich Allotransplantationsnen gemacht, d.h. passende Spenden von Fremden verwendet. Das ist auch überhaupt kein Problem. Da muss man heute nicht mehr ein Leben lang Immunsuppressiva schlucken, oder mit Abstoßung rechnen. Es gibt inzwischen fantastische Verfahren, die die Verträglichkeit einer fremden Spende erhöhen. 
Man braucht also eigentlich gar keine eigene Spende zu machen. Umso wichtiger ist es, ein weltweites Netzwerk auf qualitativ hochwertigen Spenden zu unterhalten, auf das jeder Mensch dann Zugriff hat bei Bedarf. Und genau da gibt es Probleme.
All das kostet und in Deutschland wird das nicht mehr mit Bundesgeldern gefördert. Also machen nur eine Handvoll Unis in diesem Netzwerk mit. Sie finanzieren diese Projekte über Drittmittel. 
Manchmal schliessen sie auch Verträge mit Geburtskliniken, deren Spenden sie dann einfrieren. In diesen Kliniken braucht es dann aber speziell geschultes und sehr erfahrenes Personal für diese Prozedur. 
Alles in allem ist die Situation extrem enttäuschend, bedenkt man, dass das Nabelschnurblut ja ansonsten nur weggeworfen wird. Es ist im Grunde extrem wertvoller Müll, aber das Recycling ist teuer, also wird er verbrannt. 
Dass immer noch weltweit 10-40% (je nach Land) der Bedürftigen auf passende Spenden wartet und diese nicht bekommt - ist Pech. Deutschland hat ein Organspendeobligatorium, aber die Stammzellen werden weggeschmissen. Sehr peinlich, wie ich finde. Andersherum würde ein Schuh draus.
Im Übrigen muss man sagen, in Häusern, in denen es sehr sehr seeeeehr erfahrene Hebammen gibt, die Nabelschnurblut in der nötigen Qualität abnehmen können, liegt die Quote der überhaupt eingefrorenen Spenden bei max. 10%. Alles andere wandert eh in den Müll, weil die Qualität nicht stimmt. In Deutschland erreicht gerade eine Uniklinik diesen Wert. Auch wenn in vielen Kliniken offiziell geschultes und zertifiziertes Personal im Einsatz ist. 
Umso mehr Spenden bräuchte es, um eine umfassende weltweite Sammzellbank aufzubauen. 

Jedenfalls haben wir wirklich alles versucht, aber es ist uns nicht möglich, unser Nabelschnurblut des Babyferkels zu spenden. Da ich ja gerade in genau dieser Disziplin jetzt 4 Jahre Promotion hinter mir habe, bin ich bitter enttäuscht. Das muss ich zugeben. 

Wir haben im Übrigen schon eine eingefrorene Spende - die des Ferkelchens. In Basel wird das zwar auch aus Drittmitteln finanziert, aber es wird durchaus routinemäßig gemacht, sie erreichen dort die 10% Erfolgsquote und koordinieren die Stammzellbank für die Schweiz. Dort hat man im Bedarfsfall - und falls die eigene Probe noch vorhanden ist - auch Zugriff darauf. Es ist praktisch wie bei einer Knochenmarkspende. Man registriert sich und es gibt Anschluss an das weltweite Netzwerk. 

Schade, dass Deutschland aus Kostengründen wieder mal bei den Menschen spart. Wir werden es einfach beim nächsten Kind wieder versuchen.

Eltern sollten also aktiv nachfragen, die Möglichkeit zu Spende einfordern! Denn vielleicht sitzt gerade jetzt eine Familie um das Bett eines Kindes und hofft, dass ein passender Spender gefunden wird! Es geht nur darum! Und jeder ist irgendjemandes Kind. Es gibt immer eine weinende Familie für jedes besetzte Krankenbett!