Dienstag, 30. Juli 2013

Sicherheit

Ich meine nicht die Sicherheit, die man sich versucht mit Knieschützern und Fahrradhelm zu montieren. Ich meine diesmal die innere Sicherheit, woher sie kommt, wie man zu ihr kommt, oder was man macht, wenn sie weg ist.

Es geht mir zunächst nicht um die großen Fragen, sondern die kleinen alltäglichen Situationen im Leben junger Eltern. Das Kind ist da, nun will und muss man alles richtig machen, sonst passiert etwas ganz Schreckliches. Bestimmt. Behaupten jedenfalls alle.

Damit fängt es schon an: Suggestion. Wenn man etwas falsch macht, passiert doch etwas Schlimmes, oder? Oder etwa nicht? Und dann dieses komische Gefühl, irgendwie eine Traurigkeit wenn das Kind weint, und Bedenken und Schuldzuweisungen und überhaupt weiß man ja gar nicht, was denn nun richtig und falsch ist. Aber wenn das Kind weint, war's bestimmt falsch. Und die Verantwortung und die eigenen Ansprüche und die Zerrissenheit und die Ratgeber sagen alle was ganz anderes und die anderen Mütter auch und die Hebamme/Beraterin/Betreuerin sowieso. Und die Schwiegermutter und der Mann hält sich raus, oder ist genauso verwirrt und deshalb keine große Hilfe...

DIESE SCHRECKLICHE UNSICHERHEIT TREIBT JUNGE ELTERN IN DEN WAHNSINN!

Jeder Mensch muss ständig in seinem Leben Entscheidungen treffen. Mit Kind übernimmt man die Entscheidungshoheit über einen anderen Menschen. So entsteht Druck auch ja die richtige Entscheidung zu fällen. Auch auf Gebieten, auf denen man kein Experte ist, mit denen man noch nie konfrontiert war. Man ist gezwungen zu sagen wo's lang geht, auch wenn man das selber nicht weiß. 
Dass das Unsicherheit und Angst provoziert ist jedem klar. 

Nur, was macht man dann mit dieser Angst? 

Klar, man kann davon laufen und reagieren wie ein blindes Huhn - Panik. Man kann sich abwenden und jemand anderen entscheiden lassen. Man kann von dieser ständigen Überforderung krank werden. Alles keine schöne Aussichten. Passiert aber. Jedem einmal.
Problematisch wird das erst, wenn man immer panisch oder resigniert reagiert.

Man kann aber auch trainieren, sich eine gewisse innere Sicherheit zuzulegen, eine innere Unabhängigkeit. Man kann trainieren Entscheidungen nach Fakten zu treffen, oder nach Bauchgefühl. Wichtig finde ich nur, dass man klar hinter seiner Entscheidung steht, sie vertritt und seinen Mitmenschen (auch dem Kind) deutlich signalisiert: Ich habe das jetzt so entschieden, ich will das so. Je älter der Mitmensch, je eher kann man dann darüber diskutieren - wenn man denn will.

Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber und macht einem nur das Leben schwer. Jeder von uns entscheidet jedes Mal nach einer gewissen Abwägung. Keiner von uns lässt die Würfel entscheiden. Wir haben also unsere Gründe. Wir zweifeln sie nur sofort wieder an. Und dann fängt die Spirale an sich zu drehen.

Ich will das bewusst nicht als Vorwurf formulieren, eher als Aufforderung:
Tu was du willst, aber dann tu es auch! 
Wer sich im Netz der Unsicherheit verfängt, kann nicht mehr reagieren. 
Klar passiert das trotzdem. Aber im Grunde sind die wenigsten Entscheidungen derart dramatisch, dass es um Leben und Tod geht. Man hat also ausreichend Möglichkeiten zu üben. 

Als Eltern ist die Situation dennoch besonders. Gerate ich in Panik, ziehe ich mein Kind unweigerlich da mit rein. Das endet immer mit Tränen und einem sehr schlechten Gewissen und noch mehr Zweifeln.

Ein Kind muss aber wissen, dass es sich auf Mama und Papa verlassen kann, dass es keine Angst zu haben braucht, dass das was Mapa sagt eine Art Naturgesetz ist. 
Natürlich stimmt das nicht und je größer das Kind wird, desto mehr kann man das relativieren und erklären. 
Angst erschüttert das Vertrauen des Kindes. Darum ist das bei den Kleinen besonders wichtig. Ist das Vertrauen da, kann eine Fehlentscheidung nichts ändern. Kinder können das durchaus ab. Nur die Panik macht sie verrückt. So wie bei Erwachseneren auch.

Man hat ne Menge Gelegenheit zu üben, wie man diese innere Sicherheit erlangt. Entscheidungen treffen zu können, die man nicht sofort bereut, ist ein echter Vorteil in allen Bereichen des Lebens. Führungskräfte, Rettungshelfer und medizinisches Personal - sie alle müssen das lernen. Sie alle erhalten eine Ausbildung darin. 
Eltern erhalten keine Ausbildung. Für sie gilt: Versuch macht klug. Aber eben, man braucht nicht schon vor dem Versuch Angst zu haben oder dem Ergebnis. Selten wird aus einer Entscheidung eine Kindeswohlgefährdung. 
Ausser ein paar Tränen setzt man erstmal nichts aufs Spiel, und Tränen kann ein Kind verkraften. Vielleicht sogar besser, als die Eltern...

Wer also dem Kind eine Ansage macht und keinen dauerhaften Schaden feststellen kann, der hat offensichtlich nicht so viel falsch gemacht mit dieser Ansage. Und wer meint, es sei schon Ausübung psychischer Gewalt dem Kind Gemüse vorzusetzen, obwohl es Nudeln will, der übertreibt vielleicht ein ganz klein bisschen. 
Ja, man braucht sowas wie einen inneren Kompass, einen gesunden Menschenverstand. Und die meisten Menschen haben das auch. Manche nennen es auch Bauchgefühl und es wird geschult, je mehr Erfahrung man im Leben sammelt. Man muss sich nur darauf verlassen. Das ist echt nicht so schwer, wie es sich anhört.

Samstag, 20. Juli 2013

Elternzeit

Für mich ein ganz schwieriges Thema. Zum einen, weil ich andere gute Erfahrungen gemacht habe, die Elternzeit nicht mit einschließen. Zum anderen, weil ich Elternzeit für ein makaberes Instrument von Schwarz-Gelb halte, um Frauen in fiktive Rollenbilder zu drängen.

Zu Anfang möchte ich ganz klar betonen, dass ich finde, jeder sollte sein Familienleben genau so organisieren können, wie er es für richtig hält. Und ich finde Mütter und Väter dürften nicht unterschiedlich behandelt werden - gesellschaftlich, im Arbeitsleben und in der Familie.
Ich weiß zudem auch, dass nicht jeder so tickt, wie ich und auch nicht jeder so stur, unverblümt und leistungswillig ist, wie ich.

Meine kritische Haltung gegenüber der Elternzeit setzt sich aus verschiedenen Aspekten zusammen.
1. Tradition der arbeitenden Mütter
Wie schon öfters erwähnt, stamme ich aus einer klassischen Arbeiterfamilie, in der immer alle Frauen auch mit Babys voll arbeiten mussten. Es ging ums Geld, denn die Männer in der Familie haben zwar regulär gearbeitet, aber der Ausbildungsstand lies leider kein Einkommen zu, von dem man eine Familie ernähren kann. Das war in den 60igern so. Das war in den 80igern so. Es wurde gearbeitet, um Leben zu können, nicht um nach Thailand in den Urlaub fliegen zu können.
Daher rührt mein Leistungswille. Von nix kommt nix. Ich habe bereits mit 14 gearbeitet, Sprachreisen selber finanziert, mein Studium (bis auf die damals 150Euro Kindergeld) komplett selber finanziert, die weitere Ausbildung bis jetzt auch. Das hat mich sehr geprägt. Ich finde es aber eine sehr gute Sache. Ich unterstelle auch anderen nicht, sie wären faul. Aber ein gewisses Maß an Tatendrang und Improvisationsfähigkeit sollte man entwickeln bevor man 25 Jahre ist. 

2. PhD mit Kind in der Schweiz. 
Ich bin offiziell Auszubildende, bekam hier auch ein dementsprechendes Gehalt. Es liegt 100 Franken über dem absoluten Existenzminimum der Schweiz. Mein Mann genauso. Als Einzelperson kann man davon wunderbar leben, sofern man nicht 5x im Jahr in Urlaub fahren will. Dann kam das Kind. Keiner von uns wollte den PhD beenden. Also Weiterarbeiten zu 100%. Teilzeit gibt's in meinem Fach nicht und hätte keiner unserer Chefs gebilligt. Zugegeben, die Vollzeitkita wird uns zu einem sehr großen Teil bezuschusst vom Kanton. Im Gegenzug arbeiten wir so viel wie möglich, so gut wie möglich, um so schnell wie möglich den Abschluss zu machen. In der ganzen Zeit hatten wir nur für 5 Monate 2 Gehälter. Ansonsten hat immer einer ohne Vertrag gearbeitet. Die Oma hat dann ein Jahr lang 300 Euro im Monat bezuschusst, als Kredit. 
Es ist knapp, wie haben gespart und die Monate ohne Vertrag zehren das Ersparte sofort wieder auf. Ja das ist so. Wir hungern nicht, aber wir sparen eisern. Wir bekommen bis auf die Kita keine weitere Bezuschussung.
In der CH gibt es keine Elternzeit. Die Tochter kam mit 3,5 Monaten in die Kita. Es hat ihr nicht geschadet. Es hat uns nicht geschadet. Ich würde es sofort und immer wieder so machen. Ich kenne es auch nicht anders. Ich bin genauso aufgewachsen. Wir als Familie tragen die Konsequenzen, die diese Entscheidung haben mag. Wer sich anders entscheidet muss andere Konsequenzen tragen. 

Die ersten Wochen wieder im Labor waren anstrengend. Es braucht Zeit bis sich die Familie eingespielt hat, die muss man jedem auch zugestehen. Meine Chefin wollte das nicht, ich musste das vehement einfordern. Wir haben uns dann im Streit darauf geeinigt, dass sie den Mund halten soll, so lange ich gute Ergebnisse bringe. Ich weiß, dass es schwierig sein kann sich mit dem Arbeitgeber auseinander zu setzten. Da kommt aber keiner drum herum. Die Situation ändert sich nunmal und man muss von beiden Seiten einen Kompromiss aushandeln. Wer gute Arbeit leistet, hat auch ein gutes Argument.
Am Ende muss ich sagen, Vollzeitarbeit und Kind liessen sich sehr gut kombinieren. Als Hilfe hatten wir ausschliesslich die Kita. Das ging. Es ist viel Arbeit, es ist anstrengend, aber gut machbar. Auch jetzt hochschwanger und alleinerziehend mit Hochdruck zu arbeiten funktioniert erstaunlich gut. 

Wenn alle Beteiligten als Team gut zusammen funktionieren. Das ist aber die absolut wichtigste Grundvoraussetzung überhaupt. Der Plan funktioniert nur, wenn alle mitspielen. 

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man mit Kindern finanziell immer draufzahlt, mal mehr mal weniger. Wenn ich aber die nächsten 30 Jahre arbeite, kommt das wahrscheinlich wieder rein.

Ich sehe also für mich keinen Grund, eine Elternzeit in Anspruch zu nehmen. 

3. Der Partner.
Vor Hochzeit und Kind haben wir ganz klar vereinbart, dass nichts wichtiger ist, als die Familie. Egal wer wann wieviel Geld verdient, kein Job ist wichtiger, keine langfristige Perspektive ist wichtiger, als die des anderen. Augenhöhe oder gar nicht. Hab ich ganz deutlich so gesagt, hat er abgenickt. Ist im Moment, so lange wir so wenig persönlichen Freiraum haben, nicht verhandelbar. Wir machen nicht 50/50. Wenn einer für ein paar Wochen mehr arbeiten muss, hält der andere den Rücken frei. Ich achte penibel darauf, dass sich da nichts einspielt, mit dem ich nicht dauerhaft leben möchte. Er tut das auch. Haushalt wird tatsächlich gerecht geteilt, steht aber auf der Prioritätenliste ganz weit unten. Saubere Fenster sind mir sowas von Wurscht, Hauptsache der Kühlschrank ist voll und jeder findet was sauberes zum Anziehen. Marke 'Kurz und Knackig'. 
Abends (also nach der Kita) ist für alle zusammen Familienzeit. Auch nicht verhandelbar. 
Wir sind beide tatsächlich der Meinung, dass weder die familiären Sorgen, noch die finanzielle Last auf eine Person geschoben werden darf. Im Gegenteil, je gleichmäßiger das verteilt ist, desto besser für alle. Dafür hat aber auch jeder das gleiche Recht auf die familiäre Freude. 
Ich würde meinem Mann niemals etwas, das mit den Kind zu tun hat, aus der Hand nehmen, weil er es anders macht. Er hat auch selbstständig in der neuen Wohnung entschieden, wo was steht, welche Lampe wohin kommt etc. Er fragte, ob ich spezielle Wünsche hätte, ich hab Vorschläge gemacht. Letztlich hat er entschieden. Hab ich gar kein Problem mit. Das Ergebnis ist gut geworden. Genauso hatte ich die Wohnung ausgesucht, nach Kriterien, die wir vorher besprochen hatten. Er hat den Vertrag mitunterzeichnet, ohne die Wohnung je gesehen zu haben. Das zum Beispiel eines guten Teams.

4. Die Gesellschaft
Ich bin durch recht gnadenlose Erfahrungen zu dem Schluss gekommen, dass mich nicht interessiert, was andere sagen. Kommt mir einer blöd, wird er von der Freundesliste gestrichen. Enge Freunde dürfen mir gerne etwas sagen, auch die Familie im weiteren Sinne. So lange jedenfalls, wie sie akzeptieren, dass ich es doch anders mache, wenn ich will. Falls sie das nicht akzeptieren gibt's ne Auszeit. Sendepause. Sehr hilfreiches Mittel, erfordert etwas Mut, aber löst schwammige Konformitätsprobleme sehr effektiv. Auch hier gilt. Ich habe so entschieden und lebe mit den Konsequenzen, wer's anders macht muss mit anderen Konsequenzen leben.

5. Mein Kind und ich.
Meine Töchter sind die wunderbarsten kleine Mädchen, die diese Welt je gesehen hat. Sie werden wunderbare junge Frauen werden. Nicht weil ich sie dazu mache, sondern weil sie so sind. Sie wurden und werden schon mit den besten Eigenschaften geboren. Meine Aufgabe ist es, ihnen den Freiraum zu lassen, diese auszuleben und weiterzuentwickeln. Ich bin immer erstaunt, was die Große alles kann. Nicht auf Anhieb, aber es muss immer die Rutsche für die großen Kinder sein. Da gibt es 1000 Beispiele. Sie darf auch immer alles ausprobieren. Ich achte darauf, dass sie sich nicht verletzt. Mehr nicht. Scheitert sie an etwas tröste ich sie zur Not. Meist ermutige ich sie es noch einmal zu versuchen. Auch wenn's das schlimmste Geheule gibt. Oft sage ich inzwischen 'das kannst du selber'. Dann trotzt sie und macht es halt selber, sobald sie sich beruhigt hat. Ich sage niemals nein, wenn sie Kuscheln will. Ich spiele viel mit ihr. Ich diskutiere nicht mit ihr. Das mag später kommen. 
Meine Tochter weiß, wie sehr ich sie liebe. Und sie weiß, dass sie manchmal ihre Bedürfnisse hinten anstellen muss. Das erzeugt viel Geschrei. Ist aber so. Papa tut sich da mit dem Konsequentsein etwas schwerer.
Meine Mutter sagte immer: Kinder muss man nicht ziehen, die wachsen von selber. Leuchtet mir ein.

6. Elternzeit
In 4 Wochen komme ich nach Deutschland. In 6 Wochen kommt das Baby. Ich werde keinen Anspruch auf Elterngeld oder Mutterschutzzulagen haben. Darum haben wir Kitaplätze für alle organisiert. Damit fällt auch die Herdprämie weg. Als einzigstes könnte ich Sozialhilfe beantragen. Da der Mann arbeitet, würde ich eh nix bekommen. Ich könnte auch zu Hause bleiben. Das würde so knapp hinkommen. Will ich aber nicht. Passt nicht zu mir, ist nicht mein Ding. Ich find's zu langweilig nur mit Baby daheim. Und ich will auch nicht nur andere Mütter als Gesprächspartner. Das passt einfach nicht zu mir persönlich. Das bin ich nicht. Ich habe bereits angefangen mich zu bewerben für Februar 2014. Ich habe bereits Angebote erhalten, vorläufige. Ich bin zuversichtlich, dass ich doch irgendetwas finde. Auch dank meiner guten Ausbildung, die ich mir selbst erarbeitet habe. Ich habe in den letzten 10 Jahren gearbeitet, wie ein Tier, lange Jahre mit 70-80 Stunden die Woche. Meine guten Abschlüsse sind mein Verdienst. Darum bekomme ich jetzt die Angebote. Dabei hat mir niemand geholfen, nicht bei Hausaufgaben, nicht beim Lernen, nicht beim Schreiben meiner Abschlussarbeit.
Ich habe daraus eines gelernt: Ich brauche niemandem mehr zu beweisen, dass ich es kann. Ich war nie ehrgeizig, im Sinne, dass ich Prestige oder Kohle wollte. Ich hab einfach gemacht, was mir Spaß machte. Ich weiß nun was wieviel Zeit und Energie kostet. Das habe ich potentiellen Arbeitgebern auch so gesagt. Ich hab da bereits klare Ansagen gemacht, was ich an Zeitaufwand, Engagement und Gehalt an Ansprüchen habe. Ich habe sehr positive Antworten darauf erhalten. 
Klare Forderungen, klare Ansagen von beiden Seiten führen zu einem klaren Deal.
Das Elterngeld stellt für mich eine Art gesellschaftliche Legimitation dar, v.a. Frauen einen Muttermythos aufzulegen. Unter dem Deckmantel: Es geht um das Wohl des Kindes und die Mutter hat ja finanzielle und rechtliche Absicherung werden die Mütter fast gezwungen, dieses Angebot anzunehmen. Denn wer würde sich nicht die Zeit nehmen fürs Kind, wenn er ein Rund-um-Sorglos-Packet bekommt? Ich würde das nicht tun. Und offenbar 80% der Väter auch nicht. Ich lehne das Elterngeld prinzipiell ab, als Fördermittel für Familien, so lange es nicht für beide Elternteile gleich verpflichtend ist. Nur in diesem Falle müsste die Wirtschaft darauf reagieren. SO wie es jetzt ist, bleibt alles beim Alten und wird noch schlimmer, denn die meisten Frauen befürchten Nachteile nach der Elternzeit. Sie sind also weder frei, noch können sie wirklich frei wählen. Es ist keine wirkliche Entscheidung, eher ein verfranzter Kompromiss und zieht darum vielfältigere und unklare Konsequenzen nach sich. Das gefällt mir überhaupt nicht.

7. Forderungen
Das Lied von den Konsequenzen könnte ich den ganzen Tag lang singen. Ich kenne genug Menschen, die genau darum keine Entscheidungen treffen und vieles vor sich herschieben. Ist Zeitverschwendung. Auch das hab ich mühsam gelernt.
Erwachsensein, eine Familie haben, Geld zu verdienen, Entscheidungen zu treffen - all das ist nicht leicht. Aber es nimmt einem keiner ab. Und wenn ich grad schon beim Anpacken bin, kann ich auch gleich Forderungen stellen. Z.B. an Arbeitgeber, Väter und Mütter gleich zu bandeln. Und an die Gesellschaft und die Politik, mir meine Entscheidungsfreiheit zu lassen, so lange ich meine Aufgaben sehr gut erfülle. 

Nun, das ist ein langer Post geworden. Das ist auch kein einfaches Thema. Ich bin so, wie ich bin und habe mir durch meine Erfahrung und grundsätzliche Überlegungen meine Meinung gebildet. Ich persönlich lebe sehr gut damit. Bisher. 
Vieles Verbessert sich in unserer Gesellschaft, langsam zwar, aber stetig. Es gilt weiterhin erhobenen Hauptes voranzugehen und weitere Verbesserungen durchzusetzen.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Der Feind

Es soll hier einmal um meine Schwiegermutter gehen. 
Nun, die Frau ist nicht mein Fall, aber auch nicht mein Problem, denn ich spreche zwei Mal im Jahr mit ihr. Das kann ich durchaus ab. 

Nun kam es, wie es kommen musste... Es ist Ferienzeit. Der Trüffel ist ja schon in der neuen Stadt zum Arbeiten. Also hat er für zwei Wochen das Ferkelchen eingepackt und die Omi und den Opi in die neue Wohnung eingeladen. Praktisch Ferien zuhause, aber doch wo anders und mit den Großeltern.

Ich finde das super. Ich habe auch gleich den Wunsch geäußert, dass die Frau Schwiegermutter doch die Küchenschränke ausputzen und den Kalk im Bad entfernen und ein paar Kartons auspacken könnte etc. Ich werd das jedenfalls nicht machen, wenn ich 2 Wochen vor der Geburt dort ankomme...

Und das Ferkelchen kann mal ausgiebig die Familie kennenlernen. 
Nun zu den Fakten: Die Schwiegereltern sind beide gerade pensioniert, an sich gesund und objektiv sehe ich da keinen Grund zu Sorge.

Das Trüffelchen jedoch leidet schwer - unter seiner Mutter. Ihr Verhältnis ist gelinde gesagt im Teenageralter des Trüffel hängen geblieben. 

So kam es, dass ich bereits am ersten Abend einen Anruf des völlig verzweifelten Trüffels erhielt. Mord und Todschlag. Jedenfalls war das wohl das Wunschtraumszenario... 
Sie nörgelt an allem rum, er beleidigt sie, sie ist gekränkt und spielt den sterbenden Schwan, er ist wütend und schreit und knallt mit den Türen. Das Ferkelchen wird sich gewundert haben. Das kennt sie sonst nicht.

Nun ja. Meine Schwiegermutter ist keine einfache Frau. Ich weiß auch nicht, wann da was schief gelaufen ist und welches Trauma da nicht aufgearbeitet wurde, aber egal was der Bub macht, er macht es nicht recht. Und da das offenbar schon seit 30 Jahren so geht, ist der Bub auch nimmer zu Verhandlungen oder gar zur Verständigung bereit. Verhärtete Fronten. Schade.

Schade ist auch, dass keine Seite anerkennen kann, was die andere eigentlich alles geleistet hat und richtig macht. 
Es ist im Grunde eine kaputte Familie mit Mitgliedern, die sich alle sehnsüchtig vom anderen etwas wünschen würden, es aber nie aussprechen: Respekt. 

Verkorkste Familien gibt es überall. 
Mit meinen Eltern hab ich mich mit 18 furchtbar gefetzt, dann war über Jahre fast Funkstille, aber jetzt sind wir ein Herz und eine Seele. Seit der ersten Schwangerschaft sowieso. Sie sind stolz wie Bolle auf mich, meine Familie, das tollste Enkelferkel der Welt - einfach alles! Selbst meinen Großeltern geht es so. Wir haben unsere Streitigkeiten ausgetragen.

In der Trüffelfamilie war es anders. Da zählt die Fassade viel. Oft hört man Sätze, die beginnen mit: 
Man macht das aber so...
Das Kind muss aber...
Bist du sicher, dass...
Wäre es nicht besser, wenn...
Eher so ein konstantes Nörgeln hintenrum. Das fördert nicht gerade die Harmonie. 

Was soll ich sagen, ich sehe meine Schwiegermutter und denke 'hoffentlich bin ich mit 60 nicht auch so verbittert und verbiestert'. Ich hoffe, ich schaffe es, dass meine Töchter gerne zu mir kommen, dass sie mich nicht am liebsten los werden wollen.

Wir versuchen es ganz klar anders zu machen. Auch darum ist der Trüffel so ein hingebungsvoller Familienmensch, weil er den Halt einer Familie braucht. Darum wollte er so schnell wie möglich eine eigene gründen. Weil ihm der Austausch von Liebe in seiner Herkunftsfamilie fehlt. 
Ob das gut geht bei uns? Oder zumindest besser?
Ich weiß es nicht. Die Zeit wird es zeigen. Ich wünsche es mir für uns alle.

Familie ist nicht einfach. Aber wenn wir etwas vom Weg abgleiten, dann öffnet uns das nächste Weihnachten mit dem obligatorischen Besuch beim Feind sicherlich wieder die Augen. 
Ich wünschte, es wäre anders. 
Aber ich kann den Trüffel verstehen. Drei Tage mit dieser Frau und fragt sich, ob die Ersparnisse für einen Auftragskiller reichen würden. 

Meine Mutter meinte übrigens nach der Hochzeit (wo sich alle zum ersten Mal sahen): Ich denke, wir werden keine Freunde werden. Zum Glück wohnen die so weit weg. 
Danke Mama! Danke danke danke, dass du nicht so bist!!!

Die Schwiegermutter hat im Übrigen auch eine Tochter. Die beiden sind - man ahnt es - ein Herz und eine Seele. Nun ratet mal, wie der Trüffel zu seiner Schwester steht...
Familie eben...

Montag, 8. Juli 2013

Von der Abhängigkeit

Zunehmend konfrontiert mit den Mama-Themen, die in Deutschland so die Runde zu machen scheinen, hab ich mir mal so meine eigenen Gedanken gemacht, was Kinder bedeuten und wie sie heute offensichtlich wahr genommen werden.

Zeitungen, Blogs, Mitschüler, die ich wieder treffe... sie alle vermitteln mir ein Bild von Familie, das ich nicht einfach übernehmen kann. Bekommt frau ein Kind ist dieses auf einmal der Nabel der Welt. Das geht mir nicht runter. 

So sehr ich jede Minute mit Kind genieße, das Kindeswohl steht nicht grundsätzlich über meinem oder dem des Trüffels. Die Wünsche meines Kindes sind nicht wichtiger als meine Wünsche. Es ist nicht meine Intention mich ausschliesslich mit meinem Kind zu beschäftigen, so wie es nicht seine Intension ist, nur mir seine Aufmerksamkeit zu widmen.
Wir sind ein Team - ein sehr gutes - wie ich sagen muss. 
So lange wir alle gesund sind, hat jeder ein gewiesenes Maß an persönlichem Freiraum in dem der andere nichts zu suchen hat.

Mir wurde sehr bestimmt gesagt, dass ich das nicht so sehen könne, weil doch mein Kind so sehr abhängig sei von mir. Weil es doch Schaden nehme, wenn ich diese Abhängigkeit ausnutze oder ignoriere.

Da kam bei mir die Frage auf, wer hier in welchem Maße von wem abhängig ist? 

Nun, kommt das Kind auf die Welt ist es erstmal relativ stark von meiner Hilfe abhängig. Es ist aber nicht einfach ein hilfloses Bündel. Ein Baby so zu sehen, würde seine Kompetenzen, mit denen es geboren wird, glatt negieren.
Klar, es würde verhungern, wenn ich es nicht füttern würde. Aber es kann sich zumindest klar und deutlich mitteilen. 

Diese Phase dauert nur wenige Wochen. Etwa nach zwei Monaten erkennt das Kind: Da ist eine Mama und ein Papa und da bin ich. Ist dieser Schalter umgelegt, fehlt ihm vielleicht noch zunächst für einige Wochen die Muskelkraft, um die Welt zu erkunden, aber klar ist: Von diesem Augenblick an rutsche ich als Mama auf Platz zwei der wichtigsten Personen im Leben des Kindes. 
Auf Platz eins steht das Kind selbst. 

Und genau da beginnt der für Eltern so schwierige Prozess des Loslassens. Mein Kind strebt auf einmal ganz deutlich von mir weg. Hin in sein eigenes Leben mit eigenem Willen, eigenen Vorlieben, eigenen Bedürfnissen. Jeden Tag ein bisschen mehr. 
Mein Kind arbeitet mit Hochdruck daran, seine Abhängigkeit von mir zu lösen.

Natürlich, zu Beginn trifft das nur auf Kleinigkeiten zu. Auch ein Halbjähriges würde verhungern, würde ich es nicht füttern. Aber wer schon mal ein 6monatiges Baby daran hindern musste irgendwo hin zu robben, oder seine Hand wo reinzustecken, der weiß, dass Mamas Wort schon lang nicht mehr das Maß aller Dinge ist.

Von Woche zu Woche interessiert sich mein Kind weniger für mich. Alles andere auf dieser Welt ist interessanter als die Mama. Die Mama ist der sichere Hafen, sie ist da um Kraft zu geben, zu trösten, zu kuscheln, Grundbedürfnisse zu stillen etc. Aber mein Kind würde nie auf die Idee kommen, dass sich alles nur um Mama dreht. 
Wieso sollte es da Sinn machen, wenn sich im Leben der Mama nur noch alles um das Kind dreht?
Die Mama bietet Sicherheit, aber sie steht nicht im Mittelpunkt.

So häufen sich die Situationen, in denen das emotionale und psychische Abhängigkeitsverhältnis in Schieflage gerät. Nur wenige Monate nach der Geburt ist auf einmal faktisch die Mutter in höherem Maße vom Kind abhängig, als das Kind von ihr. 
Je ideologisierter und mystifizierter das Mutter-Kind-Verhältnis aufgeladen wird, desto stärker die Schieflage des Abhängigkeitsverhältnisses.
Mein Kind interessiert sich von Jahr zu Jahr weniger für mich, aber ich soll mich als gute Mutter für den Rest meines Lebens hauptsächlich für mein Kind interessieren? In der Realität gar nicht möglich und wie ich finde nicht wünschenswert. 
Mein Kind ist mein Kind, nicht mein Herr und Meister. Im Gegenteil - ich soll es ja erziehen, also MUSS ich oft genug meine Meinung über seine stellen. Im besten Falle kann ich dem Kind seine Meinung als gleichberechtigt zugestehen. Bei ungefährlichen Sachen und Kleinigkeiten.

All das leuchtet wahrscheinlich den meisten Menschen noch ein. Warum dann der Muttermythos? Warum diese Debatten? Warum soll die Mutter zum Kind gehören?

Ich kann mir zwei Hauptgründe vorstellen. 
Zum einen gibt es für Eltern wohl nur zwei wichtige Dinge im Leben mit Kind die unsägliche emotionale Schmerzen verursachen: Sein Kind zu verlieren und sein Kind erwachsen werden zu sehen. Die Eltern verlieren in beiden Fällen, auch wenn der Tod eines Kindes ungleich schlimmer ist. Ich sehe aber genügend Frauen, die schwer unter dem Schmerz leiden, dass ihre Kinder groß werden und sich nicht für sie interessieren. Vielleicht schmerzt es auch einfach, wenn man merkt, wie sehr man als Mutter von seinem Kind abhängig ist. Das dürfte ein ernsthaftes Problem für jedes Ego darstellen.
Zum anderen scheint es auf den ersten Blick tatsächlich eine Summe von Fehleinschätzungen auf Grund von Abhängigkeitsverhältnissen innerhalb der Familie zu sein. Die Annahme, dass Kinder hilflos sind, dass klare Rollenbilder das Leben vereinfachen, dass klare Hierarchien zu klaren und effizienten Verhaltensweisen führen, dass Machtstrukturen das Zusammenleben sinnvoll regeln können. 
Selbst wenn jeder eine klar definierte Aufgabe haben mag, so ist doch kein Mensch eine Maschine. Und individuelle Bedürfnisse einfach zu ignorieren kann nicht funktionieren  Tut es offensichtlich auch nicht, sonst gäbe es keine Debatten, Gewalttaten, Scheidungen etc.

Ich tu mir auch schwer damit, dass meine Tochter immer weniger meiner Fürsorge bedarf und ich warten muss, bis sie auf mich zu kommt und etwas von mir will. Und doch überwiegt bei mir eindeutig der unbändige Stolz auf dieses Kind, dass ohne Angst und mit voller Neugier alles hinterfragt und bestaunt. Mein Kind kennt noch keine Scham und auch keine Angst. Das ist verdammt gut und bisher haben sich meine Anstrengungen als Mutter wohl gelohnt - auch ohne Glorifizierung meiner Aufgabe.
Zudem halte ich es für unabdingbar mein Kind grundsätzlich als Person zu respektieren und von ihm respektiert zu werden. Wie aber relativ starke Abhängigkeitsverhältnisse mit Respektverhältnissen zu kombinieren sind, ist mir ein Rätsel. Ich kann mir schlicht keine vernünftige Lösung dieses Problems vorstellen.

Ich möchte noch anfügen, dass ich zwar absichtlich aus meiner Sicht als Mutter formuliert habe, ich aber das 'Mutter' ohne weiteres durch das 'Vater' ersetzen würde. 

Donnerstag, 4. Juli 2013

Vorsorge

Mir passierte da etwas - letzte Woche. Das beschäftigt mich.

Ich muss zugeben, ich bin von vorne herein skeptisch gegenüber Schwangerschaftsvorsorge. Nicht, weil ich es falsch oder überflüssig finde. Nein, im Gegenteil. Ich trete entschieden für schulmedizinische Massnahmen ein. Ich erkenne klar den Vorteil von Vorsorgeuntersuchungen.

Was mich aber enorm stört ist, dass ich als gesunde Schwangere zum Arzt gehe und dort als potentiell Kranke behandelt werde. Nicht als Gesunde, nicht als Erwartende. Es ist immer das Gefühl, man will mir etwas anhängen.

Nun, in der Schweiz, wird Anfang des 7. Monats ein Diabetestest gemacht bei allen Schwangeren. An sich eine gute Sache. 
In der Klinik gibt es dabei verschiede Abwägungen zu machen. Man braucht ein Screening, dass alle Betroffenen erfasst, wenig Organisation und Personal benötigt und nicht belastet. Allein daraus ergibt sich ein gewisses statistisches Problem. Man braucht einen Kompromiss, der eine haltbare Zahl falsch negativer Ergebnisse einer gewissen Zahl falsch positiv Diagnostizierter gegenüber stellt. 
Als Wissenschaftlerin ist mir das mehr als klar. 

Noch vor Jahren wurde routinemässig ein OGT75 gemacht. Das fanden weder die Schwangeren, noch die niedergelassenen Ärzte gut. Also misst man nun den Nüchternglukosewert, setzt Grenzwerte fest und diagnostiziert. Das ist absolut legitim, wenn auch statistisch durchaus diskutabel.
So wurde auch bei mir GDM diagnostiziert.

Nun weiß ich nicht nur einiges über Statistik und wissenschaftliche Studien, sondern auch über Diabetes. Und ich war mir sicher, ich bin gesund. Keine Risikofaktoren, sowieso unglaublich gesunde Ernährung, dafür aber durchaus Stress und kleinere Infektionen. 

Mein Gespräch mit der Assistenzärztin war zudem hochinteressant. Ich musste mit ihr noch so einiges weiteres diskutieren, weil ich mit einigem nicht einverstanden war. Dann sagte sie mir in genau diesen Worten: Frau Rosalie, sie haben GDM, aber wenn wir das behandeln, können sie vielleicht eine normale Geburt haben. Kommen Sie dann bitte in 4 Wochen wieder. Haben sie noch Fragen? 
Äh, nein danke.

Ich ging nach Hause und als ich mich beruhigt hatte, mit einigen Leuten gesprochen und über das Ganze nachgedacht hatte, wendete ich mich nochmals an die Klinik, um mal ein ernstes Wort mit einem der Oberärzte zu reden.
Das erwies sich als nicht ganz so einfach. Klar, die haben auch viel zu tun. 

In der Zwischenzeit erhielt ich per Telefon einen Termin bei der Diabetesberatung. Dort teilte man mir auf Nachfrage mit, es werde keine weiteren Tests geben, ich werde instruiert, wie man Blutzucker misst und Tagebuch führt und Diät hält. Ich hab dann nachgelesen - die wollen 6 Messwerte am Tag! Find ich persönlich jetzt ein ganz klein bisschen übertrieben...
Die Dame fing ihre Sätze im Übrigen mit 'Sie müssen dann...' an. 

Über Umwege saß ich dann doch irgendwann vor einem Oberarzt. Der konnte meine Argumentation verstehen und man schob mich zu einem OGT75 zwischen 2 Termine rein.

Das Resultat: natürlich bin ich kerngesund. Jedenfalls ist das für mich natürlich. Ich kenne meinen Körper extrem gut und bin auch kein bisschen verblendet. 

Das ist bei mir der Fall. Ich weiß das. Ein Arzt, der viele 100 Schwangere im Jahr sieht, mag sich aus gegebenem Anlass nicht daran orientieren. 

Dennoch, ich mag es nicht so behandelt zu werden. Ich muss nämlich gar nichts, auch nicht zur Vorsorge. Ich muss auch mit GDM nicht Blutzuckermessen, wenn ich nicht will. Ich kann das alles in Anspruch nehmen, aber ich muss nicht. Das geht gern vergessen in einer Situation, in der sich medizinisches Personal über den Patienten stellt. 

Das ist kein Vorwurf, denn die Assistenzärztin mag damit nur ihre Unsicherheit kaschieren. Oder sie meint, sie hätte den Durchblick, weil sie Medizin studiert hat. Aber ihr mag einfach die Erfahrung gefehlt haben. 
Jedenfalls steht ganz klar viel zu wenig die Aufklärung im Vordergrund, dafür werden viel zu viele Untersuchungen gemacht, weil die Kasse sie halt zahlt. 

Bei der Durchsicht meiner Akten fiel mir so auf, dass für 2 Schwangerschaften insgesamt 3x Antigentests gemacht wurden zur Bestimmung der Blutgruppe. Ob mir ein Mediziner erklären kann, weshalb sie vermuten, meine Blutgruppe würde sich alle 5 Minuten ändern? Wohl kaum.

Hinzu kommen ständig Blutuntersuchungen, die bei mir echt nicht nötig sind und die ich dementsprechend ablehne. Ich muss das jedesmal rechtfertigen, weil ich von den Ärzten regelrecht angegangen werde. Dabei sollte die mich erstmal überzeugend aufklären, weshalb ich diese Untersuchungen machen lassen soll. Ich rede hier von ständigen HIV Tests, Clamydien, Papilloma, Titterbestimmungen aller möglichen Krankheiten, gegen die ich aber sämtlich geimpft bin und auch nicht zu einer Risikogruppe gehöre. Sie wollen mit Eisentabletten geben, dabei ist mein HB super gut, genauso Magnesium, dabei hab ich weder Beschwerden und mein Muttermund ist geradezu vorbildlich. 

Nun das alles gibt Geld. Klar. Aber ich bekomme alle Rechnungen zu Gesicht. Möchte einer wissen, was so eine PCR kostet? Nein? Besser so. Ich jedenfalls kann das in meinem Labor um ein Viertel dessen machen...

Es ärgert mich einfach. Denn ich bin gesund und möchte auch nicht als Risiko behandelt werden. Mein Kind ist auch gesund. Ich weiß das. Es ist in meinem Bauch und ich weiß sehr genau, was da so vor sich geht. Ärzte sollten das respektieren. 
Und sie sollten sich zur Abwechslung mal darüber freuen, wenn keine Menschen mit echt gravierenden Probleme vor ihnen sitzen. Das ist ja gerade das schöne an der Geburtsheilkunde. Auch wenn dieses Fachgebiet noch so unberechenbar ist, man hat doch auch kerngesunde Schwangere, die einfach guter Hoffnung sind, vor sich sitzen. Kein anderer Arzt (ausser vielleicht ein Kinderarzt z.T.) kommt in diese Situation.

Und abgesehen von falschen Diagnosen, wie reagieren wohl andere Frauen? Sie machen sich Sorgen, verlieren das Gefühl für ihren Körper, fokussieren auf das Risiko, statt vernünftig mit ihrer Schwangerschaft umzugehen. Es entsteht ein Hype und dann eine Gegenbewegung. 
Verunsicherung medizinischer Laien hat fatale Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und dann auf die Gesellschaft. 
Da diskutieren dann Leute dogmatisch über PDAs, Geburtshäuser, Kaiserschnitte, Stillen, Impfen etc. Nicht-Aufklärung ist gar keine schöne Sache. 

Dabei ist eine Schwangerschaft erstmal kein Grund zur Sorge, sondern zur Freude. Diese pathologisierende Sorgenkultur führt zu einer Absicherungsindustrie, die mir reichlich suspekt ist. Ein klarer Fall von 'gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht'. Dabei wollen Ärzte einem eigentlich nichts Böses. 

So versuche ich mich so weit es geht aus dem System zurückzuziehen. Ich mache, was mir vernünftig erscheint, denn man braucht nicht alle 2 Wochen einen US, Zusatztabletten, und Schnickschnack. 

Medizinischer Fortschritt, so wie viele andere Dinge scheinen die Menschen enorm zu überfordern. Und als Gegenbewegung zelebriert man dann Natürlichkeit, die genauso überfordert. So hat nichts mehr Ziel und Maß, alles ist überbordend. Und keiner mehr von Herzen frei und glücklich. 
Sehr schade. Wo wir hier auf diesem kleinen Flecken Erde so ein gutes Leben haben.