Freitag, 29. März 2013

Mutterschutz

Wer schützt eigentlich die Mutter vor dem Mutterschutzgesetz? 

Ihr meint, das sei eine paradoxe, gar absurde Frage? Oh nein. Nicht für mich. 

Für mich gibt es verdammt gute Gründe meine Schwangerschaft nicht an die große Glocke zu hängen. Ich lauf zwar nicht mit Schlabberpulli rum, aber ich erzähl's halt keinem. Nun, meine Chefin weiß es und eine Kollegin. Der Rest des Instituts muss es nicht wissen.

Warum?

Dazu muss ich etwas ausholen. Ich arbeite in einem S1 Labor, Biochemie und Zellgenetik. Und ja, da hab ich mit mehr und/oder weniger gefährlichen Chemikalien zu tun. Ich weiß jedoch sehr genau was ich tue und wie ich mit den Sachen umgehen muss, wie ich mich und das Kind schütze.

Dieser Umstand jedoch ist total belanglos, denn vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich.

Bei der ersten Schwangerschaft hat das keinen interessiert. Als ich mal angemerkt habe, man solle doch mit dem und jenem in den allgemeinen Räumen nicht so rumschmieren, galt ich als blöde schwangere Zicke. War ja klar, dass die mal noch Probleme macht...

Nun hat die Uni beschlossen, Risikoanalysen zu machen und auf die Bedürfnisse der Schwangeren und ungeborenen Kinder mehr Rücksicht zu nehmen.

Prinzipiell eine gute Idee. Die schlauen Leute, die sich zusammen setzten und darüber berieten, was Schwangeren zumutbar sei und welche Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht von Schwangeren ausgeführt werden sollten, hatten sicherlich deren Wohlergehen zum Ziel. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. 
Ich unterstütze das voll!

Nun bin ich aber in einer recht besonderen Situation. Ich arbeite momentan ohne Vertrag, also nicht nur ohne Bezahlung, sondern auch ohne rechtliche Ansprüche. Wohl gemerkt habe ich Anspruch auf Mutterschutz, aber nicht auf meinen Abschluss oder einen Schreibtisch.
Ich bin noch ca. 4 Wochen im Labor, danach wird geschrieben. Im Sommer wird abgegeben.

Meine Chefin meinte: Ohne Paper der oberen Kategorie keinen Abschluss. Das werd ich wohl hinbekommen, aber ein paar letzte Versuche muss ich schon noch machen. Im Mai kann submitted werden. 
Offiziell hätte ich den Laborschlüssel aber im Februar abgeben müssen. Ich dürfte weder an meinem Schreibtisch sitzen, noch ans Mikroskop, geschweige denn die Statistik-Software des Laborcomputers verwenden. Ein sehr blödes Problem. 

Wobei, eigentlich ist das gar kein Problem. Fast alle Doktoranden im Haus müssen ohne Vertrag abschliessen. Das wird geduldet, man will ja dem wissenschaftlichen Nachwuchs nicht sein Privatvergnügen auf einen Abschluss verwehren.

An diesem Punkt wird meine Schwangerschaft zur Bedrohung. Das Institut würde im Falle des Falles nämlich dennoch haftbar gemacht. Ich bin also eine konkrete Bedrohung. Vielmehr ist meine Schwangerschaft eine Bedrohung. Für die Institutsleitung. 

Witziger Weise bin ich auch die einzige Schwangere im Institut. Und ich muss sagen, nach 4 Jahren PhD und 2 guten Papern ist mein Abschluss durchaus eine essentielle Sache für mich. Finanzieren kann ich meinen Abschluss aber nur bis Sommer. Was dann nicht fertig ist, wird es unter recht wahrscheinlichen Umständen auch nicht werden.

Würde nun meine Schwangerschaft bekannt, dürfte ich wohl keinen Fuss mehr ins Institut setzen. Das aber würde mich ganz klar in meiner Ausbildung auf Grund meiner Schwangerschaft diskriminieren. Da kommen mal wieder seeehr blöde Umstände zusammen.

Grundsätzlich finde ich es schade, dass zwar von den Machern des Gesetzes, nicht aber in der Realität das Wohl der Schwangeren im Vordergrund steht. In der Realität bin ich eine Bedrohung. Und ich kann nichts dagegen tun. Ausser meinen Mund zu halten.

Das ist schon sehr schade. Denn ein Kind ist was Positives. Wenn das doch nur ausser den Eltern noch jemand so sähe, liessen sich wahrscheinlich individuelle Lösungen finden. Nur, wer will das schon? Vor dem Gesetz sollen doch alle gleich sein...


Sonntag, 24. März 2013

Schwanger sein im 21. Jahrhundert

Es geht um die Dos and Don'ts. Und ich schreibe diesen Eintrag weil ich einen fantastischen Artikel dazu gefunden habe - absolut lesenswert!

Jezebel: How to have the best pregnancy ever; Artikel

Das Fazit deckt sich in etwa mit meiner Realität. Ich esse und mache worauf ich Lust hab. Die klassischen Zellgifte wie Alkohol, Zigaretten und leider auch Kaffee gehen eh nicht: spontane Anfälle heftigsten Erbrechens...

Andererseits waren wir jetzt alle drei ziemlich krank mit Erkältung und fieser Magen-Darm-Grippe auf einmal. Das ist jetzt echt blöd, denn hier in der Schweiz, bekomm ich in dem Fall nur Medikamente unter ärztlicher Aufsicht. Im Klartext: Ich muss im Krankenhaus sitzen und mir 1000x Blut abnehmen lassen. Dazu gibt's noch ne Runde Infusionen for free. Alles in allem mindestens 8 Stunden Krankenhaus. 

Das geht natürlich nicht so gut mit nem kranken Kind daheim. Blieb nur die Alternative: Auge zu und durch. 

Mein persönliches Fazit zum Kranksein in der Schwangerschaft: Bääääh!

Und überhaupt hab ich jetzt echt extensiv genug überm Klo gehangen (-6kg in 12 Wo.). Ich hätte gern jetzt mal den schönen Teil der Schwangerschaft, in dem man sich auf's Baby freut und der Bauch wächst und frau so ein dümmliches Grinsen im Gesicht hat. 

Ich hätt nämlich furchtbar viel Lust drauf, alles zu essen was verboten ist! Primär Rohschinken und geräucherten Lachs, statt Zwieback...

Guten Appetit!

Freitag, 8. März 2013

Du-ich-wir-Partnerschaft

Ein besonders schönes Thema, Partnerschaft. Die meisten von uns haben ja in verschieden mehr oder minder freien und partnerschaftlichen Beziehungen Erfahrungen gesammelt, bis der/die RICHTIGE kam. 

Wir sind ja alle so emanzipiert und gut gebildet und individualistisch, so gleichberechtigt und frei und überhaupt - alles so schön bunt hier!

Die Wahrheit ist aber, viele tun sich auch in 2er-beziehungen schon schwer. Kommen Kinder dazu, wird's oft nicht besser. Das mag viele Gründe haben.

In den letzten Tagen sind mir mehrere Berichte untergekommen (etwa wie dieser Tagesanzeiger ). 

Das klingt erstmal nach Mainstream, nach die-arme-Frau und der-böse-Mann-stielt-sich-aus-der-Verantwortung... Mir gefallen solche Artikel mitnichten. Zu einfach kann man Thema Partnerschaft und Elternschaft auch nicht abspeisen. 

Nun mag es vielleicht daran liegen, dass ich aus einer Familie komme, in der es ganz anders lief. Meine Mama wurde in der Ausbildung schwanger. Sie ging 6 Wochen nach meiner Geburt wieder zur Schule, machte ein halbes Jahr später ihre Abschlussprüfung. Mein Vater hat mitgeholfen, wo er konnte. Da er sich an seiner Arbeitsstelle nicht wohl fühlte, blieb er ein Jahr zu Hause, als ich 6 Monate alt war. Meine Mutter verdiente das Geld. Natürlich hat auch der Rest der Familie nach Kräften unterstützt. 
Ich bin also eher ein Gemeinschaftsprojekt. 

Bis heute sind meine Eltern wirklich gleichberechtigt. Immer wenn einer ein neues Projekt/Arbeit anfangen will, unterstützt ihn der andere. Nach einer vereinbarten Zeit wird Bilanz gezogen und evtl. etwas geändert. Es gibt mal Streit, aber sie sind 30 Jahre verheiratet und kommen offensichtlich mit ihrem Leben zurecht. Keiner hat je vom anderen eine Rolle verlangt, aber Kompromisse.
Das sind meine Vorbilder. Familie geht nur, wenn alle mitmachen und im Groben das gleiche wollen.

Auch bei uns zu Hause gibt's Diskussionen um dieses Thema. Wir haben beide den gleichen Ausbildungsstand und die gleiche Gehaltsklasse. Rein objektiv ist also keine Karriere wichtiger. Das sind schon mal gute Voraussetzungen. Dennoch haben wir im Laufe der Zeit verschiedene Vereinbarungen treffen müssen, um unser Leben zu organisieren. Haushalt wird gnadenlos geteilt, egal wie eingespannt man ist. Abends und Wochenenden gehört ausschliesslich der Familie. Ausnahmen sind z.B. Geschäftsreisen, die aber selten vorkommen. 
Krankes Kind wird grundsätzlich abwechselnd betreut. Jeder räumt seine Wäsche selber auf, Wäsche waschen läuft abwechselnd. Er kauft meistens ein, ich sortiere Kinderkleider aus und besorge neue. Er macht den Kinderarzt, ich die Elternabende.

Die Haupterkenntnis war: Keine Arbeit, kein noch so wichtiger Termin, kein maulender Chef ist wichtiger als die Familie. Und mal ehrlich, die Arbeit läuft ja auch nicht weg, wenn man bis 17 Uhr nicht alles geschafft hat. Wär ja eigentlich zu schön. 

Ich habe dennoch gemerkt, dass es meinem Mann unangenehm ist, seinen Chef zu vertrösten. Der fand das am Anfang nicht so toll. Ich begegne ihm ja öfters und meinte dazu nur, dass er ja selber 3 Kinder habe und somit wisse, wie es im Leben läuft. Da hat er gemerkt, dass er das eben akzeptieren muss. Musste sein Chef früher auch.

Und ich muss trotz allem manchmal dazu sagen, dass der Papa jetzt mal dran ist und ich was anderes zu tun habe. Wir müssen beide für die Umsetzung unserer Vorstellungen arbeiten und Unterstützung des Partners einfordern. Das ist primär kein weibliches Problem. 

Ich schätze, es ist in vielen Partnerschaften eben doch nicht so, dass alle gleichberechtigt sind. Viele Menschen lassen sich dadurch schnell in eine Rolle drängen mit der sie dann vielleicht nicht glücklich sind. Ob die armen Frauen da wirklich benachteiligt sind? Was wenn nicht?

Eine Partnerschaft wäre für mich schwierig, wenn einer 'schwach' und der andere 'stark' wäre. Denn auch der Schwache müsste seinen Mann stehen. Das nimmt ihm/ihr ja keiner ab. Die Verantwortung für das eigene Leben ist für einen Erwachsenen nicht mehr teilbar. Dafür muss man immer einstehen. Und das ist anstrengend. 

Ich bin froh, dass mein Mann und ich es bis jetzt geschafft haben an einem Strang zu ziehen und den anderen zu respektieren. Möge es so bleiben!

Und möge es anderen leichter fallen ein selbstbestimmtes Leben zu führen! Ich wünsche es jedem.

Samstag, 2. März 2013

Wahlverwandtschaften

Die Verwandtschaft, ein Kapitel für sich, jedenfalls wenn man Kinder hat. 

Nun muss man wissen, dass unser kleines Ferkelchen das einzige Kind in der Familie ist. Es hat sich einfach noch keiner fortgepflanzt. 
Das Resultat kann sich jeder denken. Die Omas wohnen recht weit weg, eine noch jünger, die kommt so monatlich, eine im Rentenalter, die kommt nie. So pilgern wir ein, zwei Mal im Jahr 500 km gen Norden.

Ich muss nicht erwähnen, dass wir an Weihnachten beinahe einen Transporter hätten mieten müssen für die Rückfahrt. Die Geschenkeflut hat mein Kind regelrecht begraben. 

Das Ferkelchen war da genau 18 Monate. Sie wusste demnach nur bedingt, was Geschenke sind und hatte bereits nach 5 Minuten den Überblick verloren.

Ja, die Omas und Opas und Tanten und Großtanten haben sich so richtig ausgetobt. Wir sind nun stolze Besitzer des 3. nicht mit den anderen kompatiblen Bausteine-Systems, unzählige neue Kuscheltiere sehnen sich nach Aufmerksamkeit, die Bücher kennen wir schon auswendig... 

Wie das eben so ist. Und nur falls jemand das Gegenteil in Betracht zieht, ich bin eine sehr gut organisierte, besonnene und vorausschauend planende Mutter. So habe ich bereits im September unzählige Links, genaueste Anweisungen und Wünsche in alle Welt verschickt. Ja, ich hab sogar Kleidungstücke, die wir noch brauchen bestellt und sie an Omas Adresse liefern lassen. 
Hat alles nichts genützt. 

Mir war zwar schon klar, dass alle noch selber was aussuchen wollten, aber ich hatte auf Kleinigkeiten gehofft. Die Kleinigkeiten beliefen dich dann auf ca. 500 Euro - für ein Kleinkind. Unfassbar. 

Das tollste war aber die Puppe. Mein Kind bekam den Traum in rosa mit rosa Tragetasche und rosa Kissen und rosa Deckchen. Jetzt könnte man meinen, rosa sei nicht so schlimm, ist es auch nicht. Mir geht's gar nicht um den Genderkram. Ich war sprachlos, weil der Traum in Rosa die mit viiiiiel Abstand wohl häßlichste Puppe der Welt ist. Wie Baby-Doll auf Speed. Echt jetzt.
Da blieb mir die Spucke weg. 
Und natürlich war mein Kind begeistert! 2 volle Tage schleppte sie diese Puppe überall mit hin. Ich bekam schon Alpträume. 

Wieder zu Hause verschwand das Ding dann unerklärlicher Weise in Mamas Schrank ganz hinten oben . Man munkelt, sie sei in den benachbarten Kindergarten geflohen...

Also alles was recht ist, aber das konnte ich dann doch nicht ertragen. Und das Ferkelchen hat sie komischerweise auch gar nicht vermisst.

Bald steht der Geburtstag vor der Tür. Ich bin einigermaßen ratlos, was da noch helfen könnte. Da muss ich wohl tatsächlich die Spielverderberin geben. Und wir haben doch tatsächlich schon alles. Nur eine größere Wohnung, die werden wir bald brauchen, wenn das so weiter geht...